Der Lauf einer Dampflokomotive
durch ein Reichsbahn-Ausbesserungswerk
in Bildern
1. Tag (10 Uhr): Eingang der ausbesserungsbedürftigen Lokomotive (meist mit eigener Kraft). Die Geräte werden der Geräteaufbewahrungsstelle übergeben. - Während des Erkaltens der Lokomotive Untersuchung auf Schäden und Aufstellung des Ausbesserungsrichtblattes für die Werkstatt durch den Arbeitsaufnehmer. - Abkuppeln des Tenders

2. Tag (6.30 bis 9 Uhr): Reinigung der Lokomotive (Abspritzen mit heißem Wasser). - Reinigung der Feuerbüchse und der Rauchkammer. - Ablassen des Kesselwassers. - (10 Uhr): Die Lokomotive wird in die Werkstatt gebracht.

3. Tag (7 Uhr): Abbau I. Die Lokomotive wird von den Achsen gehoben und auf Rollgestelle (siehe folgende Bilder) gesetzt. Armaturen und Teile werden abgebaut und mit Elektrokarren der Abkocherei und den Sonderwerkstätten zugeführt. - Zum Transport kleinerer Teile (Ausgleichshebel, Bremsteile usw.) werden eiserne Körbe benutzt, die mit dem zu reinigenden Gut in die Abkochbottiche getaucht werden.

3. Tag (14 Uhr): Abbau II. Der Kessel wird vom Rahmen gehoben und in die Kesselschmiede gebracht. - Der Rahmen kommt auf den Rahmenmeßstand.

Bearbeitung des Kessels in der Kesselschmiede (Bohrstand). Auswechselung undichter Stehbolzen und Nieten. Auswechslung der Heiz- und Rauchrohre.

Nach jeder äußeren und inneren Untersuchung, sowie auch nach jeder umfangreichen Ausbesserung wird eine Wasserdurckprobe (mit kaltem Wasser) vorgenommen, bei der der Kessel bei erhöhtem Kesseldruck auf Undichtigkeiten und eventuelle Formänderungen geprüft wird. An die Wasserdruckprobe schließt sich eine Dampfdruckprobe an, bei der der Kessel betriebsmäßig belastet wird.

4. und 5. Tag: Zusammenbau I. Vermessung und Bearbeitung des Rahmens (rechts am Zylinder hängt das Rahmenmeßblatt)
5. Tag (16 Uhr): Wiedereinbau des Kessels. Bekleidung des Kessel.

6. Tag (12 Uhr): Beginn Zusammenbau II
bis 8. Tag (11 Uhr): Führerhaus, Pumpen, kleine und große Rohre, Vorwärmer, Innensteuerung und Gleitbahnen werden angebaut.

8. Tag (11 Uhr): Beginn Zusammenbau III. Die Lokomotive wird auf die Achsen gesetzt.
9. Tag (14 Uhr): Beginn Zusammenbau IV.

bis 10. Tag (16.30 Uhr): Die Dampfkolben mit Schiebern und Kreuzköpfen werden eingepaßt, Treib- und Kuppelstangen eingehängt, Außensteuerung und Windleitbleche angebaut. Anstrich. Die Lokomotive wird zum Anheizschuppen gebracht und mit dem gleichfalls ausgebesserten Tender gekuppelt.

11. Tag (6 Uhr): Anheizen der Lokomotive zum Indizieren. Anbau der Indiziergeräte. - (11 Uhr): Indizieren der Lokomotive. - (13 Uhr): Leerprobefahrt, anschließend Beseitigen aufgetretener kleiner Fehler. - (16 Uhr): Die Lokomotive verläß ausgebessert das Werk zur Ablegung der Lastprobefahrt.

Quelle: Peter Kühne (Hrsg.). Erhaltungswirtschaft bei der Deutschen Reichsbahn. Verkehrswissenschaftliche Lehrmittelanstalt m.b.H. bei der Deutschen Reichsbahn, Berlin 1933

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