Allgemeine Vorschrift
für den
Dienst auf elektrisch betriebenen Strecken
(DV Eb)
gültig vom 1. Mai 1939 an
nur für den Dienstgebrauch
DV 462

I. Allgemeines
§  1. Geltungsbereich

Diese Vorschrift gilt für alle Personen, die dauernd oder vorübergehend auf elektrisch betriebenen Strecken oder in der Nähe von Anlagen des elektrischen Zugbetriebs beschäftigt sind oder sich auf Strecken mit elektrischem Zugbetrieb aufhalten:

  1. Reichsbahnbedienstete,
  2. Bedienstete anderer Verwaltungen,
  3. Bedienstete der Mitropa und ISG,
  4. Unternehmer und deren Bedienstete.


§  2. Unterweisung

(1) Die bediensteten der Reichsbahn müssen so unterrichtet sein, daß sie über die Fahrleitungsanlagen und die Bedienung der Schalt- und Sicherheitseinrichtungen, soweit sie in ihrem dienstlichen Aufgabenbereich damit beschäftigt sind, genaue Kenntnis haben und sich bei allen Meldungen technisch richtig ausdrücken können. Für die rechtzeitige und ausreichende Unterweisung der in Betracht kommenden Personen ist der Leiter der  Dienststelle verantwortlich, von der ihre Tätigkeit unmittelbar beaufsichtigt wird. Sie müssen den Empfang und die Kenntnis dieser Vorschrift durch Unterschrift bestätigen.

(2) Bei Unternehmen genügt die schriftliche Erklärung des von ihm bestellten verantwortlichen Leiters der Bauarbeiten an die beaufsichtigende Dienststelle, daß seine an der Arbeit beteiligten Gefolgschaftsmitglieder unterrichtet sind.

(3) Reichsbahnbedienstete, welche auf elektrisch betriebenen Strecken verwendet werden, sind vom Reichsbahnarzt in der ersten Hilfeleistung bei Unfällen durch elektrischen Strom zu unterweisen.



§  3. Aushänge und Hinweis auf einschlägige, wichtige Vorschriften

(1) Die von Verbande Deutscher Elektrotechniker (VDE) herausgegebenen

A: "Leitsätze für die Bekämpfung von Bränden in den elektrischen Anlagen und in deren Nähe".
sind in allen Aufenthalts- und Betriebsräumen in der Nähe der Anlagen des elektrischen Zugbetriebes anzuschlagen.
B. "Vorschriften nebst Ausführungsregeln für den Betrieb von Starkstromanlagen (VBS)",
"Anleitung zur ersten Hilfe bei Unfällen durch den elektrischen Strom"
sind in den Aufenthaltsräumen der Bediensteten von Unternehmern und nachstehenden Dienststellen anzubringen.
a) Kraftwerke (KW),
b) Unterwerke (Uw),
c) Fahrleitungsmeistereien (Flm) einschließlich Fahrleitungskolonnen (Flk),
d) Bahnbetriebswerke (Bw),
e) Bahnbetriebswagenwerke (Bww),
f) Bahnmeistereien (Bm) einschließlich der Telegraphenmeistereien (Telm) und Stellwerksmeistereien (Stellm),
g) Güterabfertigungen (Ga).
In den Aufenthaltsräumen der Bediensteten der unter d) bis g) genannten Stellen und von Unternehmern brauchen die unter B) genannten Stellen nur angebracht werden, wenn diese Bediensteten auf elektrisch betriebenen Strecken tätig sind.

(2) Für die Kraftwerke, Unterwerke und Fahrleitungsmeistereien sind nachstehende Vorschriften des Verbandes deutscher Elektrotechniker (VDE) wichtig:

a) Vorschriften nebst Ausführungsbestimmungen für die Errichtung von Starkstromanlagen mit Betriebsspannungen unter 1000 Volt (VES 1).
b) Vorschriften nebst Ausführungsbestimmungen für die Errichtung von Starkstromanlagen mit Betriebsspannungen von 1000 Volt und darüber (VES 2).
c) Vorschriften nebst Ausführungsbestimmungen für elektrische Bahnen (VEB).
d) Vorschriften für den Bau von Starkstromleitungen (VSF).


§  4. Beschreibung der Anlagen des elektrischen Zugbetriebs

(1) Die Anlagen des elektrischen Zugbetriebs umfassen Kraftwerke, Fernleitungen, Unterwerke, Speise- und Fahrleitungen.

(2) Die von bahneigenen oder fremden Kraftwerken gelieferte elektrische Arbeit wird im allgemeinen in Fernleitungen (Freileitungen oder Kabeln) den Unterwerken zugeführt und hier auf die für die Fahrleitung geeignete Stromart und Spannung gebracht.

(3) Der Strom fließt vom Unterwerk über Speise- und Fahrleitung zum Stromabnehmer, von hier durch das Fahrzeug über die Räder zu den Fahrschienen und kehrt durch diese und die Erde zum Unterwerk zurück.
Den Fahrleitungsanlagen wird der Strom von der Sammelschiene des Unterwerkes über Leistungsschalter zugeführt. Wird die zulässige Stromstärke in einem Abschnitt überschritten, so löst der zugehörige Leistungsschalter aus und macht damit diesen Fahrleitungsabschnitt spannungslos.

(4) Die Verbindungsleitungen zwischen den Schaltern im Unterwerk (oder gegebenenfalls im Kraftwerk) und den Fahrleitungsanlagen werden als Speiseleitung bezeichnet.

(5) Für die Fahrleitungen gibt es zwei Ausführungsformen:

Oberleitungen: sie liegen oberhalb der Fahrzeuge.
Stromschienen: sie liegen neben den Gleisen in geringer Höhe über dem Erdboden.
Die Fahrleitungen führen Wechselstrom (Wechselstrombahnen) oder Gleichstrom (Gleichstrombahnen).
Die Wechselstrombahnen haben stets Oberleitung. Ihre Betriebsspannung beträgt im allgemeinen 15 000 Volt.
Die Gleichstrombahnen haben entweder Oberleitung oder Stromschiene mit Betriebsspannungen zwischen 500 und 1500 Volt.

(6) Die Fahrleitungen sind nach Hauptfahrtrichtungen und in Streckenabschnitte geteilt, damit gestörte Teile der Fahrleitung von den betriebsfähigen Netzteilen abgetrennt werden können.
Die Fahrleitungen der Bahnhöfe sind in der Regel gegen die freie Strecke abtrennbar. Diese Trennstellen der Fahrleitung werden als elektrische Bahnhofsgrenzen bezeichnet. Auf größeren Bahnhöfen sind die Fahrleitungen je nach den örtlichen und betrieblichen Verhältnissen in Gruppen unterteilt und für sich abschaltbar.

(7) Die Fahrleitungen der Lade- und Privatanschlußgleise sind wegen erhöhter Berührungsgefahr in der Regel abgeschaltet und geerdet. Vor Beginn der Verschubbewegungen auf diesen Gleisen mit Oberleitungs-Triebfahrzeugen müssen die Fahrleitungen zuerst unter Spannung gesetzt werden. Erst dann dürfen die Weichen für dieses Gleise umgestellt werden.

(8) Die zur Verbindung der Fahrleitungsgruppen und Abschnitte verwendeten Schalter werden mit Nummern oder Buchstaben bezeichnet.

(9) Besonders wichtig zur Verhütung von Unfällen sind die Erdverbindungen, die von den Masten und anderen in der Nähe der Hochspannungsleitungen gelegenen Bauteilen zu den Fahrschienen führen. Sie haben den Zweck, Spannungsunterschiede gegen Erde zu verhindern, damit beim Berühren dieser Teile keine Unfälle durch Stromübergang eintreten können.

(10) Dem gleichen Zweck dienen, neben einer Verbesserung der Rückleitung, die Verbindungen der Fahrschienen eines Gleises und der Gleise untereinander.

(11) Bei Gleichstrombahnen werden zur Verbesserung der Rückleitung die Stöße der Fahrschienen durch Längsverbinder überbrückt und durch Querverbinder die Schienen und Gleise miteinander verbunden.

(12) Bei Bauteilen, die durch einen roten Blitzpfeil kenntlich gemacht sind, ist besondere Vorsicht geboten.


II. Gefahren
§  5. Allgemeines

(1) Es ist stets damit zu rechnen, daß die elektrischen Anlagen unter Spannung stehen, solange nicht einwandfrei festgestellt ist, daß der Anlageteil, an dem gearbeitet werden soll, abgeschaltet und geerdet ist.

(2) Lebensgefährlich ist das Berühren der Fern-, Speise- und Fahrleitungen, ihrer Befestigungsteile und Isolatoren, auch herabhängender Enden etwa gerissener Drähte, der Schutzabdeckungen von Stromschienen sowie der Stromabnehmer und anderer elektrischer Einrichtungen von Fahrzeugen. Bei einer gerissenen Leitung, die den Erdboden berührt, erhält auch das Erdreich um den Berührungspunkt Spannung. Das Berühren oder Betreten des Erdreichs an dieser Stelle ist lebensgefährlich.

(3) Leitungen, die abgeschaltet, aber nicht geerdet sind, können bei Berühren ebenso lebensgefährlich sein wie eingeschaltete Leitungen. Sie sind daher als unter Spannung stehend zu betrachten.

(4) Auch eine mittelbare Berührung mit irgendwelchen gegenständen sowie ein zu große Annäherung an spannungsführende Teile ist lebensgefährlich. Bei Arbeiten in der Nähe von spannungführenden Leitungen muß in allen Fällen ein Sicherheitsabstand von 1,5 m eingehalten werden. Ausnahmen genehmigt bei Anwendung besonderer Schutzmaßnahmen die zuständige RBD.

(5) Es ist lebensgefährlich und deshalb streng verboten, auf unter Spannung stehende Fahrleitungen Wasser zu gießen oder Harn zu lassen.

(6) Zweige, Äste oder Bäume, die auf Starkstromleitungen gefallen sind, dürfen zunächst weder mit den Händen noch mit irgendwelchen Werkzeugen berührt werden, vielmehr sind sofort das Unterwerk oder die Fahrleitungsmeisterei zu benachrichtigen. Erst wenn die Leitung abgeschaltet und geerdet ist, dürfen weitere Arbeiten vorgenommen werden. Um ein Fallen von Bäumen oder Ästen auf die Fahrleitung zu verhindern und damit Unfälle zu vermeiden, sind Bäume in der Nähe der Fahrleitung rechtzeitig zu entästen oder zu fällen.

(7) Bei Feuerlöscharbeiten, in der Nähe der Fahr-, Speise- und Fernleitungen, ist besondere Vorsicht anzuwenden. Der Wasserstrahl darf keine unter Spannung stehenden Leitungsteile berühren, da sonst der Spritzende gefährdet wird.

(8) Besondere Vorsicht ist bei Eingleisungs- und Aufräumungsarbeiten geboten.

(9) Gefährlich ist auch das Berühren eines in Verbindung mit der Leitung stehenden Verunglückten (siehe auch § 13²).

(10) Betriebsräume der elektrischen Starkstromanlagen (Kraftwerke, Unterwerke, Umspann- und Schalthäuser usw.) dürfen nur von den mit der Wartung und Überwachung beauftragten Bediensteten betreten werden, von anderen Personen nur unter deren Aufsicht.

(11) Hochspannungsräume und -anlagen erhalten Warnungstafeln mit rotem Blitzpfeil und der Aufschrift:

"Vorsicht, Hochspannung! Lebensgefährlich!"
Sie dürfen nur durch beauftragte Bedienstete zugänglich gemacht werden.



§  6. Besonders gefährliche Punkte

a) Gleise mit Oberleitung

(1) Der Fahrdraht liegt in der Regel bei + 10° Celsius 6,25 m über Schienenoberkante (SO). Bei Brücken, in Tunnels und bei älteren Anlagen liegt er tiefer und zwar bis zu 4,8 m. Alle Bediensteten müssen sich daher stets bewußt sein, daß der Fahrdraht in geringer Höhe über den Eisenbahnfahrzeugen liegen kann.

(2) Das Arbeiten unter spannungführenden Leitungen auf offenen, beladenen Güterwagen (insbesondere das Arbeiten mit Bindedraht) ist nicht zulässig. In Ausnahmefällen muß mit erhöhter Vorsicht und unter besonderer Aufsicht von Schaltauftragberechtigten (siehe auch § 12²) bearbeitet werden (z. B. Abladen von Schienen, Schwellen, Schotter, Holz , Signalteilen usw. auf Betriebsgleisen, Auf- und Abladen von Brücken und Brückenteilen).

(3) Bei schienengleichen Übergängen ist darauf zu achten, daß sich niemand auf hochbeladenen Fuhrwerken befindet und keine Gegenstände wie Stangen, Heugabeln und dgl. oben aus der Ladung herausragen.

(4) Wo elektrische Triebfahrzeuge dicht an Gebäuden vorbeifahren, muß beachtet werden, daß auch die Stromabnehmer in allen Teilen unter Spannung stehen und daher ihre Berührung oder eine zu große Annäherung an sie lebensgefährlich ist.

(5) Das Streichen der Maste ist bei spannungführender Fahrleitung uneingeschränkt nur dann zulässig, wenn die Isolatoren mindestens 1,5 m von der Mastkante entfernt sind; beträgt der Abstand weniger als 1,5 m, so dürfen die Maste nur bis 1 m unterhalb der spannungsführenden Teile gestrichen werden. Die Stelle, bis zu welcher bei eingeschalteter Fahrleitung gestrichen werden darf, ist für jeden Mast durch eine Tafel mit der Aufschrift "Arbeitsgrenze" zu kennzeichnen. Diese Tafeln werden an den jeweils zu streichenden Masten von den aufsichtführenden Flm-Bediensteten angebracht und nach Beendigung der Arbeiten wieder entfernt. Werden die Arbeiten durch Unternehmer ausgeführt, so hat der Unternehmer nach Anweisung der aufsichtführenden Flm-Bediensteten das Anbringen und Entfernen der Tafeln zu veranlassen.

(6) Änderungen und Unterhaltungsarbeiten an Beleuchtungs-, Kraft- und Signalanlagen, an der Fahrleitungsanlage oder in ihrer Nähe oder an Speiseleitungen (insbesondere das Auswechseln von Glühlampen) dürfen bei unter Spannung stehender Leitung nur dann vorgenommen werden, wenn der Abstand vom nächsten spannungführenden Teil mindestens 1,5 m beträgt.
Metallische Leiter (Freileitungen oder Rohre), die auf größere Länge parallel zu wechelstromführenden Freileitungen verlaufen, können nach Abschalten bzw. Unterbrechen noch Spannung führen. Sie sind daher vor Beginn der Arbeiten ordnungsgemäß zu erden. Dies gilt besonders bei Arbeiten an Rohren für Gas und leicht entzündbare Flüssigkeiten

b) Gleise mit Stromschiene

(1) Die Stromschiene liegt dicht neben dem Gleis und ist der Berührung besonders leicht zugänglich. Sie ist gegen unbeabsichtigte Berührung durch eine hölzerne Abdeckung geschützt. Diese Abdeckung kann namentlich bei feuchtem Wetter unter Spannung stehen. Es ist deshalb verboten, auf der hölzernen Schutzverkleidung zu gehen, zu sitzen oder Gegenstände darauf zu lagern. Besondere Vorsicht ist dort geboten, wo die Stromschienen wegen Platzmangel als seitlich bestrichene Schienen ausgebildet und nur teilweise abgedeckt sind.

(2) Es ist zu beachten, daß alle Stromabnehmer eines Zuges und Fahrzeuges (also auch auf der Seite, wo sich keine Stromschiene befindet) unter Spannung stehen, wenn ein Stromabnehmer die Stromschiene berührt oder mit der Deckenstromschiene im Triebwagenschuppen durch das Aufsteckkabel verbunden ist.



§  7. Besonders gefährdete Bedienstete

a) Lokomotiv- und Triebwagenbedienstete

(1) Das Dach eines elektrischen Triebfahrzeuges darf zur Beseitigung irgendwelcher Störungen nur bestiegen werden, wenn die Oberleitung ausgeschaltet und geerdet ist. Im Schuppen ist ein elektrisches Triebfahrzeug vor Besteigen des Daches auf ein nicht mit Oberleitung bespanntes Schuppengleis zu stellen oder die Oberleitung des Schuppengleises abzuschalten und zu erden.

(2) Auf Gleisen mit elektrischer Oberleitung dürfen bei Dampflokomotiven weder das Führerhausdach (z. B. zum Instandsetzen der Dampfpfeife) noch der Langkessel (z. B. zum Füllen oder Nachsehen des Sandkastens) bestiegen werden.

(3) Auf Gleisen mit Oberleitung ist verboten, die Kohle des Tenders zu überklettern oder die Laufbleche des Tenders zu besteigen.

(4) Die Schürgeräte sind so zu handhaben, daß sie nicht in die Nähe der Fahrleitung kommen.

(5) Der Strahl der Kohlenspritze darf der Fahrleitung nicht zu nahe kommen.

b) Bedienstete der Bahnhöfe und Güterabfertigungen

(6) Auf Gleisen mit Oberleitungen dürfen die Dächer von Fahrzeugen unter keinen Umständen betreten werden, weder zum Anbringen oder Abnehmen von Zugsignalen noch zu irgendwelchen anderen Zwecken (z. B. Anzünden der Wagenlaternen, Putzen der Packwagenfenster usw.). Das Anbringen oder Abnehmen der Oberwagenscheiben oder -laternen darf von der entsprechenden Zugseite aus nur mit der Aufsteckgabel geschehen. Das Klettern von einer Zugseite auf die andere über das Dach oder über die Fußtritte ist lebensgefährlich. Die Wagenstirnwände sind nur mit großer Vorsicht und nur so hoch zu besteigen, daß der Abstand von der Oberleitung mindestens noch 1,5 m ist.

(7) Die Lademaße dürfen auf keinen Fall überschritten werden. Auf quellende Ladungen ist besonders zu achten; auch dürfen keine Teile der Ladung (z. B. Strohhalme, Reiser usw.) über das Lademaß hinausragen.

(8) Zum Signalgeben von Stellwerken an Gleisen mit Oberleitung dürfen lange Flaggen nicht verwendet werden.

(9) Fahnen dürfen nur an solchen Stellen angebracht werden, wo sie weder beim Aufziehen oder Aufstecken noch bei Bewegungen im Winde spannungsführende Teile berühren können.

(10) Hochmastlampen sind an Gleisen mit Oberleitung bei starkem Wind besonders vorsichtig herabzulassen.

(11) Auf Ladegleisen mit Fahrleitung darf das Ladegeschäft nur vorgenommen werden, wenn die Leitung ausgeschaltet und geerdet ist. Ausnahmen genehmigt die zuständige RBD.


III. Sicherung
§  8. Erden

a) Allgemeines

(1) "Erden" heißt, eine gutleitende Verbindung zwischen einem blanken Teil des Stromkreises und der Erde herstellen. Mit "Erde" wird jeder gut mit dem Erdreich oder Grundwasser verbundene elektrische Leiter bezeichnet (z.B. Fahrschienen, Fahrleitungsmaste, Wasserleitungen und dergl.). Ist eine Leitung gut geerdet, so wird beim Einschalten der Strom durch die Erdverbindung fließen, weil sie den Weg des geringsten Widerstandes bietet.

(2) Das Erden von Leitungen wird mit besonderen Erdungsstangen vorgenommen. Elektrische Triebfahrzeuge, Fahrzeuge der Flm und Bahnhöfe sind in der Regel mit Erdungsstangen ausgerüstet.
Stromschienen werden durch Kurzschließer geerdet.

(3) Die Erdungsstange hat oben einen Haken mit Feder, von dem eine leicht bewegliche Leitung ausgeht, die an dem Ende eine Erdungsklemme mit Befestigungsschraube trägt.

(4) Es darf nur eine Person erden, damit die richtige Reihenfolge der Handlungen gesichert wird.

(5) Erden dürfen in der Regel nur die Bediensteten der Flm und die Führer der elektrischen Triebfahrzeuge.

(6) Bedienstete von Bahnhöfen, welche mit Erdungsstangen ausgerüstet sind, dürfen, wenn Menschenleben gefährdet sind, selbständig erden. Das Unterwerk muß jedoch sofort verständigt werden. Der Dienststellenleiter bestimmt die Bediensteten, die über die Vornahme der Erdung und über die hierbei möglichen Gefahren zu unterrichten sind. Die Kenntnis ist durch Unterschrift zu bestätigen.

b) Herstellen und Aufheben einer Erdung

(7) In der Regel dürfen nur abgeschaltete Leitungen geerdet werden. Ausnahmen sind nur in besonders dringenden Fällen zulässig (Gefährdung von Menschenleben usw.)

(8) Beschädigte Erdungsstangen dürfen auf keinen Fall zur Erdung verwendet werden. Vor dem Gebrauch der Erdungsstange ist daher festzustellen, ob das Erdungsteil unverletzt und einerseits mit dem Haken an der Spitze, andererseits mit der Erdungsklemme gut leitend verbunden ist.

(9) Es ist ganz besonders wichtig, daß nachstehende Reihenfolge beim Anlegen und Entfernen einer Erdungsstange unbedingt eingehalten wird, anderenfalls besteht Lebensgefahr.
Sinngemäß gilt das im folgenden von der Erdungsstange Gesagte auch von jeder anderen Erdverbindung.

    a) Anbringen der Erdungsstange.
    1. Erdungsklemme an der Fahrschiene befestigen.
    2. Haken in den Fahrdraht einhängen.
    Hierbei ist zu beachten, daß das Erdungsseil freihängt und den Körper des Erdenden nicht berührt. Von der durchgeführten Erdung ist das Unterwerk zu verständigen. Die eingehängte Erdungsstange ist zu bewachen.

    b) Entfernen der Erdungsstange.

    1. Haken aus dem Fahrdraht aushängen.
    2. Erdungsklemme lösen.
    Das Unterwerk ist von der aufgehobenen Erdung zu verständigen.

    c) Unterhaltung der Erdungsstange.
    Die laufende fachtechnische Untersuchung der Erdungsstangen obliegt der Fahrleitungsmeisterei. Die Bahnhöfe und Bahnbetriebswerke sind verpflichtet, festgestellte Schäden an den Erdungsstangen sofort der Flm zu melden.



§  9. Maßnahmen zur Sicherung des elektrischen Betriebes
 

(1) Die folgenden Anordnungen gelten besonders für die hierunter bezeichneten Bediensteten, sind aber sinngemäß von allen anderen Bediensteten zu beachten.
Arbeiten, die im Gefahrenbereich der elektrischen Anlagen durch Reichsbahnfremde oder durch Reichsbahnbedienstete ausgeführt werden, die nicht der Flm unterstehen, sind von Bediensteten der Flm zu überwachen und zu sichern. Es sind daher vor Beginn solcher Arbeiten die zuständigen Flm oder das zuständige Amt rechtzeitig zu verständigen.

a) Im Fahrdienst

(2) Elektrische Triebfahrzeuge sollen nicht so stehen bleiben, daß die Stromabnehmer Streckentrenner ganz oder beinahe überbrücken.

(3) Elektrische Triebfahrzeuge dürfen nicht in Gleisabschnitte fahren, deren Fahrleitung abgeschaltet ist. Gleise ohne Fahrleitung werden, soweit es die Reichsbahndirektionen für erforderlich hält, durch Signal El 6 "Halt für Fahrzeuge mit Stromabnehmern" gedeckt.

(4) Während des Drehens elektrischer Triebfahrzeuge auf Drehscheiben müssen die Stromabnehmer gesenkt sein.

(5) Unter Feuer stehenden Dampflokomotiven dürfen nicht mit dem Schornstein unter Isolatoren oder Streckentrennern, besonders nicht an Stellen mit geringer Höhenlage des Fahrdrahtes (wie z.B. unter Brücken) halten, weil durch den Auspuff aus dem Schornstein Kurzschlüsse hervorgerufen werden können.

(6) Auf Gleisen mit Stromschienen soll die Dampfstrahlpumpe auf der Stromschienenseite möglichst nicht benutzt werden.

b) Im Bahnunterhaltungsdienst

(7) Vor dem Verschieben, Heben oder Senken von Gleisen mit Fahrleitung ist stets die zuständige Fahrleitungsmeisterei so rechtzeitig zu verständigen, daß die infolge der Gleisarbeiten erforderlichen Änderungen an der Fahrleitungsanlage möglichst rechtzeitig mit den Gleisarbeiten fertiggestellt werden können. Ebenso muß der Fahrleitungsmeisterei die Auswechselung von Schienen und die Beendigung dieser Arbeiten rechtzeitig vorher mitgeteilt werden, damit sie den Ausbau und Wiedereinbau der Masterden, Schienenverbinder, Gleisverbinder oder Stromschienenträger, für deren sachgemäße Ausführung die Fahrleitungsmeisterei verantwortlich ist, überwachen kann. Bei Gleisunterbrechung infolge Umbauarbeiten hat die Fahrleitungsmeisterei die Wiederbefahrbarkeit der Baustelle durch elektrische Fahrzeuge zu melden.

(8) Beim Auswechseln von Gleisen darf der Zusammenhang der als Rückleitung dienenden Schienen niemals vollständig unterbrochen werden. Gegebenenfalls sind vor der Lösen und Herausnehmen von Gleisstücken die verbleibenden Gleisenden entweder unmittelbar oder mittelbar über ein paralleles Nebengleis durch ein Metallseil zu verbinden. Das Metallseil muß in seiner Leitfähigkeit einem Kupferseil von mindestens 70 mm² Querschnitt entsprechen. Alle Bauteile, deren Erdleitungen an herauszunehmende Schienen angeschlossen sind, müssen vor der Herausnahme anderweitig verläßlich geerdet werden. Müssen Erdleitungen miteinander verbunden werden, so sind Klemmen, Bindedraht ist nicht zulässig. Diese Arbeiten, für deren sachgemäße Ausführung die Fahrleitungsmeisterei verantwortlich ist, sind von der Bahnmeisterei zu leisten

(9) Bei allen Arbeiten am Bahnkörper dürfen die Masterden, Schienenverbinder, Gleisverbinder und Anschlüsse der Rückleitungen nicht beschädigt werden. Beschädigungen oder Mängel an diesen Bauteilen können Menschenleben gefährden und sind daher unverzüglich der Fahrleitungsmeisterei zu melden. Unmittelbar an Maste dürfen Steinschlag und andere Baustoffe nicht gelagert werden.

(10) Alle Arbeiten im Gefahrenbereich einer Starkstromleitung mit Spannung über 1000 Volt, bei denen die Leute selbst oder ihre Werkzeuge, Geräte oder Werkstücke, wie Drähte, Bretter usw. näher als 1,5 m an spannungführende Teile kommen können, sind nur zulässig, wenn ein Bediensteter der zuständigen Fahrleitungsmeisterei zugegen ist und die nötigen Abschaltungen und Erdungen vorgenommen hat.
Dies gilt z.B. für Lichtraummeßfahrten, Aufstellung und Umlegung von Signalen, Licht- und Flaggenmasten, sowie für Arbeiten im Tunnel, an Brücken, Hallen, Gebäuden, Hallendächern, Bahnsteigdächern, Reinigen von Fenstern und Tafeln an Stellwerken und Gebäuden und Arbeiten an Fernmeldeleitungen in der Nähe von Starkstromleitungen über 1000 Volt.

(11) Die Fahrleitungsmeisterei ist über die Art sowie über den Beginn und die Beendigung der vorzunehmenden Arbeiten spätestens 24 Stunden vorher zu verständigen. Auch müssen alle beteiligten Bahnhöfe, Bahnmeistereien, Unterwerke usw. in der Regel durch die Betriebsanweisungen, die das Betriebsamt im Einvernehmen mit dem Maschinenamt herausgibt, über die nötigen Maßnahmen genau unterrichtet werden. Die Fahrleitungsmeisterei stellt eine Aufsicht, deren Anweisungen für die Arbeiten an Einrichtungen des elektrischen Betriebs unbedingt zu befolgen sind. Erst nach ihrer Zustimmung darf mit der Arbeit begonnen werden.

(12) Bei Brücken, die über eine Leitungsanlage führen, ist zu beachten, daß der Brückenbelag keine Zwischenräume besitzen darf, durch welche Fußgänger mit irgendwelchen Gegenständen die darunter befindlichen Leitungen berühren können. Gegebenenfalls sind Schutzverkleidungen anzuordnen. Beim Streichen von Brücken oder anderen Bauteilen in der Nähe von Hochspannungsleitungen ist sinngemäß wie unter § 65 zu verfahren.

(13) Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Pfähle oder Nägel an Stellen eingeschlagen werden, wo Starkstromkabel liegen. Im Erdboden verlegte Kabel sind durch Kabelmerksteine gekennzeichnet. Die Kabel dürfen nicht angehackt oder sonstwie beschädigt werden. Beim Freilegen oder Ausgraben von bahneigenen Starkstromkabeln ist stets ein Bediensteter der Fahrleitungsmeisterei hinzuzuziehen. Bei Kabeln ist wegen der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit der Erdung an der Arbeitsstelle jede Spannungszuführung wirksam zu verhindern. Verboten ist, über Stellen, an denen Kabel liegen, Bauten irgendwelcher Art zu errichten, Dammschüttungen vorzunehmen, Schienen, Schwellen oder andere Stoffe zu lagern, deren Entfernung längere Zeit erfordert. Kabelmerksteine dürfen nicht entfernt oder zugeschüttet werden.

(14) Die Abmessungen der Lademaße sind in bestimmten Zeitabständen durch die Bahnmeistereien zu prüfen. Die Schwenkarme der Lademaße müssen in unbenutztem Zustand stets offen und in dieser Stellung gesichert sein. Auf den guten Zustand der Erden der Lademaße ist zu achten.

(15) Die für elektrische Bahnen vorgesehenen erweiterten Umgrenzungen des lichten Raumes sind unbedingt einzuhalten.

c) Im Betriebs- und Verkehrsdienst.

(16) Sind die Einfahrgleise eines Bahnhofs aus irgendwelchen Gründen nicht elektrisch befahrbar, so hat sich der Fahrdienstleiter vor Eintreffen eines jeden Zuges zu vergewissern, ob dieser mit einer elektrischen oder mit einer Dampflokomotive gefahren wird.

(17) Soll ein Fahrleitungsabschnitt oder ein Teil eines solchen von elektrischen Triebfahrzeugen mit gesenkten Stromabnehmern befahren werden, so sind durch die Fahrleitungsmeisterei die erforderlichen Signale aufzustellen. Die Fahrleitungsmeisterei hat die beteiligten Bahnhöfe zu verständigen. Die Fahrdienstleiter erteilen den Zügen Befehl A (FV § 10²).

(18) Abgeschaltete oder geerdete Fahrleitungen von Gleisabschnitten, die nicht von elektrischen Triebfahrzeugen befahren werden dürfen, sind gemäß Fahrdienstvorschrift (FV § 3013) durch Schilder an den zugehörigen Weichenhebeln als für Fahrzeuge mit Stromzuführung nicht befahrbar zu kennzeichnen. Außerdem ist dort, wo es möglich ist, das Signal El 6 "Halt für Fahrzeuge mit Stromabnehmern" aufzustellen.

(19) Hochbeladene, offene Wagen, besonders solche mit quellenden Ladungen wie Heu, Flachs und dgl. sind sorgfältig auf Einhaltung des Lademaßes zu prüfen, da sonst Feuersgefahr infolge Kurzschlusses an diesen besteht. Möbelwagen, Wohnwagen, Planwagen, und Wagen mit Wehrmachtstransporten, die über elektrisch betriebene Strecken befördert werden, sind besonders darauf zu prüfen, ob die Bedachung ordnungsgemäß befestigt ist.

(20) Sollte eine Wagenladung in Brand geraten sein, so ist, wenn möglich, der Wagen auf ein Gleis ohne Fahrleitung zu schieben, so daß ohne Gefahr gelöscht werden kann. Im Entstehen begriffene Brände können unter Umständen mit den Feuerlöschern der elektrischen Lokomotiven erfolgreich bekämpft werden. Beim Löschen mit Wasser darf der Strahl unter Spannung stehende Teile nicht berühren.

(21) Vom Ausbruch eines Brandes, der nicht auf Bahngelände, aber in solcher Nähe der Fahrleitungsanlagen eintritt, daß Teile der elektrischen Anlagen in Mitleidenschaft gezogen werden, ist die Fahrleitungsmeisterei sofort zu verständigen.



§  10. Verhalten bei Störungen
 

(1) Alle Bediensteten, besonders die mit der Bahnüberwachung und Bahnunterhaltung betrauten, haben Schäden und Mängel an den Leitungs- und Schaltanlagen schnellstens durch Fernsprecher dem Unterwerk oder der Fahrleitungsmeisterei zu melden oder die Meldung zu veranlassen (siehe auch Betriebsunfallvorschrift [Buvo] § 11³).
Hierzu gehören auch Rauch- und Feuererscheinungen an Schaltanlagen und Isolatoren, gerissene oder herabhängende Drähte, abgesprungene Klemmen, gebrochene Isolatoren, beschädigte Schienenverbindungen und Masterden, in die Umgrenzung des lichten Raumes hineinragende Gegenstände usw.
Die Dienststellenleiter haben dafür zu sorgen, daß ihre Bediensteten über die Leitungsanlagen genügend unterrichtet sind, um die erforderlichen Beobachtungen machen zu können.

(2) Wenn schadhafte Teile der Leitungsanlagen in die Umgrenzung des lichten Raumes hineinragen oder dies nach eingegangene Meldungen anzunehmen ist, so ist die Sperrung des Streckenabschnittes für alle Fahrzeuge zu veranlassen.
Unmittelbar danach ist beim Unterwerk die Abschaltung des betreffenden Leitungsabschnittes zu veranlassen und die Leitung von dem nächsten Streckenwärter oder einem sonst verfügbaren Bediensteten abzusuchen. Nötigenfalls ist die Untersuchung der Fahrleitung durch Bedienstete der Fahrleitungsmeisterei abzuwarten.
Stellt sich bei dem Schaden an der Fahrleitung heraus, daß nur die Stromabnehmer elektrischer Fahrzeuge beim Durchfahren beschädigt werden, so ist die Sperrung der Strecke nur für elektrische Fahrzeuge aufrechtzuerhalten.

(3) Besteht bei einer Beschädigung der Leitungswege z.B. bei Drahtbruch oder bei Berührung von Zweigen, Ästen oder Bäumen mit Starkstromleitungen die Gefahr, daß Personen dadurch zu Schaden kommen, so ist dafür zu sorgen, daß sobald wie möglich ein Posten an der Gefahrenstelle aufgestellt wird und dort solange verbleibt, bis die Leitung abgeschaltet und geerdet und dadurch die Gefahr beseitigt ist.

(4) Sind bei Eisenbahnunfällen Schäden an den Leitungen entstanden, so hat die zuständige Dienststelle mit dem Arzt- oder Gerätewagen zugleich den Fahrleitungsgerätewagen anzufordern (siehe Betriebsunfallvorschrift § 101c). Der den Hilfszug stellende Bahnhof hat für Benachrichtigung der Fahrleitungsmeisterei zu sorgen.


IV. Meldewesen und Schalterbedienung
§  11. Meldungen

(1) Für die elektrische Zugförderung ist ein besonderes Fernsprechnetz (Starkstromfernsprecher) angelegt, an das die Kraftwerke, Unterwerke, Schaltstellen, Fahrleitungsmeistereien und die Bahnhöfe der elektrisierten Strecken usw. angeschlossen sind.

(2) Der Fernsprecher für den elektrischen Betrieb darf nur in dienstlichen Gesprächen über den elektrischen Betrieb, zu Schaltaufträgen und zu Meldungen über Störungen und Unfälle an den Fahrleitungsanlagen benutzt werden. Andere dienstliche Gespräche dürfen mit dem Starkstromfernsprecher nur in Notfällen geführt werden.

(3) Anrufe auf dem Starkstromfernsprecher sind als dringlich zu behandeln. Alle Meldungen und Bestätigungen sind deutlich auszusprechen.

(4) Die Meldungen über Schaltmaßnahmen, Sperren und Freigeben von Leitungen, sowie die Meldungen über Störungen müssen in ein Fernsprechbuch, das durch einen Blitzpfeil als Starkstromfernsprechbuch gekennzeichnet ist, gewissenhaft eingetragen werden. Jede Eintragung in dieses Buch ist dem Auftraggebenden zu wiederholen.

(5) Aus den Eintragungen in das Fernsprechbuch muß zu ersehen sein:

Genaue Zeit, gebende und empfangende Dienststelle unter Namensangabe, Auftrag oder Meldung (letztere kann kurz gefaßt sein, muß aber den Inhalt des Gesprächs vollkommen enthalten).


§  12. Schalterbedienung
 

(1) Für die Erteilung von Schaltaufträgen einerseits und für die Befugnis zum Schalten andererseits werden unterschieden:

a) Schaltauftragberechtigte,
b) Schaltbefugte.
(2) Schaltauftragberechtigt ist der Bedienstete, der die Befugnis hat, Schaltaufträge zu erteilen und Schaltungen anzuordnen; in der Regel sind dies:
a) Der Vorstand des Maschinenamtes und der Leiter des Kraftwerkes, sowie die ihnen zugeteilten technischen Beamten,
b) der Dienststellenleiter der Fahrleitungsmeisterei,
c) die Werkmeister in den Kraftwerken, Unterwerken und den Fahrleitungsmeistereien,
d) die Leitungsmeister,
e) Bedienstete, die nach abgelegter Prüfung hierzu ermächtigt sind,
f) die Lokomotiv- und Triebwagenführer und nach Einvernehmen mit diesen die Zugführer.
Die Namen der Schaltauftragberechtigten der unter a - e bezeichneten Bediensteten sind vom zuständigen Amt den an der Schalterbedienung beteiligten Dienststellen bekanntzugeben.

(3) Schaltbefugt ist der Bedienstete, der mit der Schalterbedienung beauftragt ist.

(4) Bei Gefahr im Verzug, besonders wenn Menschenleben gefährdet sind, darf jeder Schalter von jedermann ausgeschaltet werden bzw. jedermann darf die Abschaltung des betreffenden Leitungsabschnittes verlangen. Wer einen Schalter ausschaltet, hat dies sofort dem zuständigen Schaltbefugten mitzuteilen. Der Schaltbefugte hat Namen und Dienststellung desjenigen, der ausgeschaltet hat, oder der ein Ausschalten verlangt hat, sowie die Ursachen der Schaltung festzustellen.

(5) Ohne Auftrag eines Schaltauftragberechtigten darf kein Fahrleitungsschalter eingeschaltet werden, außer denjenigen, deren Bedienung örtlichen Stellen übertragen ist (z.B. Ladegleisschalter).

(6) Wurde eine Abschaltung von mehreren Stellen verlangt, so darf erst dann wieder eingeschaltet werden, wenn alle diese Stellen ihre Zustimmung gegeben haben.

(7) Das Aus- und Einschalten nach Zeitverschiebung ist strengstens verboten.

(8) Es ist verboten, durch einen Schalter mit Erdkontakt eine Fahrleitung auszuschalten, unter der sich ein Triebfahrzeug mit gehobenen Stromabnehmern befindet.

(9) In Gefahrfällen können Züge mit elektrischen Triebfahrzeugen durch Abschalten der Fahrleitung eines Streckenabschnittes zum Stillstand gebracht werden.

(10) Wird die Fahrleitung wegen Unterhaltungsarbeiten abgeschaltet, so ist an den Schalterhebeln ein Schild mit der Aufschrift "Nicht Schalten ! - Gefahr vorhanden !" anzubringen. Dieses Schild darf erst entfernt werden, wenn der Führer der Leitungskolonne meldet, daß die Arbeiten beendet sind, und die Leitung wieder eingeschaltet werden kann.

(11) Beim Bedienen der Schalter ist darauf zu achten, daß der Schalter in einer ununterbrochenen Bewegung geöffnet oder geschlossen wird, weil sonst die Kontakte verschmoren oder verbrennen. Wird ein Steckenbleiben des Schalters beobachtet, so ist der Schalter sofort wieder in die Ausgangsstellung zurückzunehmen und die Schaltung zu wiederholen.


V. Unfälle
§  13. Verhalten bei Unfällen durch elektrischen Strom

(1) Bei Unfällen durch den elektrischen Strom ist wie bei sonstigen Unfällen die "Anleitung zur ersten Hilfe" DV Nr. 415 zu beachten.
Da man bei keinem Unfall durch den elektrischen Strom sofort beurteilen kann, ob er leicht oder schwer ist, muß in jedem Falle neben der ersten, vom Sanitäter geleisteten Hilfe ein Arzt hinzugezogen werden.

(2) Bis zur Behandlung durch den Arzt sind unbedingt folgende Maßnahmen zu treffen:

Atmet der Verunglückte noch selbständig, so bringt man ihn zur Erleichterung der Atmung in eine liegende Stellung und öffnet ihm sofort die Kleider am Halse und über der Brust.
Brennende oder schwelende Kleidungsstücke werden vorsichtig, aber schnell entfernt.
Atmet der Verunglückte nicht mehr oder wird die anfangs vorhandene Atmung schwächer, so ist von einer damit vertrauten Person künstliche Atmung vorzunehmen und solange durchzuführen, bis der Arzt andere Anordnungen trifft.
(3) Damit die Wiederbelebungsversuche, die unter Umständen erst nach Stunden zum Erfolg führen, auch während des Transportes vorgenommen werden können, wird der Verunglückte auf das Beatmungsgerät, das in den Unterwerken und bei den Fahrleitungsmeistereien hinterlegt ist, aufgeschnallt.

(4) Die künstliche Atmung darf erst eingestellt werden, wenn entweder die regelmäßige Atmung wiederkehrt oder vom Arzt der Tod des Verunglückten durch sichere Zeichen festgestellt ist.

(5) Haben Personen einen Unfall durch Berühren von Starkstromleitungen anscheinend ohne sichtbare Schädigung überstanden, so ist trotzdem sofort ein Arzt hinzuzuziehen.

(6) Hält der Verunglückte infolge eines Krampfe die Leitung umklammert oder bleibt er aus einem anderen Grunde mit den unter Spannung stehenden Teilen in Berührung, so ist er so schnell wie möglich zu befreien. Kann die Leitung nicht sofort abgeschaltet und geerdet werden, so ist bei dem nächsten Unterwerk die sofortige Abschaltung und Erdung unter Angabe des Grundes zu veranlassen.
Erst nach der Meldung, daß dies geschehen ist, und nach der Erdung der Leitung an der Unfallstelle darf der Verunglückte von ihr gelöst werden.

(7) Solange die Leitung nicht abgeschaltet und geerdet ist, bleibt jedes Berühren des mit ihr in Verbindung stehenden Verunglückten ebenso gefährlich wie das Berühren der Leitung selbst.

(8) Bei Unfällen an Stromschienen und anderen Anlagen mit Betriebsspannungen unter 1000 Volt muß der Verunglückte auch unter Spannung befreit werden, wenn der an Spannung liegende Abschnitt nicht sofort abgeschaltet werden kann. Dies ist ohne Gefahr möglich wenn sich der Retter auf geeignete Weise isoliert (z. B. durch Gummimatten, Glas, trockene Kleidungsstücke, trockene Bretter, trockene Papierpakete). Bei Stromschienenbahnen ist es auch möglich, die Stromschienenanlage durch die Kurzschließer der Triebwagen spannungslos zu machen.



Anlage 1
(§ 4 Absatz 1)


 
Abkürzungen
KW Kraftwerk DV Dienstvorschrift
Uw Unterwerk FV Fahrdienstvorschriften
Flm Fahrleitungsmeisterei Buvo Betriebsunfallvorschrift
Flk Fahrleitungskolonne Mitropa Mitteleuropäische Eisenbahngesellschaft
Bw Bahnbetriebswerk ISG Internationale Schlafwagengesellschaft
Bww Bahnbetriebswagenwerk SO Schienenoberkante
Telm Telegraphenmeisterei

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