Verein mitteleuropäischer Eisenbahnverwaltungen
Einheitliche Bezeichnung
der
Lokomotiven, Tender und Triebwagen
Nach den Beschlüssen des Technischen Ausschusses
in Innsbruck, am 27./29.Mai 1936

Vorbemerkungen
Die einheitliche Bezeichnung der Lokomotiven, Tender und Triebwagen erstreckt sich
A. auf die Kennzeichnung der Achsfolge, unterschieden nach angetriebenen Achsen und Lenkachsen
B. auf die Kennzeichnung der wichtigsten Unterteilungsmerkmale des Fahrgestelles nach Hauptrahmen, Drehgestellen, Treibgestellel und den in ihnen gelagerten Achsen,
C. auf Zusatzbezeichnungen, deren Anwendung empfohlen wird, wenn weitere Einzelheiten der Bauart kurz bezeichnet werden sollen.
Die Kennzeichnung der Achsfolge und der Unterteilung des Fahrgestells gilt gleichmäßig für Lokomotiven, Tender und Triebwagen.
Die Zusatzbezeichnungen gelten gleichmäßig für Lokomotiven und Triebwagen.
Die Bezeichnungen werden in der Reihenfolge angeordnet, daß auf den Ausdruck für Achsfolge und Unterteilung des Fahrgestells unmittelbar die Zusatzbezeichnungen folgen, wenn solche angewandt werden. Für weitere Einzelheiten der Bauart der Lokomotiven, Tender und Triebwagen sind keine einheitlichen Bezeichnungen festgesetzt; sie werden im Falle das Bedarfs durch Worte ausgedrückt, die der einheitlichen Bezeichnung unmittelbar folgen.
Die nachfolgenden Skizzen für die Achsfolgebezeichnugnen sind in Übereinstimmung mit dem Sprechen dieser Bezeichnungen von links nach rechts gezeichnet, unabhängig davon, wie man sonst Lokomotiven auf Zeichnungen darstellt.


I. Lokomotiven
A. Achsfolge im Hauptrahmen

Laufachsen werden durch arabische Ziffern bezeichnet, nicht vorhandene Laufachsen werden nicht bezeichnet.
Miteinander gekuppelte angetriebene Achsen werden durch große lateinische Buchstaben bezeichnet.
Folgen mehrere, nicht miteinander gekuppelte angetriebene Achsen aufeinander, so werden diese Achsen durch den gleichen großen lateinischen Buchstaben bezeichnet, der anzuwenden wäre, wenn diese Achsen gekuppelt wären; diesem Buchstaben wird aber ohne Zwischenraum eine kleine auf die Zeile gesetzte o (Null) beigefügt.
 
Es bedeutet
1 eine Laufachse
2 zwei im Hauptrahmen gelagerte aufeinanderfolgende Laufachsen
A eine angetriebene Achse
B zwei miteinander gekuppelte angetriebene Achsen
Bo zwei nicht miteinander gekuppelte angetriebene Achsen
usw.

Sind angetriebene Achsen in einem und demselben Rahmengestell gelagert und gruppenweise gekuppelt, so werden die für jede Gruppe geltenden Kennbuchstaben getrennt nebeneinander gesetzt.

Beispiele:

1. Die Achsfolge einer Lokomotive mit drei gekuppelten angetriebenen Achsen ohne Laufachsen wird durch

C
bezeichnet (vgl. Bild 1 ).
vorn hinten
Bild 1

2. Die Achsfolge einer Lokomotive mit einer vorderen Laufachse und drei gekuppelten angetriebenen Achsen wird durch

1 C
bezeichnet (vgl. Bil d2).
vorn hinten
Bild 2

3. Die Achsfolge einer Lokomotive mit zwei Laufachsen und zwei gekuppelten angetriebenen Achsen, die alle vier im Hauptrahmen gelagert sind, wird durch

2 B
bezeichnet (vgl. Bild 3).
vorn hinten
Bild 3

4. Die Achsfolge einer Lokomotive mit vier in einem und demselben Rahmen gelagerten, in Gruppen zu je zweien gekuppelten angetriebenen und einer Laufachse an jedem Ende wird durch

1 B B 1
bezeichnet (vgl. Bild 4).
vorn hinten
Bild 4

5. Die Achsfolge einer Lokomotive mit mit vier in demselben Rahmen gelagerten einzeln angetriebenen ungekuppelten Achsen und einer Laufachse an jedem Ende wird durch

1 Do 1
bezeichnet (vgl. Bild 5).
vorn hinten
Bild 5

B. Achsfolge bei Unterteilung des Fahrgestells

Achsen oder Achsgruppen, die zu einem und demselben Rahmengestell gehören, werden in gleicher Weise wie in Abschnitt A bezeichnet. Die Kennzeichen dieser Achsen werden jedoch

 
mit einem über der Zeile stehenden Beistrich versehen, wenn es sich nur um eine Ziffer oder nur um einen Buchstaben handelt,
in Klammern gesetzt, wenn sie mehr als eine Ziffer oder einen Buchstaben umfassen:
Es bezeichnen:
1' eine vom Hauptrahmen unabhängige Laufachse (z.B. Bisselachse)
2' zwei vom Hauptrahmen unabhängige Laufachsen (z.B. ein Laufachsdrehgestell)
A' eine vom Hauptrahmen unabhängige Treibachse
B' zwei miteinander gekuppelte, vom Hauptrahmen unabhängige und in einem besonderen Rahmengestell - Treibgestell - gelagerte Treibachsen
Bo' zwei nicht miteinander gekuppelte in einem Treibgestell gelagerte Treibachsen
(1 A) ein Treibgestell mit einer Lauf- und einer Treibachse
(1 C) ein Treibgestell mit einer Lauf- und drei miteinander gekuppelten Treibachsen
usw.
Adamsachsen, Bisselachsen, Laufachsen des Krauß-Helmholtz-Drehgestells gelten als nicht im Hauptrahmen gelagert und werden daher mit einem Beistrich bezeichnet.
Im Hauptrahmen oder im Rahmen eines Treibgestells quer verschiebbare Treibachsen, also auch die Treibachsen des Krauß-Helmholtz-Drehgestells, ferner Lenkachsen gelten als in diesem Rahmen gelagert.
Das Vorhandensein eines Krauß-Helmholtz-Drehgestells oder von Lenkachsen muß in Worten "mit Krauß-Helmholtz-Drehgestell" oder "mit Lenkachsen" vermerkt werden.
Achsen, die als Laufachsen und mittels eines Hilfsantriebs auch als Treibachsen verwendbar sind, werden durch kleine Buchstaben bezeichnet.
Zur Bezeichnung von Lokomotiven, die aus mehreren je für sich allein arbeitsfähigen oder aus einzeln verfahrbaren Bestandteilen ohne gemeinsamen Überbau zusammengesetzt sind, werden die Bezeichnungen der einzelnen Teilfahrzeuge durch das Zeichen "+" verbunden.

Beispiele:

6. Die Achsfolge einer Lokomotive mit zwei Laufchsen in einem vorderen Drehgestell, drei gekuppelten angetriebenen Achsen und hinten mit einer fest im Hauptrahmen und einer in einem Deichselgestell gelagerten Achse wird durch
2' C 1 1'
bezeichnet (vgl. Bild 6).
 
vorn hinten
Bild 6


7. Die Achsfolge einer Mallet-Lokomotive mit einem Treibgestell mit drei Treibachsen und mit drei im Hauptrahmen gelagerten Treibachsen wird durch

C' C
bezeichnet (vgl. Bild 7).
 
vorn hinten
Bild 7


8. Die Achsfolge einer Lokomotive mit einem vorderen Drehgestell, drei gekuppelten angetriebenen Achsen und hinten mit einer in einem Deichselgestell gelagerten Laufachse mit Hilfsantrieb wird durch

2' Ca'
bezeichnet (vgl. Bild 8).
 
vorn hinten
Bild 8


9. Die Achsfolge einer elektrischen Lokomotive, die aus zwei nur durch Zug-, Stoß- und Steuervorrichtungen miteinander verbundenen Fahrzeughälften besteht und deren beide Teilfahrzeuge je drei angetriebene Achsen und je eine Laufachse haben, wird durch

1 C + C 1
bezeichnet (vgl. Bild 9).
 
vorn hinten
Bild 9


10. Die Gotthard-Lokomotive, die aus zwei nur durch Zug-, Stoß- und Steuervorrichtungen miteinander verbundenen Fahrzeughälften besteht, und deren beide Teilfahrzeuge je zwei Treibgestelle mit je einer Lauf- und einer Treibachse, ferner zwei im Hauptrahmen gelagerte Treibachsen und eine im Hauptrahmen gelagerte Tragachse haben, werden mit

(1 A) A 1 A (A 1) + (1 A) A 1 A (A 1)
bezeichnet (vgl. Bild 10).
 
vorn hinten
Bild 10

C. Zusatzbezeichnungen
Dem Ausdruck für die Achsen können folgende Angaben in einem kleinen Abstand angefügt werde:
 
1. Für Dampflokomotiven
a) Dampfart: h = Heißdampf
n = Naßdampf
b) Dampfzyliner: Die Zahl der Dampfzylinder wird in arabischer Ziffer auf die Zeile gesetzt
c) Dampfdehnung: Keine Angabe = einstufige Dehnung
v = Verbundwirkung
Hat die Lokomotive einen Schlepptender, so wird, wo erforderlich, beigefügt:
mit Schlepptender.

Eine Tenderlokomotive wird als solche benannt:

Schnellzug-Tenderlokomotive

Beispiele:

11. Eine Vierzylinder-Verbund-Heißdampf-Schnellzuglokomotive mit vorderen zweiachsigen Laufachsgestell, drei gekuppelten Achsen und hinterer Laufachse wird als

2' C 1 h4v Schnellzuglokomotive
bezeichnet (vgl. Bild 11).
 
vorn hinten
Bild 11


12. Eine Vierzylinder-Verbund-Heißdampf-Mallet-Güterzuglokomotive mit einer vorderen Laufachse und drei gekuppleten Achsen im vorderen Treibgestell und drei gekuppelten Achsen im Hauptrahmen wird als

(1 C) C h4v Mallet-Güterzuglokomotive
bezeichnet (vgl. Bild 12).
 
vorn hinten
Bild 12
 
2. Für elektrische Lokomotiven
a) Stromart g = Gleichstrom
w = Wechselstrom
d = Drehstrom
b) Motoren Die Zahl der Motoren wird mit arabischer Ziffer auf die Zeile gesetzt.
c) Antriebsart: k = Kurbelantrieb ohne Vorgelege,
u = Übersetzungsvorgelege und Kurbelantrieb,
e = Einzelachsantrieb mit hochliegenden, im Rahmen gelagerten Motoren,
i = Einzelachsantrieb mit auf den Achsen ruhenden Tatzenmotoren.
Beispiele:
13. Eine Wechselstrom-Personenzuglokomotive mit zwei Motoren, vier zu je zweien gekuppelten Achsen, einer vorderen und einer hinteren Laufachse und Kurbelantrieb ohne Überstzungsvorgelege wird als
1' B B 1' w2k Personenzuglokomotive
bezeichnet (vgl. Bild 13).
 
vorn hinten
Bild 13
14. Eine Gleichstrom-Güterzuglokomotive mit vier Doppelmotoren in Westinhouseanordnung, vier angetriebenen Achsen, ohne Laufachsen, jedoch aus zwei kurz gekuppelten Einzelfahrzeugen bestehend, wird als
Bo + Bo g8e Güterzuglokomotive
bezeichnet (vgl. Bild 13).
 
vorn hinten
Bild 14
15. Eine Wechselstrom-Schnellzuglokomotive mit zwei Doppelmotoren, die je zwei Achsen durch Vorgelegewellen und Kuppelstangen antreiben, mit je zwei Achsen und einer Motorgruppe in je einem Treibgestell, mit vorderer und hinterer Laufachsen in Deichselgestellen und mit gemeinsamem Brückenüberbau für den Transformator über beiden Treibgestellen wird als
(1' B) (B 1') w4u Schnellzuglokomotive
bezeichnet (vgl. Bild 15).
 
vorn hinten
Bild 15
3. Für Turbinenlokomotiven, für Lokomotiven mit Verbrennungsmotoren und für andere Sonderbauarten sind keine Zusatzbestimmungen festgelegt.

II. Tender
Tender werden durch T bezeichnet. Sind die Achsen des Tenders in einem und demselben Hauptrahmen gelagert, so wird die Achsfolge durch die die Achszahl bezeichnende Ziffer dargestellt. Sind die Achsen eines Tenders in verschiedenen Rahmengestellen gelagert, so wird die Achsfolge entsprechend den Grundsätzen für Lokomotiven angegeben.
Die Achsfolgebezeichnung wird in kleinem Abstand vor das Zeichen T gesetzt. Der Wasserinhalt in Kubikmetern wird durch eine hinter das Zeichen T gesetzte Zahl angegeben.
Beispiele:

16. Ein Tender mit vier Achsen in einem Rahmen für 31,5 m³ Wasserinhalt wir durch

4 T 31,5
bezeichnet (vgl. Bild 16).
 
vorn hinten
Bild 16
17. Ein Tender für 31,5 m³ Wasserinhalt, bei dem vorn zwei Achsen in einem Drehgestell und hinten zwei Achsen im Hauptrahmen gelagert sind, wird durch
2' 2 T 31,5
bezeichnet (vgl. Bild 17).
 
vorn hinten
Bild 17
18. Ein Tender für 27 m³ Wasserinhalt mit zwei Drehgestellen wird durch
2' 2' T 27
bezeichnet (vgl. Bild 18).
 
vorn hinten
Bild 18
19. Ein vierachsiger Treibtender für 20 m³ Wasserinhalt mt einem zweiachsigen Treibgestell und einem zweiachsigen Laufachsdrehgestell wird bei abschaltbarem Hilfsantrieb als
b' 2' T 20 Treibtender
bezeichnet (vgl. Bild 19).
 
vorn hinten
Bild 19
20. bei ständigem Antrieb als
B' 2' T 20 Treibtender
bezeichnet (vgl. Bld 20).
 
vorn hinten
Bild 20
21. Ein vierachsiger Treibtender für 20 m³ Wasserinhalt mit zwei angetriebenen Achsen im Hauptrahmen und zweiachsigem Laufachsdrehgestell wird als
B 2' T20 Treibtender
bezeichnet (vgl. Bild 21).
 
vorn hinten
Bild 21

III. Triebwagen
Achsfolge und Zusatzbezeichnungen werden entsprechend den Grundsätzen für Lokomotiven angegeben.
Zusatzbezeichnungen für Speichertriebwagen, Triebwagen mit Verbrennungsmotoren und andere Sonderbauarten sind nicht festgelegt.

Beispiele:

22. Ein Triebwagen, der an jeden Ende mit einem Steuerwagen gekuppelt ist und zusammen mit diesem beiden Wagen betrieblich eine Einheit aus Fahrzeugen bildet, die einzeln zwar durch fremde Karft verfahrbar sind, aber nicht einzeln betrieben oder in Züge eingestellt werden können, und dessen dreiachsige Steuerwagen am Führerstandsende ein zweiachsiges Drehgestell, am anderen Ende eine Lenkachse haben, während das Triebfahrzeug ein zweiachsiges Treibgestell imt gekuppelten angetriebenen Achsen und eine Laufachse hat, wird als

2' 1 + B' 1 + 1 2' Triebwagen
bezeichnet (vgl. Bild 22).
 
vorn hinten
Bild 22

23. Ein Triebwagen, bestehend aus zwei Wagenkästen, die in der Mitte durch eine Jakobsgestell verbunden sind, und der an dem einen Ende ein zweiachsigesn Treibgestell, am anderen Ende ein zweiachsiges Laufachsgestell hat, wird als

Bo' 2' 2' Triebwagen mit Jakobsgestell
bezeichnet (vgl. Bild 23).
vorn hinten
Bild 23

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