Dienstanweisung
für die
Beamten
des
Weichen- und Stellwerks-Dienstes
(DA Wei-Stell)
gültig vom 1. April 1932 ab

Vorbemerkungen
(1) Die Dienstanweisung gilt für alle im Weichen-, Stellwerks-, Block- und Haltepunktdienst beschäftigten Bediensteten - im folgenden kurz "Weichensteller" genannt - ohne Rücksicht auf ihre Dienststellung und Dienstbezeichnung.

§  1
Dienstaufgaben
(1) Der Weichensteller hat
a) die ihm zugeteilten Weichen, Signale, Sicherungs- und Fernmeldeeinrichtungen, Schranken, Drehscheiben, Wasserkrane usw zu bedienen, zu beaufsichtigen, sie auch, wenn nicht anders bestimmt ist, zu unterhalten und zu reinigen und die Weichen, Signale usw zu beleuchten,
b) innerhalb seines Bezirks die Bahn zu bewachen, zu den vorgeschriebenen Zeiten zu untersuchen und, soweit angeordnet, auch zu unterhalten,
c) die vorbeifahrenden Züge zu beobachten,
d) den Dienst auf den Haltepunkten, Blockstellen und sonstigen Betriebstellen der freien Strecke zu besorgen,
e) in seinem Bezirk die Bahnpolizei auszuüben.
(2) Seine oberste Pflicht ist, dafür zu sorgen, daß die Fahrten innerhalb seines Bezirks sicher durchgeführt werden können. Besonders hat er die Weichen, Signale und Sicherungseinrichtungen nach den Vorschriften (Fahrdienstvorschriften, Signalbuch, Vorschriften für den Stellwerks- und für den Blockdienst, Vorschrift für den Bahnbewachungsdienst usw) richtig und rechtzeitig zu bedienen. Diese Aufgaben gehen jeder anderen vor.

(3) Er darf die Bedienung der ihm zugeteilten Anlagen und Einrichtungen keinem anderen überlassen. Einem Auszubildenden darf er die Bedienung nur unter seiner unmittelbaren Aufsicht übertragen; den Auftrag darf er nicht im voraus, sondern nur für den Einzelfall erteilen; er trägt die Verantwortung für die richtige Ausführung.

(4) Er hat gegebenenfalls auch die Dienste auszuführen, zu denen er nach § 3 Ziff (3) und (4) der "Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA)" verpflichtet ist, sowie sonstige nach örtlicher Anordnung ihm zugewiesene Geschäfte zu erledigen. Wird er zu andern Dienstleistungen herangezogen, dann gelten für ihn auch die entsprechenden Dienstanweisungen und Dienstvorschriften.


§  2
Dienststellung
(1) Persönliche und dienstliche Vorgesetzte des Weichensteller sind:
a) der Vorstand des Reichsbahn-Betriebsamts,
b) der Vorsteher der Dienststelle, der er zugeteilt ist,
c) die Vertreter dieser Beamten.
Sein nächster Vorgesetzter ist der Dienststellenvorsteher.
Wegen der übrigen persönlichen und dienstlichen Vorgesetzten wird auf § 5 der "Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA)" verwiesen.

(2) Der Weichensteller hat auch die dienstlichen Anordnungen zu befolgen, die ihm die Vorstände der übrigen Reichbahnämter, die Betriebsingenieure, Kontrolleure, Fahrdienstleiter, Aufsichtsbeamten des Bahnhofs und der Abfertigungen, der Vorsteher der Bahnmeisterei, auf Strecken mit elektrischem Betrieb der Vorsteher der Fahrleitungsmeisterei oder die Vorsteher der anderen für seinen Dienst in Betracht kommenden Dienststellen als dienstliche Vorgesetzte innerhalb ihres Geschäftsbereichs erteilen (siehe § 5 Ziff (3) der "Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahn-Beamten (ADA)".

(3) Der Weichensteller hat sich bei seinen Vorgesetzten, die er im Dienst trifft, zu melden, sobald es seine Dienstvorrichtungen gestatten, ihnen dabei besondere Vorkommnisse, Unregelmäßigkeiten und dgl zu berichten und ihre Weisungen entgegenzunehmen.

(4) Er ist befugt, den ihm zugeteilten Bediensteten und, soweit es die Sicherheit erfordert, den außerhalb einer Rotte tätigen Arbeitern dienstliche Weisungen zu erteilen.


§  3
Dienstvorschriften
(1) Die Dienstanweisungen und Dienstvorschriften, die für den Weichensteller in Betracht kommen, sind in der Anlage aufgeführt.

(2) Der Weichensteller muß mit dem Fahrplan, der Bahnhofs- und der Lokomotivfahrordnung und den übrigen örtlichen Anordnungen vertraut sein und Änderungen sofort nachtragen, wenn es nicht die Dienststelle besorgt. Er hat ein Dienstbuch nach vorgeschriebenem Muster zu führen.


§  4
Antritt, Wechsel und Beendigung des Dienstes
(1) Der Dienststellenvorsteher bestimmt, ob und wie der Weichensteller sich beim Dienstantritt, nach jeder im Dienstplan vorgeschriebenen Pause und beim Dienstschluß zu melden hat.
(2) Während der Dienstschicht mit Ausnahme der Pausen darf er seinen Posten nur mit Erlaubnis des zuständigen Vorgesetzten und nach Übergabe des Dienstes verlassen. Eigenmächtige Abweichungen vom Dienstplan sind verboten.

(3) Beim Dienstwechsel teilt der abtretende dem antretenden Weichensteller auf Grund der Eintragungen im Dienstbuch, Störungsbuch, Fernsprechbuch und auf der Merktafel alles mit, was über den Dienst zu bemerken ist, besonders, ob fällige Züge noch nicht oder vor Plan vorbeigefahren, Sonderzüge, Teilfahrten, Fahrten auf falschem Gleis oder Kleinfahrzeuge angekündigt sind, ob und wo an den Gleisen, Sicherungs-. und Fernmeldeeinrichtungen gearbeitet wird u a m. Auf Strecken mit unterbrochenem Dienst hat der abtretende diese Mitteilungen dem Dienstnachfolger im Dienstbuch zu hinterlassen, der antretende sofort Dienstbuch, Störungsbuch, Fernsprechbuch, Merktafel und andere schriftliche Mitteilungen einzusehen.

(4) Jede Dienstverhinderung hat der Weichensteller dem nächsten Vorgesetzten so schnell wie möglich anzuzeigen; nötigenfalls sorgt er vorläufig für geeignete Vertretung. Ist dies nicht möglich, so verständigt er den nächsten erreichbaren Fahrdienstleiter.


§  5
Dienstkleidung und Ausrüstung
(1) Im Dienst trägt der Weichensteller ja nach Vorschrift (siehe Dienstkleidungsordnung) volle Dienstkleidung oder die Dienstmütze.

(2) Er muß im Dienst zur Hand haben:
die Bahnhofs- und die Lokomotivfahrordnung, die Fahrpläne, wenn er nicht mit der Bahnhofsfahrordnung ausgestattet ist, eine richtig gehende Uhr, die er täglich nach Fernsprecherkundigung beim Fahrdienstleiter des ihm bezeichneten Bahnhofs) richtet, ein Signalhorn oder eine Signalpfeife, bei Tage eine Signalflagge, bei Dunkelheit eine gut brennende Handlaterne mit roter Vorsteckscheibe, 6 Knallkapseln in dem dazu bestimmten Behälter an dem vorgeschriebenen leicht erreichbaren Platz und soweit angeordnet, einen rotweißen Winker und eine elektrische Winklaterne.

(3) Der Weichensteller sorgt dafür, daß die im Verzeichnis der Ausrüstungsgegenstände für den Posten aufgeführten Gegenstände vollständig vorhanden und sofort verwendbar sind. Verluste, Mängel und Verbrauch meldet er alsbald der zuständigen Stelle.


§  6
Bau- und Betriebsstoffe
(1) Der Weichensteller hat die ihm übergebenen Stoffe ordnungsmäßig aufzubewahren und sparsam zu verwenden.

(2) Altstoffe, herabgefallene Fahrzeugteile und dgl hat er zu sammeln und abzuliefern oder ihr Vorhandensein zu melden.


§  7
Dienstraum
Der Weichensteller hat seinen Dienstraum in Ordnung zu halten und darf sich darin eigenmächtig kein Ruhelager schaffen. Er hat die Fenster von Gegenständen frei zu halten, die den Ausblick behindern; Unbefugten ist der Zutritt zu verwehren. Beim Verlassen des Postens hat er den Dienstraum zu verschließen.

§  8
Schutz- und Sicherheitsvorschriften
Der Weichensteller muß die für seine persönliche Sicherheit gegebenen Vorschriften, namentlich die Unfallverhütungsvorschriften, befolgen und möglichst darauf sehen, daß es auch die in seinem Bereich Beschäftigten tun (siehe § 2 Ziff 4).

§  9
Fundsachen
Im Bahnbereich gefundene Gegenstände, auch Wild,  hat der Weichensteller dem Vorsteher des Bahnhofs oder dem sonst zuständigen Beamten abzuliefern oder den Fund zu melden.

§  10
Fahr- und Rangierdienst
Der Weichensteller ist für die Sicherheit der Züge, Rangierfahrten und Kleinfahrzeuge in seinem Bezirk verantwortlich, soweit nicht das Merkbuch anders bestimmt. Er muß nicht nur selbst die Vorschriften und örtlichen Anordnungen genau beachten, sondern auch darauf sehen, daß es die anderen Beteiligten tun. Kommen Verstöße vor, so muß er durch besonnenes, rasches Handeln nachteilige Folgen abzuwenden oder wenigstens zu mildern suchen.

§  11
Blockdienst. Haltepunktdienst
(1) Der Weichensteller auf Blockstellen (Blockwärter) ist Fahrdienstleiter der Blockstelle. Er muß seinen Dienst nach den Fahrdienstvorschriften sowie nach den Vorschriften für den Blockdienst, den Stellwerksdienst, den Telegraphen- und den Fernsprechdienst ausführen.

(2) Der Weichensteller auf Haltepunkten hat - in der Regel neben seinem Dienst als Bahn-, Schranken- oder Blockwärter - je nach den örtlichen Verhältnissen Personen, Hunde, Reisegepäck, Expreßgut, Milch, Eil- und Frachtstückgut abzufertigen. Er muß seinen Dienst nach den Fahrdienst-, Abfertigungs- und Beförderungsvorschriften besorgen.


§  12
Besondere Anlagen
Der Weichensteller hat, wenn nicht anders bestimmt ist, auch die in seinem Bezirk befindlichen Schranken, Drehscheiben, Gleiswaagen, Wasserkrane, Gleissperren usw nach den besonderen Vorschriften und örtlichen Anordnungen zu bedienen, zu beaufsichtigen, zu unterhalten und zu reinigen.

§  13
Bahnpolizei
(1) Als Bahnpolizeibeamter hat der Weichensteller den bahnpolizeilichen Bestimmungen der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BO) (vgl Anlage 2 der Dienstanweisung für die Bahnwärter und Schrankenwärter) Geltung zu verschaffen.

(2) Bahnpolizeiliche Übertretungen und betriebsgefährdende Handlungen in der Nähe der Bahn soll er möglichst durch Warnung verhindern.

(3) Hat der Weichensteller eine Übertretung oder eine andere strafbare Handlung bemerkt, so soll er womöglich die Person des Täters ermitteln oder dafür sorgen, daß die Ermittlung möglich ist. Kann der Täter sich nicht ausweisen oder keine angemessene Sicherheit stellen, so hat er ihn vorläufig festzunehmen und so bald als möglich dem Vorsteher des Bahnhofs zuzuführen oder zu melden. Gelingt die Festnahme nicht, so muß er Bahnhof sofort auf kürzestem Wege benachrichtigen. Im übrigen sind bei Entdeckung eines verbrecherischen Anschlags gegen die Bahn die Bestimmungen des "Merkblatts zur Sicherung der Beweisstücke eines Bahnfrevels" in der Anlage 3 der Dienstanweisung für die Bahnwärter und Schrankenwärter zu beachten.

(4) Einfache bahnpolizeiliche Übertretungen sind dem Vorsteher des Bahnhofs ebenfalls sofort zu melden, auch wenn der Täter nicht festgenommen oder ermittelt werden konnte.


§  14
Inkrafttreten
Diese Dienstanweisung, durch Verfügung der Hauptverwaltung vom 27.1.1932 - 56.500 Pad (Ba-Schra) -für das Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft festgesetzt, tritt am 1. April 1932 in Kraft.
Die entsprechenden bisherigen Dienstanweisungen werden mit dem gleichen Tage aufgehoben.

Anlage (zu § 3)
Verzeichnis der Dienstanweisungen und Dienstvorschriften,
die für den Weichensteller in Betracht kommen
Bis zur Herausgabe einheitlicher Dienstvorschriften für das ganze Gebiet der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft bestimmen Abweichungen von nachstehender Zusammenstellung
die Hauptverwaltung für den Bereich der Reichsbahndirektionen in Preußen und Hessen,
die Gruppenverwaltung Bayern für ihren Bereich,
die Reichsbahndirektionen für die anderen Bezirke.
A. Persönlich werden zugeteilt:

(Aushilfskräfte erhalten nur die "Dienstanweisung für die Beamten des Weichen- und Stellwerksdienstes", alle übrigen Vorschriften werden ihnen bei den der Dienststelle zugänglich gemacht.)

  1. Allgemeine Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA)
  2. Dienstanweisung für die Beamten des Weichen- und Stellwerksdienstes (DA Wei-Stell)
  3. Vorschriften für den Bahnbewachungsdienst (BewaV)
  4. Fahrdienstvorschriften (FV)
  5. Signalbuch (SB)
  6. Vorschriften für den Stellwerksdienst (StB) *)
  7. Sondervorschrift für den Kraftstellwerksdienst (KrV) (auf Kraftstellwerken) *)
  8. Vorschriften für den Blockdienst (BlV) *)
  9. Übersichtstafeln für Maßnahmen bei besonderen Vorkommnissen und Unregelmäßigkeiten (Störungstafeln) *)
  10. Unfallverhütungsvorschriften Teil I und III
  11. Allgemeine Dienstvorschrift für das auf Strecken mit elektrischer Zugförderung beschäftigte Personal (nur auf Strecken mit elektrischem Betrieb).

  12. *) auf Posten mit Stellwerks- und Blockdienst
B. Im Dienstraum werden aufgelegt:
  1. Vorschriften für den Telegraphendienst (nach Bedarf)
  2. Vorschriften für den Streckenfernsprechdienst (StFV) (nach Bedarf)
  3. Vorschriften für den Gebrauch der Zählweckereinrichtung *)
  4. Vorschriften für die Bedienung und Unterhaltung der Einrichtungen zur Überwachung der Fahrgeschwindigkeit (Fü V)  *)
  5. Dienstanweisung für die Rangierbeamten (DA Rab) (nach Bedarf)
  6. Vorschrift für die fahrdienstliche Behandlung der Gleiskraftwagen (nach Bedarf)
  7. Unfallverhütungsvorschriften Teil II
  8. Kurze Winke zur vorläufigen Hilfeleistung bei Verletzungen und Erkrankungen vor Ankunft des Arztes.

  9.  *) Wo Einrichtungen hierfür vorhanden sind
C. Bei der Dienststelle sind zugänglich zu machen:
  1. Personalordnung (Perso) der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, Teil I
  2. Arbeitsordnung (AO) für die Arbeiter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
  3. Vorschrift über die Heranziehung der Reichsbahnbediensteten zum Schadensersatz (Ersa)
  4. Dienstdauervorschriften (DDV)
  5. Dienstkleidungsordnung (DKO)
  6. Kleiderkassenvorschrift (Kleivo)
  7. Anleitung zur ersten Hilfe bei Unfällen
  8. Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BO)
  9. Anhang zu den Fahrdienstvorschriften (AzFV)
  10. Dienstanweisung für die Beamten des Leistungsaufseherdienstes
  11. Dienstanweisung für die Lokomotivbeamten (DA Lokbea)
  12. Dienstanweisung für die Rottenaufsichtsbeamten (DA Rob)
  13. Dienstanweisung für die Signalwerkführer
  14. Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten (DAZbegl).


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