Richtlinien
für die
betriebliche Durchführung der Beförderungsleistungen
der Deutschen Reichsbahn
für die Deutsche Reichspost
(Ripo)
gültig vom 1. Oktober 1938
(nur für den Dienstgebrauch)
DV 440

I. Verwendung und Einstellung von Bahnpostwagen und
bahneigenen Wagen für Postzwecke in Reise- und Güterzüge
§  1. Allgemeines

(1) Für die Postbeförderung in Zügen kommen in Frage:

a) Bahnpostwagen (posteigene Wagen),

b) Eisenbahnwagen mit einem für Postzwecke eingerichteten Abteil,

c) Eisenbahnwagen und -abteile ohne Posteinrichtung.

(2) Auf Verlangen der Reichspost ist mit jedem für den regelmäßigen Beförderungsdienst der Bahn bestimmten Zuge ein von der Reichspost gestellter Postwagen zu befördern (EPG Art. 2), wobei jedoch die Betriebsvorschriften zu beachten sind. Für die Zulassung und Verwendung der Bahnpostwagen in den einzelnen Zuggattungen ist die Rücksicht auf die betrieblichen Notwendigkeiten und die Verkehrsaufgaben der benutzten Züge entscheidend. Im allgemeinen müssen Postwagenlauf und Zuglauf übereinstimmen.



§  2. Einstellung von Wagen für Postzwecke in die verschiedenen Zuggattungen

(1) Bezüglich der Zulassung gilt für die einzelnen Zuggattungen folgendes:
 

a) In Zügen aus Wagen besonderer Bauart kommt die Mitführung von Wagen für Postzwecke nicht in Frage. Hierzu rechnen alle aus Salonwagen gebildeten Züge, außerdem die Züge der ISG und endlich im allgemeinen auch die Triebwagenzüge, soweit bei diesen nicht Ausnahmen (z. B. Nebenbahnen) zugelassen werden.

b) In FD-Züge, die weite Strecken ohne Aufenthalte und mit hohen Reisegeschwindigkeiten durchfahren, sind Bahnpostwagen zur Sicherstellung der planmäßigen Durchführung und Beschränkung der Zuglast auf das unbedingt notwendige Maß nicht einzustellen. An Stelle eines ganzen Bahnpostwagens kann jedoch ein PwPost4ü geführt werden, sofern der Gepäckverkehr es zuläßt und vom Reichsverkehrsministerium die Genehmigung dazu erteilt wird.

c) In D- und Eilzügen darf mit Rücksicht auf Belastung, Geschwindigkeit und Verkehrsaufgaben grundsätzlich höchstens ein Bahnpostwagen geführt werden.

d) In Personenzügen können außer dem Hauptwagen ein oder mehrere Beiwagen zugelassen werden, wenn die Belastung und Aufgaben der Züge dies gestatten.
Dabei ist zu beachten, daß während der Heizzeit zwischen Lokomotive und dem ersten zu beheizenden Wagen außer dem Gepäckwagen höchstens drei nur mit fester oder höchstens zwei nur mit loser Heizleitung versehene Wagen laufen (vergleiche § 17 [4] DVHeiz).

e) In Sg-Zügen ist die Beistellung von Bahnpostwagen allgemein ausgeschlossen. Nur wenn es die betriebliche Durchführung eines D-Zuges im Spitzenverkehr unumgänglich nötig macht, kann im Einverständnis mit den beteiligten Reichspostdirektionen der Postwagen aus dem D-Zuge in einen Sg-Zug übernommen werden.

f) Güterzüge sind allgemein zur Postbeförderung heranzuziehen, soweit der Postverkehr mit Reisezügen nicht bewältigt werden kann und die sonstigen Aufgaben der Güterzüge dies zulassen. Besonders eignen sich hierfür die Durchgangseilgüterzüge wegen ihrer hohen Geschwindigkeit sowie ihrer günstigen Abfahr- und Ankunftzeiten. Abfertigung und Stellung der Postwagen in diesen Zügen, auf Halten dieser Züge in Personenbahnhöfen sowie auf Überführung nach den Personenbahnhöfen ist im weitesten Maße zu entsprechen.

g) In Leig dürfen Postwagen nicht befördert werden.


§  3. Einfluß der Zuggeschwindigkeit auf die Bauart der Bahnpostwagen und ihre Stellung im Zuge

(1) Nach den Bestimmungen der FV sind die Reisezüge zur Erzielung eines sicheren und ruhigen Laufs in der Regel aus Wagen gleicher Art und gleicher Festigkeit, und zwar entweder nur aus Drehgestellwagen oder nur aus Lenkachswagen (a- und 3-achsige Wagen) zu bilden.

(2) Maßgebend für die Zusammenstellung der Züge ist die Höchstgeschwindigkeit:

a) In Reisezüge bis 90 km/h, die nur Drehgestellwagen oder Drehgestell- und Lenkachswagen enthalten, sind nur vierachsige Bahnpost- und Postbeiwagen einzustellen.
Ausnahmsweise dürfen bis auf weiteres zwei- und dreiachsige Bahnpost- und Postbeiwagen zugelassen werden, wenn sie mindestens 16 t Eigengewicht und mindestens 6 m Achsstand haben. Drehgestellwagen müssen an der Spitze laufen. Berührt der Zug jedoch unterwegs Kopfbahnhöfe, so müssen die Lenkachswagen auf der längsten vom Zuge zurückgelegten Strecke am Schluß laufen. Wenn sich in der Zugbildung hierdurch Schwierigkeiten ergeben, dürfen zwei- und dreiachsige Bahnpost- und Postbeiwagen zwischen Lokomotive und Drehgestellwagen eingestellt werden, auch wenn die sonstigen Lenkachswagen am Schluß des Zugs laufen.
Zwischen Drehgestellwagen dürfen zwei- und dreiachsige Bahnpost- und Postbeiwagen nicht eingestellt werden. Abweichungen darf die Reichsbahndirektion aus zwingenden Gründen ausnahmsweise, d. h. an Einzeltagen, auf jedesmaligen Antrag (also nicht für den Regeldienst) zulassen.

b) In Reisezüge mit mehr als 90 km/h und in Sg-Züge, die nur aus Drehgestellwagen gebildet werden, sind in der Regel auch nur vierachsige Bahnpost- und Postbeiwagen einzustellen. Sie sind unmittelbar hinter der Lokomotive zu führen, sofern nicht die Einstellung am Zugschluß aus betrieblichen Gründen erforderlich ist.
Dreiachsige Bahnpost- und Postbeiwagen dürfen bei Zügen bis zu 100 km/h am Schluß laufen, wenn sie mindestens 16 t Eigengewicht und mindestens 6 m Achsstand haben, zwischen Lokomotive und Drehgestellwagen jedoch nur mit Genehmigung der Reichsbahndirektion.
An Stelle von dreiachsigen Wagen dürfen zweiachsige Bahnpost- und Postbeiwagen mit mindestens 16 t Eigengewicht und mindestens 6 m Achsstand in diese Züge nur aus zwingenden Gründen mit Genehmigung der Reichsbahndirektion ausnahmsweise, d. h. nur an Einzeltagen, auf jedesmaligen Antrag eingestellt werden. In Zeiten gesteigerten Verkehrs (Ostern, Pfingsten, Weihnachten usw.) kann diese Genehmigung auch für mehrere aufeinanderfolgende Tage erteilt werden.

c) In Reisezügen mit mehr als 120 km/h dürfen nur vierachsige Bahnpostwagen stählerner Bauart verwandt werden.

(3) Bei Einstellung von Bahnpostwagen im zwischenstaatlichen Verkehr sind die Vorschriften des VPÜ/RIC anzuwenden.


§  4. Beschilderung der Bahnpostwagen

Alle Bahnpostwagen sind außen in der Mitte oder an beiden Enden mit Richtungsschildern zu versehen, auf denen die Zugnummern mit den Anfangs- und Endbahnhöfen des ganzen Wagenumlaufs angegeben sind.
Die Schrift aller Schilder ist schwarz auf weißem Grunde.


II. Postbeförderung in post- und bahneigenen Wagen
§  5. Benutzung von Bahnpostwagen

(1) In den Bahnpostwagen kann im allgemeinen Brief- und Paketpost befördert werden. Zur Briefpost gehören auch dringende Pakete und Zeitungspakete.
Bei Zügen mit besonders kurzer Fahrzeit (also bei allen D- und Eilzügen sowie bei beschleunigt durchgeführten Personenzügen) ist jedoch die Mitbeförderung von Päckereien, die nicht zur Briefpost gehören, zu beschränken oder auszuschließen, wenn es die Reichsbahn zur Wahrung der pünktlichen und sichren Beförderung der Züge für notwendig erachtet und andere zur Mitnahme der Päckereien geeignete Züge vorhanden sind (EPG Art. 2, Absatz 3).
In FD-Zügen ist die Beförderung dringender Pakete im allgemeinen nicht zulässig. Sie kann jedoch in besonderen Ausnahmefällen nach vorheriger Vereinbarung zwischen Reichsbahn und Reichspost zugestanden werden. In FDt dürfen dringende Pakete nicht befördert werden.

(2) Für die Beförderung gewöhnlicher Pakete dürfen die Bahnpostwagen in schnellfahrenden Zügen im allgemeinen nicht benutzt werden. Zur wirtschaftlichen Ausnutzung des Postladeraumes kann jedoch die Paketbeförderung, soweit keine betrieblichen Bedenken entgegenstehen, ausnahmsweise vom Zugausgangs- zum Zugendbahnhof und in besonderen Fällen auch für Unterwegsbahnhöfe mit größeren Betriebsaufenthalten zugelassen werden. Die Zulassung gewöhnlicher Pakete ist von einer vorherigen Vereinbarung zwischen Reichsbahn und Reichspost abhängig und kann nicht einseitig von der Reichspost allein bestimmt werden.
In FD-Zügen und in FDt ist die Beförderung gewöhnlicher Pakete grundsätzlich ausgeschlossen.


§  6. Benutzung von Abteilen mit Posteinrichtung (PwPost, CPost, und Postabteile in Triebwagen)

(1) In Zügen mit geringem Gepäck- und Postverkehr kann an Stelle eines besonderen Gepäck- und Bahnpostwagens aus wirtschaftlichen Gründen nach Vereinbarung zwischen Reichbahn und Reichspost ein PwPost oder ein CPost eingesetzt werden (EPG Art. 3).

(2) In Triebwagen mit Postraum kann die Reichpost die Freigabe dieses Raumes für ihre Zwecke verlangen.

(3) Reicht der Gepäckraum eines von der Reichspost mitbenutzten PwPost nicht mehr aus, so daß für Eisenbahnzwecke ein besonderer Gepäckwagen mitgeführt werden muß, so ist zunächst zu prüfen, ob für die Reichspost die Benutzung eines oder mehrerer Abteile in einem Personenwagen (mit oder ohne Posteinrichtung) möglich ist. Sonst ist der PwPost auch ohne Ausnutzung des Gepäckabteils ausnahmsweise neben dem besonderen Gepäckwagen beizubehalten.


§  7. Benutzung von Personenabteilen in Personen- und Triebwagen

(1) In Zügen, bei denen sich die Einstellung eines Bahnpostwagens oder die Benutzung eines Postabteils in einem PwPost nach dem Umfang des Verkehrs nicht lohnt, kann auf Antrag der Reichspost ein Abteil in einem Personenwagen zur Postbeförderung freigegeben werden, wenn die Besetzung des Zuges dies ohne Beistellung eines weiteren Personenwagens zuläßt.

(2) Die Beförderung von Post in Personenabteilen kann von einem Bahnhofe ausnahmsweise gestattet werden, wenn Postwagen wegen Beschädigung ausgesetzt werden müssen. Wird ein solches Abteil beansprucht, ist dies der Reichsbahndirektion zu melden.

(3) Kann der Postverkehr auf Strecken mit überwiegendem Triebwageneinsatz mit den verbliebenen Dampfzügen nicht ausreichend bedient werden, so kann bei einzelnen Triebwagenfahrten in Ermangelung eines Postabteils der Vorraum und in Ausnahmefällen auch ein Abteil dritter Klasse eines Steuer- oder Beiwagens für Postzwecke freigegeben werden, sofern dies der übrige Verkehr zuläßt.


§  8. Verwendung von Güter- und Gepäckwagen

(1) Die Reichsbahn ist verpflichtet, Güterwagen für Postzwecke auf rechtzeitige Anforderung zu stellen und zu befördern, wenn der eine Postwagen oder die Postabteilung (PwPost oder CPost) für die Bedürfnisse und die Aufgaben des Zuges dies gestatten (EPG Art. 2 und 5). In geschlossenen Umläufen dürfen Güterwagen nicht verwendet werden.
Die Begleitung von Güterwagen soll sich auf Ausnahmefälle beschränken.
Um die für die Postbeförderung in Reise- und Güterzüge eingestellten Güterwagen als "Güterwagen mit Post" kenntlich zu machen, erhalten sie besondere mit einem hellblauen Schrägstreifen versehene Beklebezettel, deren Durchschrift als Begleitpapier benutzt wird.
Für die verspätete Rückgabe oder Wiederverwendung der zu Postzwecken benutzten Güterwagen wird Standgeld nicht erhoben. Rückgabe und Wiederverwendung sind jedoch zu überwachen und Verstöße der Reichsbahndirektion zur Weiterverfolgung zu melden.
Soweit bei begleiteten Güterwagen die nach § 84 (11) der FV während des Stillagers die bei Dunkelheit vorgeschriebene innere Beleuchtung fehlt oder nicht ausreicht, ist darauf zu achten, daß die Reichspost für entsprechende Beleuchtung sorgt.

(2) Gepäckwagen werden für Postzwecke in der Regel nicht zur Verfügung gestellt. In außergewöhnlichen Fällen - z. B. im zwischenstaatlichen Verkehr - kann die Beförderung nach vorheriger Vereinbarung zwischen den beteiligten Verwaltungen auch in solchen Wagen übernommen werden, jedoch nur wenn eine Ausnutzung in beiden Richtungen möglich ist.
In Ausnahmefällen kann auch die Benutzung eine Teils des Laderaums des Stammgepäckwagens der Regelzüge zur Postbeförderung zugestanden werden, wenn der verbleibende Laderaum für die Beförderung des Gepäcks, des Expreß- und Eilguts ausreicht.


§  9. Beförderung von Postdienstgut in Bahnpostwagen und bahneigenen Güterwagen

(1) Neben den Postsendungen kann die Reichspost in den posteigenen und in den für Postzwecke benutzten bahneigenen Wagen Dienstgut im Höchstgewicht von 20 kg für die einzelne Sendung von einer Postdienststelle an eine andere verschicken. Schwerere Sendungen und ganze Wagenladungen mit Dienstgut (z. B. mit leeren Postsäcken) sind nach den allgemein gültigen Tarifen abzufertigen. Soweit in Bahnpost- oder Postsackwagen Leerräume vorhanden sind, können diese zur Verwendung leerer Postsäcke ausgenutzt werden.

(2) Sendungen Dritter an die Reichspost sind nur auf Frachtbrief des öffentlichen Verkehrs zulässig.


III. Beförderungsleistungen für die Deutsche Reichspost durch das Zugbegleitpersonal
§ 10. Beförderung von Briefbeuteln

(1) Die Heranziehung des Zugbegleitpersonals zur Beförderung von Briefbeuteln, Brief- und Zeitungspaketen ist in das Ermessen der Reichsbahn gestellt (EPG Art. 4).
Für die Beförderung solcher Sendungen dürfen nur solche Züge in Anspruch genommen werden, die nicht bereits zur Beförderung von Bahnpostwagen und Postabteilen benutzt werden.

(2) Anträge auf erstmalige Benutzung in der Benutzung von Zügen für die Beförderung von Briefbeuteln sind von der zuständigen Reichspostdirektion bei der Reichsbahndirektion zu stellen, auf deren Strecken die Beförderung beginnt. Die Genehmigung wird erteilt, wenn sich die Zahl der beantragten Postsendungen in erträglichen Grenzen hält und der Dienst des Zugpersonals sowie die Auslastung des Gepäckwagens mit Gepäck ihre Beförderung zulassen.
Die Beförderung soll rechtzeitig schriftlich beantragt werden. Ist die Genehmigung ausnahmsweise mündlich eingeholt worden, so hat die Reichspostdirektion die schriftliche Zustimmung der Reichsbahndirektion nachträglich herbeizuführen.

(3) Wenn Luftpostsendungen bei verspäteter Ankunft von Flugzeugen den Anschluß nicht mehr erreichen, können sie als außergewöhnliche Briefbeutel mit anderen geeigneten Zügen befördert werden. In diesem Falle genügt das mündliche Einverständnis des Aufsichtsbeamten des Bahnhofs. Der Bahnhofs. Der Bahnhof hat alsdann jeden einzelnen Fall der Reichsbahndirektion nachträglich zu melden.

(4) Das gewicht eines Briefbeutels darf entsprechend den postalischen Bestimmungen im Inlandverkehr 40 kg, im Auslandsverkehr 30 kg nicht überschreiten. Das Höchstgewicht der mit einem Zuge zu befördernden Briefbeutel unter Berücksichtigung der Zu- und Abgänge wird allgemein auf 250 kg begrenzt. In besonderen Fällen kann nach vorheriger Vereinbarung zwischen Reichspostdirektion und Reichsbahndirektion über die Grenze hinausgegangen werden.

(5) Triebwagen sind im allgemeinen von der Mitnahme von Briefbeuteln ausgeschlossen. Soweit jedoch die Unterbringung von Briefbeuteln und Zeitungspaketen im Gepäckabteil ohne Beeinträchtigung des Dienstes des Zugpersonals und des Gepäckverkehrs und unter Beschränkung des Einzelgewichtes auf 20 kg und nötigenfalls unter Beschränkung des Gesamtgewichtes möglich ist, kann der Beförderung ausnahmsweise zugestimmt werden. Die Maschinenräume sind grundsätzlich von Briefbeuteln freizuhalten.
In den Gepäckabteilen der Schnelltriebwagen können bis zu 7 Briefbeutel zu je 20 kg zur Beförderung zugelassen werden, wenn dadurch keine Aufenthaltsüberschreitungen oder sonstige betriebliche Unregelmäßigkeiten entstehen.

(6) Leig können wegen ihrer Eigenart und Zweckbestimmung im allgemeinen zur Briefbeutelbeförderung nur freigegeben werden, wenn sie andere bisher der Briefbeutelbeförderung dienende Zugverbindungen ersetzen und wenn andere für die Reichspost annehmbare Beförderungsmöglichkeiten fehlen.

(7) In den Zügen der ISG können nach vorheriger Vereinbarung zwischen Reichsbahn und ISG ebenfalls Briefbeutel befördert werden. Die ISG überweist in diesem Falle die Hälfte der ihr von der Reichspost gezahlten Vergütung an die Reichsbahn.

(8) Das Verfahren bei der Übergabe und Übernahme der Briefbeutel zwischen Reichsbahn und Reichspost wird durch die PBV, Teil II Abschnitt E, geregelt.

(9) Während in den Briefbeuteln grundsätzlich nur Briefpost und die hierzu gehörigen dringenden Pakete befördert werden dürfen, können auf Nebenbahnen zur Verbesserung der Paketbeförderung mit Zustimmung der Reichsbahn auch gewöhnliche Pakete in geringer Zahl zusammen mit der Briefpost in die Briefbeutel verpackt werden, wenn auf den betreffenden Strecken täglich in nur einem oder höchstens zwei Zügen Bahnposten verkehren. Das festgesetzte Höchstgewicht eines Beutels (40 kg) darf durch die Paketbeförderung nicht überschritten werden.


§ 11. Beförderung von Bahnhofszeitungen und Postzeitungsgut

(1) Die als "Bahnhofszeitungen" bezeichneten Sendungen sind Zeitungssendungen der Verleger an Bahnhofsbuchhändler, die als "Postzeitungsgut" bezeichneten solche an sonstige Zeitungsvertriebsstellen. Diese Sendungen werden durch die Verleger bei einer Postdienststelle am Abgangsbahnhof eingeliefert und den Empfängern nach Ankunft der Züge sogleich am Bahnhof gegen Ausweis ausgehändigt. Die Aufschriftzettel der Zeitungssendungen tragen bei Bahnhofszeitungen die Bezeichnung "Bahnhofzeitungen" und eine rote Umrandung, bei Postzeitungsgütern die Bezeichnung "Postzeitungsgut" und einen breitrandigen roten Kreis.

(2) Ihre Zulassung und Beförderung richtet sich nach den im § 10 für Briefbeutel gegebenen Richtlinien. Abweichend davon soll das Höchstgewicht einer einzelnen Sendung 20 kg nicht überschreiten. Mehrere für einen Empfänger bestimmte Sendungen können jedoch bis zum Gesamtgewicht von 40 kg zu einer Sendung vereinigt werden.

(3) Bahnhofszeitungen können auf den Bestimmungsbahnhöfen am Gepäckwagen an private Boten ausgehändigt werden, Postzeitungsgüter dagegen nur auf kleineren Bahnhöfen mit einfachen Betriebsverhältnissen, auf denen außer Postzeitungsgut keine sonstigen Postsendungen abgegeben werden. Ob und auf welchen Bahnhöfen dieses Verfahren für Postzeitungsgüter durchführbar ist, hängt von den betrieblichen, verkehrlichen und personellen Verhältnissen ab und liegt im Ermessen der Reichsbahndirektion.

(4) Private Boten müssen mit einem amtlichen Ausweis der zuständigen Postanstalt versehen sein und gelten als Beauftragte der Reichspost. Die Erteilung einer Quittung über den Empfang ist nicht erforderlich. Wegen der Ausweise zum Betreten der Bahnsteige ist § 33 PBV zu beachten.

(5) Eine Haftung der Reichsbahn für aus der Beförderung und Aushändigung der Postzeitungsgüter etwa entstehende Schäden oder Verluste ist ausgeschlossen.


§ 12. Beförderung dringlicher Post für Reichsminister

(1) Dringliche Post für Reichsminister mir dem Stempelaufdruck "Ministerpost" ist in besonderen Fällen durch Vermittlung des Eisenbahnzugpersonals zu befördern. Zur Vermeidung von fehlleitungen ist auf dem Briefumschlag angegeben:

a) der Leitungsweg und besonders etwaige Übergangsbahnhöfe,

b) der Empfangsbahnhof, bis zu dem der Brief zu befördern ist, wenn der Bestimmungsort nicht an einer Eisenbahnstrecke liegt.

(2) Die Briefe sind folgendermaßen zu behandeln:
a) bei Zügen mit Bahnpost hat stets der Postbeamte den Brief die Ministerpost entgegenzunehmen und weiter zu behandeln.

b) In den Zügen ohne Bahnpost hat der Zugführer den Brief anzunehmen und als Einschreibsendung der Reichsbahn zu behandeln (§ 7 der DBV). Etwaige Freimarken auf dem Brief sind vom Zugführer mit Tintenstift zu durchkreuzen.

c) Führt auf einem Übergangsbahnhof der Anschlußzug Bahnpost, geht die Weiterbeförderung auf die Post über. Ist kein Postpersonal am Zuge, so hat das Bahnhofspersonal die Zuführung des Briefes an die Bahnpost zu vermitteln.

d) Geht der Brief von einer Bahnpost auf einen Zug ohne Bahnpost über, so hat ihn die Post durch ihr Austauschpersonal dem Zugführer des Anschlußzuges zu übergeben. Ist jedoch kein Austauschpersonal der Post am Zuge, hat der Bahnpostbeamte den Brief durch Bahnhofspersonal an den Anschlußzug weiterzuleiten.

e) Briefe an einen im Zuge befindlichen Minister hat der Zugführer zuzustellen. Ist die Zustellung an den Minister persönlich nicht möglich, ist der Brief seiner Begleitung gegen Empfangsbestätigung auszuhändigen. Der Empfänger hat sich durch einen Personalausweis auszuweisen.

f) Am Bestimmungsort sind die Briefe durch die Post zuzustellen. Der Empfangsbahnhof hat daher die nächste Postanstalt von dem Eintreffen eines solchen Briefes durch den Fernsprecher sofort zu benachrichtigen und um sofortige Bestellung zu ersuchen. Ist die Post nicht zu erreichen, so ist der Empfänger unmittelbar von dem Eintreffen des Briefes zu verständigen.
Wird die Ministerpost am Zuge oder beim Bahnhof unmittelbar abgeholt, so hat sich der Empfänger auszuweisen und den Empfang schriftlich zu bestätigen.

g) Zwischen den Stellen der Reichspost und Reichsbahn ist die Übernahme der Ministerpost schriftlich anzuerkennen.

h) In besonderen Fällen wird das Ministerbüro den Vorsteher des Empfangsbahnhofs von dem Eintreffen des Briefes und über seine Weiterbehandlung fernmündlich unterrichten.


IV. Aufhebung bisher gültiger Vorschriften
§ 13. Aufhebung bisher gültiger Vorschriften

Die "Richtlinien über die Verwendung, Zulassung und Stellung der Bahnpostwagen in den Zügen des Personenverkehrs sowie über die Zulässigkeit der Beförderung von gewöhnlichen Paketen in den Bahnpostwagen der schnellaufenden Züge (eingeführt mit Verfügung 21 Nr. 6494 vom 3. Januar 1927) treten am 1. Oktober 1938 außer Kraft.


Abkürzungen
CPost Personenwagen 3. Kl. mit Postraum
DVHeiz Dienstvorschrift für die Heizung der Züge mit Ausnahme der elektrischen Heizung
DBV Vorschriften für die Behandlung und Beförderung von Dienstbriefen, Dienstpaketen und Postsendungen
EPG Gesetz, betreffend die Änderung des § 4 des Gesetzes über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28. Oktober 1871 (Eisenbahn-Postgesetz)
FV Fahrdienstvorschriften
ISG Internationale Schlafwagen-Gesellschaft
Leig Leichter Güterzug
PBV Vorschriften für die Beförderung von Personen, Reisegepäck und Expreßgut
PwPost Gepäckwagen mit Postraum
PwPost4ü Vierachsiger Gepäckwagen mit Postraum (mit Übergangsbrücken und Faltenbälgen)
Sg Schnell-Güterzug


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