28.02.2019 17. Merseburger Kunststoffkolloquium

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Laudatio von Prof. Dr.-Ing. habil. H.-J. Radusch
Geschäftsführender Direktor des KKZ Halle-Merseburg
Präsidiumsmitglied der Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen

für Professor Stoyko Fakirov, PhD, D.Sc. im Rahmen der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft in der Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen im Rahmen des 3. Merseburger Kunststoff-Kolloquiums am 18. September 2009


Stoyko Fakirov stammt aus dem Dorf Leschnitza am Fuße des Balkan-Gebirges in Bulgarien. Nach Grundschule und Oberschule studierte er nach dem Abitur Chemie an der Universität Sofia/Bulgarien und erwarb 1959 das Diplom für Chemie an dieser Universität. Zwei Jahre danach begann er eine Aspirantur an der Lomonossov-Universität in Moskau bei Prof. V. A. Kargin, wo er 1965 mit einer Arbeit über Ordnungszustände in amorphen Polymeren promovierte.

Zurück in Bulgarien nahm er eine Tätigkeit als Assistent an der Universität Sofia auf, an der er schließlich 1982 den akademischen Grad Doktor der Wissenschaften (Habilitation) erwarb. Bereits 1972 wurde er Associate Professor und schließlich 1987 Full Professor für Polymerchemie an der Universität Sofia.

Anfang der 70er Jahre bemühte er sich um eine Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Laufbahn im westlichen Ausland, und er konnte 1972 mit einem Humboldt-Stipendium einen Aufenthalt an der Universität in Mainz bei Prof. E.W. Fischer absolvieren. Dort arbeitete er intensiv auf dem Gebiet der Röntgenstrukturanalyse von Polymeren. Als Ergebnis von Fischers und Fakirovs Arbeiten konnten z.B. die Elementarzellenabmessungen von PET korrigiert und das multiple Schmelzen teilkristalliner Polymere fundiert erklärt werden, was international sehr große Beachtung fand, wovon auch die 500 Zitierungen von nur drei Veröffentlichungen über diese Thematik bezeugen.

Anfang der 80er Jahre ging Prof. Fakirov nach den USA, wo er bei Prof. J. M. Schultz an der University of Delaware in Newark tätig war. Aus dieser Zeit stammen grundlegende Arbeiten zum „chemical healing“ von Polykondensaten auf Basis von Feststoffreaktionen. Auch später hat er sich intensiv mit Transreaktionen in Co-Polykondensaten und vor allem mit der kristallisationsinduzierten, schmelzinduzierten und mischbarkeitsinduzierten sequenziellen Neuordnung in Co-Polykondensaten befasst.

Für seine wissenschaftliche Arbeiten erhielt Prof. Fakirov zahlreiche Preise und Stipendien, wie den Humboldt Research Award (2000 und 2009). Er ist u.a. Stipendiat des Ministeriums für Bildung von Ägypten, Indien, Spanien, der Türkei, Portugals, der Japanese Society for Promotion of Science/Japan und der US Information Agency / USA. Darüber hinaus ist er Editorial Board Member von drei internationalen Polymer Journals.

Stoyko Fakirov hat über 300 wissenschaftliche Artikel publiziert und ist an 11 USA-Patenten beteiligt, und er hat weltweit auf mehr als 150 Konferenzen vorgetragen. Besonders bemerkenswert ist aber, dass er Autor, Co-Autor, Herausgeber oder Co-Herausgeber von 12 Büchern über Polymere ist. Dazu zählen solche bekannten Titel wie

- Oriented Polymer Materials (1996)
- Transreactions in Condensation Polymers (1999)
- Handbook of Thermoplastic Polyesters: Homopolymers, Copolymers, Blends and Composites (2002) - Polymer Composites: From Nano- to Macro-Scale (2005)
- Engineering Biopolymers: Homopolymers, Blends, and Composites (2007)
- Structure Development during Polymer Processing (2008)
- Nano- and Micromechanics of Polymer Blends and Composites (2009)


Das generelle Forschungsprofil von Prof. Fakirov überdeckt einen breiten Bereich der Beziehungen zwischen der Mikrostruktur und den Eigenschaften synthetischer Polymere und Biopolymer mit der speziellen Ausrichtung auf die Verbesserung der praxisrelevanten Eigenschaften. Die einzelnen Forschungsgebiete lassen sich grob umreißen mit den folgenden Begriffen:
- "Chemical healing"
- "Chemically released diffusion"
- "Miscibility-induced sequential reordering in condensation copolymers"
- "Microfibrillar reinforced composites from polymer blends"
- "Analytical relationship between microhardness and glass transition
temperature of amorphous polymers"
- “Biobased polymers and their application”


Zwischen Professor Fakirov und den Polymerforschern in Merseburg und Halle bestehen langjährige und intensive wissenschaftliche Beziehungen, die bereits in den 70er Jahren mit der damaligen TH Merseburg begonnen haben. So nutzten junge wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten der TH Merseburg das seinerzeit sehr modern ausgestattete Laboratorium für Polymerforschung an der Universiät Sofia, das von Prof. Fakirov geleitet wurde, im Rahmen mehrmonatiger Aufenthalte für ihre Forschungsarbeiten. Auch heute noch werden die bilateralen Beziehungen gepflegt. So haben insbesondere die Zusammenarbeit in zwei Tempus-Projekten und die Möglichkeiten des Sokrates/Erasmus-Programmes dazu beigetragen, dass aktuell jedes Jahr bulgarische Studenten oder Doktoranden in den Labors des Zentrums für Ingenieurwissenschaften der Universität Halle-Wittenberg arbeiten. Die fruchtbare Zusammenarbeit drückt sich sowohl in gemeinsamen Publikationen als auch in Beiträgen zu den von Prof. Fakirov herausgegebenen Fachbüchern aus.

Prof. Fakirov hat immer intensive wissenschaftliche Kontakte in der ganzen Welt gepflegt, was ihn wahrscheinlich auch zu seinen anerkannten und außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen stimuliert hat. Zur Zeit ist er am Zentrum für Moderne Composit-Materialien (Centre for Advanced Composite Materials) des Fachbereichs Maschinenbau (Department of Mechanical Engineering) der Universität von Auckland/Neuseeland tätig, und es scheint so, dass er an diesem Ende der Welt noch einmal richtig Anker geworfen hat – auch im privaten Bereich –, wozu wir ihm alles Gute wünschen.

Merseburg, d. 18. September 2009