Wirtschaftsgebiet
Südwestdeutschland
Mitte der 1930er Jahre

Grundlagen der Wirtschaft
Südwestdeutschland besteht aus sehr verschiendenartigen Landschaften. Bergland und Gebirge machen mehr als die Hälfte des Landes aus. Den besten Boden hat das Rheintal. Sehr fruchtbar sind auch noch das Neckartal, der Kraichgau und die Täler der Gebirge. Flachgründig ist der Boden auf den Hochflächen des Schwarzwaldes, dürftig der Kalkboden auf der Alb. Dem Regenreichtum im Gebirge sind die guten Weiden des Schwarzwaldes und die ausgedehnten Waldgebiete im Schwarzwald, in der Hart und Nordabhnag der Alb zu verdanken. Die Tallandschaften liegen im Regenschatten. Das Klima ist am günstigsten im Rheintal, der einzigen Landschaft Deutschlands, wo der Vorzug der südlicheren Breite nicht durch höhere Lage wieder aufgehoben wird. Infolge geringer Wolken- und Nebelbildung kann sich die Sonnenstrahlung voll auswirken. Die Randgebirge schützen vor kalten Winden. Nicht ganz so mild ist das Klima im Neckartal und in der Saarpfalz. Rauh und unwirtlich ist es auf den Höhen es Schwarzwaldes und der Alb. An Bodenschätzen birgt das Gebiet rechts des Rheins so gut wie nichts. Abgesehen von dem Reichtum an Gesteinsarten wie Granit, Sandstein, Kalk und Basalt findet sich etwas Salz bei Hall und Heilbronn, Kali bei Mühlheim, Erdöl bei Bruchsal, Eisen bei Aalen. Dagegen besitzt die Saarpfalz wertvolle Kohlenlager. An der Saar liegt das drittgrößte deutsche Kohlenrevier. Auch das Vorkommen von Glassand und Ton bietet dort Erwerbsmöglichkeiten.

Wirtschaftskarte Südwestdeutschland

Wirtschaft
Landwirtschaft. Auf fruchtbarem Boden gewährt auch kleiner Bauernbesitz ein auskömmliches Dasein. Allerdings ging in früherer Zeit die Erbteilung odt so weit, daß aus den kleinen Landstücken nur mit Mühe die Nahrung für die Familie heruasgewirtschaftet werden konnte. Noch schweer war das natürlich im Gebirge. Aus dem Kamf mit der Scholle aber gingen erfolgreiche Boednpioniere hervor, die nicht nur in der Heimat, sondern auch in Siebenbürgen und den Urwäldern Brasiliens vorbildliche Siedlungsarbeit leisteten. Die Landwirtschaft nützt die günstigen Verhältnisse des Bodens und des Klimas in erster Linie für den Gemüse-, Obst- und Weinbau. Das Land um den Kaiserstuhl ist ein einziger Garten. Im nördlichen Rheintal und im Neckartal überwiegt der Feldbau. Weizen, Mais, Zuckerrüben und Tabak werden im Rheintal, Spelz, Braugerste und Hopfen im Neckartal angebaut. Wiesen und Weiden und der Anbau von Futterpflanzen erlauben eine beachtliche Rindviehhaltung. Auch Waldwirtschaft, Holzfällerei und Flößerei gewähren vielen Menschen Beschäftigung.
Bergbau. In der Saarpfalz ist der Steinkohlenbergbau Haupterwerbszweig. Die Grubenarbeiter leben hier als "Bergmannsbauern" noch in enger Verbundenheit mit dem Boden. Der Saarbergbau wird in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen, weil er die Erzeugung von Ferngas und Fernstrom übernimmt.
Industrie. Aus dem einst blühenden Handwerk entwickelte sich aus eigener Kraft und ohne schroffen Übergang die Industrie. Von der Anfertigung einfacher Haushaltgegenstände ging man über zur Herstllung von Bildaltären und zur Erzeugung von Musikinstrumenten und Uhren. Von der Holzbearbeitung kam man zur Metallbearbeitung, von der Uhrenherstellung zum Bau feinster wissenschaftlicher Meßinstrumente und Rundfunkgerät. Je seltener der Rohstoff war, desto mehr wurde er zum hochwertigen Fertigerzeugnis verarbeitet. In einer Unzahl meist kleiner und mittlerer Werkstätten und Fabriken zeiht sich das Gewerbe zeimlich gleichmäßig über das ganze Land und steht noch in engem Zusammenhang mit der Landwirtschaft; denn die Bauern der armen Gebrigsgegenden wenden sich während des WInters dem Hausfleiß zu, und die Landstelleninhaber in der Nähe der Städte sind gleichzeitig Arbeiter. Das Hauptindustriegebiet zieht sich von Neckarsulm talauf bis Geislingen. Ein zweiter Industriebezirk liegt um Reutlingen und beherbergt eine leistungsfähige Wirkwarenindustrie. Der dirtte Bezirk umfaßt den südlichen Schwarzwald.
Die Industrie in Baden und der Saarpfalz wird mehr durch die Nähe der Saarkohle und der lothringischen Minette sowie durch die Transportmöglichkeiten auf dem Rhein bestimmt. Mannheim-Ludwigshafen ist ein Schwerpunkt der chemischen Industrie. Im Dreieck Saarbrücken - Saarlautern - Neunkirchen haben wir eins der wichtigsten Gebiete der eisenschaffenden Industrie, dessen Versorgung mit Eisenerz jedoch durch die Abtretung Elsaß-Lothringens gefährdet ist. In Mettlach und Merzig befinden sich die größten Wandplatten und Steingutwerke Europas. Berühmt durch die Herstellung von Goldwaren ist Pforzheim.
Die südwestdeutsche Industrie hat sich mit ihren Spitzenleistungen den Weltmarkt erobert. Sie ist in beträchtlichem Maße an der Ausfuhr beteiligt. Allerdings ist sie nicht einseitig auf das Auslandsgeschäft eingestellt.
Verkehr
Südwestdeutschland liegt an einer Hauptverkehrsader Europas. Der Anschluß Württembergs an die Rheinstraße reicht einstweilen zwar nur bis zum Neckarhafen Heilbronn, wird aber mit der Durchführung der Neckarkanalisierung sich erheblich erweitern. Heute werden die Rheinfrachten noch zum größten Teil in Mannheim-Ludwigshafen auf die Eisenbahn übernommen. Dieser Ort ist daher ein Umschlagplatz erster Ordnung für Kohle, Erdöl, Eisen, Kautschuk und Getreide. Eine bessere Erschließung des Saarlandes wird erst der Saar-Pfalz-Kanal bringen. Der Saarkohlenkanal, der über den Rhein-Marne-Kanal die Verbindung nach Süddeutschland herstellte, ist mit Elsaß-Lothringen an Frankreich gekommen.
Die Haupteisenbahnlinien haben dieselbe Richtung wie die Flußläufe. Der West-Ostverkehr ist sehr erschwert. Zur Überwindung der Wasserscheide zwischen Rhein und Donau brauchen die Bahnen Offenburg - Donaueschingen, Freiburg - Donaueschingen und Waldshut - Immendingen eine Steigung von 600 - 700 m. Sie sind die einzigen Gebrigsbahnen in Deutschland. Während der Verwaltung des Saarlandes durch Frankreich ist der Eisenbahnverkehr Saarbrückens zugunsten Straßburgs vernachlässigt worden. Saarbrücken könnte sehr gut einen größeren Teil des Verkehrs Paris - Süddeutschland übernehmen. Der Flugverkehr hat seinen Knotenpunkt in Stuttgart.
Schönheit und Kultur der südwestdeutschen Landschaften sowie die zahlreichen Bäder und Erholungsorte haben große Anziehungskraft auf den Fremdenverkehr.

Unveränderter Auszug aus dem Buch
Dr. Walter Golze
Deutschlands Wirtschaft und die Welt. Vierte Auflage
Verlag und Druck von Teubner in Leipzig und Berlin 1938

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