Dienstanweisung
für die
Zugrevisoren
(D A Zrev)
gültig vom 1. Februar 1929 ab

Vorbemerkung.
Die Dienstanweisung gilt für alle als Zugrevisor nach § 1 verwendeten Beamten.
§  1. Dienstaufgabe.
(1) Der Zugrevisor wirkt mit bei der Aufsicht über den gesamten Dienst in und an den Personenzügen, indem er die ihm zuggewiesenen Strecken planmäßig bereist und auf alle bei diesen Zügen vorkommenden Geschäfte des Verkehrs- und Betriebsdienstes und auf den Dienst an den Bahnsteigsperren achtet. Ihm können noch andere verwandte Aufgaben übertragen werden, auch Erteilung von Unterricht an Zugbegleitbeamte, Bahnhofsschaffner und Erledigung schriftlicher Arbeiten. Er ist verpflichtet, den Bediensteten belehrend an die Hand zu gehen.

(2) Er übt auch die Bahnpolizei aus; die Bestimmungen der Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten über die Bahnpolizei gelten auch für ihn.


§  3. Dienststellung.
(1) Persönliche und dienstliche Vorgesetzte des Zugrevisors sind
a) der Vorstand des Reichsbahn-Verkehrsamts oder -Betriebsamts, dem er zugeteilt ist,
b) dessen Vertreter.
Wegen der übrigen persönlichen und dienstlichen Vorgesetzten wird auf § 4 der "Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten" verwiesen. (Wird noch erscheinen.)

(2) Der Zugrevisor hat auch die dienstlichen Anweisungen zu befolgen, die ihm die Vorstände der übrigen Reichsbahn-Ämter und die Betriebs-, Verkehrs- und Betriebsmaschinenkontrolleure, als dienstliche Vorgesetzte innerhalb ihres Dienstbereichs, erteilen.

(3) Der Zugrevisor ist in den Grenzen seiner Dienstaufgabe befugt, der Bemannung der Züge und den Bahnhofsschaffnern dienstliche Weisungen zu erteilen.

(4) Er kann von den im örtlichen Betriebs-, Verkehrs- und Wagenuntersuchungsdienst beschäftigten Bediensteten verlangen, daß sie ihn unterstützen und ihm Auskunft erteilen; vgl. jedoch § 6 Zif. 11.


§  2. Dienstvorschriften. Fahrplan.
(1) Die Dienstanweisungen und -vorschriften, die für den Zugrevisor in Betracht kommen, sind in der Anlage 1 zusammengestellt.

(2) Der Zugrevisor muß sich mit dem Fahrplan und Zugbildungsplan vertraut machen und Änderungen, die ihm bekanntgegeben werden, sofort nachtragen.


§  4. Dienstkleidung und Ausrüstung.
Dem Zugrevisor steht es frei, volle Dienstkleidung oder Zivilkleidung mit oder ohne Dienstmütze zu tragen. Er hat stets seinen Ausweis (vgl. Anlage 2) mit sich zu führen und ihn auf Verlangen vorzuzeigen. Er muß ferner das Kursbuch, einen Block "Meldungen" (vgl. Anlage 3), Nachlösezettel und etwa besonders vorgeschriebene Befehle, wie Lochzange, bei sich zu führen.

§  5. Dienstregelung.
(1) Den Reisebezirk des Zugrevisors setzt die Reichsbahndirektion fest. Der Zugrevisor darf in besonderen Fällen auch über seinen Bezirk hinausfahren.

(2) Seinen Dienst regelt im einzelnen das Amt. Diesem legt der Zugrevisor, soweit nichts anderes bestimmt ist, wöchentlich einen Reiseplan zur Genehmigung vor, der Unberufenen gegenüber geheim zu halten ist.

(3) Der Zugrevisor hat seine Reisen so einzurichten, daß er innerhalb angemessener Zeit alle Züge mit Personenbeförderung seines Bezirks begleitet. Wichtige Strecken und Züge müssen häufiger, aber in ungleichen Zeitabschnitten geprüft werden; auch Rundreisen muß er machen. Er soll möglichst unvermutet auf die Züge treffen und sie nicht länger als notwendig begleiten. Von dem genehmigten Reiseplan darf er abweichen, wenn es ihm für seine Aufgabe nötig scheint, muß aber die Änderungen im Reiseplan vermerken. Diesen hat er nach Erledigung dem Amt zurückzugeben.

(4) Treffen einmal bei einem Zuge mehrere Zugrevisoren zusammen, so verständigen sie sich über die Verteilung der Geschäfte und nötigenfalls über eine Änderung des Reiseplans.


§  6. Ausübung des Dienstes.
(1) Hauptaufgabe des Zugrevisors ist es, die Fahrausweise in den Zügen nachzuprüfen, die Abfertigung der Reisenden, des Gepäcks und der Post zu überwachen und die Tätigkeit der dabei Beschäftigten zu beaufsichtigen. Wo es not tut, geift er selbst unterstützend ein.

(2) Die Fahrkartenprüfung soll möglichst unerwartet und möglichst wirksam vorgenommen werden. Der Zugrevisor kann sie während des Aufenthalts auf einem Bahnhof auch auf andere dort haltende Züge ausdehnen. Er darf durch die Prüfung die Züge nicht aufhalten. Die Reisenden sollen möglichst wenig belästigt werden.
Zu prüfen sind auch die Dienstabteile und die Gastfahrer, ferner Salon-, Schlaf-, Speise-, Pack-, Post-, Leichen-, Milch-, Schausteller- und Güterwagen und die Lokomotive.
In den Schlafwagen braucht er, wenn die Reisenden ruhen, in der Regel nur die den Schlafwagenschaffnern übergebenen Fahrausweise und die Laufkarten durchzusehen. Bei besetzten Salon- und Krankenwagen und sonstigen besonderen Personenwagen soll er zunächst den Zugführer nach der Art der Abfertigung und besonderen Anordnungen fragen.
Der Zugverkehr soll auf alle Unregelmäßigkeiten, besonders auf Fälschungen achten und dafür sorgen, daß geschuldete Beträge nacherhoben werden. Namentlich hat er auch darüber zu wachen, daß die Bestimmungen über die Mitnahme von Handgepäck, Traglasten und kleinen Tiere, über die Beförderung feuergefährlicher Gegenstände und das Rauchverbot befolgt werden.
Er hat weiter festzustellen, ob die Fahrausweise ordnungsgemäß behandelt, besonders richtig ausgefertigt, ausgegeben, gelocht und von den Schaffnern geprüft worden sind. Die Fahrausweise des Mitteleuropäischen Reisebüros und die im Zuge ausgestellten Fahrausweise sind besonders nachzusehen.

(3) Wenn die Zählung der Reisenden und Plätze angeordnet ist, soll sich der Zugrevisor überzeugen, daß sie richtig durchgeführt wird.

(4) Er muß darüber wachen, daß die Reisenden an und in den Zügen zweckmäßig, ruhig und rasch abgefertigt werden, und darauf achten, ob die Züge dem Verkehrsbedürfnis entsprechend zusammengesetzt und bemannt sind, ferner ob Zugbegleiter und Bahnhofsbedienstete ihre Aufgaben beim Zuge vorschriftsmäßig erfüllen. Auch auf den inneren und äußeren Zustand der Wagen, ihre Beschilderung und Heizung hat er zu sehen. In der Sorge für die Sicherheit der Reisenden und ihres Eigentums muß er die Zugbegleiter unterstützen.

(5) Außerdem beobachtet er, ob die Bahnsteigsperren rechtzeitig und dem Verkehr entsprechend bedient werden, die Bahnhofsschaffner die Fahrkarten sorgfältig prüfen und unzulässiges Handgepäck zurückweisen, ferner ob Anlage, Beleuchtung und Beaufsichtigung der Bahnhöfe genügen, um die Umgehung der Sperre druch die Reisenden zu verhindern.

(6) Bei längerem Aufenthalt auf einem Bahnhof hat der Zugrevisor, nachdem er sich mit dem Vorsteher verständigt hat, die abgenommenen Fahrausweise und Anträge auf Gewährung von Fahrpreisermäßigung durchzusehen und Anstände, die er dabei findet, nach § 7 zu behandeln.

(7) Er prüft ferner, ob die Packwagen dem Verkehrsbeddürfnis entsprechen, die darin beförderten frachtpflichtigen Gegenstände und Dienstsendungen vorschriftsmäßig abgefertigt und beklebt, richtig gelagert und gegen Beschädigung und Beraubung geschützt sind, ob Geld und Wertsendungen unter Verschluß gehalten werden und ob die Fahrladeschaffner ihre anderen Geschäfte, namentlich im Ermittlungsdienst, nach Vorschrift wahrnehmen.

(8) Womöglich hat er auch die Leichen-, Vieh-, Milch- und Güterwagen zu prüfen; dabei kann er sich auf Stichproben beschränken.

(9) Er wacht darüber, daß die damit beauftragten Bediensteten das Gepäck und die Güter an den Zügen richtig und rechtzeitig übergeben und übernehmen und daß auch die Post den Zug nicht aufhält.

(10) Der Zugrevisor soll auch Vorgänge beobachten, die nicht unmittelbar seinen Dienst berühren, aber für die Verwaltung wichtig sind.

(11) Jeder selbständigen Anordnung, die in die Befugnisse der Bahnhofsbeamten oder in die betriebliche Verantwortlichkeit des Zugführers eingreift, muß er sich enthalten, wenn nicht Gefahr im Verzug ist.

(12) Wenn der Zugrevisor seine Prüfung beendet hat, steht es ihm frei, im Packwagen, Dienstabteil oder in dem Abteil eines Personenwagens Platz zu nehmen.


§  7. Unregelmäßigkeiten. Meldungen.
(1) Kleinere Mängel und Unregelmäßigkeiten, die sofort behoben werden können, stellt der Zugrevisor selbst ab, soweit erforderlich im Benehmen mit dem Zugführer oder dem zuständigen Bahnhofsbeamten. Andere Anstände und Wahrnehmungen, die weiterverfolgt werden müssen, meldet er der zuständigen Stelle schriftlich, in dringenden Fällen mündlich, drahtlich oder durch Fernsprecher.

(2) Zu den schriftlichen Meldungen benutzt er die Drucksache nach Anlage 3. Die Blauschrift schickt er dem zuständigen Amt. Die Schwarzschriften, die im Block verbleiben, legt er jede Woche seinem Amtsvorstand vor, berichtet ihm zugleich mündlich und nimmt Aufträge entgegen. Die ausgeschriebenen Blöcke sind dem Amt abzuliefern.

(3) Trifft der Zugrevisor auf einer Dienstreise den Vorstand des Verkehrsamts oder des Betriebsamts oder einen höheren Vorgesetzten, so hat er sich bei ihm unauffällig zu melden und ihm besondere Vorkommnisse mitzuteilen.


§  8. Einführungsbestimmungen.
Diese Dienstanweisung, durch Verfügung der Hauptverwaltung vom 27. Dezember 1928 - 56.500. Pad - für das ganze Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft festgesetzt, tritt am 1. Februar 1929 in Kraft.
Die  entsprechenden bisherigen Dienstanweisungen sind aufgehoben.

Anlage 1 (§ 3)
Verzeichnis der Dienstanweisungen und Dienstvorschriften, die für den Zugrevisor in Betracht kommen.
Bis zur Ausgabe einheitlicher Dienstvorschriften für das ganze Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft bestimmen für den Bereich der Reichsbahn-Direktionen in Preußen-Hessen die Hauptverwaltung, für den Bereich der Gruppenverwaltung Bayern diese, für die anderen Bezirke die Reichsbahndirektionen über die Abweichungen von vorstehender Zusammenfassung

A. Vorschriften, die dem Zugrevisor persönlich zugeteilt werden:

  • Allgemeine Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA). (Wird noch erscheinen.)
  • Dienstanweisung für die Zugrevisoren (DA Zrev).
  • Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten (DA Zbegl).
  • Dienstanweisung für die Dienstfrauen der D-Züge (DA Dienstfr).
  • Dienstanweisung für die Schaffner im Bahnhofsdienst (Bahnhofsschaffner) (DA Basch).
  • Fahrdienstvorschfiten (FV) nabst Anhang (AzFV) und "Merkblatt für das Zugpersonal betr. Deckung von Zügen auf freier Strecke".
  • Signalbuch (SB).
  • Kursbuch oder Taschenfahrplan, Zugbildungsplan (Zp), Vorschriften über Wartezeiten (WzV).
  • Vorschrift für die Ermittlung der Zugleistungen (VZL) nebst Kilometerzeiger.
  • Dienstanweisung für die Zählung der Reisenden und Plätze in den dem Personenverkehr dienenden Zügen (Dfz).
  • Personenbeförderungsvorschriften (PBV).
  • Allgemeine Abfertigungsvorschriften für die Beförderung von Personen, Reisegepäck, Expreßgut, Leichen, lebenden Tieren, Teil I (AAB I).
  • Fahrkartenmustersammlung.
  • Dienstvorschrift für wahlweise Gültigkeit der Fahrausweise.
  • Deutscher Eisenbahn-Personen- und Gepäcktarif, Teile I und II.
  • Dienstvorschrift für den Schlafwagenverkehr (nur den Zugrevisoren auf D-Zugstrecken).
  • Güterbeförderungsvorschriften Teil II (Zugbegleitdienst) (GBV II).
  • Unfallverhütungsvorschriften (UVV), soweit sie seinen Dienstkreis berühren.
  • Anleitung zur ersten Hilfe bei Unfällen.
  • Tarif für Beschädigung von Personenwagen durch Reisende.
  • Beleuchtungskalender.
  • B. Vorschriften, die dem Zugrevisor jederzeit zugänglich sind:
  • Personalordnung (Perso) der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft Teil 1.
  • Laufbahnvorschriften für die Zugbegleitbeamten und Bahnhofsschaffner.
  • Arbeitsordnung (AO) für die Arbeiter der Reichsbahnverwaltung.
  • Vorschrift über die Heranziehung der Reichsbahnbediensteten zum Schadensersatz (Ersa).
  • Vorschriften über die Aufwandsentschädigung des Zugpersonals (VAZ).
  • Dienstdauervorschriften (DDV).
  • Dienstkleidungsordnung (DKO), Kleiderkassenvorschrift (Kleivo).
  • Freifahrvorschrift (Freivo).
  • Allgemeine Dienstvorschrift für das auf Strecken mit elektrischer Zugförderung beschäftigte Personal (wird auf solchen Strecken persönlich zugeteilt).
  • Unfallmeldevorschriften (UMV).
  • Vorschriften für den Streckenfernsprechdienst (StFV).
  • Personenwagenvorschriften (PWV).
  • Personenwagenreinigungsvorschriften (PRV).
  • Wagenunterhaltungsvorschriften (WUV).
  • Vorschriften für den Gebrauch und die Unterhaltung der Luftdruckbremse Bauarten Westinghouse, Knorr und Kunze-Knorr.
  • Vorschriften über die Beleuchtung der Wagen mit Öl, Petroleum, Gas, Gasglühlicht oder elektrischem Licht und über die Notbeleuchtung.
  • Vorschriften über Heizung der Züge.
  • Dienstanweisung zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Eisenbahnverkehr.
  • Vorschriften über die Behandlung der im Bereich der Eisenbahnverwaltungen zurückgelassenen und aufgefunenen Gegenstände (Fundordnung).
  • Deutscher Eisenbahn-Gütertarif, Teil I Abt. A und B.
  • Deutscher Eisenbahn-Tiertarif, Teil I.
  • Milchausnahmetarif.
  • Dienstvorschrift über die Überführung von Reisegepäck und Expreßgut in Berlin.
  • Entseuchungsvorschriften (DesinfV).
  • Güterwagenvorschriften (GWV).
  • Vereinswagenübereinkommen (VWÜ/RIV, RIC).
  • Dienstanweisung für die Beamten des Stationsaufsichtsdienstes.
  • Dienstanweisung für die Zugabfertiger (DA ZA).
  • Dienstanweisung für die Lokomotivbeamten (DA Lokbea).
  • Dienstanweisung für die Beamten des Weichen- und Stellwerksdienstes (DA Weiste).
  • Dienstanweisung für die Rangierbeamten (DA Ra).
  • Dienstanweisung für die Beamten des Wagenuntersuchungsdienstes (DA Wub).
  • Dienstanweisung für die Bahnwärter und Schrankenwärter (DA Baw-Schrw).
  • Außerdem kann der Zugrevisor noch weitere Vorschriften einsehen, wenn es dienstlich begründet ist.
    Anlage 2 (§ 4)
    Muster des Ausweises für den Zugrevisor.
    Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft

    Ausweis Nr. 
    Der im nebenstehenden Lichtbild dargestellte
    Herr ...........................................................
    steht als Zugrevisor im Dienst der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und ist
    Bahnpolizeibeamter
    Größe wie beim Personenausweis
    gemäß §§ 74 und 75 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung. Seine Anordnungen sind zu befolgen. Die Reisenden sind insbesondere verpflichtet, ihm auf Anfordern die Fahrausweise und die Ausweise zur Erlangung von Fahrpreisermäßigungen vorzuzeigen sowie jede hierauf bezügliche Auskunft zu erteilen.

    ...........................

    ......................, den .............192...
    Unterschrift des Inhabers
    Der Vorstand des
    Dienststempel
    Reichsbahn-...........................amts

     


    Anlage 3 (§§ 4 und 7)
    Muster für die Meldung des Zugrevisors.
    In Blockform zum Durchschreiben
    Meldung Nr. .............................................
    des Zugrevisors .............................................
    beim BA .............................................
    BA .............................................
    1.
    Monat und Tag, Zug, Bahnhof, oder Strecke, oder besonderer Auftrag
    2.
    Gegenstand

     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

     

     
    An
    Verkehrs-
    Betriebs- amt ........................
    Maschinen- Datum ......................
    ....................................
     
    Unterschrift

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