Dienstvorschrift
für den Gebrauch der
Schotterwagen
(Scho Vo)
Gültig vom 1. Juli 1931 an
in der Fassung vom 1. Januar 1935

§ 1
Verwendung der Wagen
(1) Die Schotterwagen sind zur Beförderung von Steinschlag, Splitt und Siebkies bestimmt. Feuchter, sandiger Kies bereitet bei der Entladung Schwierigkeiten.

(2) Die Wagenhöhe (3,50 m über S O ohne überhöhte Ladung) bedingt entsprechend hohe Beladevorrichtungen in den Lieferwerken.

(3) Die Wagen haben in der Regel einen Inhalt von 12,5 m³, ein Eigengewicht von 11,0 t, ein Ladegewicht von 20,0 t und eine Tragfähigkeit von 21,0 t.

(4) Der Umlauf der Wagen ist durch die Reichsbahndirektion zu regeln, damit die Wagen möglichst wirtschaftlich ausgenutzt werden. Die Beförderung aller einer RBD zur Verfügung stehenden Wagen als geschlossene Einheit, sei es als Sonderzug oder in planmäßigen Güterzügen, soll die Regel bilden. Das schließt nicht aus, daß die Einheit gegen Ende des Laufes in Gruppen aufgelöst wird, die nach Entladung auf einem Sammelbahnhof wieder vereinigt werden.

(5) Bei der Zugbildung sind die Überlaufplattformen paarweise aneinanderzustellen.

(6) Die Wagen sind in erster Linie für die Belieferung von Baustellen auf stark belegten Strecken zu verwenden, um in kurzen Zugpausen große Mengen entladen zu können und an Arbeitszügen zu sparen.


§ 2
Entlademöglichkeiten

Die Wagen können nach den Abbildungen 1 bis 6 entladen werden.
Die Anordnung der Hebel auf dem Bedienungstand ist aus der Anlage zu ersehen.

Abb. 1

Entladung unten nach links oder rechts.

1. Einstellen der unteren Rutsche an der gewünschten Seite in eine ihrer 3 Stellungen durch Hebel 3 (je nach Stellung dieser Rutsche erfolgt die Entladung in mehr oder weniger größerer Entfernung von den Schienen.
2. Öffnen des Hauptschiebers an der gewünschten Seite durch Hebel 1.
    Das Schließen der Schieber erfolgt durch Bewegen des selben Hebels in entgegengesetzter Richtung.


Abb. 2

Entladung unten nach der linken und rechten Seite gleichzeitig.

1. Einstellung der unteren Rutschen auf beiden Seiten für die gewünschte Entfernung durch die Hebel 3.
2. Öffnen der Hauptschieber auf beiden Seiten durch Hebel 1.


Abb. 3

Entladung unten zwischen die Schienen.

1. Aufrichten aller Gleitblechklappen auf der linken oder rechten oder auf beiden Seiten durch die Hebel 4 und 5.
2. Öffnen der Hauptschieber auf der linken oder rechten oder auf beiden Seiten (je nach Einstellung der Gleitblechklappen) durch Hebel 1.


Abb. 4

Entladung unten zwischen die Schienen und gleichzeitig nach einer Seite, z B rechts..

1. Aufrichten beider Gleitblechklappen auf der linken Seite durch die Hebel 4 und 5.
2. Aufrichten der großen oder kleinen Gleitblechklappe auf der rechten Seite durch die Hebel 4 oder 5.
3. Öffnen der Hauptschieber auf beiden Seiten durch Hebel 1.
    Der Arbeitsgang unter 2 kann unterbleiben, wenn seitlich der Schiene größere Mengen Schotter entladen werden sollen.


Abb. 5

Entladung unten zwischen die Schienen und gleichzeitig nach beiden Seiten.

1. Nur auf einer Seite (links oder rechts) Aufrichten der großen oder kleinen Gleitblechklappe durch Hebel 4 oder 5.
2. Öffnen der Hauptschieber auf beiden Seiten durch Hebel 1.


Abb. 6

Entladung oben in möglichst weiter Entfernung von den Schienen nach der einen oder anderen Seite.

(Hierbei kann nur 1/2 - 2/3 des Ladegutes entladen werden; Entladung des Restes durch die unteren Schieber)
1. Aufrichten der oberen Gleitblechverlägerung durch Umlegen des Hebels 6.
2. Öffnen des Hilfsschiebers an der gewünschten Seite durch Hebel 2.


§ 3
Entladevorschriften

a) Vorbereitung und Leitung der Entladung

(1) Ein Aufsichtsführender der örtlichen Dienststelle (Dienststellenvorsteher, dessen Vertreter oder Rottenaufsichtsbeamter) hat die Entladung zu leiten.

(2) Der Aufsichtsführende hat jedesmal die Rottenaufsichtsbeamten, das Zugpersonal sowie die Entlademannschaft darüber, wie und wo die Entladung vorgenommen werden soll, sowie über die Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften zu unterrichten. Er hat dafür zu sorgen, daß sämtliche beweglichen Teile der Wagen gut geölt sind und daß schwergehende Entladevorrichtungen nicht mit Gewalt  (durch Brechstangen usw) betätigt werden. Dem Lokführer ist die bei der Entladung einzuhaltende Fahrgeschwindigkeit anzugeben. Aufsichtsführender und Rottenaufsichtsbeamter müssen, wenn sie derartige Wagen noch nicht entladen haben, vorher einer Entladung beiwohnen.

(3) Um bei der Entladung der Wagen zu starke Staubentwicklung zu vermeiden, ist der Schotter nötigenfalls auf der nächsten Wasserstation zu berieseln.

(4) Der Zug ist als A (§ 72 der FV.) zu behandeln. Die Länge der Strecke, die während der Entladung zurückzulegen ist, ist abhängig von der auf den lfd. m abzuladenden Stoffmenge. Da im Durchschnitt der Zug während der Entladung etwa 60 m in der Minute zurücklegt, läßt sich danach die Entladezeit und aus dieser und der Zeit für die Fahrt vom und zum Ausgangsbahnhof oder von Bahnhof zu Bahnhof die Dauer der erforderlichen Streckensperrung ermitteln.

b) Entladung

(1) Für die eigentliche Entladearbeit sind 2 bis 4 Mann erforderlich.

(2) Die Entladung wird zweckmäßig so vorgenommen, daß an dem jeweils ersten noch voll beladenen Wagen die Schieber nach Weisung des Aufsichtsführenden so weit geöffnet werden, als es zur beabsichtigten Beschickung der Strecke erforderlich ist. An den nachfolgenden Wagen sind die Schieber zunächst nur so weit zu öffnen, als es zur Ergänzung der vom ersten Wagen entladenen Menge notwendig ist. Nach Entladung des Wagens geht der Bediener auf den nächsten noch nicht besetzten Wagen über.

(3) Vor dem Verlassen eines entladenen Wagen hat der Bediener nochmals alle Schieber zu öffnen, um Reste der Ladung zu entfernen.

(4) Hinter dem Zuge ist die Strecke auf die Freihaltung der Umgrenzung des lichten Raumes nach der Entladung, in Weichen auch auf die Freihaltung der Gleiträume der Zungen sowie der Spurrillen der Herzstücke und Radlenker, nachzuprüfen.

(5) Vor dem Verlassen des Zuges sind alle Hebel in Grundstellung zu legen.


§ 4
Sicherheitsvorschriften

(1) Zur Ankündigung von Zügen sind Sicherheitsposten in der nach den örtlichen Verhältnissen und den Unfallverhütungsvorschriften Teil II § 3 Abschn. III erforderlichen Zahl aufzustellen.

(2) Auf zwei- und mehrgleisigen Strecken ist die Entladung bei der Vorbeifahrt eines Zuges auf einem Nachbargleis einzustellen.

(3) Kommt der Zug während der Entladung zum Halten, sind sofort alle Schieber zu schließen, die Bedienungsmannschaften dürfen dann nur nach der Außenseite des Gleises absteigen.

(4) Die obere Gleitblechverlängerung darf bei Entladung nach einem Hauptgleis nicht verwendet werden, wenn dieses Gleis für den Zugverkehr freigegeben ist (FV § 694). In sonstigen Gleisen darf sie nur benutzt werden, wenn die Umgrenzung des lichten Raumes für durchgehende Hauptgleise mit einem Spielraum von 200 mm freigehalten ist. Sie darf stets nur unmittelbar vor dem Gebrauch aufgerichet werden und ist nach dem Gebrauch sofort wieder herunterzuklappen.

(5) Die Bedienungsmannschaften dürfen bei zweigleisigen Strecken in der Regel nur auf der dem Nachbargleis abgekehrten Seite von Wagen zu Wagen übergehen; davon darf nur auf ausdrückliche Anordnung des Aufsichtsführenden abgewichen werden.


§ 5
Nachweis der Ausnutzung der Wagen
Über die Ausnutzung der Schotterwagen sind die besonders vorgeschriebenen Aufzeichnungen zu führen.

Anlage (zu § 2)
Anordnung der Hebel auf dem Bedienungsstand



Anmerkung:
Diese DV trug in der ersten Fassung vom 1. Juli 1931 den Titel
Dienstvorschrift für den Gebrauch der Schotterselbstentladewagen (Scho Vo)

Mit dem Berichtigungsblatt 1 vom 1. Januar 1935 wurde der Titel geändert in
Dienstvorschrift für den Gebrauch der Schotterwagen (Scho Vo)


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