Dienstvorschrift
über
Namen und Wegweiser auf den Bahnhöfen
(Naweba)
gültig vom 1. Oktober 1930

Einleitung
(1) Der Reisende soll sich als wohlgeleiteter, freundlich behandelter Gast der Eisenbahn fühlen; das Suchen des richtigen Weges muß ihm auf jede Weise erleichtert werden.

(2) Die Namen der Bahnhöfe *) und die Wegweiser müssen deshalb so reichlich angebracht sein, daß sich der Reisende überall leicht zurechtfinden kann. Doch soll ihre Zahl das unbedingt nötige Maß nicht überschreiten.

(3) Das Auge des Reisenden erfaßt jede Einzelanschrift unter der Gesamtwirkung aller benachbarten; für jede neue Anschrift ist deshalb zu prüfen, wie sie im Gesamteindruck wirkt. Je mehr sich die Anschriften häufen, um so weniger wirksam wird jede einzelne. Durch geschickte Anordnung und Gestaltung läßt sich die Zahl vermindern und trotzdem die Wirkung verstärken.

*) Bahnhöfe im Sinne dieser Vorschriften sind auch die Haltepunkte.


 A Name des Bahnhofs
§ 1
Allgemeines

(1) Der Name des Bahnhofs ist so anzubringen und zu beleuchten, daß er dem Reisenden im Zuge, sowohl beim Einfahren wie beim Halten, in die Augen fällt und auch bei Dunkelheit sicher erkannt wird. Er soll nicht nur am Empfangsgebäude und auf den Bahnsteigen, sondern auch an anderen günstig liegenden Bauten - Stellwerksgebäuden, Wassertürmen, Güterschuppen usw. - zu finden sein, besonders aber an den vom einfahrenden Zuge aus zuerst sichtbaren Gebäuden.

(2) Es empfiehlt sich, die Besitzer von Gasthöfen, Fabriken, Lagerhäusern usw. in der Nähe des Bahnhofs zu veranlassen, daß sie - auch in ihrem eigenem Vorteil - ihrer Firmenbezeichnug den Ortsnamen fernwirksam beifügen.


§ 2
Schreibweise

(1) Für den Namen des Bahnhofs und seine Schreibweise ist das Amtliche Bahnhofsverzeichnis maßgebend.

(2) Punkte hinter dem Namen sind wegzulassen, auch hinter Abkürzungen, z B Leer (Ostfriesl).


§ 3
Form, Farbe und Größe der Schrift
(1) Der Name ist in Balkenschreibweise mit großem Anfangsbuchstaben, sonst mit kleinen Buchstaben - also nicht durchweg mit großen - zu schreiben, und zwar in schwarzer Farbe auf weißem Grunde. Zur Unterscheidung von den übrigen Anschriften (vgl § 9) wird die weiße Grundfläche des Namens rechteckig schwarz umrahmt.

(2) Ausnahme in der Schriftform und Farbe können die Reichsbahndirektionen genehmigen. Der Name des Bahnhofs muß aber stets umrahmt werden, und zwar in der Farbe der Schrift.

(3) Die Größe der Schrift richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen. Im allgemeinen sind die Anfangsbuchstaben, je nach der Entfernung der Beschauer, 20 bis 60 cm hoch, unter Umständen auch noch größer zu machen.

(4) Um leicht lesbar zu sein, dürfen die Buchstaben nicht zu nah aneinandergereiht werden, besonders nicht an Schnellzugstrecken. Größe und Zwischenräume der Buchstaben stellt man durch Versuche fest. Die Leseproben müssen vom fahrenden Zuge aus bei Tages- und künstlicher Beleuchtung gemacht werden.


§ 4
Ausführung
(1) Wenn es die Bauart der Gebäude erlaubt, ist der Name unmittelbar auf die Wandflächen zu schreiben, sonst auf Schilder aus Holz, Eisen, Asbestschiefer und dergl; auch Metallschilder mit Schmelzüberzug und Glasschilder können zweckmäßig sein, wo sie nicht böswilliger Beschädigung ausgesetzt sind.

(2) Der Name kann gleichlaufend mit den Gleisen oder quer zu ihnen angebracht werden.

(3) Gleichlaufende Anschriften sind von nahe und schnell verüberfahrenden Zügen aus nur schwer lesbar. Gebäude in der Nähe der Gleise müsssen daher nicht nur an der Gleisseite, sondern auch an den beiden Querseiten den Namen tragen.

(4) Wo es an geeigneten Gebäuden fehlt, sind Schilder an Pfosten, Bahnsteigüberdachungen usw. freistehend anzubringen, sie dürfen aber den Stellwerken die Aussicht auf Signale und Weichen nicht beschränken. Schilder, die mit den Gleisen gleichlaufen, müssen ausreichend entfernt von ihnen sein. Damit die Anschriften vom Zuge aus auch in geringerer Entfernung länger lesbar sind, können die Schilder mit einem Rost senkrechter Latten versehen und die Schriftzeichen auf den Vorder- und Seitenflächen der Latten aufgetragen werden.

(5) Auf größeren Bahnhöfen wird der Name auch an den Schürzen der Bahnsteighallen anzubringen sein.

(6) Auf jedem Personenbahnsteig sind im allgemeinen an den Enden Querschilder und dazwischen, je nach seiner Länge, ein oder mehrere Längsschilder nötig. Auf den Gepäckbahnsteigen jedoch darf der Name nicht erschienen, da sonst Reisende verleitet werden können, nach der falschen Seite auszusteigen. Bei besonderen Verhältnissen können auch Querschilder inmitten der Bahnsteige nötig werden. Die Anschrift muß sich in der Regel in Abständen von etwa 100 m wiederholen. Auf Bahnsteigen von Stadt- und Vorortbahnen müssen die Abstände kleiner sein, damit trotz der Kürze des Aufenthalts kein Reisender den Namen vergeblich sucht.

(7) Der Name ist stets in der Nähe der Bahnsteiguhren und der Bahnsteiglampen anzuschreiben.

(8) Statt der Längs- und Querschilder können auch Winkelschilder zweckmäßig sein, die aus zwei oder vier im Grundriß gegeneinander geneigten Tafeln bestehen. Zweiteilige Winkelschilder sind für einsietige Bahnsteige vorzuziehen.


§ 5
Höhenlage
(1) Der Name muß im Gesichtsfeld des im Zuge Sitzenden erscheinen. Im allgemeinen wird sich die Höhe von etwa 3 m über Schienenoberkante empfehlen.

(2) Für Anschriften, die von den Gleisen weiter entfernt stehen oder von Zügen häufig verdeckt werden, ist eine größere Höhe zweckmäßig.

(3) Auf Bahnsteigen sind die Schilder so hoch anzubringen, daß sie den Verkehr nicht behindern.


§ 6
Beleuchtung
(1) Durch ausreichende Beleuchtung ist dafür zu sorgen, daß der Name auch bei Dunkelheit leicht gelesen werden kann. Hierauf ist zu achten, wenn die Beleuchtung neu eingerichtet oder verändert wird.

(2) Um bei schwacher Außenbeleuchtung den Namen herauszuheben, können Doppelschilder in Dachform unter Lampen so angebracht werden, daß das Licht von oben auf die Schrift fällt. Die Lampen sind zur Verstärkung der Lichtwirkung womöglich mit Rückstrahlern zu versehen.

(3) Die Lampen müssen gegen das Auge des Reisenden abgeblendet sein und so stehen, daß keine Stelle des Schiledes störend widerblinkt. Wichtige Schilder, die gegen hellen Hintergrund stehen, müssen u. U. auch bei Tage beleuchtet werden.

(4) Läßt sich auf andere Weise keine genügende Beleuchtung des Namens erreichen, so sind kastenförmige, durchschienende, von innen beleuchtete Schilder anzuwenden. Für diese Leuchtschilder kann weiße Schrift auf schwarzem Grunde oder schwarze Schrift auf weißem Grunde (mattes oder Milchglas) gewählt werden. Schwarze Schrift auf weißem Grunde ist besonders da angebracht, wo die Umgebung mitbeleuchtet werden soll.

(5) Die Leuchtschilder können auch Winkelschilder sein. Leuchtschilder sind da nicht am Platze, wo ihr Licht eine andere Lampe überstrahlen würde.



B Wegweiser auf Bahnhöfen
§ 7
Allgemeines

(1) Der Reisende muß beim Eintritt in das Empfangsgebäude sogleich die wichtigsten Wegweiser vorfinden (Fahrkarten, Gepäck, Warteräume, Aborte, Auskunft, Bahnsteige usw.). Ebenso müssen ihm beim Verlassen des Zuges auf dem Bahnsteig alle Wegweiser (Ausgang, Bahnsteige für die Weiterfahrt und dergl.) so in die Augen fallen, daß jedes Suchen und Fragen erspart wird.

(2) Um herauszufinden, wo Wegweiser notwendig sind, muß man besonders auf herumirrende und ratsuchende Frauen, Kinder und andere Reiseungewohnte achten. Wenn solche Beobachtungen, einige Zeit planmäßig fortgesetzt, zeigen, daß die Reisenden meistens an denselben Stellen und aus demselben Grunde unsicher werden, so erkannt man, wo und welche Fragen durch Wegweiser überflüssig zu machen sind.


§ 8
Schreibweise

(1) Die Anschriften sind kurz, aber höflich zu fassen. Es soll möglichst wenig "verboten" werden; vielmehr ist dem Reisenden zu sagen, was er tun soll (Beispiel der Anschrift über einem Papier- und Abfallkorb: Nicht: "Das Wegwerfen von Papier und Abfällen ist verboten", sondern: "Papier und Abfälle").

(2) Die Räume sind auf allen Anschriften mit dem amtlich festgesetzten Wortlaut zu benennen.


§ 9
Form, Farbe und Beleuchtung

(1) Die Wegweiser sind wie der Name des Bahnhofs in schwarzer Balkenschrift auf weißem Grunde (vgl. § 3) entweder unmittelbar auf die Werbeflächen zu schreiben oder auf besondere, rechteckige Schilder von angemessener Größe. Ausnahmen können die Reichsbahndirektionen zulassen.

(2) Die Schilder können an den Wänden, auf besonderen Pfosten, als Fahnenschilder oder als Schwebeschilder angebracht werden. Oft empfehlen sich auch Anschriften auf Türen, die unter Umständen hierzu mit Glasfüllungen zu versehen sind.

(3) Die Wegweiser und sonstigen dienstlichen Anschriften sind ohne Umrahmung herzustellen, damit sie sich von dem stets umrahmten Namen des Bahnhofs abheben (vgl. § 3).

(4) Alle Wegweiser müssen gut beleuchtet sein.

(5) Die Richtung ist durch einen fernwirksamen Pfeil (nicht durch eine Hand) anzudeuten.

(6) Leuchtschilder (vgl. § 6) sind für dunkle Flure und Tunnel besonders geeignet.


§ 10
Bahnsteigsperre

Bei Bahnsteigsperren mit getrennten Ein- und Ausgängen ist die Durchgangsrichtung an jedem Durchgang innen und außen anzugeben. Wechselt die Durchgangsrichtung, so empfehlen sich umstellbare Anschriften.


§ 11
Auskunft

Die Auskunftstelle muß besonders fernwirksam gekennzeichnet sein. Die Auskunftsbeamten müssen ein weithin auffallendes Abzeichen tragen.


§ 12
Abfahrtstafel und Richtungsanzeiger

(1) Auf jedem Bahnhof muß eine übersichtliche und gut beleuchtete Tafel aushängen, auf der die Abfahrtzeiten, die Gattung der Züge - farbig unterschieden -  und die Bahnsteige oder Gleise angegeben sind (Abfahrtstafel). Sie ist tunlichst mit einer Bahnuhr zu verbinden oder so anzubringen, daß die Uhr von der Tafel aus leicht erblickt werden kann

(2) Auf der Abfahrtstafel ist nötigenfalls anzugeben, wo die Aushangsfahrpläne hängen.

(3) Auf den Bahnsteigen aller größeren Bahnhöfe müssen außerdem bei jedem Zug Fahrrichtung, Zuggattung und Abfahrtszeit angegeben werden (Richtungsanzeiger). Es ist zweckmäßig, dort auch anzuzeigen, wo im Zuge die verschiedenen Wagen (Kurs-, Speise-, Schlaf. Gepäckwagen usw.) und Wagenklassen stehen (Wagenstandsanzeiger).


§ 13
Übersichtsplan

In großen Bahnhöfen soll gleich am Eingang und an den wichtigsten Verkehrspunkten ein klarer, gut beleuchteter Übersichtsplan der Bahnhofsanlagen zu finden sein.


§ 14
Uhr

Die Bahnuhren müssen fernwirksam sein; sie sind besonders hell und blendungsfrei zu beleuchten.


§ 15
Gesamtwirkung

Geschäftsanzeigen und dergl. dürfen nicht in störender Nähe der amtlichen Anschriften angebracht werden; auch dürfen sie in der Ausführung nicht zu Verwechslungen mit den amtlichen Anschriften führen oder durch bessere Beleuchtung den Blick von ihnen abziehen.


§ 16
Sonstiges

Auf Bahnhöfen großer Städte empfiehlt sich das Aushängen von Stadtplänen mit Straßenverzeichnis und anderen, für den Reisenden wichtigen Angaben (z. B. nächstes Postamt, Einwohnerbuch, Zimmernachweis, Treffbuch). Auf Bahnhöfen stark besuchter Ausflugsgegenden sind Übersichtspläne der Ausflugsgebiete auszuhängen. Durch Zusammenarbeiten mit Verkehrsvereinen und dergl. kann manche Erleichterung für den Reisenden geschaffen werden. Dabei ist auch anzustreben, daß in der Stadt zahlreiche, gut beleuchtete Wegweiser zum Bahnhof  angebracht werden. Straßenbahnen, die zum Bahnhof fahren, sollen fernwirksam die Anschrift "Bahnhof " tragen.


§ 17
Inkrafttreten

Diese Dienstvorschrift tritt am 1. Oktober 1930 in Kraft.


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