Wirtschaftsgebiet
Mecklenburg-Pommern
Mitte der 1930er Jahre

Grundlagen der Wirtschaft
Mecklenburg-Pommern umfaßt hauptsächlich das Gebiet des Baltischen Landrückens. Die nördliche Seite weist in Mecklenburg, Vorpommern und bei Pyritz guten Lehmboden auf. Die flachere Südabdeckung zu den alten Urstromtälern hin hat dagegen nur Sandboden. Dort finden sich ausgedehnte Kiefernheiden. Das dazwischenliegende Odertal hat ausgezeichneten Niederungsboden. An der Küste geht noch heute Land verloren. Es wird von der Brandung untergewaschen und mitsamt der Ackerkrume zum Absturz gebracht. Die Neulandbildung schafft nur wertlos Dünen. Das Klima steht nicht mehr unter der Einwirkung des Golfstromes. Der Winter ist daher schon ausgeprägter; die Wachstumszeit ist kürzer. Die Häfen aber können noch durch Eisbrecher offengehalten werden. Bodenschätze fehlen. Etwas Kali findet sich bei Lübtheen, Kreide auf Rügen.
Wirtschaftskarte Mecklenburg-Pommern
Wirtschaft
Das mecklenburgisch-pommersche Wirtschaftsgebiet ist von allen deutschen Landschaften am schwächsten bevölkert. Deshalb hat hier die landwirtschaftliche Siedlung am stärksten eingesetzt. In einem Jahre wurden 6000 Personen auf Bauernstellen untergebracht und 50000 ha weiteres Siedlungsland bereitgestellt. Der Landbau erwirtschaftet Überschüsse an Roggen, Kartoffeln, Weizen, Zuckerrüben und Tabak. Während Mecklenburg Rindvieh- und Pferdezucht hat, kommt auf den mageren Böden Pommerns nur Schaf- und Gänsezucht in Betracht. Die Industrie verarbeitet in den meist unbedeutenden Städten die Landeserzeugnisse. Den einzigen Industriezweig stellt die Zellstoff- und Papiergewinnung Pommerns dar. Sie erzeugt Dachpappe, Pack- und Zeitungspapier und feines Schreibpapier. Stettins gewerbliche Entwicklung beruht auf den Vorteilen, die es aus der Verkehrslage zieht. Es verarbeitet das Holz Hinterpommerns, die Kreide Rügens und das Erz Schwedens mit den Steinkohlen Oberschlesiens.
Verkehr
Die Armut an brauchbaren Flüssen, Landstraßen und Eisenbahnen hat die Entwicklung des Landes sehr beeinträchtigt. Die versandende, bodden- und haffbildende Küste der Ostsee ist dem Schiffsverkehr überaus hinderlich. Zwar reichte das Fahrwasser der kleinen Flußmündungen und flachen Bodden für die Schiffe der Hansezeit aus. Für die heutigen Schiffsgrößen jedoch mußte überall, wo die alten Hansestädte sich wenigstens einen Teil ihres einst blühenden Handels erhalten wollten, das Fahrwasser künstlich vertieft werden. Die Haupthandels- und hafenstadt, der drittgrößte deutsche Hafen ist heute Stettin. Sie ist in erster Linie Seehafen Berlins. Ihre Verbindungen gehen zu den nord- und osteuropäischen Staaten. Der Fremdenverkehr an der Küste, besonders auf Rügen und Usedom, bietet eine gute Einnahmequelle.



Unveränderter Auszug aus dem Buch
Dr. Walter Golze
Deutschlands Wirtschaft und die Welt. Vierte Auflage
Verlag und Druck von Teubner in Leipzig und Berlin 1938

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