Dienstanweisung
für die
Lokomotivbeamten
gültig vom 1. September 1940 ab

Vorbemerkungen
Die Dienstanweisung gilt für die Führer von Dampf- und elektrischen Lokomotiven und Triebwagen, für die Lokomotivheizer, die berufsmäßig als Lokomotivbeamte ausgebildeten Beimänner auf elektrischen Lokomotiven (in der Dienstanweisung "Beimänner" bezeichnet) und für die nicht besonders ausgebildeten Beimänner auf elektrischen Lokomotiven und Triebwagen
Die besonderen Bestimmungen für den Lokomotivführer gelten sinngemäß auch für den Triebwagenführer.


§  1
Dienstaufgaben
(1) Dienstaufgaben im allgemeinen
Die Lokomotivbeamten haben
a) die ihnen zugewiesene Lokomotive nach der "Dienstvorschrift für Dampflokomotiven (DV Lok)" oder der "Dienstvorschrift für elektrische Lokomotiven (DV Ellok)" und den weiteren einschlägigen Sachvorschriften ordnungsgemäß zu bedienen und zu unterhalten,

b) die ihnen aufgetragenen Zug- und sonstigen Leistungen unter Beachtung der Fahrdienstvorschriften und der übrigen Betriebsvorschriften sicher und pünktlich auszuführen,

c) die Bahnpolizei auszuüben, soweit es mit ihrem übrigen Dienst vereinbar ist. Wegen Sicherung der Beweisstücke eines Bahnfrevels vgl Anl 2.

Die in den Dienstvorschriften für Dampflokomotiven und für elektrische Lokomotiven aufgeführten Arbeiten obliegen den Lokomotivbeamten, sofern nicht für bestimmte Verrichtungen wie Kohlenladen, Ausschlacken, Auswaschen usw besondere Arbeitskräfte vorgesehen sind. Wo es aus besonderen Gründen angeordnet wird, ist der Lokomotivheizer oder der Beimann bei diesen Arbeiten behilflich oder führt sie selbst aus. Der Lokomotivführer hat ihn hierbei anzuleiten und zu beaufsichtigen.
Auf Bahnhöfen ohne Wagenuntersuchungsbeamte beseitigen die Lokomotivbeamten auf Verlangen des Zugführers kleine Schäden besonders an der Druckluftbremse.
Die Lokomotivbeamten müssen selbst im Augenblick größter Gefahr umsichtig, kaltblütig und entschlossen handeln. Sie dürfen die Lokomotive nicht verlassen, ehe sie alles getan haben, um eine dem eigenen oder einem andern Zuge drohende Gefahr abzuwenden oder zu mindern.
Während der Fahrt rufen sie sich die Signalisierung nach besonderer Anordnung zu.
Im Dienst haben die Lokomotivbeamten eine Dienstmütze zu tragen.

(2) Besondere Dienstaufgaben des Lokomotivführers

a) Der Lokomotivführer hat
die ihm zugewiesene Lokomotive zu bedienen, zu führen und, soweit ihm aufgetragen, so zu untersuchen, daß die Fahrten mit der größten zulässigen Geschwindigkeit ohne Gefahr ausgeführt werden können,
sich mit dem Fahrplan und Fahrordnungen und den besonderen Anordnungen für die von ihm zu befahrenden Strecken und Bahnhöfe vertraut zu machen,
für Sauberkeit und Ordnung auf der Lokomotive zu sorgen,
den Lokomotivheizer oder Beimann in seinen Dienstverrichtungen zu unterweisen, zu beaufsichtigen und darüber zu wachen, daß diese die Unfallverhütungsvorschriften beachten,
die ihm zur Ausbildung zugeteilten Personen in der Bedienung und Führung der Lokomotive anzuleiten,
die vorgeschriebenen Aufschreibungen zu machen,
unter besonderen Verhältnissen die Aufgaben anderer Bediensteter (des Zugführers, Wagenmeisters usw) mitzubesorgen.
b) Der Lokomotivführer muß darauf achten, daß die Abmessungen der Lokomotive den Vorschriften entsprechen. Ist er im Zweifel, ob die Grenzmaße noch eingehalten sind, so veranlaßt er beim Aufsichtsbeamten die Nachmessung.

c) Lokomotivführer, die elektrische Lokomotiven und Verbrennungstriebwagen führen, müssen die Übung in der Führung von Dampflokomotiven behalten. Deshalb haben sie nach den besonderen Anordnungen zeitweise Dampflokomotiven zu führen.

d) Wenn der Lokomotivführer eine seiner eigenen Dienstverrichtungen dem Heizer oder Beimann oder einem Auszubildenden zu dessen Ausbildung oder aus einem anderen zwingenden Grunde vorübergehend überträgt, so bleibt er voll verantwortlich.
Weist sich ein im Führen der Lokomotive Auszubildender als solcher durch eine Bescheinigung einer vorgesetzten Stelle aus, so hat ihm der Lokomotivführer das Führen der Lokomotive zu gestatten, bleibt jedoch voll verantwortlich.

e) Für die sachgemäße und rechtzeitige Ausführung der dem Lokomotivheizer oder Beimann obliegenden Dienstverrichtungen ist der Lokomotivführer mitverantwortlich.

f) Die selbständige Führung der Lokomotive darf der Lokomotivführer einem Mitfahrenden auf dessen Ersuchen nur überlassen, wenn dieser die vorgeschriebene Berechtigungskarte besitzt. In diesem Fall wird der Lokomotivführer von der Verantwortung für die Fahrt frei, nachdem er ihn über alles Wissenswerte unterrichtet hat.

g) Durch Unbefugte darf der Lokomotivführer die Lokomotive keinesfalls in Gang setzen oder führen lassen.

(3) Besondere Dienstaufgaben des Lokomotivheizers
Der Lokomotivheizer hat
den Lokomotivkessel zu bedienen, insbesondere das Feuer sachgemäß zu behandeln und auf den Wasserstand zu achten,
die Lokomotive und den Tender abzuölen,
den Lokomotivführer bei der Bedienung und Unterhaltung der Lokomotive und bei seinen sonstigen Dienstverrichtungen zu unterstützen und seine dienstlichen Aufträge auszuführen,
sich beim Fassen der Betriebsstoffe zu beteiligen, auch das Schmieröl zu holen und dafür zu sorgen, daß die Kohlen auf dem Tender richtig verteilt und gelagert werden,
alle Betriebsstoffe sparsam zu verwenden und das Zubehör der Lokomotive schonend zu behandeln,
die Laternen und Signalscheiben der Lokomotive zu säubern und herzurichten und den Führerstand sauber zu halten.
(4) Besondere Aufgaben des besonders ausgebildeten Beimanns
Der Beimann hat
die Lokomotive abzuölen,
die Handbremse und die Heizung zu bedienen,
den Lokomotivführer bei der Bedienung und Unterhaltung der Lokomotive und bei seinen sonstigen Dienstverrichtungen zu unterstützen und seine dienstlichen Aufträge auszuführen,
die Betriebsstoffe (Schmieröl, Putzwolle usw) zu fassen,
alle Betriebsstoffe sparsam zu verwenden und das Zubehör der Lokomotive schonend zu behandeln,
die Laternen und Signalscheiben der Lokomotive zu säubern und herzurichten und den Führerstand sauber zu halten.
(5) Besondere Aufgaben des nicht besonders ausgebildeten Beimanns
Dieser Beimann muß in Notfällen das Fahrzeug anhalten.

§  2
Dienstvorgesetzte und Vorgesetzte
(1) Dienstvorgesetzte und Vorgesetzte der Lokomotvbeamten sind
der Vorstand des Reichsbahn-Maschinenamts,
der Vorsteher der Heimatdienststelle
ihre Vertreter.
Vorgesetzte sind innerhalb ihres Dienstbereichs außerdem die Vorstände der Reichsbahnbetriebsämter, die Werkdirektoren der Ausbesserungswerke, die Betriebskontrolleure, die Betriebsingenieure und die Aufsichtsbeamten der Heimatdienststelle.

(2) Wegen der übrigen Dienstvorgesetzten und Vorgesetzten wird auf die Allgemeine Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten verwiesen.

(3) Die Lokomotivbeamten haben auch die dienstlichen Weisungen der nachgenannten Beamten zu befolgen, die diese innerhalb ihres Dienstbereichs geben:

Vorsteher und Aufsichtsbeamte der Bahnhöfe,
Zugführer während der Fahrt.
(4) Im Dienst ist der Lokomotivführer Vorgesetzter seines Heizers oder Beimanns und der ihm zur Ausbildung zugeteilten Personen.
Der Führer einer elektrischen Lokomotive oder eines Triebwagens ist befugt, einem nicht besonders ausgebildeten Beimann - Zugführer, Zugschaffner, Rangierer usw - für die diesem als Beimann obliegenden Aufgaben dienstliche Weisungen zu erteilen.

(5) Der Heizlehrer ist bei Ausübung seiner Täigkeit Vorgesetzter des Heizers.


§  3
Dienstfähigkeit
(1) Die Lokomotivbeamten müssen das für ihren Dienst erforderliche Seh-, Farbenunterscheidungs- und Hörvermögen besitzen. Erreichen sie in den nach den Tauglichkeitsvorschriften zugelassenen Fällen das vorgeschriebene Maß der Sehschärfe nur mit Augenglas, so müssen sie dieses im Dienst stets tragen und ein Ersatzglas bei sich führen.

(2) Merken sie, daß sie eine von ihnen verlangte Dienstleistung nicht mehr betriebssicher durchführen können, haben sie es dem Dienstvorsteher oder Aufsichtsbeamten, beim Zuge dem Zugführer, beim Rangieren dem Rangierleiter rechtzeitig zu melden.


§  4
Dienstvorschriften
(1) Die Vorschriften und Befehle, die die Lokomotivbeamten ganz oder zu Teil kennen müssen, sind in der Anlage 1 aufgeführt.
Bei Vorschriften, die die Lokomotivbeamten nur zum Teil kennen müssen, sind die für sie in Betracht kommenden Paragraphen aus der hinter dem Verteilungsplan jeder Vorschrift stehenden Übersicht zu ersehen.

(2) Der Lokomotivführer ist für die rechtzeitige Berichtigung seines Fahrplans und des Anhangs zu den Fahrdienstvorschriften persönlich verantwortlich.

(3) Der Lokomotivführer ist berechtigt, die vom Zugführer im Dienst mitzuführenden Fahrdienstvorschriften einzusehen.


§  5.
Ausrüstung des Lokomotivführers
(1) Der Lokomotivführer muß im Dienst die in der Anlage 1 unter A (b, c) mit * bezeichneten Vorschriften und Befehle, eine Anzahl Meldekarten und die sonst vorgeschriebenen Vordrucke bei sich führen.

(2) Er hat seine Uhr vor Antritt der Fahrt nach der Bahnhofsuhr zu stellen.


§  6
Ausrüstung der Lokomotive
Der Lokomotivführer sorgt dafür, daß die im Verzeichnis der Ausrüstungsgegenstände für Lokomotive und Tender aufgeführten Gegenstände brauchbar und vollständig sind und daß sie gut und sicher verwahrt werden. Fehler und Mängel meldet er.


§  7
Antritt, Wechsel und Beendigung des Dienstes.
Gastfahrten
(1) Die Lokomotivbeamten haben sich bei Dienstantritt daheim und auswärts zu melden. Die Art der Meldung regelt sich nach örtlicher Anordnung. Vor Antritt des Dienstes auf der Heimatdienststelle haben sie von neuen Verfügungen usw Kenntnis zu nehmen.
Wenn sie den Dienst beenden, müssen sie sich über ihren nächsten Dienst unterrichten.

(2) Ehe sie an einem neuen Dienstort selbständig Dienst leisten, müssen sie die örtlichen Anordnungen und Verhältnisse kennen.

(3) Beim Dienstwechsel auf der Lokomotive dürfen sich die Lokomotivbeamten erst entfernen, nachdem sie die Lokomotive den Ablösern übergeben, diese über den Zustand der Lokomotive unterrichtet und ihnen etwaige dienstliche Besonderheiten mitgeteilt haben.

(4) Gastfahrten dürfen nur mit Ausweis und - abgesehen von Zuverspätungen - nur mit den im Dienstplan vorgesehenen Zügen ausgeführt werden.


§  8
Technische Kenntnisse
(1) Der Lokomotivführer muß alle Einrichtungen der ihm zugeteilten Lokomotive, ihre Bauart und Bedienungsweise kennen. Er muß sich auch allgemein mit der Bauart und Behandlung der Lokomotive und mit den übrigen seinen Dienst berührenden Einrichtungen, Neuerungen und Änderungen vertraut machen, soweit ihm dazu Gelegenheit gegeben ist.

(2) Lokomotivheizer und Beimann müssen sich mit der Einrichtung der Lokomotive vertraut machen, soweit dies ihr Dienst erfordert.



§  9
Fahrtberechtigung, Zulassung der Heizer zum Schnellzugdienst
(1) Fahrberechtigt ist, wer die Lokomotivführerprüfung bestanden hat oder durch einen Ausweis der vorgesetzten Stelle für fahrberechtigt erklärt worden ist.

(2) Wer nicht fahrberechtigt ist, darf in Abwesenheit des Lokomotivführers die Lokomotive nicht in Gang setzen.
Er hat auf besonderem Vordruck zu bescheinigen, daß er von diesem Verbot Kenntnis erlangt hat.

(3) Bei Schnellzügen dürfen nur Heizer verwendet werden, die den Anforderungen der besonderen Bestimmungen entsprechen und vom Vorstand des Maschinenamts besonders zugelassen sind. Ist ein Lokomotivheizer, der einen Schellzug fahren soll, nicht zugelassen, so hat er es zu melden.


§  10
Erwerb und Verlust der Streckenkenntnis
(1) Der Lokomotivführer erwirbt die Streckenkenntnis dadurch, daß er unter Leitung eines streckenkundigen Lokomotivführers als dritter Mann auf der Lokomotive Belehrungsfahrten ausführt, deren Mindestzahl von der Reichsbahndirektion festgelegt wird.
Von einfachen Verhältnissen abgesehen, sind mindestens drei Belehrungsfahrten bei Tag und bei Nacht in jeder Richtung auszuführen. Eine Fahrt bei Tag und eine Fahrt bei Nacht in jeder Richtung genügt, wenn der Lokomotivführer die Strecke innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens drei Monate lang im Heizerdienst befahren hat. Weitere Voraussetzung ist, daß er auf besonderem Vordruck schriftlich erklärt hat, daß er die Strecke kennt.
Der Lokomotivführer muß außerdem nach den Belehrungsfahrten unter Aufsicht eines streckenkundigen Lokomotivführers auf der betreffenden Strecke die Lokomotive zweimal in jeder Richtung selbst geführt haben.

(2) Hat  der Lokomotivführer eine Strecke innerhalb sechs Monaten nach der letzten Belehrungsfahrt nicht selbständig als Lokomotivführer befahren, so muß er die Streckenkenntnis durch mindestens eine Belehrungsfahrt bei Tag und eine bei Nacht in jeder Richtung erneuern.

(3) Die Streckenkenntnis gilt ferner - einfache Verhältnisse ausgenommen - als verloren und muß nach (1) Absatz 1 wieder erworben werden, wenn der Lokomotivführer eine Strecke länger als zwölf Monate nicht mehr als Lokomotivführer befahren hat, oder wenn während einer kürzeren Unterbrechung der Fahrten wesentliche Änderungen an der Strecke vorgenommen worden sind. Ein Führen der Lokomotive unter Aufsicht ist hierbei nicht nötig.

(4) Der Lokomotivführer hat den Vordruck "Selbstüberwachung der Streckenkenntnis" zu führen und halbjährlich - am 1. Juli und 1. Januar - bei der Heimatdienststelle abzugeben.

(5) Der Lokomotivführer hat mindestens einen Monat, bevor er die Streckenkenntnis auf einer Strecke verliert, dies zu melden, damit die Heimatdienststelle für die Erhaltung der Streckenkenntnis sorgen kann.


§  11
Fassen und Verbrauch der Betriebsstoffe
Der Lokomotivführer sorgt dafür, daß die Lokomotive genügend mit Vorräten versehen wird. Er muß auf sparsamen Verbrauch und richtige Beschaffenheit der Betriebsstoffe achten und Mängel sobald als möglich melden, insbesondere wenn sich dadurch Anstände ergeben haben. Er darf aber nicht durch falsche Sparsamkeit die Fahrgeschwindigkeit und die Sicherheit des Zuges beeinträchtigen oder den guten Zustand der Lokomotive und ihrer einzelnen Teile gefährden, auch soll er die Heizung nicht vernachlässigen.


§  12
Dienstbereitschaft
Während der Dienstbereitschaft dürfen Lokomotivführer von Dampflokomotiven und Lokomotivheizer gleichzeitig die Lokomotive nur verlassen, wenn diese in einem Lokomotivschuppen oder auf einem zugehörigen Gleis unter Aufsicht steht. Fehlt die Aufsicht, so muß einer von ihnen auf der Lokomotive bleiben.
Elektrische Lokomotiven und Triebwagen dürfen während der Dienstbereitschaft von Führer und Beimann gleichzeitig nur verlassen werden, wenn sie außer Spannung gesetzt und die Führerstände so abgeschlossen sind, daß sie nicht von Unbefugten betreten werden können.


§  13
Mitnahme von Gegenständen auf die Lokomotive
Die Lokomotivbeamten können ihren Reisebedarf und in beschränktem Umfang auch Waren für den eigenen Haushalt mit auf die Lokomotive nehmen, dürfen aber die Zoll- und Steuervorschriften nicht umgehen. Arzneimittel und ähnliches dürfen sie auch für andere Reichsbahnbedienstete an Orten ohne Apotheke mitnehmen.

§  14
Verhalten während der Fahrt
(1) Die vorgeschriebenen Signale sind deutlich zu geben und solange zu wiederholen, bis sie beachtet werden. Bei Nebel und Unwetter ist besondere Vorsicht geboten.

(2) Wenn der Lokomotivführer feststellt, daß die Lokomotive Vorspann oder Wasser braucht oder wegen eines Schadens ausgewechselt werden muß, so meldet er es je nach Lage bei dem nächsten Halt persönlich oder wirft während der Durchfahrt auf einem Bahnhof ein Meldung ab. In beiden Fällen verständigt er so bald als möglich den Zugführer.


§  15
Inkrafttreten
Diese Dienstanweisung, durch Erlaß des Reichsverkehrsministers 52.570 Pad vom 5. Juli 1940 für das ganze Gebiet der Deutschen Reichsbahn festgesetzt, tritt am 1. September 1940 in Kraft. Die Dienstanweisung für die Lokomotivbeamten vom 1. Oktober 1927 wird gleichzeitig aufgehoben.

Anlage 1
Verzeichnis der Vorschriften und Befehle,
die die Lokomotivbeamten ganz oder zum Teil kennen müssen
Vorbemerkung
Aushilfskräfte erhalten nur die Dienstanweisung für die Lokomotivbeamten, alle übrigen Vorschriften werden ihnen bei der Dienststelle zugänglich gemacht.
Die mit * bezeichneten Vorschriften und Befehle müssen die Lokomotiv- und Triebwagenführer im Dienst bei sich führen.


A. Persönliche zuzuteilen sind:

a) allen Lokomotivbeamten:
1. Allgemeine Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten (ADA) (019)
2. Dienstanweisung für die Lokomotivbeamten (010)
3. Fahrdienstvorschriften (FV) (408)
4. Signalbuch (SB) (301)
5. Unfallverhütungsvorschriften (UVV), Teil I und IV (132 I und IV)
6. Dienstvorschrift für Dampflokomotiven (DV Lok) (938) (nur bei Dienst auf Dampflokomotiven)
7. Dienstvorschrift für elektrische Lokomotiven (DV Ellok) (953) (nur bei Dienst auf elektrischen Lokomotiven und elektrischen Triebwagen)
8. Dienstvorschrift für Triebwagen mit Verbrennungsmotor (DV TV) (962) (nur bei Dienst auf Triebwagen mit Verbrennungsmotor)
9. Allgemeine Vorschrift für den Dienst auf elektrisch betriebenen Strecken (DV Eb) (462) (nur bei Befahren elektrisch betriebener Strecken)
b) den Lokomotivführern und Triebwagenführern außerdem:
* 10. Buchfahrplan für die zu befahrende Strecke, bei Sonderzügen gegebenenfalls außerdem die Fahrplanordnung
* 11. Anhang zu den Fahrdienstvorschriften (AzFV), einschl des Sonderheftes Abschnitt 21
* 12. La (Übersicht der vorübergehend eingerichteten Langsamfahrstellen)
13. Dienstvorschrift für die Ermittlung der Betriebsleistungen (VBL) (407) oder Auszug daraus
14. Vorschrift für den Bremsdienst (Brevo) Teil II, Bedienung und Unterhaltung der Druckluftbremsen im Betrieb (464 II )
c) den Lokomotivführern außerdem:
* 15. Merkblatt Notverbindungen bei Zugtrennungen (499 21)
16. Merkbuch für den Fahrzeugführer zur Bedienung der mit induktiver Zugbeeinflussung nach der Dreifrequenzbauart ausgerüsteten Fahrzeuge mit einem Führerstand (Schnellzuglokomotiven) (nur bei Lokomotiven mit Zugbeeinflussung)
17. Merkblatt für den Führer von Vorspannlokomotiven in Fällen, wo nur die Zuglok Zugbeeinflussung hat (nur bei Lok mit Zugbeeinflussung)
18. Vorschriften für den Bremsdienst (Brevo) Teil I (464 I)

B. Den Lokomotivbeamten müssen bei der Heimatdienststelle zugänglich sein:

1. Laufbahnvorschriften für die Lokomotivbeamten
2. Dienstdauervorschriften (DDV) (052)
3. Kleiderkassenvorschrift (KlkV) (109)
4. Dienstkleidungsordnung (DKO) (110)
5. Vorschriften über die Aufwandsentschädigung des Zugpersonals (VAZ) (160)
6. Lokomotiv- und Bahnhoffahrordnungen
7. Dienstvorschrift für die Behandlung der Dampflokomotiven und Tender im Betrieb (Lok Betr) (947)
8. Merkblatt für die Heizung der Züge mit Ausnahme der elektrischen Heizung (Merkblatt Heiz) (zu 926)
9. Richtlinien für die Unterhaltung, Bedienung und Prüfung der Vorwärmeranlagen bei Dampflokomotiven im Betriebe
10. Dienstvorschrift über die Beleuchtung der Wagen und Lokomotiven mit Preßgas (949)
11. Merkblatt für Lokbedienstete und Zugbegleiter zur Bedienung von Turbo-Zugbeleuchtungsanlagen (956a) und Merkblatt
12. Vorläufige Dienstvorschrift für die elektrische Beleuchtung der Dampflokomotiven (durch Turbo-Generator) (961)
13. Sammlung betrieblicher Vorschriften (SbV)
14. Auszug aus der Dienstvorschrift für die Aufstellung und Bekanntgabe von Betriebs- und Bauanweisungen bei Abweichungen vom Regelbetrieb (406a)
15. Vorschriften für den Streckenfernsprechdienst (441)
16. Merkblatt zur Verhütung von Betriebsstörungen durch Frost und Schnee (MB Schnee) (446)
17. Kurze Winke zur vorläufigen Hilfeleistung bei Verletzungen und Erkrankungen vor Ankunft des Arztes (433 04)
18. Dienstanweisung für die Zugbegleitbeamten (023)
19. Vorschrift für vereinfachten Nebenbahndienst (VNd) (437) - nach Bedarf
20. Feuerlöscher in den Fahrzeugen (Feufa) (935) (nur bei Dienst auf elektrischen Fahrzeugen und auf Triebwagen mit Verbrennungsmotor)
auf Strecken mit elektrischem Zugbetrieb außerdem:
21. Dienstvorschrift für die Sicherheitsfahrschaltung an elektrischen Lokomotiven und Triebwagen (DV Sel) (969) } nur bei Dienst auf elektrischen Lokomotiven und Triebwagen
22. Dienstvorschrift für die Bedienung der elektrischen Zugheizung (Elheizbed) (927)

Die in A angeführten Vorschriften und Befehle müssen den beteiligten Lokomotivbeamten auch bei der Heimatdienststelle zugänglich sein.


Anlage 2
Leitsätze für die Sicherung der Spuren und Beweisstücke bei Entdeckung eines Eisenbahnfrevels
(1) Der Tat- oder Unfallort ist möglichst in unverändertem Zustand zu erhalten, daher abzusperren und durch Wachposten oder Streifer zu sichern. Das Betreten des abgesperrten Teiles ist tunlichst zu vermeiden und der Zutritt in einem Umkreis von mindestens 20 bis 25 Meter zu verbieten. Dies bezweckt, vorhandene Spuren den zur Aufnahme berufenen Beamten und Sachverständigen zu erhalten.

(2) Es ist darauf zu achten, daß niemand vor Eintreffen der sofort herbeigerufenen Gendarmerie-, Polizei- oder Eisenbahnfahndungsbeamten und Polizeihundeführer vorhandene Spuren und von Verbrechern berührte oder zur Verübung des Verbrechens benutzte Gegenstände berührt. Sind solche Gegenstände der Aufrechterhaltung des Betriebes hinderlich, so sind sie behutsam in unmittelbarer Nähe des Tatorts beiseite zu nehmen. Es ist nach Möglichkeit zu vermeiden, die vorgefundenen Gegenstände mit den Händen oder mit Hilfsmitteln - Stangen, Haken usw - zu berühren, die mit einem starken Geruch behaftet sind.

(3) Dem die Untersuchung führenden Beamten sind alle Personen zu bezeichnen, die vor dem Polizeibeamten und dem Polizeihundeführer am Tatort erschienen waren.

(4) Beachtenswerte Spuren sind: Fußabdrücke, nackte, solche mit Stiefeln, Strümpfen oder Socken; Abdrücke von Fingern, Handflächen, besonders an glatten Flächen und Glasscheiben; solche von Knien, Kleidungsstücken, Korbböden, Fahrrad- und Kraftwagenreifen, Stockzwingen, Hufen von Tieren usw; Eindrücke von Werkzeugen (Meißel, Stemmeisen, Pickel bei Einbrüchen und Aufbrüchen von Kisten); Eindrücke von Rädern, von Karren und Fuhrwerken in die Erde; Schnitt- und Hiebflächen von Sägen, Messern, Beilen usw, Haare und Blutreste.

(5) Solche Spuren sind, um sie vor der Vernichtung zu schützen, durch Überdecken mit einer Kiste, einem großem Topf, einem auf zwei Latten ruhenden Brett und dgl zu sichern. Zur Überdeckung dürfen starkriechende Gegenstände - frischgestrichene Bretter, Wagenteile, frisch imprägnierte Holzschwellen usw - nicht benutzt werden. Alle Spuren sind möglichst gegen Witterungseinflüsse zu schützen.

(6) Spuren, wie Fußabdrücke usw im Schnee, werden gegen das Auftauen geschützt, indem man sie mit einer Kiste, einem Eimer oder Kübel bedeckt und darüber Schnee aufhäuft. Je größer der Haufen Schnee ist, der den überstülpten Gegenstand umgibt, um so länger erhält sich der darunter befindliche Abdruck. Wenn mehrere Fußabdrücke derselben Person vorhanden sind, so wähle man nach Feststellung der Schrittrichtung den besten Abdruck vom rechten und den besten vom linken Fuß und schütze sie vor Vernichtung, auf die oben beschriebene Weise. Fußabdrücke mit besonderen Merkmalen, z B Fleckstücke auf den Stiefelsohlen, Nägel usw, sind auch dann als wichtige Anhaltspunkte anzusehen und zu schützen, wenn der Abdruck nicht vollständig ist.



Einführungsverfügung
zur
Dienstanweisung für die Lokomotivbeamten
(gültig vom 1. September 1940 an)
(1) Die Dienstanweisung wurde den inzwischen eingetretenen organisatorischen Veränderungen und den Änderungen der Vorschriften angepaßt.

(2) Im Verteilungsplan wurden Einschränkungen vorgenommen.
Der Kreis der Bediensteten, denen die Dienstanweisung zugänglich zu machen ist, wurde eingeschränkt.
Die Verteilungspläne der einzelnen Vorschriften werden gesondert berichtigt.

(3) Es wurde hinter dem Verteilungsplan eine Übersicht beigefügt, aus der ersichtlich ist, welche Paragraphen der Dienstanweisung die Bediensteten kennen müssen, für die die Dienstanweisung nur zum Teil in Betracht kommt.

(4) Die Reihenfolge der Paragraphen, teilweise auch ihr Aufbau, wurde geändert.

(5) Die Bestimmungen des § 2 sind dem Deutschen Beamtengesetz und der Allgemeinen Dienstanweisung für die Reichsbahnbeamten angepaßt worden.

(6) Bestimmungen, die ihrem Inhalt nach in den Fahrdienstvorschriften oder in den Unfallverhütungsvorschriften stehen, wurden weggelassen.

(7) Das Verzeichnis der Vorschriften, die die Lokomotivbeamten ganz oder zum Teil kennen müssen, wurde neu erstellt.
Nicht mehr persönlich zuzuteilen, sondern nur zugänglich zu machen sind künftig das Merkblatt für Lokomotivbedienstete und Zugbegleiter zur Bedienung der Turbo-Zugbeleuchtungsanlagen, die Dienstvorschrift für die Bedienung der elektrischen Zugheizung, das Merkblatt für die Heizung der Züge mit Ausnahme der elektrischen Heizung.
Persönlich zuzuteilen sind dagegen neu die Bremsvorschriften Teil II, die Dienstvorschriften für die Ermittlung der Betriebsleistungen (oder Auszug daraus), nach Bedarf ferner das Merkbuch für den Fahrzeugführer zur Bedienung der mit induktiver Zugbeeinflussung nach der Dreifrequenzbauart ausgerüsteten Fahrzeuge mit einem Führerstand und das Merkblatt für den Führer von Vorspannlokomotiven in Fällen, wo nur die Zuglok Zugbeeinflussung hat, den Lokomotivführern außerdem die Bremsvorschriften Teil I.
Nicht mehr bei der Dienststelle für die Lokommotivbeamten aufzulegen sind die Personalvorschriften, die Vorschrift über die Heranziehung der Reichsbahnbediensteten zum Schadenersatz, die Freifahrvorschrift, die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung, die Fundvorschriften, die Dienstanweisungen für die Zugrevisoren, für die Beamten des örtlichen Wagenuntersuchungsdienstes, für die Rangierbeamten, für die Beamten des Weichen- und Stellwerksdienstes und für die Bahnwärter und Schrankenwärter.
Neu werden aufgelegt die Sammlung betrieblicher Vorschriften, die Dienstvorschrift für die Sicherheitsfahrschaltung an elektrischen Lokomotiven und Triebwagen und nach Bedarf die Vorschrift für den vereinfachten Nebenbahndienst.
Die nicht mehr persönlich zuzuteilenden Vorschriften sind einzufordern; sie sind ebenso wie die nicht mehr zugänglich zu machenden Vorschriften an die Drucksachenverwaltung abzuliefern, die neu in das Vorschriftenverzeichnis aufgenommenen Vorschriften sind, soweit notwendig, bei der Drucksachenverwaltung zu bestellen.

(8) Soweit die in der Anlage 1 aufgeführten Vorschriften bei den Bediensteten der Ostmark noch nicht eingeführt sind, ordnen die Reichsbahndirektionen Augsburg, Linz, München, Villach und Wien an, welche österreichischen Vorschriften bis zur Einführung der Reichsbahnvorschriften den Lokomotivbeamten persönlich zuzuteilen und zugänglich zu machen sind.


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