Dienstvorschrift
für
den Fahrkartenverkauf und
die Abfertigung von Reisegepäck
und Hunden durch Zugführer

(Fahrkartenverkauf durch Zugführer)
- Fv d Z -
Gültig vom 1. Juli 1929


Die Reichsbahndirektion bestimmt die Bahnhöfe, auf denen ein Fahrkartenverkauf durch Zugführer stattfinden soll.
Für das Verfahren des Fahrkartenverkaufs durch Zugführer, für die Abfertigung von Fahrrädern und Reisegepäck auf Bahnhöfen, auf denen die Fahrkarten durch Zugführer verkauft werden, gelten folgende Bestimmungen:

§  1.
Fahrkarten.

1. Er werden Blockfahrkarten (Sammelkarten) in dünner Pappe in Blocks von je 25 oder 50 Stück nach folgendem Muster verwendet.
 
abtrennen

Natürliche Größe 15 x 4cm

(Das Muster stellt eine Fahrkarte 3.Kl. von Bauschwitz nach Sabine dar, die Zahl rechts neben dem Zielbahnhof bezeichnet die Tarifentfernung, die verkehrt stehende Zahl die Tarifentfernung des vorhergehenden Bahnhofs. Die Zahl (1) unter Bauschwitz im Kinderkartenabschnitt bedeutet die Fahrkartenreihe, die Bezeichnung "Ausgabe Neisse" unter Bauschwitz gibt den Verrechnungsbahnhof an [§ 2 (1) der Dienstvorschrift].)

2. Der Fahrpreis ist auf Grund der Tarifentfernung nach der von der Reichsbahndirektion in Erfurt herausgegebenen Preistafel zu ermitteln.

3. Die Blockfahrkarten werden in der Regel nur nach Bahnhöfen der Nebenbahn, in besonderen Fällen auch nach Bahnhöfen der Anschlußstrecke verausgabt.

4. Fahrkarten, gültig zur Rückfahrt werden nicht ausgegeben.

5. Werden Fahrkarten nur für wenige Verbindungen gebraucht, so können statt der Blockfahrkarten Edmonsonsche Fahrkarten oder Zettelkarten verwendet werden, für deren Behandlung die Reichsbahndirektion besondere Bestimmung trifft. Die folgenden Bestimmungen gelten daher nur für den Verkauf von Blockfahrkarten.


§  2.
Fahrkartenverkauf.

1. Die Zugführer erhalten die Blockfahrkarten zum Verkauf von den Fahrkartenausgaben der von der Reichsbahndirektion bestimmten Verrechnungsbahnhöfe überwiesen.

2. Nach Abfahrt von einem unbestzten Bahnhof geht der Zugführer mit den für den Verkauf auf diesem Bahnhof bestimmten Blocks durch den Zug und verabfolgt gegen Einziehung des Fahrgeldes den eingestiegenen Reisenden die Karten. Soweit Durchgangswagen nicht vorhanden sind, werden die Fahrkarten vor dem Einsteigen verkauft.

3. Bei den Blockfahrkarten wird die Fahrkarte in der Trennungslinie zwischen dem Bestimmungsbahnhof und dem nächstfolgenden Bahnhof mit der Schere so abgetrennt, daß der Bestimmungsbahnhof an dem Teil verbleibt, den der Reisende als Fahrkarte erhält. Der Rest der Karte wird als Stamm zurückbehalten.

4. Die Fahrkarten sind bei der Ausgabe sofort zu lochen. Die Fahrkarten erhalten je ein Lochzeichen im Kinderkartenabschnitt und links von dem Zielbahnhof. Bei Ausgabe von Kinderfahrkarten ist die Lochung statt im Kinderfahrkartenabschnitt im linken oberen Teil vorzunehmen.
 

Lochung der Fahrkarten
Lochung 
bei Fahrkarten 
für Erwachsene 
 

1. Lochzeichen 
bei Kinderfahrkarten 
2. Lochzeichen 
abtrennen 

5. Bei der Lochung ist auf deutlichen Abdruck der Zange zu achten.

6. Kinder vom vollendeten vierten bis zum vollendeten zehnten Lebensjahre erhalten eine Kinderkarte zum halben Preiss, der auf volle 5 Pfennig aufwärts abgerundet wird.
Z.B. beträgt bei dem Fahrkartenpreise von 15, 20, 30, 40 Pf.
der Kinderfahrpreis 10, 10, 15, 20 Pf.

7. Zwei Kinder werden auf eine ganze Fahrkarte verrechnet.

8. Zur Herstellung einer Kinderfahrkarte wird der am oberen Ende der Fahrkarte durch den Querstrich begrenzte Teil mit der Schere abgetrennt. Der Abschnitt ist vom Zugführer sorgfältig aufzubewahren und als Beleg der Fahrkartenausgabe abzuliefern.

9. Für jeden Hund, auch für die in den Personenwagen mitgenommenen, ist eine halbe Fahrkarte 3. Klasse zu verausgaben.

10. Soweit dem Zugführer gedruckte Karten nicht überwiesen sind, werden Blankokarten ausgegeben, die nach dem Vordruck vom Zugführer auszufüllen sind. Die Preise sind aus der dem Zugführer übergebenen Preistafel zu netnehmen.

11. Anträge auf Ausfertigung von Monatskarten, Teilmonatskarten, Wochenkarten und Schülermonatskarten sind vom Zugführer entgegenzunehmen und alsbald an den Verrechnungsbahnhof weiterzugeben.
Die von dem Verrechnungsbahnhof ausgefertigten Karten sind dem Antragsteller gegen Zahlung des Preises auszuhändigen, die Beträge hierfür sind dem Verechnungsbahnhof abzuliefern.


§  3.
Fahrunterbrechung.

Die Fahrunterbrechung ist durch entsprechende Lochung darzustellen.


§  4.
Abnahme der Blockfahrkarten.

Die Blockfahrkarten werden den Reisenden bei Beendigung der Reise am Bestimmungsbahnhof in derselben Weise abgenommen und von dem Bestimmungsbahnhof weiter behandelt, wie es für die übrigen Fahrausweise vorgeschrieben ist.


§  5.
Abfertigung von Fahrrädern.

Zur Abfertigung von Fahrrädern sind die Zugführer mit Blankofahrradkarten auszurüsten. Der untere Teil der Fahrradkarte ist dem Reisenden auszuhändigen und ihm bei Rückgabe des Fahrrades wieder abzunehmen.


§  6.
Wechselgeld.

Der Zugführer ist von der Fahrkartenausgabe des Verrechnungsbahnhofs mit einem Wechelsgelde auszurüsten, dessen Größe von dem Verkehrsamt festzusetzen ist.


§  7.
Gepäckbeförderung.
1. Gepäcksendungen von unbesetzten nach besetzten Bahnhöfen der Nebenbahn werden diesen Bahnhöfen zur Nachbehandlung überwiesen. Gepäcksendungen zwischen nicht unmittelbar aufeinanderfolgenden unbesetzten Bahnhöfen werden, soweit angängig, von einem zwischenliegenden besetzten Bahnhof nachbehandelt. Über die Nebenbahn hinaus bestimmte Gepäcksendungen werden auf dem Endbahnhof der Nebenbahn nachbehandelt, sofern der Reisende nicht weiterfährt oder die Übergangszeit zum Anschluß ausreicht, anderenfalls findet die Nachbehandlung auf dem endgültigen Zielbahnhof des Reisenden statt.

2. Das Reisegepäck im Verkehr zwischen zwei aufeinanderfolgenden unbesetzten Bahnhöfen derselben Nebenbahn wird vom Zugführer unter Verwendung des gewöhnlichen Gepäckscheinvordrucks abgefertigt. Das Gewicht der Gepäckstücke ist durch Schätzung im Benehmen mit den Eigentümern des Gepäcks zu ermittlen. Dasselbe Verfahren greift Platz, wenn die Nachbehandlung auf einem besetzten Zwischenbahnhof nicht möglich ist.

3. Über die näheren Bestimmungen betreffend Gepäckabfertigung hat sich der Zugführer bei der Gepäckabfertigung des Verrechnungsbahnhofs zu unterrichten. Die Frachtberechnung findet nach der von der Reichsbahndirektion Erfurt aufgestellten Preistafel statt.

4. Die nach unbesetzten Haltepunkten abgefertigten Gepäckstücke werden den Eigentümern gegen Rückgabe der Gepäckscheine am Packwagen ausgeliefert. Die eingezogenen Gepäckscheine werden dem Verrechnungsbahnhof übergeben.
Gepäckstücke, die am Bestimmungsbahnhof nicht abgenommen werden, sind dem nächstgelegenen besetzten Bahnhof zu übergeben.



§  8.
Verrechnung.

1. Die Zugführer haben bei der Fahrkartenausgabe des Verrechnungsbahnhofs die zum Verkauf bestimmten Fahrkartenbestände, Nachweise und Preistafeln in Empfang zu nehmen.

2. Die Fahrkartenausgabe hat die an die Zugführer abgegebenen Fahrkarten besonders nachzuweisen.

3. Über der Fahrkartenverkauf hat der Zugführer für jeden Bahnhof einen Nachweis nach dem Muster der Anlage I zu führen. In diesen sind die für den von dem Verkehrsamt vorgeschriebenen Verausgabungsabschnitt die verkauften Fahrkarten zu buchen. Der Erlös ist für diesen Zeitraum zusammenzurechnen.

4. Die Nachweise der Zugführer mit den Fahrkarten- und Gepäckscheinbeständen, dem vereinnahmten Fahrgelde, den zurückbehaltenen Fahrgeld- und Gepäckscheinstämmen, verstempelten Fahrkarten und Kinderkartenabschnitten sind zu den von dem Verkehrsamt vorgeschriebenen Zeitpunkten an die Fahrkartenausgabe des Verrechnungsbahnhofs abzuliefern.
Über die abgelieferten Geldsummen hat die Fahrkartenausgabe dem Zugführer Empfangsbescheinigung zu geben. Gleichzeitig hat der Zugführer durch Namensunterschrift neben der Einnahmerechnung der Fahrkartenausgabe die Ablieferung der Beträge zu bestätigen.
Die Fahrkartenausgabe hat die Buchungen in den Nachweisen mit den Stämmen der verausgabten Fahrkarten usw. zu vergleichen und sich zu überzeugen, daß die abgelieferten Einnahmen richtig sind.
Die Fahrkartenstämme, verstempelten Fahrkarten und Kinderkartenabschnitte sind von der Fahrkartenausgabe zu entnehmen und bis zum Dritteljahrsschluß aufzubewahren.

5. Nach Ablauf des Dritteljahrs hat die Fahrkartenausgabe auf Grund der von ihr geordneten Fahrscheinstämme für jeden Bahnhof und jede Reihe eine Dritteljahresrechnung nach dem Muster der Anlage II zu fertigen und an die Verkehrskontrolle I einzureichen.
Der Dritteljahresrechnung sind die Nachweise der Zugführer, die Fahrkarten- und Gepäckscheinstämme, die Kinderkartenabschnitte sowie die verstempelten Fahrkarten beizufügen.
Die Schlußbeträge dieser Rechnungen sind in die Rechnungen der Fahrkartenausgabe zu übertragen.

6. Für die in den Zügen verkauften Fahrkarten zur Weiterfahrt, Umwegs-, Übergangs-, Eilzug- und Schnellzugzuschlagskarten gelten die in den A.A.V. III § 9 Abs. 2 angegebenen Bestimmungen (Muster 14 und 15).


Anlage I
Fahrkarten-Nachweis
über die auf dem Bahnhof ...... durch Zugführer verkauften Fahrkarten.

[ Formblatt ]


Anlage II
Dritteljahresrechnung
des Bahnhofs ...... über die im Dritteljahr 19.. verkauften Fahrkarte, Reihe .....

[ Formblatt ]



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