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Laudatio von Prof. Dr. W. Grellmann
Wissenschaftlich-Technischer Direktor des KKZ Halle-Merseburg
Präsident der Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen

für Professor Dr. rer. nat. habil. Gerhard Busse
heute Emeritus und ehemaliger Inhaber einer Professur (C3) am Institut für Kunststofftechnik (IKT, früher IKP) der Universität Stuttgart und Leiter der Abteilung „Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung“

im Rahmen des 6. Merseburger Kunststoff-Kolloquiums am 19. April 2012

Liebe Fachkolleginnen und Fachkollegen, Liebe Studenten,

ich darf sie im Namen der Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen (AMK) und des Kunststoff-Kompetenzzentrums Halle-Merseburg ganz herzlich begrüßen.

Ich darf Ihnen zunächst unseren heutigen Gastredner vorstellen.

Professor Busse wurde am 13. Juni 1943 in Olpe/Westfalen geboren. Er studierte von 1963 bis 1969 Physik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und promovierte 1972 aufbauend auf einer thematisch ähnlich gelagerten Diplomarbeit zum Thema:

Ferninfrarotspektroskopie plastisch verformter Alkalihalogenide bei tiefen Temperaturen

Nach der Promotion befasste er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten in Regensburg, München und Atlanta/USA mit der Anwendung von Photoakustik auf die Fourier-Spektroskopie und die Lasertechnik. Er habilitierte sich 1984 an der Fakultät für Verfahrenstechnik der Universität Stuttgart über die Anwendung von

Rasterbildverfahen mit optisch erzeugten Wärmewellen in der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung

Von 1977 bis 1989 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Bundeswehr in München. Während dieser Zeit war er dann im Jahre 1979 Research Professor an der Emory-University in Atlanta/ USA und habilitierte 1984 an der Universität Stuttgart.

1989 erhielt er den Ruf auf eine C3-Professur „Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung“ an das damalige Institut für Kunststoffprüfung und Kunststoffkunde (IKP), dem heutigen Institut für Kunststofftechnik (IKT). Er baute hier sehr schnell ein Forschungsteam aus Physikern und Ingenieuren, verstärkt durch ausländische Gastwissenschaftler auf, das nationale und internationale Wertschätzung erreichte.

Unter der Leitung von Professor Busse wurden neue ZfP-Verfahren für moderne Werkstoffe entwickelt und an industriellen Fragestellungen z. B. in der Luftfahrtindustrie erprobt. In diesem Rahmen wurden z. B. 1995 die defektselektive Ultraschall-Lockin-Thermographie und die Oberton-Rastervibrometrie entwickelt sowie Mikrowellenverfahren zur Vermessung von Faserorientierungsfeldern in Spritzgussbauteilen eingesetzt. Ein aktuell neu entwickeltes Verfahren ist die Lockin-Shearografie, die Defekte praktisch hintergrundfrei und damit viel erkennungssicherer als bisher abbildet.

Von 1994 bis 2006, also 12 Jahre, war Professor Busse Leiter des von der DFG geförderten SFB 381 zum Thema:

Charakterisierung des Schädigungsverlaufes in Faserverbundwerkstoffen mittels zerstörungsfreier Prüfung

Die Forschungsergebnisse sind in etwa 450 Veröffentlichungen dargelegt.

Der besondere Bezug Professor Busses zur Merseburger bzw. Halleschen Polymerwissenschaft und Kunststofftechnik begann unmittelbar nach der Wende. Er gehörte – gemeinsam mit den Professoren Ehrenstein aus Erlangen-Nürnberg oder Professor Bledzki aus Kassel – zu den ersten westdeutschen Fachkollegen, die sich aktiv für eine Integration der Kunststoff-Fachwelt der Neuen Bundesländer in die gemeinsame kunststoffspezifische Forschungslandschaft einsetzte.
So hielt er z. B. bereits im Juni 1990 den Einführungsvortrag in der Sektion 2 „Zerstörungsfreie Polymerwerkstoffdiagnostik“ der wissenschaftlichen Fachtagung „Polymerwerkstoffe ’90“, hier in Merseburg zum Thema:

Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung von Polymerwerkstoffen

übrigens im räumlich benachbarten Hörsaal 8.

Auch bei der Bearbeitung von der DFG geförderten Forschungsprojekten, bei der Begutachtung von Qualifizierungsarbeiten oder bei weiteren Tagungsbeteiligungen hat uns Professor Busse sehr unterstützt.

Diese Zusammenarbeit ist in den zurückliegenden Jahren nie abgerissen, Professor Busse ist Co-Autor der studentischen Lehrbücher zur „Kunststoffprüfung“ und „Polymer Testing“, die ich in den Jahren 2005, 2007 und 2011 gemeinsam mit meiner Kollegin Frau Professor Seidler, jetzt Rektor der TU Wien, herausgegeben habe.

Im April diesen Jahres ist der Carl Hanser Verlag München an mich herangetreten, um die 2. Auflage des Buches „Polymer Testing“ vorzubereiten.

Meine Damen und Herren, Sie sehen, dass der wohlverdiente Ruhestand, den Professor Busse im Juni 2011 formal angetreten hat, in der Tat noch etwas warten muss.

Heute freuen wir uns, dass wir Professor Busse als Gastreferenten begrüßen dürfen und wir freuen uns jetzt auf seinen Vortrag.

Merseburg, den 19. April 2012
Prof. Dr. W. Grellmann