Richtlinien
für die fachlichen Arbeiten bei der Einrichtung
von regelmäßigen Verkehren mit Straßenfahrzeugen
für Eisenbahnwagen - Str -
(Aufgestellt von der HV der DRG)
Nur für den Dienstgebrauch
Ausgabe November 1935

Inhalt
Zuständigkeiten des Beförderungsdezernenten (für zusammengefaßte Federführung)
Zuständigkeiten des maschinentechnischen Kraftwagendezernenten
Zuständigkeiten des bautechnischen Streckendezernenten
Zuständigkeiten des Betriebsdezernenten
Zuständigkeiten des Beförderungsdezernenten (für die Verkehrsfragen)
Antragsmuster nebst Anlagen; Dienstanweisung; Probeverkehre u Sonderverkehre

Anlagen
Anlage 1: Vordruck eines Antrages auf Einrichtung von Verkehren mit Straßenfahrzeugen für Eisenbahnwagen
Anlage 2: Muster einer Kostenberechnung für regelmäßige Verkehre mit Straßenfahrzeugen für Eisenbahnwagen
Anlage 3: Muster einer Überladerampe für Straßenfahrzeuge für Eisenbahnwagen auf dem Güterbahnhof
Anlage 4: Muster eines Beförderungsvertrages
Anlage 5: Muster der Beförderungsbedingungen

(1) Dem Beförderungsdezernenten obliegt nach Verfügung - 2 Opd 7 - vom 20. September 1935 zunächst die zusammenfassende Federführung
für die Ermittlung bis zu der Vorentscheidung, ob die Einrichtung des beantragten Verkehrs in Frage kommt
und schließlich
für den Vertragsentwurf (einschließlich der Berichterstattung an die HV)
Er ermittelt gemäß anliegendem Antragsmuster (Anlage 1, Spalten 1 bis 12), soweit möglich, erforderlichenfalls schätzungsweise den voraussichtlich für Str zu erwartende Verkehrsumfang der Antragsteller. Außerdem gibt er im Kopf des Vordrucks die bereits im Bezirk laufenden Str-Verkehre nebst den erzielten Beförderungsgebühren an.
Der Zeitersparnis halber empfiehlt es sich, diese Ermittlungen neben denen der übrigen mitwirkenden Dezernenten durchzuführen.
Die Angaben zu den Spalten 13 bis 26 werden von dem Dezernenten beigetragen, der nach dem Geschäftsplan der RBD die maschinentechnischen Kraftwagenfragen zu behandeln hat.
Die von dem Beförderungsdezernenten federführend zu treffende Vorentscheidung darüber, ob sich ein bestimmter Verkehr voraussichtlich technisch und wirtschaftlich zur Bedienung mit Str eignet und daher die weiter erforderlichen umfangreichen Einzelerhebungen rechtfertigt, läßt sich am schnellsten und einfachsten dadurch herbeiführen, daß der Beförderungsdezernent alsbald nach Eingang und Prüfung des Antrages in verkehrlicher Beziehung die beteiligten maschinentechnischen, Betriebs- und Bau-Dezernenten unter Heranziehung der zuständigen Amtsvorstände zu einer Besichtigung des Verkehrsweges an Ort und Stelle einladet. Bei dieser Besichtigung und den sonstigen maschinentechnischen Vorbereitungen der Str-Verkehrs ist das RZM in Berlin gemäß Abschnitt III der Verfügung 2 Opd 7 vom 20. September 1935 bis auf weiteres zu beteiligen.
Diese Orstbesichtigung beginnt zweckmäßig mit der Prüfung der für die Anfahrt und Bedienung mit Str, wie auch für den Bahnbetrieb und Bau günstigsten Lage der Überladerampe auf dem Bahnhof. Hierbei ist die Eignung der Zufahrtswege vor und im Bahnhof (Einfahrbögen, Einfahrtore, Straßenneigungen, Wendemöglichkeiten für Str, Rangiermöglichkeit für den Schlepper) zu berücksichtigen.
Anschließend folgt die Befahrung des zweckmäßigsten Straßenzuges bis zum Werkhof des Antragsstellers mit Prüfung der Straßenbreiten, Fahrbögen und Steigungen, Berücksichtigung der Eignung etwa vorhandener Brücken und Unterführungen (Lichthöhe), aber tunlichst unter Vermeidung der Straßen mit Straßenbahn-, Omnibus- oder sonstigem starken Verkehr.
Auf dem Werkhof folgt die Prüfung der Einfahrten, Fahrwege und Wendemöglichkeiten und ferner der Frage, ob das Verladen der Güterwagen auf dem Str selbst oder mit Hilfe fahrbarer oder fester Absetzgleise (letztere gegebenenfalls in Verbindung mit Schiebebühnen und Drehscheiben) den Zweck des Werkes und der Bedienung mit Str am dienlichsten ist. Dabei sind dem Werk gegebenenfalls Vorschläge für die Verwendung geeigneter Fördervorrichtungen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Str und ihrer Überladeeinrichtungen zu machen.
Auf Grund des Ergebnisses dieser Ortsbesichtigung und der anschließenden Besprechung mit dem Werkleiter läßt sich im allgemeinen bereits übersehen, ob die Einrichtung des Verkehrs mit Str technisch und wirtschaftlich gerechtfertigt ist und etwa die Anlage eines festen  Anschlußgleises außer Frage steht, ob etwa wesentliche  Hemmnisse bestehen aber die weitere Prüfung der Verkehrsmöglichkeit sich trotzdem empfiehlt oder ob der Verkehr vorteilhaft nicht mit Str bedient werden kann. In den ersten beiden Fällen lautet die von dem Beförderungsdezernenten zu fällende Vorentscheidung zu Gunsten der weiteren Bearbeitung des Verkehrsfalles in bezug auf die für die Genehmigung des Verkehrs erforderlichen Unterlagen (siehe Punkt 1 bis 11, Seite 10 und Anlage 1).

(2) Der für die maschinentechnischen Kraftwagenangelegenheiten zuständige Dezernent ist federführend für die Entscheidung darüber,
a) ob der beantragte Verkehr technisch für die Bedienung mit Str endgültig geeignet ist und welcher Straßenzug zu befahren ist, einschließlich der Verhandlungen mit den Straßenaufsichtsbehörden und den Wegebaupflichtigen, gemäß Ausführungsbestimmungen zu § 31 der RStVO.
Die Einrichtung von Str-Verkehren fällt infolge der technischen Eigenart dieser Fahrzeuge unter die im § 31 der RStVO vorgesehenen Ausnahmen. Der Reichsbahn wurde als höherer Verwaltungsbehörde in bezug auf die Str seitens des RVM das Recht zur Zulassung der Str und damit zur Genehmigung solcher Ausnahmeervkehre eingeräumt. (Siehe Verf 35 Fast 94, vom 11. Februar 1935.) Nach den genannten Ausführungsbestimmungen sind aber die Straßenaufsichtsbehörden und die Wegebaupflichtigen vor Genehmigung solcher Ausnahmen zu "hören", d h es muß ihnen durch Verhandlung Gelegenheit geboten werden, sich zu dem Verkehrsvorhaben insbesonderes zu dem geplanten Fahrweg zu äußern und gegebenenfalls ihre Bedenken mitzuteilen. Es wird daher Wert darauf gelegt, daß seitens der RBD von diesen Wegeherren nicht die "Genehmigung" oder "Zustimmung" oder das "Einverständnis", sondern vielmehr lediglich  die Stellungnahme eingeholt wird, da die Genehmigung Sache der Reichsbahn ist. Wird ein Einvernehmen über die Abwicklung des Verkehrs erzielt, so spricht die Reichsbahn (HV) die Zulassung des Straßenfahrzeugs für die Beförderung von Eisenbahnwagen für den Einzelfall aus. Verhalten sich dagegegn die Wegeherren ablehnend oder läßt sich kein volles Einvernehmen über den von der Reichsbahn geplanten Verkehr in der von dieser oder den Frachtkunden gewünschten Form erzielen, so ist an HV zu berichten. - Die Genehmigung gilt nur für den Fahrweg, zu dem die Wegeaufsichtsbehöreden gehört sind. Werden bei Einbeziehung weiterer Kunden andere Fahrwege berührt, so ist erneut die Stellungnahme dieser Behörden einzuziehen.

Der maschinentechnische Dezernent ist ferner federführend für die Entscheidung darüber,
b) ob und welche Überladeeinrichtungen (bewegliche oder feste), Umsetz- und Fördervorrichtung auf dem Grundstück des Kunden aufzustellen sind.
Hierzu wird bemerkt, daß eine große Zahl geeingneter Überlade-, Umsetz- und Fördervorrichtungen in der Druckschrift "Die Eisenbahn ins Haus" (Februar 1935) beschrieben ist.

Der maschinentechnische Dezernent ist ferner federführend
c) für die erste Aufstellung der Selbstkostenberechnung des geplanten Str-Dienstes (in der Übergangszeit im Benehmen mit dem RZM).

Für rohe überschlägige Ermittlungen können die Selbstkosten bis auf weiteres mit etwa 8 RM je Nutzladung angenommen werden. Im einzelnen können die Selbstkosten sehr erheblich schwanken, je nachdem,

Bei Aufstellung der ersten Selbstkostenrechnung (bis auf weiteres bei Neuverkehren Unterlagen hierfür durch RZM, Berlin) sind für den geplanten Verkehrsfsall der Kapitaldienst und die Kosten der Unterhaltung bei den Fahrzeugen und den baulichen Anlagen der Bahnhöfe (Überladeanlagen, Gleisumbauten, Garagen, Pflasterarbeiten), sowie die Verwaltungskosten auf grund von Erfahrungswerten mitzuberücksichtigen. Die Anlagen auf den Werkhöfen gehen grundsätzlich zu Lasten der Besitzer.
Als Anhalt für die Aufstellung einer Selbstkostenberechnung siehe Anlage 2.

Der maschinentechnische Dezernent ist ferner federführend
d) für die Bereitstellung, für die Bedienung und für den Fahrdienst des Str.
Dazu gehören auch die Auswahl der für den einzelnen Verkehrsfall geeigneten Straßenfahrzeug- und  Schlepperbauarten im Benehmen mit dem RZM, die Pflege, die Pflege und Unterhaltung der Fahrzeuge, die Bedienung der Überladeeinrichtungen auf dem Bahnhof und auf dem Werkhof einschließlich Zu- und Abstellen (Rangieren) der Wagen mit dem Schlepper, die Beuafsichtigung des betriebsbrauchbaren Zustandes der Überlade- und Absetzeinrichtungen auf den Bahnhöfen und den Werkhöfen, die Regelung der Dienst- und Bedienungszeiten und der Fahrordnung für den Straßenverkehr.

Der maschinentechnische Dezernent ist schließlich federführend
e) für die Schulung und Prüfung des Personals und für die Dienstanweisung über die Abwicklung des Straßenfahrzeugverkehrs.
Die Schulung des Fahrpersonals erfolgt bis auf weiteres an jedem Ort erstmalig durch das Versuchspersonal des RZM. Die Prüfbescheinigung ist durch den Kraftfahrsachverständigen aufzustellen. Fahrer und Beifahrer müssen die Bescheinigung stets bei sich führen. Personal ohne Prüfbescheinigung darf nicht fahren. Hierauf ist zur Vermeidung von Unfällen strengtens zu achten.
Die Dienstanweisung soll die Abwicklung des gesamten Str-Verkehrs auf dem Bahnhof, dem Fahrweg und dem Werkhof umfassen:
Zu- und Abstellen der Güterwagen nach den Abstellgleisen vor der Überladestelle (Rampe), Heranziehen der Güterwagen aus dem Abstellgleise und Überladen auf das Str mit Hilfe der Schlepper (hierzu Plan der Überladerampe nebst Zu- ud Abstellgleis und der Zu- und Abfahrwege für das Str im Bahnhofsgebiet), Angabe, ob und welche Wagen abgesenkt zu fahren sind, Fahrweg mit Angabe der Brücken und Unterführungen (hierzu Wegeplan), gegebenenfalls mit Rücksicht auf Brücken und Unterführungen verschiedene Fahrwege für hohe und niedrige Ladungen, für Voll- und Leerwagen, Fahrordnung (Fahrvorschriften unter Berücksichtigung etwaiger örtlicher Auflagen und Beschränkungen), Behandlung der Güterwagen auf dem Werkhof des Empfängers (Bedienungsvorschriften, Ladestellen, Überlade-, Absetz- und Fördereinrichtungen, Wiederbereitstellung und Umsetzen von Wagen, dazu Lageplan).
Der maschinentechnische Dezernent liefert die Beiträge zu den Spalten 13 bis 26 des Antragsformulars (Anlage 1).

(3) Der bautechnische Streckendezernent ist federführend
a) für die etwaige Prüfung, ob ein fester Gleisanschluß in Frage kommt,
b) für die Entscheidung darüber,
ob die Anlage eines Rampengleises für das Str auf dem Bahnhof möglich ist und wie das Rampengleis und die dadurch bedingten Änderungen der Gleisanlagen auszuführen sind.
Folgende Gesichtspunkte sind maßgebend:
Ausführung und Lage der Überladegleise muß im Benehmen mit dem maschinentechnischen Dezernenten der Bauart und den fahrtechnischen und überladetechnischen Anforderungen des Str nebst Schlepper angepaßt werden. Toreinfahrt und Zufahrt mpssen den Fahrmöglichkeiten des Str angepaßt sein. Wenn möglich, sollten die Bahnhofsein- und ausfahrten bei Str in der Straßenfahrrichtung erfolgen. Abgesehen davon kann die Überladerampe an den Bau und Betrieb namentlich auch in Hinblick auf künftige Bahnhofserweiterungen zweckmäßigsten Platz gelegt werden. Der übrige Ladeschuppen- und Ladestraßenverkehr sollte möglichst wenig gestört werden. Als zweckmäßig erwies sich die Überladerampe am Ende einer kurzen Ladestraßen-Gleisgruppe, die für die Aufnahme der zuzustellenden und abzuladenden Str-Wagen noch ausreicht. (Siehe Skizze Anl. 3) In dieser sind die unterstrichenen Zahlen bindend.
Es empfiehlt sich, möglichst die Enden kürzerer Ladestraßengleise für die Rampe zusammenzufassen, dagegen von der Verwendung langer Ladestraßengleise (sofern sie nicht entbehrlich sind), abzusehen. Die Bemessung der Gleislänge richtet sich nach dem Wageneingang und den Bahnhofsbedienungszeiten. Die Rampe sollte entsprechend der Str-Höhe erhaben liegen, so daß sie als Ablaufberg nach dem Abstellgleis benutzt werden kann. Letzteres sollte möglichst nicht nach der Rampe zu im Gefälle liegen. Der Abstand vom Merkzeichen bis zum Brechpunkt auf der Rampe sollte so kurz wie möglich sein, um das Hochziehen der Güterwagen mit dem Seil des Schleppers zu erleichtern; andererseits empfiehlt es sich, neben dem Zustellgleis einen Fahrstreifen für das Rangieren durch den Schlepper anzulegen.
Der Kostenersparnis halber sollten Gleisumbauten, Um- oder Neupflasterungen auf das geringste Maß beschränkt werden. Das Str verlangt keine besondere Güte des Pflasters oder der Wegbefestigung. Wo Einstellräume für Kraftfahrzeuge nicht zur Verfügung stehen, sollten Einstellschuppen in Leichtbauweise für Schlepper und Str bei der Überladerampe oder in erreichbarer Nähe errichtet werden. Für ihre Anordnung und Ausstattung ist der maschinentechnische Dezernent maßgebend.
c) Soweit bei größeren festen Gleisanlagen auf dem Grundstück des Verkehrstreibenden ein Abnahme der Anlagen durch die Reichsbahn erforderlich ist, ist für diese Abnahme der bautechnische Streckendezernent federführend.
(Anmerkung:  Die Anordnung dieser Gleisanlagen und ihrer Überladeeinrichtungen richtet sich nach den Bedürfnissen des Werkes und den Fahr- und Überlademöglichkeiten der Str und Schlepper, gegebenenfalls unter Berücksichtigung besonderer Fördereinrichtungen. Für die Anordnung dieser Anlagen ist der maschinentechnische Dezernent federführend.

(4) Der Betriebsdezernent ist federführend
für die Bedienung der Gleisanlagen auf dem Bahnhof bis vor das Rampengleis und in umgekehrter Richtung. Das Überladen der Eisenbahnwagen über die Umsetzrampe geschieht zweckmäßig durch den Schlepper, der mit seinem Seilzug das Heranziehen und Abziehen der Wagen vornimmt.

(5) Der Beförderungsdezernent ist federführend
für die Verkehrsfragen beim Vertragsabschluß und beim Verkehr des Str (z B Gebühren, Wagenstellung, Abrechnung).
Falls nicht anders gerregelt, erfolgt die Übergabe der Ladungen und Papiere, sowie umgekehrt die Übernahme derselben, durch den Fahrer oder einen besonders bezeichneten Begleiter.
Die Vorschläge für die Beförderungsgebühren sind unter Berücksichtigung der vom RZM bis auf weiteres für den einzelnen Verkehrsfall zu ermittelnden gesamten Selbstkosten, die sich vorwiegend auf den Fahrzeugdienst stützen, möglichst mit einem mittleren Zuschlag von 50 bis 100 % bei der HV einzureichen. In bezug auf die Gebührenhöhe ist darüber hinaus das für den betreffenden Ort und unter den gegebenen Verhältnissen Mögliche anzustreben! (Dies gilt insbesondere bei Transporten von flüssigen Brennstoffen in Kesselwagen, bei denen der Empfänger im Einzelfall Ersparnisse bis 300 RM je Wagen erzielt, weil der Versand mit Straßentankwatgen das Liter Brennstoff um 2 RPf verteuern kann.)
Als roher Durchschnitt kann etwa 1 RM/t gelten, beispielsweise

bei 10 t 15 t 20 t Ladegewicht
12,- RM 15,- RM 18,- RM
wobei für die geringste Auslastung mit Rücksicht auf die fast gleichbleibenden Selbstkosten ein etwa höherer, für die höhere Auslastung ein etwas niedrigerer Satz als 1 RM/t empfehlenswert sind. Selbstverständlich können diese Sätze je nach der verschiedenen Ausnutzung des Fahrzeugs und den Entferungen erheblich schwanken. Feste, für alle Verkehrsfälle gleichbleibende Gebührensätze können daher nicht angegeben werden. Dem Kunden muß dabei ein fühlbarer Nutzen oder eine fühlbare Erleichterung seines Versanddienstes sichergestellt sein. Ausnahmen von vorstehender Gebührenspanne, etwa bedingt durch Wettbewerb, Abwanderung oder Zuwanderung von Frachten u a m sind zu begründen.
Soweit tunlich, kann mit dem Kunden unverbindlich der unter Berücksichtigung der Entfernung, der Wagenzahl, der beladen wiederzurückgegebenen Wagen, der Auslastung, der Ladezeit und der oben angegebenen Gesichtspunkte als angemessen erkannte Gebührensatz für die Zuführung der Wagen zum Werkhof unter Hinweis auf den Genehmigungsvorbehalt der HV besprochen werden.
Der Gebührensatz sollte sich im allgemeinen auf das Ladegewicht der Wagen stützen, da bei der oft ungenügenden Auslastung insbesondere der G-Wagen die Berechnung nach der Nutzlast zu schweren Verlusten für die Reichsbahn führen kann.
Werden die Gebühren je Tonne Nutzlast berechnet, so ist eine Wagenmindestgebühr einzusetzen.
In einfachen Fällen können auch Festgebühren je Nutzwagen vereinbart werden.
Für die Gebührenfestsetzung erweist sich folgende Regelung vorerst als zweckmäßig:
Die Beförderungsgebühren werden für die Beförderung und Ladebereitstellung der Vollwagen bezw für deren Abholung bezahlt. Leerwagen werden kostenlos befördert. Der Musterkostenanschlag (Anlage 4) ist unter der Voraussetzung aufgestellt, daß die Str im Rücklauf durch Leer- oder Vollwagen ausgenutzt sind. Geschieht dies nicht, so verringert sich der Nutzen für die Reichsbahn unter Umständen sehr erheblich. Es ist daher durch Einwirken auf die Firma und durch entsprechende Maßnahmen der Güterabfertigungen anzustreben, zur Hebung der Wirtschaftlichkeit die Straßenfahrzeuge im Rücklauf durch Leer- und Vollwagen auszulasten. Bei ungenügender Auslastung der Str ist die Heraufsetzung der Beförderungsgebühr vorzubehalten.
Erforderlichenfalls ist der Leerrücklauf der Str etwa mit der halben Mindestbeförderungsgebühr zu belegen.
Außer den Beförderungsgebühren sind Zuschalggebühren bei Überschreitung der Ladefristen sowie für das Rangieren und Umsetzen von Wagen innerhalb der Werkhöfe im Vertrage festzulegen.
In einfachen Verkehrsfällen kann bei Kleinabnehmern, deren Empfang und Versand etwa 6 Nutzladungen in der Woche nicht überschreitet, von dem Abschluß eines förmlichen Beförderungsvertrages abgesehen werden, wenn ein Straßenfahrzeugverkehr in dem Orte bereits besteht und der Reichsbahn durch den Zu- oder Abgang des Kunden Neuaufwendungen nicht entstehen. An die Stelle des förmlichen Vertrages treten dann die von dem Kunden anzuerkennenden Beförderungbedingungen (Anl 5).

(6) Antragsmuster nebst Unterlagen; Dienstanweisung; Probeverkehre und Sonderverkehre.
Bei Vorlage eines Antrages auf Genehmigung eines Verkehrs mit Str sind außer dem auszufüllenden Antragsmuster (siehe Anlage 1) vorläufig folgende Unterlagen sogleich beizugeben:

  1. Die Erklärung der Straßenaufsichtsbehörden (Wegebaupflichtigen und Verkehrspolizei), daß Einwendungen gegen den Verkehr mit Str in der geplanten Form nicht bestehen. Andernfalls Mitteilung der geäußerten Bedenken und Auflagen. Einschränkungen von seiten der unter 1. genannten Stellen in bezug auf Zustellzeiten, zulässige Geschwindigkeit u a m, kurz alle Einschränkungen, die nicht in der RStVO ihre gesetzliche Stütze finden, sind möglichst abzulehnen.
  2. Kurze Beschreibung des Verkehrs mit Angaben über Fahrwege, größere Steigungen als 1:50, enge Fahrbögen unter 15 m Halbmesser, Brücken (gegebenenfalls Überfahren von Untergrundbahnen), Durchlässe, Unterführungen, sonstigen Straßenverkehr, Straßenbahnen usw, Untersuchungen, ob Schwierigkeiten bestehen oder nicht.
  3. Bahnhofsplanausschnitt mit den für den Straßenfahrzeugverkehr erforderlichen Zuwegen, Straßenein- und ausfahrten, Steigungsverhältnissen, Fahrbögen, Fahrrichtungen, neuen Pflasterflächen und der Anordnung der Überladerampe nebst zugehörigen Gleisanlagen im Maßstab 1:500.
  4. Längsschnitt durch Überladeplatz, Rampe und Zustellgleise, soweit erforderlich mit Querschnitten,
  5. Übersichtsplan der gesamten Bahnhofsanlage 1:1000,
  6. Überschlägige Kostenberechnung für Straßenfahrzeuge und Schlepper usw,
  7. Angaben, ob die erforderlichen Mittel zu 6. aus eigenen Wirtschaftsmitteln gedeckt werden können oder ob sie von der HV bereitgestellt werden müssen,
  8. die Höhe der vorzuschlagenden Beförderungsgebühren,
  9. Mitteilungen über die bisherigen ortsüblichen privaten Beförderungssätze und Ladelöhne, soweit erfaßbar, für 10, 15 und 20t-Ladungen, für jede in Frage kommende Firma getrennt,
  10. Angaben über die Höhe der voraussichtlich für die Schiene zurückzugewinnenden Frachten in Reichsmark/Jahr für jede Firma getrennt,
  11. Angabe, ob bei Nichteinrichtung des Verkehrs die Gefahr der Abwanderung weiterer Ladungen besteht.
Fehlende Angaben und Unterlagen sind alsbald nachzureichen.
Nach Genehmigung des beantragten Verkehrs durch die HV sind der Beförderungsvertrag und die erforderliche örtliche Dienstanweisung für die Abwicklung des Verkehrs im Entwurf vorzulegen. Diese Dienstanweisung, welche maschinendienstlicher, verkehrlicher und betrieblicher Natur ist, ist vorerst nach der bei vorhandenen Verkehren bereits bewährten Ausführung aufzustellen. Ein Ausführungsmuster folgt in Kürze.
Für die technische Vorbereitung und Durchführung von Probeverkehren und Einzelverkehren (Sonderverkehren) mit Eisenbahnwagen an Orten, wo Str nicht im laufenden Betrieb stehen, ist das RZM bis auf weiteres zuständig und verantwortlich.
Für die Prüfung und Durchführung von Sonderverkehren auf Str mit Schwerlasten ohne Eisenbahnwagen ist gleichfalls das RZM Berlin zuständig und verantwortlich. Diese Verkehre sind mit Verfügung - 35 Fast 36 - vom 1. September 1934 geregelt.

Anlagen


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