Dienstanweisung
für die
Dienstfrauen der D-Züge
(DA Dienstfr)
gültig vom 1. Juli 1929 ab

I Allgemeine Bestimmungen
§  1
Dienstaufgabe im allgemeinen
Die Dienstfrau hat in dem von ihr begleiteten D-Zuge unterwegs die Abteile, Gänge, Waschräume und Aborte der Personenwagen rein zu halten und die Aborte so zu bedienen, daß sie während der ganzen Fahrt gebrauchsfähig sind.


§  2
Dienstliche Stellung. Dienstvorgesetzte

(1) Die Dienstfrau ist Arbeiterin nach dem Lohntarifvertrag (LTV) und der Arbeitsordnung (AO) für die Arbeiter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.

(2) Persönliche und dienstliche Vorgesetzte der Dienstfrau sind:

a) der Vorstand des Reichsbahn-Maschinenamts,
b) der Vorsteher des Bahnbetriebs- oder des Bahnbetriebswagenwerkes, dem sie zugeteilt ist.
c) die Vertreter dieser Beamten
Ihr nächster Vorgesetzter ist der Vorsteher der Heimatdienststelle b).

(3) Die Dienstfrau hat auch die dienstlichen Anordnungen zu befolgen, die ihr die Vorstände der übrigen Reichsbahn-Ämter, die Kontrolleure, Betriebsingenieure, Vorsteher und Aufsichtsbeamten der Bahnhöfe, die Zugrevisoren, Wagenuntersuchungsbeamten und besonders auch der Zugführer des von ihr begleiteten Zuges als dienstliche Vorgesetzte erteilen.


§  3
Dienstvorschriften

(1) Die Dienstanweisungen und -Vorschriften, die für die Dienstfrau in Betracht kommen, sind in der Anlage 1 aufgeführt.

(2) Die Dienstfrau hat beim Dienstantritt auf der Heimatdienststelle und bei anderer Gelegenheit neue Amtsblatt- und andere Verfügungen, die ihren Dienst berühren, zu lesen.
Sie hat ferner die ihr persönlich zugewiesenen Vorschriften auf dem laufenden zu erhalten, wenn dies nicht die Dienststelle besorgt.


§  4
Dienstregelung

(1) Den Dienst regelt der Dienstplan oder eine besondere Anordnung. Bei Beginn und am Ende der Fahrt meldet sich die Dienstfrau beim Zugführer. Wenn im Zuge kein Dienstabteil vorhanden ist, bringt sie ihre Sachen im Gepäckwagen unter.

(2) Während des Aufenthalts auf einem Unterwegsbahnhof darf sie sich vom Zuge nur mit Erlaubnis des Zugführers entfernen.

(3) Die Dienstfrau hat jede Dienstverhinderung dem nächsten Vorgesetzten, auswärts dem zuständigen Beamten, sobald wie möglich anzuzeigen (vgl. § 3 Ziff. 14 AO).
Erkrankt sie während der Fahrt, so hat sie es dem Zugführer zu melden.


§  5
Kleidung, Dienstabzeichen

Im Dienst muß die Dienstfrau auf ihr Äußeres die notwendige Sorgfalt verwenden; sie trägt stets einfache, aber saubere, dunkle Kleidung, eine Schürze nach Vorschrift, schwarze Lederschuhe, ferner am linken Oberarm die von der Verwaltung gelieferte vorschriftsmäßige Armbinde, die sie selbst reinzuhalten hat.


§  6
Geräte und Betriebstoffe

Die Dienstfrau hat die ihr persönlich übergebenen Geräte und Betriebstoffe (vgl. die Anlage 2) im Dienst mitzuführen. Bei den Gängen durch den Zug trägt sie die nötigen Reingungsgeräte und Betriebstoffe in dem dazu bestimmten Beutel.


§  7
Verhalten im Dienst
(1) Die Dienstfrau hat sich den Reisenden gegenüber höflich zu benehmen und gefällig zu zeigen (vgl. § 3 Ziff. 2 AO), besonders soll sie alleinreisenden Frauen und Frauen mit Kindern hilfreiche Hand bieten, soweit es ihr Dienst zuläßt.
Auskunft soll sie nur erteilen, wenn sie ihrer Sache gewiß ist, andernfalls den Reisenden an den Zugschaffner oder Zugführer verweisen. Nichtdienstliche Unterhaltung mit Reisenden hat sie möglichst zu vermeiden, Ungehörigkeiten dem Zugführer zu melden.

(2) Der Dienstfrau ist verboten, der Bedienung des Speisewagens zu helfen; sie darf sich auch nicht im Anrichteraum aufhalten. Sie soll es vermeiden, besonders während der Mahlzeiten, den Speisewagen zu betreten; ist dies aber wegen der Stellung des Speisewagens im Zuge nicht zu umgehen, so darf sie keinesfalls schmutzige Wäsche und Putzgerät hindurchtragen.

(3) Die Dienstfrau kann ihren Reisebedarf und in beschränktem Umfang auch Waren für den eigenen Haushalt mit auf die Fahrt nehmen. Hierbei dürfen Zoll- und Steuervorschriften nicht umgangen werden.

(4) Beim Durchgehen durch die Wagen hat die Dienstfrau auf den sicheren Verschluß der nach außen gehenden Türen und möglichst auch auf das Handgepäck von Reisenden, die vorübergehend ihr Abteil verlassen, zu achten.
Bemerkt sie Zuwiderhandlungen gegen das Verbot des Bettelns, Rauchens, Feilbietens von Gegenständen aller Art, die Verteilung von Flugblättern u. a., so meldet sie das sofort dem Zugschaffner oder Zugführer.

(5) In den Wagen gefundene Gegenstände sind dem Zugführer abzuliefern.

(6) In den Aufenthalts- und Übernachtungsräumen muß sie sich ruhig und anständig verhalten; sie darf Unberechtigten den Zutritt zu diesen Räumen nicht gewähren. Belästigungen sind dem Aufsichtsbeamten zu melden.



II Die besonderen Geschäfte der Dienstfrau

§  8
Dienst auf dem Zugabgangsbahnhof

Nachdem die Dienstfrau die Armbinde angelegt und sich beim Zugführer gemeldet hat, legt sie Handtücher in die Kästen und überzeugt sich, ob die Aborte geruchfrei, sauber und bei Dunkelheit beleuchtet, ob Wasser, Seife und Abortpapier vorhanden, ob die Reinigungsgeräte vollzählig und brauchbar, die Wasch- und Spülvorrichtungen in Ordnung sind.
Aborte und Wagenabteile müssen gut gelüftet sein.
Sie achtet darauf, daß die Seitengänge und Abteile in Ordnung und sauber sind, Mängel beseitigt sie oder meldet sie dem Wagenuntersuchungsbeamten oder dem Zugführer.


§  9
Dienstübernahme auf einem Unterwegsbahnhof

Der Dienst ist schnell und sachgemäß zu übernehmen.
Die abgehende Dienstfrau teilt ihrer Nachfolgerin alles mit, was über den Dienst zu bemerken ist, namentlich ob die Reinigungsgeräte in den Aborten vollzählig vorhanden und brauchbar sind. Bei der Übergabe und Übernahme der Handtücher sind die besonderen Vorschriften (s. Anlage 1 unter Ziff. 2) zu beachten.
Dann hat die übernehmende Dienstfrau den Zug durchzusehen, Nachlässigkeiten der abgelösten Dienstfrau hat sie dem Zugführer, nötigenfalls auch der eigenen Heimatdienststelle zu melden.
Während eines längeren Aufenthalts hat sie die Abteile tunlichst nachzureinigen, besonders die Wagen, die von oder zu fremden Bahnen übergehen.


§  10
Dienst während der Fahrt

(1) Besonders wichtig ist, die Aborte in gutem Zustand zu erhalten und die Wagen genügend mit Wasser zu versorgen. Sollen Wasserbehälter oder Wasserkannen unterwegs nachgefüllt werden, so hat dies die Dienstfrau dem Zugführer zu melden, der auf einem geeigneten Unterwegsbahnhof das Weitere veranlaßt. Beim Füllen der Wasserkannen hat die Dienstfrau behilflich zu sein.
Werden auf diesem Bahnhof trotz Vormeldung die Wasserbehälter oder Wasserkannen nicht gefüllt, so ist dies dem Zugführer und der Heimatdienststelle zu melden.
An den Papierhaltern muß das Abortpapier immer wieder ergänzt werden.
Die Aborte sind öfters zu lüften. Beschmutzte Aborte, die nicht sofort gereinigt werden können, sind abzuschließen. Unanständige Anschriften sind zu entfernen oder, wenn dies nicht möglich ist, zu melden.
Wegen Ausrüstung der Aborte mit Handtüchern und Rollenpapier vgl. die besonderen Vorschriften. Die schmutzigen Handtücher dürfen nicht frei durch den Zug getragen werden, sondern sind in dem dafür bestimmten Wäschebeutel zu sammeln. Nach Einsammeln der schmutzigen Handtücher sind die Hände jedesmal gründlich zu reinigen

(2) Die Seitengänge sind sauber und staubfrei zu halten, besonders auch die Fensterrahmen.
Die Fußböden sind von Papier, Speiseresten usw. öfters zu säubern und, soweit möglich - besonders während der heißen Sommermonate - feucht aufzuwischen; die Reisenden dürfen jedoch nicht belästigt werden.

(3) Unbesetzte Abteile sind möglichst vor der nächsten Haltestation zu reinigen.
Der Aufenthalt der Reisenden im Speisewagen muß geschickt zur Säuberung besetzter Abteile ausgenutzt werden.
Die Aschenbecher werden am besten in Papier geleert.
Innere Tür- und Handgriffe sind während der Fahrt, äußere während geeigneter Aufenthalte zu abzuwischen.

(4) Gröbere Verstöße der Reisenden gegen die Ordnung und Sauberkeit oder Beschädigungen der Wagen sind dem Zugführer zu melden.


§  11
Dienst auf dem Zugendebahnhof

Vor der Ankunft auf dem Endbahnhof hat die Dienstfrau nach den Verzeichnissen zu prüfen, ob in den Wagenaborten alle Geräte vorhanden sind und was fehlt dem Wagenuntersuchungsbeamten und der Heimatdienststelle zu melden.
Beim Verlassen hat sie dem Zugführer alle Unregelmäßigkeiten mitzuteilen.


§  12
Einführungsbestimmungen

Diese Dienstanweisung, durch Verfügung der Hauptverwaltung vom 24. April 1929 - 56. 500 (Dienstfr) für das Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft festgesetzt, tritt am 1. Juli 1929 in Kraft.
Die entsprechenden bisherigen Dienstanweisungen sind aufgehoben.


Anlage 1 (zu § 3)
Verzeichnis der Dienstanweisungen und Dienstvorschriften, die für die Dienstfrau in Betracht kommen
Bis zur Herausgabe einheitlicher Dienstvorschriften für das gesamte Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft bestimmen für den Bereich der Reichsbahndirektionen in Preußen und Hessen die Hauptverwaltung, für den Bereich der Gruppenverwaltung Bayern diese, für die anderen Bezirke die Reichsbahndirektionen über Abweichungen von nachstehender Zusammenstellung.

A. Vorschriften, die der Dienstfrau persönlich zugeteilt werden:

  1. Dienstanweisung für die Dienstfrauen der D-Züge
  2. Vorschriften für die Ausrüstung der Aborte der D-Zugwagen mit Handtüchern, Seife und Rollenpapier
  3. Unfallverhütungsvorschriften (UVV), soweit sie ihren Dienstkreis berühren
  4. Merkblatt, enthaltend Anweisungen zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Eisenbahnverkehr für Zugbegleitbeamte im Personenzugdienst
B. Vorschriften, die der Dienstfrau bei der Heimatdienststelle jederzeit zugänglich sind:
  1. Vorschriften für die Reinigung der Personenwagen
  2. Dienstvorschrift über Feuerlöscher in den Zügen
  3. Kurze Winke zur vorläufigen Hilfeleistung bei Verletzungen und Erkrankungen vor Ankunft des Arztes
  4. Arbeitsordnung (AO) für die Arbeiter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
  5. Allgemeine Dienstvorschrift für das auf Strecken mit elektrischer Zugförderung beschäftigte Personal (wird auf solchen Strecken persönlich zugeteilt).

Anlage 2 (zu § 6)
Verzeichnis der Dienstanweisungen und Dienstvorschriften, die für die Dienstfrau in Betracht kommen
a)  1 Diensttasche (Geräte Nr. 846.62)
b)  mehrere Armbinden (Geräte Nr. 847.01)
c)  1 Stoffbeutel zum Mitnehmen der Putzgeräte (Geräte Nr. 846.03)
d)  mehrere Wäschebeutel für die Handtücher (Geräte Nr. 846.02)
e)  1 Vierkantschlüssel (Geräte Nr. 849.48)
f)  1 Wagenbesen mit zusammenlegbarem Besenstiel (Geräte Nr. 848.11)
g)  1 Kehrichtschaufel (Geräte Nr. 848.48)
h)  1 Handfeger (Handkehrwisch) (Geräte Nr. 848.33)
i)  1 Polsterbürste (Geräte Nr. 848.20)
k)  1 Dose Putzpomade (Betriebstoff Nr. 11.19)
l)  1 grobes und 1 feineres Scheuertuch (Betriebstoff Nr. 111.27)
m)  mehrere Staubtücher (Betriebstoff Nr. 111.25)
n)  1 Fensterputzleder (Betriebstoff Nr. 111.21)
o)  1 Klamme zum Anfassen schmutziger Handtücher
p)  Kern- und Schmierseife, Bimsstein.

Anlage 3 (zu § 5)
Vorschriften für das Tragen und Behandeln der Kleiderschürzen und Stirnbinden
Vor Beginn jeder neuen Dienstschicht sind in die Schürze ein frischgewaschener blauer Trikolinekragen und 2 ebensolche Manschetten einzuknöpfen.
Die Schürzen selbst müssen je nach Bedarf, etwa nach 5 Dienstschichten gewaschen werden.
Kragen und Manschetten dürfen niemals im selben Waschwasser wie die Schürzen gewaschen werden.
Trotz der echten Farben darf kein Stück jemals gekocht werden oder mit Soda, Chlor, Eau de Javelle, Kleesalz, scharfen Seifen usw. behandelt werden, auch ein langes Einweichen ist schädlich.
Schnelles Waschen in lauwarmem Wasser mit reiner Seife und 3-maliges Spülen ist vielmehr die beste Behandlung.
Vorteilhaft sind Lux-Seifenflocken der Sunlicht A.G. Mannheim, die man in heißem Wasser zu Schaum schlägt. Danach wird kaltes Wasser hinzugefügt, bis die Lösung lauwarm ist.
Beim vorletzten Spülen kann dem Wasser Essig zugesetzt werden, um die Farben aufzufrischen und zu befestigen. Kragen und Manschetten können auch unterwegs in kaltem Wasser mit reiner Seife gewaschen werden.
Die Stücke dürfen nicht gerieben und verschiedenfarbige Stücke nicht naß aufeinander gelegt werden.
Sobald das Abzeichen durch mehrfaches Waschen der Schürze ein stumpfes Aussehen erhält, ist es abzutrennen, in lauwarmem Wasser sorgfältig für sich zu waschen und unter Essigzusatz zu spülen, so daß die Frische der Farben wieder zur Wirkung kommt.
Bei Antritt jeder Dienstschicht ist eine saubere Stirnbinde anzulegen.
Die Stirnbinden sind nach jedem Waschen mit einer Tollschere zu behandeln.



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