28.02.2019 17. Merseburger Kunststoffkolloquium

Sponsoren


Laudatio von Prof. Dr.-Ing. habil. H.-J. Radusch
Geschäftsführender Direktor des KKZ Halle-Merseburg
Präsidiumsmitglied der Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen

für den Referenten des 2. Merseburger Kunststoffkolloquiums

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Henning Kausch-Blecken von Schmeling

          Henning Kausch wurde als Sohn des Forstmeisters Walther Kausch und seiner Ehefrau Heidi-Erika, geb. Blecken von Schmeling, am 1.12.1931 in Hamburg geboren. Aufgewachsen in Köslin/Pommern und 1945 nach Hamburg geflüchtet legte Kausch die Reifeprüfung 1951 am Niederdeutschen Landerziehungsheim Marienau ab. Er studierte Physik in Hamburg und Göttingen (Diplom 1957), wo er 1960 mit einer elektronen-physikalischen Arbeit über die Szintillationslichtausbeute von organischen Kristallen zum Dr. rer. nat. promovierte.
          Seine Polymerlaufbahn begann mit der anschließend gewählten Aufgabe im Mannesmann-Forschungsinstitut in Duisburg, die Zuverlässigkeit von PVC- und HDPE-Kunststoff-Rohren durch Untersuchung der physikalisch-chemischen Vorgänge bei der mechanischen und thermischen Alterung zu verbessern. Diese Arbeiten über die Mikromechanik von Polymerwerkstoffen setzte er von 1965 – 1968 als Postdoc an der University of Minnesota und als Research Fellow am California Institute of Technology und von 1969 bis 1976 am Battelle-Institut in Frankfurt fort.
          Als Nachfolger von E.W. Fischer, Mainz, wurde Kausch 1972 zum Vorsitzenden des Fachausschusses Polymer-Physik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG gewählt, und von 1973 bis 2005 war er als Regional Editor des Int. Journal of Fracture tätig.
          1976 wurde Dr. Kausch als außerordentlicher – und 1979 als ordentlicher - Professor für Polymere an die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) berufen. Aus dem von ihm begründeten Polymer-Labor sind in den folgenden drei Jahrzehnten eine große Zahl von Arbeiten zur Rolle der Molekülketten beim mechanischen Verhalten von polymeren Werkstoffen entstanden (einer Domäne der Polymerphysik, die bereits in den 40er und 50er Jahren durch die Arbeiten von W. Kuhn und H. Kuhn so hervorragend in der Schweiz vertreten war). Die Lausanner Arbeiten zur Bildung von Crazes, zur Interdiffusion an Grenzflächen (Crack-Healing) und zum Verhalten von Molekülketten in hochorientierten Fasern und in schnell verstreckten, hochverdünnten Lösungen haben zu grundlegenden Erkenntnisse der Mikromechanik der Deformation und des Bruchverhaltens orientierter und/oder modifizierter thermoplastischer und duromerer Werkstoffe geführt.
          Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in mehr als 200 Veröffentlichungen und in einer Reihe von Büchern niedergelegt. Insbesondere die Monographie Polymer Fracture, 1978 bei Springer in Heidelberg verlegt (2. erweiterte Auflage 1987), und die beiden Bände Crazing in Polymers (Adv. in Polymer Science 52/53 und 91/92) wurden zu Standardwerken. Im Rahmen des Traité des Matériaux erschien 2001 Matériaux Polymères: propriétés mécaniques et physiques.
          Als Redner und Organisator internationaler Tagungen hat Prof. Kausch die Zusam-menarbeit zwischen den auf diesem sich rasch erweiternden Gebiet tätigen Forschern außerordentlich befruchtet. Die engen Kontakte zu den Arbeitsgruppen in Halle/Merseburg (Michler, Grellmann), London (Williams, Kinloch), Paris (de Gennes, Monnerie, Halary) und Ithaca (Kramer) seien ausdrücklich erwähnt – ebenso wie die aktive Mitwirkung in den Vorständen zahlreicher wissenschaftlicher Organisationen (Chairman der Section Macro-molecular Physics der European Physical Society EPS und der von ihm mitbegründeten Polymergruppe Schweiz, Mitglied in den Beiräten der Groupe Français des Polymères, des Max-Planck-Instituts für Polymere in Mainz und des Instituts für Polymerwerkstoffe IPW e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Regional Editor der Advances in Polymer Science seit nunmehr 30 Jahren. Einen Teil dieser Aktivitäten übt Prof. Kausch nach seiner Emeritierung 1998 auch weiterhin aus.
          In Anerkennung seiner bedeutenden Beiträge auf dem Gebiet der Polymerwerkstoffe und in Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der Materialwissenschaften wurde Herrn Prof. Dr. Hans-Henning Kausch-Blecken von Schmeling am 2. Oktober 1998 von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Ehendoktorwürde Dr. h.c. verliehen.
          2008 wurde Prof. Dr. rer.nat. Dr. h.c. Hans-Henning Kausch-Blecken von Schmeling als Ehrenmitglied in die Stiftung „Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen“, deren Sitz in Merseburg ist, aufgenommen.

Merseburg, d. 14. Mai 2009