Dienstanweisung
für die
Rottenaufsichtsbeamten
(DA Rob)
gültig vom 1. Juni 1930 ab

Vorbemerkung
 
Die Dienstanweisung gilt für alle im Rottenaufsichtsdienst bei der Bahnunterhaltung - auch Neu- und Hochbau - beschäftigten Bediensteten ohne Rücksicht auf Ihre Dienststellung


§  1
Dienstaufgabe

(1) Der Rottenaufsichtsbeamte hat
a) die ihm aufgetragenen Arbeiten mit seiner Rotte nach den einschlägigen Vorschriften und den besonderen Weisungen der Bahnmeisterei sachgemäß auszuführen,
b) die Arbeiter seiner Rotte praktisch anzuleiten und zu beaufsichtigen,
c) bei Ermittlungen des Bedarfs und des Gewinns an Oberbaustoffen behilflich sein,
d) Unternehmerarbeitern auf Anordnung der Bahnmeisterei überwachen
e) auf Anweisung der Bahnmeisterei Arbeitszüge als Zugführer zu begleiten,
f) das Tagewerksbuch für Bahnunterhaltungsarbeiter und die sonst vorgeschriebenen Nachweisungen zu führen,
g) im Auftrag der Bahnmeisterei in besonderen Fällen eine bestimmte Strecke zu begehen,
h) die Bahnpolizei auszuüben, soweit es sein übriger Dienst zuläßt.
i) Er hat gegebenenfalls auch die Dienste zu leisten, zu denen er nach der Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA) § 3 Ziff (3) und (4) verpflichtet ist.
(2) Er ist hierbei insbesondere dafür verantwortlich, daß
a) bei der Ausführung der ihm aufgetragenen Arbeiten die Oberbauvorschriften, Unfallverhütungsvorschriften, Fahrdienstvorschriften und die Bestimmungen des Signalbuchs genau beachtet werden, daß seine Arbeitsstelle mit der zugelassenen Geschwindigkeit befahren werden kann, und wenn dies nicht möglich ist, daß sie vorschriftsmäßig durch Signale gekennzeichnet oder gedeckt wird, weiter, daß durch die Arbeiten die sichere Benutzung der Weichen, Sicherungs- und übrigen baulichen und betrieblichen Einrichtungen nicht beeinträchtigt und der lichte Raum der Betriebsgleise stets freigehalten wird (siehe Anlagen 1 - 3).
b) die Oberbaustoffe sachgemäß und wirtschaftlich verwendet und, wie in § 3 der Oberbauvorschrift für den Reichsbahnoberbau vorgeschrieben, gelagert und behandelt werden,
c) die Werkzeuge und Geräte ordnungsgemäß benutzt und die besonderen Vorschriften für die Benutzung der Arbeitsmaschinen genau beachtet werden,
d) auf den Arbeits- und Aufenthaltsplätzen Ordnung herrscht, Fremde sich dort nicht unbefugterweise aufhalten und nach Beendigung der täglichen Arbeit die Werkzeuge und Geräte stets unter sicheren Verschluß genommen werden,
e) alle Arbeiten wirtschaftlich ausgeführt werden.



§  2
Dienstliche Stellung

(1) Persönliche und dienstliche Vorgesetzte des Rottenaufsichtsbeamten sind

a) der Vorstand des Reichsbahn-Betriebsamts, Reichsbahn-Neubauamts,
b) der Vorsteher der Bahnmeisterei,
c) ihre Vertreter.
Sein nächster Vorgesetzter ist der Vorsteher der Bahnmeisterei.
Wegen der übrigen persönlichen und dienstlichen Vorgesetzten wird auf § 5 der "Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA)" verwiesen.

(2) Der Rottenaufsichtsbeamte hat auch die dienstlichen Weisungen zu befolgen, die ihm die Vorstände der übrigen Reichsbahn-Ämter, die Betriebsingenieure, Kontrolleure, die Vorsteher, Fahrdienstleiter und Aufsichtsbeamten der Bahnhöfe, die Vorsteher des Bahnbetriebswerks und der Fahrleitungsmeisterei als dienstliche Vorgesetzte innerhalb ihres Geschäftsbereichs erteilen, ferner auch bei Anwesenheit des Dienststellenvorstehers die dienstlichen Weisungen eines der Bahnmeisterei etwa zugeteilten zweiten technischen Beamten des gehobenen mittleren Dienstes.

(3) Vorgesetzten, die dienstlich auf seine Arbeitsstelle kommen, hat der Rottenaufsichtsbeamte über den Stand der Arbeiten und etwaige besondere Vorkommnisse zu berichten.

(4) Der Rottenaufsichtsbeamte ist befugt, den ihm zugeteilten Bediensteten dienstliche Weisungen zu erteilen, ebenso den Angestellten und Arbeitern der Unternehmer bei Arbeiten, die er zu beaufsichtigen hat.

(5) Wenn er in besonderen Fällen im Auftrag der Bahnmeisterei eine bestimmte Strecke zu begehen hat, darf er auch den Bahnwärtern und Schrankenwärtern dienstliche Weisungen erteilen.


§  3
Dienstvorschriften

Die Dienstanweisungen und -vorschriften, die für den Rottenaufsichtsbeamten in Betracht kommen, sind in der Anlage 4 aufgeführt.
Der Rottenaufsichtsbeamte muß mit dem Fahrplan seiner Strecke vertraut sein und Änderungen, die ihm bekanntgegeben werden, sofort nachtragen, wenn dies nicht die Bahnmeisterei besorgt.


§  4
Dienstregelung

(1) Der Dienststellenvorsteher regelt den Dienst und die etwaige Dienstbereitschaft des Rottenaufsichtsbeamten.

(2) Während der Arbeitszeit darf der Rottenaufsichtsbeamte die Arbeitsstelle nur mit Erlaubnis der Bahnmeisterei und erst nach Bestellung eines geeigneten Vertreters verlassen (Ausnahme vgl. § 8).

(3) Bei außergewöhnlichen Ereignissen hat der Rottenaufsichtsbeamte auch während seiner dienstfreien Zeit sich sofort an Ort und Stelle zu begeben und bis zum Eintreffen eines Vorgesetzten die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

(4) Ist er verhindert, seinen Dienst auszuüben, so hat er dies der Bahnmeisterei so schnell wie möglich anzuzeigen; nötigenfalls sorgt er vorläufig für geeignete Vertretung.


§  5
Ausrüstung, Geräte

(1) Der Rottenaufsichtsbeamte muß im Dienst bei sich führen: eine richtiggehende Uhr, den Fahrplan der Strecke, die vorgeschriebenen Tagebücher und Nachweisungen, die notwendigen Zeichnungen, einige Dienstkarten, einen Vierkantschlüssel und ein zusammenlegbares Metermaß (2 m).

(2) Er hat dafür zu sorgen, daß an der Arbeitsstelle die erforderlichen Arbeitsgeräte und Signalmittel, tragbaren Fernsprecher, Unterkunftsräume, die ihm überwiesenen Verbandsmittel in gebrauchsfähigem Zustand vorhanden sind und gegen Verlust und Beschädigung geschützt werden.


§  6
Überwachung und Unterweisung der Bediensteten

(1) Der Rottenaufsichtsbeamte wacht darüber, daß die Bediensteten ihre Dienstpflichten gewissenhaft erfüllen und die Arbeitszeit pünktlich einhalten und ausnutzen. Dienstwidrigkeiten meldet er der Bahnmeisterei.

(2) Er hat die Arbeiter bei ihren Arbeiten, im Gebrauch der Werkzeuge und Geräte und in der Bedienung der Arbeitsmaschinen anzuleiten, sie über die Gefahren des Eisenbahnbetriebs, die Unfallverhütungsvorschriften, die Bedeutung der Signale zu unterrichten und ständig darüber zu wachen, daß sie die Anordnungen und Vorschriften befolgen. Unzuverlässige und ungeeignete Arbeiter meldet er der Bahnmeisterei.


§  7
Funde
(1) Im Bahnbereich gefundene Gegenstände, auch Wild, hat der Rottenaufsichtsbeamte dem nächsten Bahnhof - wenn nötig durch Vermittlung der zwischenliegenden Wärter - abzuliefern oder zu melden.

(2) Werden bei den Arbeiten natur- oder kulturgeschichtliche Altertümer, wie Versteinerungen, Knochen, Geräte, Waffen usw. gefunden, so meldet er den Fund alsbald der Bahnmeisterei. Er folgt auch dafür, daß die Gegenstände sorgfältig behandelt und bis zum Eintreffen des Vorstehers oder eines Sachverständigen (Vertrauensmannes) in unverändertem Zustand erhalten werden, soweit dies ohne großen Nachteil für die Bauarbeiten oder den Betrieb und ohne Kosten geschehen kann.


§  8
Verhalten bei außergewöhnlichen Ereignissen

(1) Bei außergewöhnlichen Ereignissen, die eine Stelle der Bahn unfahrbar oder langsames Fahren nötig machen, hat der Rottenaufsichtsbeamte für Aufstellung der erforderlichen Wärtersignale zu sorgen und dann sofort der Bahnmeisterei und der Unfallmeldestelle Meldung zu machen.
Im übrigen hat er bei Gefahr für den Bahnbetrieb sofort nach eigenen Ermessen zu handeln.

(2) Wenn einem Zug ein Unfall zustößt oder deine Weiterfahrt behindert wird, hat der Rottenaufsichtsbeamte sobald als möglich mit seinen Arbeitern Hilfe zu leisten.


§  9
Verhütung und Löschung von Bränden

(1) Entsteht ein Brand an der Bahn, so hat der Rottenaufsichtsbeamte ihn sofort mit seinen Arbeitern und nötigenfalls mit fremder Hilfe zu löschen und der Bahnmeisterei, wenn aber Betriebsstörungen zu befürchten sind, auch der Unfallmeldestelle unverzüglich zu melden. Kann der Brand durch Funkenauswurf einer Lokomotive entstanden sein, so ist womöglich die Nummer des Zuges anzugeben. Vom Ausbruch eines Brandes in einem Bahngebäude oder in einem Walde hat der Rottenaufsichtsbeamte auch die Feuerwehr so bald wie möglich, nötigenfalls durch den nächsten Bahnhof oder den Streckenwärter zu benachrichtigen.

(2) Der Rottenaufsichtsbeamte hat dafür zu sorgen, daß Aufstellung und Benutzung eiserner Kochöfen keine Feuersgefahr verursachen. In Nadelholzwaldungen oder an anderen leichtentzündbaren Stellen darf er kein Feuer zulassen und den Arbeitern das Rauchen nicht gestatten.

(3) Beim Abbrennen von Böschungen hat er die besonderen Vorschriften zu beachten.


§  10
Arbeitszüge

Wird dem Rottenaufsichtsbeamten die Führung eines Arbeitszuges übertragen, so hat der hierbei die Aufgaben des Zugführers wahrzunehmen und die maßgebenden Bestimmungen der Fahrdienstvorschriften, der übrigen Betriebsvorschriften und der Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten zu beachten.


§  11
Ausübung der Bahnpolizei, Betreten der Bahnanlagen, Anschläge gegen die Bahn

(1) Als Bahnpolizeibeamter hat der Rottenaufsichtsbeamte den bahnpolizeilichen Bestimmungen der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BO) Geltung zu verschaffen.

(2) Für die Ausübung der Bahnpolizei, das Betreten der Bahnanlagen und das Verhalten bei Anschlägen gegen die Bahn gelten die einschlägigen Bestimmungen der Dienstanweisung für die Bahnwärter und Schrankenwärter.


§  12
Inkrafttreten

Diese Dienstanweisung, durch Verfügung der Hauptverwaltung vom 22. März 1930 - 56. 500 (Rob) - für das Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft festgesetzt, tritt am 1. Juni 1930 in Kraft.
Die entsprechenden bisherigen Dienstanweisungen sind aufgehoben.


Anlage 1 (zu § 3)
Umgrenzung des lichten Raumes für bestehende Bahnanlagen


Für die durchgehenden Hauptgleise und die sonstigen Ein- und Ausfahrgleise von Personenzügen Für die übrigen Gleise

Freizuhaltende Spielräume:
A B  für die freie Strecke mit Ausnahme der Kunstbauten
C D  für die Bahnhöfe und Kunstbauten der freien Strecke

Unterer Teil der Umgrenzung des lichten Raumes

a
{
135 mm
für die mit der Fahrschiene fest verbundenen Gegenstände,
150 mm
für alle übrigen Gegenstände.
b
{
41 mm
bei den Zwangschienen der Weichen und Kreuzungen,
45 mm
bei anderen Zwangschienen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde,
67 mm
für alle übrigen unbeweglichen Gegenstände.

Anlage 2 (zu § 1)
Umgrenzung des lichten Raumes für Neubauten und umfassende Umbauten
auf geraden Strecken und in Bogen herab bis zu 250 m Halbmesser
Für die durchgehenden Hauptgleise und die sonstigen Ein- und Ausfahrgleise von Personenzügen Für die übrigen Gleise
Freizuhaltende Spielräume:
A B  für die freie Strecke mit Ausnahme der Kunstbauten
C D  für die Bahnhöfe und Kunstbauten der freien Strecke

Unterer Teil der Umgrenzung des lichten Raumes

a
{
135 mm
für die mit der Fahrschiene fest verbundenen Gegenstände,
150 mm
für alle übrigen Gegenstände.
b
{
41 mm
bei den Zwangschienen der Weichen und Kreuzungen,
45 mm
bei anderen Zwangschienen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde,
70 mm
für alle übrigen unbeweglichen Gegenstände.


Anlage 3 (zu § 1)
Obere Begrenzung des lichten Raumes für elektrisch betriebene Strecken
mit Stromzuführung über den Fahrzeugen und 15 kV Nennspannung
für vorhandene Überbauten und Tunnel bei Umwandlung des Dampfbetriebes in elektrischen Betrieb


Anlage 4 (zu § 3)
Verzeichnis der Dienstanweisungen und Dienstvorschriften, die für den Rottenaufsichtsbeamten in Betracht kommen
Bis zur Herausgabe einheitlicher Dienstvorschriften für das Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft bestimmen für den Bereich der Reichsbahndirektionen in Preußen-Hessen die Hauptverwaltung, für den Bereich der Gruppenverwaltung Bayern diese, für die anderen Bezirke die Reichsbahndirektionen über Abweichungen von nachstehender Zusammenstellung.

A. Vorschriften, die dem Rottenaufsichtsbeamten persönlich zugeteilt werden:

  1. Allgemeine Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA)
  2. Arbeitsordnung (AO) für die Arbeiter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
  3. Dienstanweisung für die Rottenaufsichtsbeamten (DA Rob)
  4. Dienstanweisung für die Bahnwärter und Schrankenwärter (DA BawSchrw)
  5. Dienstanweisung für die Beamten des Weichen und Stellwerksdienstes
  6. Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten (DA Zbgel)
  7. Dienstanweisung für Leitungsaufseher
  8. Fahrdienstvorschriften (FV)
  9. Signalbuch (SB)
  10. Oberbauvorschriften (Obv) Reichsbahnoberbau und sonstige Oberbauvorschriften
  11. Vorschriften für den Streckenfernsprechdienst (ST FV)
  12. Vorschriften für die Überwachung und Prüfung der Tunnel (nur auf Strecken mit Tunneln)
  13. Vorschriften für die Anlage und Behandlung der Feuerschutzstreifen an den Haupt- und Nebenbahnen innerhalb der Waldbestände (nur an Strecken mit Waldbeständen)
  14. Unfallverhütungsvorschriften (UVV), soweit sie seinen Dienstkreis berühren
  15. Allgemeine Dienstvorschrift für das auf Strecken mit elektrischer Zugförderung beschäftigte Personal (nur auf Strecken mit elektrischem Betrieb)
  16. Anleitung zur ersten Hilfe bei Unfällen
B. Vorschriften, die dem Rottenaufsichtsbeamten bei der Bahnmeisterei jederzeit zugänglich sind:
  1. Personalordnung (Preso) der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, Teil I
  2. Vorschrift über die Heranziehung der Reichsbahnbediensteten zum Schadensersatz
  3. Prüfungsordnung
  4. Dienstkleidungsordnung (DKO), Kleiderkassenvorschrift (Kleivo)
  5. Lohntarifvertrag (LTV)
  6. Gedingevereinbarung für die Bahnunterhaltung
  7. Lohn-Rechnungsvorschriften (LRV)
  8. Unfallmeldevorschriften (UMV)
  9. Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BO)
  10. Merkblatt zur Verhütung von Betriebsstörungen durch Frost und Schnee (BV Schnee)



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