Kurze Winke für den Schrankenwärterdienst
Aushangtafel aus dem Jahr 1936 im Format A3


Allgemeines 1. Der Wärter muß sich stets bewußt sein, daß jede fehlerhafte Diensthandhabung Leben und Gesundheit von Reisenden gefährden und ihm schwere Bestrafung bringen kann. Er muß deshalb den Inhalt der Dienstanweisung für die Bahnwärter und Schrankenwärter (DA Ba-Schra) und die Dienstvorschrift für den Bewachungdienst (Bewa V) dauernd genau kennen und beachten.
Dienstübernahme 2. Beim Dienstantritt bei der für jeden Schrankenposten vorgeschriebenen Stelle durch Fernsprecher melden und genaue Bahnzeit geben lassen. Sofort Merkzettel, Dienstbuch Fernsprechbuch und andere schriftliche Mittelungen einsehen, sowie Läutewerk aufziehen.
Schranken-
bedienung
3. Schranken rechtzeitig schließen. Bereits geschlossene Schranken auch auf Drängen der Wegbenutzer nicht wieder öffnen. Für Schließen in erster Linie Fahrplan maßgebend. Mit Unregelmäßigkeiten im Zugverkehr rechnen. (Verkehren der Güterzüge bis 10, der Reisezüge bis 3 Minuten vor Plan ohne Verständigung der Wärter). Überschreiten der Bahn durch Viehherden nur bis 10 Minuten vor Vorbeifahrt des Zuges zulassen. Bei Schnellfahrten über 120 km/h besondere Bestimmungen beachten. Wenn Schranken unbrauchbar, sofort Dienstvorsteher benachrichtigen, Straßenbenutzer warnen.
4. Schranken erst öffnen, wenn Zugschluß erkannt ist und auf dem Nachbargleis kein Zug sich nähert.
5. Wenn bei fernbedienten Schranken Fuhrwerk eingeschlossen, Züge anhalten, Weiterfahrt erst nach Beseitigung des Hindernisses.
6. Vom Posten nur bis Hörweite des Fernsprechweckers entfernen. Wenn in einer größeren Zugpause aus besonderem Anlaß (Bedienen der Signallaternen, Arbeiten an fernbedienten Schranken usw.) Verlassen des Postens auf weitere Entfernung erforderlich, benachbarte Bahnhöfe durch Fernsprecher vorher verständigen und nachher sofort zurückmelden. Meldungen ins Fernsprechbuch eintragen. Ist Zugpause nicht ausreichend, dann vorher Schranken schließen.
7. Wegübergänge, soweit vorgeschrieben, rechtzeitig beleuchten. Lampen müssen gut brennen. Ersatz für elektrische Lampen stets gebrauchsfähig halten. Mängel dem Dienstvorsteher melden.
8. Lokomotivführer rechtzeitig Blinklicht geben bis Lokomotive vorüber ist. Blinklicht nach Straße hin vermeiden.
9. Auf Strecken mit unterbrochenem Dienst Schranken bei Dienstschluß im geöffneten Zustand festlegen.
Fahrdienst 10. Sonderzüge, Ausfall von Zügen und Änderungen des Fahrplans im Fernsprechbuch vermerken, für laufenden Tag auf Merktafel schreiben und nach Durchfahrt durchstreichen.
11. Sind Signale am Zug nicht vollständig oder Laternen erloschen, nächstem Bahnhof melden. Wenn beide Lokomotivlaternen erloschen, außerdem zwischengelegenene Schrankenwärter benachrichtigen.
12. Während der Vorbeifahrt von Zügen vom vorgeschriebenen Standort aus Zug und Zugsignale sowie Gleis scharf beobachten. Wahrgenommene Unregelmäßigkeiten am Zug (z.B. heiße Achsen, unrunde schlagende Räder, offene Türen, verschobene Ladung, lose Wagendecken) an nächsten Bahnhof melden. Wenn Zug oder Gegenzug gefährdet, Zug stellen oder nächste Stelle zum Anhalten auffordern.
13. Wenn Gefahrsignal (Signal Lt 4) ertönt, alle Züge anhalten und Schranken schließen.
14. Wenn Unfallruf (drei lange Weckzeichen von mindestens 10 Kurbeldrehungen) ertönt, sofort mithören und falls Meldung gegeben wird: "Strecke gesperrt, haltet Züge zurück" Züge anhalten.
Bewachung 
und Unterhaltung 
der Bahnanlagen
15. Unberechtigte Personen auf dem Bahnkörper anhalten, nach Ausweis fragen, Namen feststellen, Vorgesetztem Anzeige erstatten. Fremden Personen den Aufenthalt in der Bude nicht gestatten.
16. Spurrillen stets schmutzfrei halten, Wegübergänge reichlich sprengen, Warnkreuze, Warnungstafeln, Schrankenbäume, Baken, Signale, Läutetafeln soweit möglich stets rein, besonders von Schnee und Eis halten oder Mängel sofort dienstlich melden.
17. Brände auf Bahnkörper versuchen zu löschen und nächstem Bahnhof und der Bahnmeisterei sofort melden. Wenn Brand vermutlich durch Funkenauswurf einer Lokomotive entstanden, womöglich auch Nummern der in den letzten zwei Stunden durchgefahrenen Züge melden.
18. Drohen nach einem Unwetter Gleisunterspülungen, Dammrutsche usw., dann Bahnmeisterei und Bahnhöfe sofort benachrichtigen.
19. Strecken- und Gleissperrung sofort benachbarten Zugmeldestellen und dazwischen liegenden Zugfolgestellen melden und zwar zuerst in Richtung, aus der auf unbefahrbarem Gleis ein Zug zu erwarten ist. Haltesignale aufstellen und alle Schrankenposten durch Fernsprecher verständigen.
20. Störungen an den Läutewerken und Schranken an Bahnmeisterei melden.
21. Bei der Dienststube gelagerte Baustoffe und hinterlassene Kleinwagen bewachen. Letztere durch Kette und Schloß sichern.
Dienstkleidung 
und Ausrüstung
22. Während des Dienstes volle Dienstkleidung, mindestens Dienstmütze tragen, Wärterin Armbinde anlegen; keine Haus- oder Holzschuhe tragen.
23. Während der Vorbeifahrt der Züge bei sich tragen: eine richtiggehende Uhr, Signalhorn, bei Tage Signalflagge, bei Dunkeheit gut brennende Laterne mit roter Vorsteckschiebe. Behälter mit Knallkapseln muß sofort greifbar sein.
24. An dem festgesetzten Wochentage Scheibensignale nebst Stocklaternen neben Bude probeweise aufstellen. Stocklaternen anzünden, um Gebrauchsfähigkeit festzustellen. Eintrag in das Dienstbuch machen.
25. Knallkapseln stets trocken und gebrauchsfähig aufbewahren.
Reichsbahndirektion 

Ein Faksimile (GIF 1795x2550, 221kB) der originalen Merkatefel ist hier verfügbar.

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