Dienstanweisung
für die
Beamten des örtlichen
Wagenuntersuchungsdienstes
(Wagenmeister, Wagenwerkmeister)
(DA Wub)
gültig vom 1. Januar 1930 ab

Vorbemerkungen
(1) Die Dienstanweisung gilt für alle im örtlichen Wagenuntersuchungsdienst (Wagenmeister- und Wagenwerkmeisterdienst) beschäftigten Bediensteten, soweit sie unter eigener Verantwortung tätig sind (kurz als "Wagenmeister" bezeichnet), dagegen nicht für die im Wagenuntersuchungsdienst nur mitwirkenden Bediensteten. Für Abnahmewagenmeister gilt eine besondere Dienstanweisung.

(2) Wenn nichts besonderes bemerkt ist, sind unter "Wagen" Wagen jeder Gattung zu verstehen.



A. Gemeinsame Bestimmungen
§  1
Dienstaufgabe
Der Wagenmeister hat auf den Bahnhöfen
a) die Wagen nach der "Dienstvorschrift für die Behandlung schadhafter und untersuchungspflichtiger Eisenbahnwagen (Wagenunterhaltungsvorschriften) - WUB -" und nach den "Vorschriften für die Ausführung der bremstechnischen Untersuchung von Fahrzeugen in luftgebremsten Güterzügen" auf betriebssicheren und ordnungsmäßigen Zustand zu untersuchen, Schäden und Mängel zu beseitigen oder, wenn dies nicht möglich ist, die Wagen entsprechend zu bezetteln (melden); bei beladenen Wagen ist die Untersuchung auch auf die vorschriftsmäßige Verladung und auf ungleichmäßige Belastung oder Überlastung auszudehnen,

b) die Bremsprobe bei den Zügen vorzunehmen, soweit dies nicht den Zugbegleitbeamten übertragen ist,

c) die Instandhaltung der Gasfüll- und Luftfüllanlagen sowie der Beleuchtungseinrichtungen zu überwachen, die Reinigung und Heizung der Personenwagen, ihre Versorgung mit Licht (auch Notbeleuchtung) und Wasser und richtige Beschilderung zu beaufsichtigen, bei Ausführung der Reinigungsarbeiten im Gedinge die nötigen Aufzeichnungen zu machen,

d) das Kuppeln der Wagen, der Brems-, Heiz- und elektrischen Leitungen, das Verbinden und Lösen der Faltenbälge, das Anbringen, Abnehmen oder Umstecken des Zugschlußsignals, das Schmieren der Achslager und Führungen, der Kuppelungen, Puffer, Bremsspindeln und Drehgestelle zu überwachen,

e) das Vorhandensein der zu den Wagen und Zügen gehörigen Brems- und Heizleitungsrohre, Heizkuppelungen, Schlußhähne, Wagenzubehörteile und Zugausrüstungsstücke festzustellen, die Gegenstände ordnungsmäßig aufzubewahren oder, wenn sie einem anderen Bahnhof gehören, zurückzusenden,

f) die Herstellung der Entseuchungsmittel, die Reinigung und Entseuchung der Güterwagen, Rampen und Ladegeräte zu beaufsichtigen,

g) die Wagen einer anschließenden fremden Bahn zu übergeben und von ihr zu übernehmen,

h) die vorgeschriebenen Nachweisungen zu führen und andere ihm zugewiesene schriftliche Arbeiten zu erledigen,

i) die unter c und d genannten Arbeiten selbst auszuführen, wenn es besonders angeordnet ist.

Er hat ferner die Bahnpolizei auszuüben, soweit es sein übriger Dienst zuläßt. Außerdem hat er andere ihm aufgetragene Geschäfte zu besorgen, die mit seiner Dienstaufgabe zusammenhängen. Daneben bleiben die Verpflichtungen aus § 3 Ziff. 3 der Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten bestehen.
Seine regelmäßigen Dienstgeschäfte bestimmt der Arbeitsverteilungsplan.

§  2
Dienststellung
(1) Persönliche und dienstliche Vorgesetzte des Wagenmeisters sind
a) der Vorstand des Reichsbahn-Maschinenamts
b) der Vorsteher der Dienststelle, der er zugeteilt ist,
c) ihre Vertreter,
Sein nächster Vorgesetzter ist sein Dienststellenvorsteher. Wegen der übrigen persönlichen und dienstlichen Vorgesetzten wird auf § 5 der Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten verwiesen.

(2) Der Wagenmeister hat auch die dienstlichen Anordnungen zu befolgen, die ihm die Vorstände der übrigen Reichsbahn-Ämter und der -Ausbesserungswerke, die Kontrolleure, Betriebsingenieure, die Aufsichtsbeamten des Bahnbetriebs- oder Bahnbetriebswagenwerks als dienstliche Vorgesetzte innerhalb ihres Dienstbereichs erteilen, ferner die Anordnungen der Vorsteher, Fahrdienstleiter und Aufsichtsbeamten des Bahnhofs, soweit sie nicht den technischen Wagenuntersuchungsdienst betreffen.

(3) Der Wagenmeister ist befugt, den ihm zur Untersuchung, Reinigung und Entseuchung der Wagen zugeteilten Handwerkern und anderen Arbeitern dienstliche Weisungen zu erteilen. Er hat sie in ihren Verrichtungen anzuleiten und zu beaufsichtigen.


§  3
Dienstvorschriften, Fahrplan
(1) Die Dienstanweisungen und -vorschriften, die für den Wagenmeister in Betracht kommen, sind in der Anlage 1 aufgeführt.

(2) Der Wagenmeister muß mit dem Fahrplan der Strecke und mit der Bahnhofsfahrordnung vertraut sein und Änderungen, die ihm bekanntgegeben werden, sofort nachtragen.


§  4
Dienstregelung
Der Dienst wird durch den Dienstplan oder durch besondere Anordnung geregelt. Beim Dienstantritt hat sich der Wagenmeister nach örtlicher Anordnung zu melden.

§  5.
Verantwortlichkeit
Der Wagenmeister ist für den ordnungsmäßigen und betriebssicheren Zustand der von ihm untersuchten Wagen und Züge sowie für die vorschriftsmäßige Verladung der Güter verantwortlich, soweit diese äußerlich erkennbar ist; wenn er es  für nötig hält, einen nicht mehr oder nicht mehr unbedingt lauffähigen Wagen auszusetzen oder an den Schluß eines Zuges zu stellen, muß es der Aufsichtsbeamte des Bahnhofs, der Rangierleiter oder Zugführer anordnen.
Sind dem Wagenmeister besondere Hilfskräfte beigegeben, so ist er für ihre Tätigkeit mitverantwortlich.

§  6
Technische Kenntnisse
Der Wagenmeister muß mit der Bauart und den Einrichtungen der Wagen und mit allen Bestimmungen über ihre Verwendung und Unterhaltung vertraut sein und sich, soweit er Gelegenheit hat, über Neuerungen und Änderungen unterrichten, die seinen Dienst berühren. Er muß ferner die für den Betriebswagendienst in Betracht kommenden Betriebs- und Werkstoffe und maschinellen Einrichtungen, z. B. ortsfeste Druckluft- und elektrische Ladeanlagen kennen.

§  7
Schutz- und Sicherheitsvorschriften
Der Wagenmeister hat die Unfallverhütungs- und anderen Schutz- und Sicherheitsvorschriften zu befolgen und darauf zu achten, daß auch die ihm beigegebenen Bediensteten sie einhalten; dies gilt besonders, wenn auf Betriebsgleisen an Wagen gearbeitet wird.

§  8
Ausrüstung
(1) Die Ausrüstung des Wagenmeisters mit Werkzeugen und Geräten, teils zu persönlichem, teils zu gemeinschaftlichem Gebrauch (vgl. das Verzeichnis Anlage 2) richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen und nach seiner Verwendung im Reisezug- oder Güterzugdienst oder im gemischten Dienst und wird von dem Maschinenamt bestimmt.

(2) Der Wagenmeister muß im Dienst die nötigen Werkzeuge und Vordrucke, eine richtiggehende Uhr, eine Signalpfeife, ein Merkbuch und bei Dunkelheit eine gut brennende Handlaterne bei sich führen. Er muß ferner die notwendigen Geräte, Betriebs- und Werkstoffe zur Hand haben.

(3) Die Werkzeuge, Geräte und anderen Ausrüstungsgegenstände soll er ordnungsmäßig benutzen und in gutem Zustande erhalten, Schäden und Mängel aber, die er nicht selbst beseitigen kann, seiner Dienststelle melden


§  9
Betriebs- und Werkstoffe, Ersatzstücke, Alt- und Abfallstoffe
Der Wagenmeister hat die ihm überwiesenen Betriebs- und Werkstoffe und Ersatzstücke geordnet zu verwahren und sachgemäß zu verwenden, Fehler und Mängel aber seiner Dienststelle zu melden.
Für die Behandlung der Alt- und Abfallstoffe gelten die besonderen Bestimmungen und örtlichen Anordnungen.

§  10
Fundsachsen
In den Wagen gefundene Gegenstände sind an den zuständigen Beamten des Bahnhofs abzuliefern.

§  11
Bahnpolizei
Die Bestimmungen über die Bahnpolizei sind in der Anlage 1 der Fahrdienstvorschriften enthalten; der Wagenmeister hat sich mit ihnen vertraut zu machen und nach ihnen zu handeln, soweit es mit seinem übrigen Dienst vereinbar ist. Besondere Wahrnehmungen meldet er dem Fahrdienstleiter oder Aufsichtsbeamten des Bahnhofs.

§  12
Inkrafttreten
Diese Dienstanweisung, durch Verfügung der Hauptverwaltung vom 23. November 1929 - 56.500 Pad (Wub) - für das ganze Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft festgesetzt, tritt am 1. Januar 1930 in Kraft. die entsprechenden bisherigen Dienstanweisungen sind aufgehoben.


Anlage 1 (zu § 3)

Verzeichnis der Dienstanweisungen und -vorschriften, die für den Wagenmeister in Betracht kommen

A. Vorschriften, die dem Wagenmeister persönlich zugeteilt werden:
1. Allgemeine Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA)
2. Dienstanweisung für die Beamten des örtlichen Wagenuntersuchungsdienstes [Wagenmeister, Wagenwerkmeister] (DA Wub)
3. Fahrdienstvorschriften (FV)
4. Signalbuch (SB)
5. Unfallverhütungsvorschriften (UVV), soweit sie seinen Dienstkreis berühren
6. Dienstvorschrift für die Behandlung schadhafter und untersuchungspflichtiger Eisenbahnwagen [Wagenuntersuchungsvorschriften] (WUV)
7. Vorschrift für die Bremsprüfung der Fahrzeuge in luftgebremsten Güterzügen
8. Anweisung über die Einrichtung, Verwendung, Unterhaltung und Nachweisung sowie den Ausgleich der Hilfsleistungen für den Luftbremsbetrieb (Hilei)
9. Güterwagenvorschriften (GWV)

B. Vorschriften, die dem Wagenmeister bei seiner Dienststelle oder im Dienstraum (mit * bezeichnet) jederzeit zugänglich sind:
1. Personalordnung (Perso) der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, Teil I
2. Prüfungsordnung
3. Vorschrift über die Heranziehung der Reichsbahnbediensteten zum Schadensersatz (Ersa)
4. Dienstdauervorschriften (DDV)
5. Vorschrift über die Aufwandsentschädigung des Zugpersonals (VAZ)
6. Dienstkleidungsordnung (DKO), Kleiderkassenvorschrift (Kleivo)
7. Arbeitsordnung (AO) für die Arbeiter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
8. Lohntarifvertrag (LTV)
9. Arbeitsordnung (Gedingevereinbarungen für die Reichsbahn-Ausbesserungswerke, Bahnbetriebswerke, Bahnbetriebswagenwerke usw.)
10. Allgemeine Dienstvorschrift für die gegenseitige Benutzung der Güterwagen (VWÜ/RIV) und der Personen- und Gepäckwagen (VPÜ/RIC) *
11. Technische Vereinbarungen des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen über Bauart und Unterhaltung der Eisenbahnwagen *
12. Übereinkommen für die gegenseitige Benutzung der Güterwagen (VWÜ/RIV) * und der Personen- und Gepäckwagen (RPÜ/RIC) *
13. Technische Vereinbarungen des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen über Bauart und Unterhaltung der Eisenbahnwagen *
14. Alphabetisches Verzeichnis der Eigentumsmerkmale der Eisenbahngüterwagen *
15. Achsdruckverzeichnis (VachsV) *
16. Vorschriften für den Anstrich und die Bezeichnung der Güterwagen *
17. Vorschriften für den Gebrauch und die Unterhaltung der Druckluftbremse Bauarten Westinghouse, Knorr und Kunze-Knorr (BrV) *
18. Dienstvorschrift über die Heizung der Züge *
19. Dienstvorschrift über die Beleuchtung der Wagen und Lokomotiven mit Preßgas *
20. Dienstvorschrift für elektrische Zugbeleuchtung *
21. Vorläufige Dienstvorschrift für die elektrische Heizung von D-Zugwagen *
22. Personenwagenreinigungsvorschrift (PRV) *
23. Personenwagenvorschriften *
24. Dienstvorschrift über Feuerlöscher in den Zügen *
25. Vorschriften für die Ausrüstung der Aborte der D-Zugwagen mit Handtüchern, Seife und Rollenpapier *
26. Dienstanweisung für die Beförderung von Schwerfahrzeugen (Schwerf) *
27. Dienstvorschrift für die Behandlung von Privatwagen (PV) *
28. Bestimmungen über Ersatzleistungen für Beschädigungen an Personen- und Güterwagen *
29. Dienstgutbeförderung (AbrV 20) *
30. Dienstanweisung zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Eisenbahnverkehr *
31. Desinfektionsvorschriften (DesinfV) *
32. Anleitung zur ersten Hilfe bei Unfällen *
33. Feuerlöschordnung *
34. Dienstanweisung für die Beamten des Stationsaufsichtsdienstes
35. Dienstanweisung für Abnahmewagenmeister (DA Abwgm)
36. Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten (DA Zbgel) *
37. Dienstanweisung für die Rangierbeamten
38. Dienstanweisung für die Dienstfrauen der D-Züge (DA Dienstfr) *



Anlage 2 (zu § 8 Ziff.1)

Verzeichnis von Werkzeugen und Geräten
A. Zu persönlichem Gebrauch:

1 verschließbarer Werkzeugkasten
1 Handlaterne (Azetylenlaterne)
1 Signalpfeife mit Schnur
1 verstellbarer Schraubenschlüssel (Rollgabelschlüssel)
1 verstellbarer Schraubenschlüssel (Blitzzange) mit 75 mm größter Maulweite *)
feste Schraubenschlüssel (Gabelschlüssel): 1 doppelter mit 22 und 28 mm Maulweite *) und 4 doppelte mit verschiedener Maulweite
1 Schraubenzieher
1 Handhammer
1 Radhammer
2 Flachmeißel *)
2 Durchschläge *)
2 Nagelbohrer
1 Beißzange
1 Abteilschlüssel
1 Blechgefäß mit Klebstoff
1 Blechbüchse für Gummidichtungsringe *)
1 zusammenlegbarer 2m-Maßstab (Federmaßstab)
1 Gasschlüssel (Bauart Pintsch)
1 Gasfüllventilschlüssel
1 Heizschlauchventilzange
1 Wärmemesser
1 Gefangenenwagenschlüssel
1 Brennerzange
1 Spiritusanzünder
1 Bleisiegelzange
*) Für die Bremsuntersuchung bei luftgebremsten Güterzügen nötig.

B. Zu gemeinsamen Gebrauch:

1 verschließbarer Werkzeugkasten
1 Karbidbüchse
Ölkannen
Schmierkannen
1 Ölspritze
1 Räumnadel
1-2 Auftaulampen mit Brennstoffkanne
1-2 Hebeisen
2 Kreuzmeißel
1 Locheisen für Fensterzugriemen
1 Schlüssel für Fensterriemenblättchen
1 englischer Schraubenschlüssel
1 Kasten für Betriebs- und Werkstoffe
1 Voltmeter } für elektrische Zugbeleuchtung
1 Säuremesser mit Heber
1 Stichmaß für Wagenachsen
1 Spurkranzlehre
einige Federwinden.

Weiter auf Bahnhöfen ohne Werkstätte:

4 Vorfeilen
3 Schlichtfeilen
1 Feilenbürste
1 Feilkloben
1 Rutschenschleifstein
1 Abziehstein
einige Winden
1 Handsäge
1 Stichsäge
1 Fuchsschwanz
1 Doppelhobel
1 Simshobel
3 Stecheisen
1 großer Holzbohrer
1 Handbeil
1 Raspel
1 größerer Durchschlag
1 größerer Schraubenzieher
1 Vorschlaghammer
1 Gabelschlüssel von 60 mm Weite
1 Gabelschlüssel von 80 mm Weite

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