Gedruckte Reisebegleiter für Eisenbahnfahrten
Während in heutigen Zeiten aus der Sicht der Bahnverwaltung die Eisenbahn lediglich dazu benutzt werden sollte, um möglichst rasch und bequem von ___ nach ___ zu gelangen, wurde in früheren Zeiten dem Reisen größere Bedeutung beigemessen. Dieses "Unterwegs-Sein" spielte zusammen mit dem touristischen Gedanken bei der Werbung um Kunden nicht erst zur Zeit der DRG eine bedeutende Rolle. Ein wichtiger Bestandteil war dabei die Institution der Sonntags-Rückfahrkarte. Außerdem gab es in Ferienzeiten und an Wochenenden eine Vielzahl von preisgünstigen Sonderfahrten über mittlere und auch weitere Entfernungen in attraktive Gegenden, nicht selten kombiniert mit einem kulturellen oder touristischen Veranstaltungsprogramm am Zielort.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg existierten mehrere Serien preisgünstiger Publikationen, mit denen die Eisenbahnen Ihren Kunden diesen Reisegedanken nahezubringen versuchte. Das Anliegen dieser kleinen Reisebegleiter ist aus nachfolgendem Zitat erkennbar:
"Um unseren Fahrgästen das Reisen mit der Eisenbahn möglichst anregend zu gestalten und ihnen die vom Zug durchfahrene Gegend etwas näher zu bringen, wird im Folgenden in großen Umrissen auf das Wesentliche hingewiesen, was während der Fahrt von ___ nach ___ vom Abteilfenster aus zu sehen ist und mitgeteilt, welche besondere Bedeutung einzelne Orte haben."


In den ersten zwei Dekaden des 20. Jahrhunderts erschienen im Zusammenhang mit dem immer stärker aufblühenden Reiseverkehr sehr sehenswerte und interessante gedruckte Reisebegleiter in zum Teil sehr umfangreichen und abwechslungsreichen Serien.

Für die deutschen Staatsbahnen sind dabei wohl die sechs Broschüren "Verkehrsbuch Deutscher Eisenbahnen" am bekanntesten. Sie wurden federführend von der KED Altona in Zusammenarbeit mit den betreffenden Direktionen herausgegeben und wurden auch bei sonst identischer Gestaltung in englisch verlegt. 


Vor dem Ersten Weltkrieg haben in Deutschland besonders zwei Reihen von Broschüren große Verbreitung gefunden, welche von privaten Verlegern herausgegeben worden sind:

Nach dem Zusammenschluß der deutschen Länderbahnen im Ergebnis des Versailler Vertrages unternahm die junge Deutsche Reichsbahn vielfältige Anstrengungen zur Gewinnung von Kunden. Im Zusammenhang mit dem immer stärker wachsenden Fremden- und Ausflugsverkehr publizierte sie diverse gedruckte Reisebegeleiter. 
Was sehe ich von meinem Abteilfenster aus?
Kleine Hefte im Format 11cm x 14cm ohne Illustrationen, herausgegeben von den einzelnen Reichsbahndirektionen mit unmittelbarer Streckenbeschreibung (genau wie der Titel es verspricht).
Die Hefte waren kaum oder garnicht illustriert.
Aus dieser Serie wird eine Broschüre im Volltext vorgestellt: Die Vorlage enthält keine Grafiken, sondern nur Text.
Die eingefügten Bilder stammen aus zeitgenössischen Fremdenverkehrsprospekten.

Die reich illustrierten Hefte "Reisen & Schauen" wurden etwa ab 1934 vom Reichsbahn-Werbeamt für den Personen- und Güterverkehr (WER) herausgegeben. Sie sind einheitlich im Format 10cm x 21cm gehalten und zum Lesen auf doppelte bzw. vierfache Breite aufklappbar. Neben einer detailierten grafischen Streckendarstellung mit Hinweisen auf abzweigende Bahnlinien wird die Strecke mit Ihren Sehenswürdigkeiten ausführlich beschrieben. Weiterhin werden touristisch und historisch interessante Fakten von Stellen genannt, die vom Zug aus nicht unmittelbar einsehbar sind, aber von der Bahnlinie aus leicht erreichbar sind. 
Die Aufmachung der einzelnen Hefte war nicht einheitlich, aber durchweg sehr attraktiv und von namhaften Künstlern gestaltet. Die Heftpreise lagen bei 15 Rpf bzw. 20 Rpf. Von einigen Heften sind mehrere Auflagen bekannt, die sich in ihrer Gestaltung zum Teil erheblich unterscheiden.

Reisen und Schauen
Dem interessierten Leser soll hiermit die Möglichkeit gegeben werden, sich einen Eindruck von der Qualität dieser Reisebeschreibungen zu machen. Aus dieser sehr attraktiven Serie werden drei Hefte vollständig wiedergegeben:

Daneben gibt es auch vergleichbare Reisebegleiter, welche nicht von der Reichsbahn herausgegeben wurden, sondern von privaten Verlegern publiziert wurden. Besonders erwähnenswert aus der Zeit der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft sind die Broschüren von Dr. W. Kalmer "Beiderseits vom Schienenweg" des Verlags Wiegand & Grieben, Berlin.

Diese 12,3 x 24,4 cm großen Hefte wurden ab 1928 Jahre herausgegeben und sind den Heften der Reichsbahn in Umfang (bis zu 60 Seiten) und Aufmachung (feste Bindung und kartonierter Einband) noch überlegen. Sie enthalten neben der verbalen Beschreibung zahlreiche Fotos der an der Strecke liegenden Orte und Sehenswürdigkeiten sowie herausklappbare detailierten Karten. Sie besitzen auch einen Anzeigenteil mit Werbung von Reisebüros, Hotels und anderen Fremdenverkehrsunternehmen aus Orten an der Strecke. In dieser Serie sind mindestens fünfzehn Streckenbeschreibungen erschienen. Sie sind heute nur noch selten zu finden.


Auch die Eisenbahnen in Österreich gaben sehr sehenswerte und informative Broschüren für Ihre Reisekunden heraus.

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