Literaturhinweise Epoche II
Amtliches Nachrichtenblatt
"DIE REICHSBAHN"
Die erste Ausgabe der Zeitschrift erschien am 11.10.1924. Bis zum Jahresende 1924 erschienen noch 6 weitere Ausgaben mit jeweils sehr geringem Umfang. Bis zur Nummer 5 vom folgenden Jahrgang 1925 bestehen die Ausgaben meist nur aus einem einzelnen oder ganz wenigen Blätter und enthielten einige amtliche Mitteilungen, die mangels anderweitiger Informationen nicht extra als amtlich gekennzeichnet sind.
In Nummer 5 vom 6.Februar 1925 erschien nachfolgender Text (Zitat):


"Die Reichsbahn" wird vom 1. Februar d. Js (1925) an regelmäßig als Wochenschrift erscheinen.
Das Blatt soll die Oeffentlichkeit über die Lage und die Geschäftsführung der Deutschen-Reichsbahn-Gesellschaft unterrichten und fortlaufend ein Bild über die Entwicklung und den Stand des Unternehmens geben. Hierbei soll auch die Oeffentlichkeit über Neuerungen auf den Gebieten des Eisenbahnwesens aufgeklärt und zu kritischen Bemerkungen in der Presse über Maßnahmen der Reichsbahn Stellung genommen werden.
Um diese Ausgestaltung des Blattes zu erleichtern, ist die Mitarbeit aus Kreisen des Personals der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft erwünscht; es soll auch nicht ausgeschlossen sein, im Laufe der Entwicklung Anregungen und Vorschläge Außenstehender zur Verbesserung des Reichsbahndienstes zur Veröffentlichung zu bringen.
Der Inhalt des Blattes wird sich künftig in einen amtlichen und einen nichtamtlichen Teil gliedern.
Der amtliche Teil wird enthalten u. a.:
Für die Reichsbahnstellen bestimmte allgemeine Verfügungen sowie alle Jahresberichte und Monatsberichte der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft. Die letzteren werden sich gliedern in:
  • Betriebsbericht,
  • Finanzbericht,
  • Technischer Bericht,
  • Verkehrsbericht,
  • Personalbericht,
  • Wirtschaftsbericht.
  • Im nichtamtlichen Teil werden u. a. Abhandlungen über neue Anordnungen innerhalb der Reichsbahn und über zeitgemäße Verkehrsfragen volkswirtschaftlicher und technischer Natur erscheinen. Auch sollen im nichtamtlichen Teil Ausschreibungen der Reichsbahn veröffentlicht werden.
    Beiträge für den nichtamtlichen Teil, die entsprechend vergütet werden, sind an die Schriftleitung des Blattes, Berlin W66, Voßstraße 35, Pressestelle, zu richten. Redaktionsschluß am Montag jeder Woche.
    Druck und Verlag des Blattes sind der Guido Hackebeil A.-G., Berlin S 14, Stallschreiberstr. 34-35, übertragen worden. Der Postbezugspreis beträgt 3,60 M für das Vierteljahr.

    Der erste vollständige Jahrgang (1925) umfaßt 532 Seiten und darin insgesamt 163 amtliche Mitteilungen. Wie aus nachfolgender Tabelle erkennbar ist, wuchs in den Folgejahren der Gesamtumfang kontinuierlich und erreichte bereits im Jahrgang 1928 mehr als 1000 Seiten. Dieser Umfang wurde daraufhin in Friedenszeiten immer erreicht. Die Zahl der amtlichen Bekanntmachungen pro Jahrgang blieb bis zum Kriegsausbruch immer etwa in der gleichen Größenordnung, wenngleich diese in ihrem jeweiligen Umfang natürlich sehr unterschiedlich sind. Der Zugewinn an Umfang wurde also hauptsächlich durch den nichtamtlichen Teil erbracht. Die offizielle eigene Jahrgangszählung beginnt 1925 und wird nur auf den Einbandtiteln angegeben, jedoch nicht auf den Jahresinhaltverzeichnissen.
    JahrJahrgangSeitenamtliche Mitteilungen
    1924-2030
    19251532163
    19262784141
    19273922157
    192841112163
    192951040141
    193061332141
    193171240129
    193281128101
    193391092124
    1934101340143
    1935111332116
    1936121140109
    1937131176106
    1938141276 *)118
    193915105686
    19401654475
    19411748071
    19421837446
    19431932441
    19442028816
    194521??
    *) Anmerkung: Durch einen Druckfehler im Heft 49/1938 ist die Seitenzählung für die restlichen drei Hefte des 14. Jahrganges durcheinander geraten. In obiger Tabelle ist die tatsächliche Seitenzahl angegeben. Die Hefte 50 bis 52 tragen falsche Seitennummern, welche auch im Jahresinhaltsverzeichnis entsprechend wiedergegeben werden.
    Ab dem Jahrgang 1931 wurde die Zeitschrift in gleicher Aufmachung von der Otto Elsner Verlagsgesellschaft m.b.H. in Berlin verlegt.

    Von einzelnen Aufsätzen mit großer Publikumswirksamkeit wurden Sonderdrucke herausgegeben. 
    Besonders erwähnenswert ist eine spezielle Sonderausgabe anläßlich des 100. Jubläums der Ersten Deutschen Eisenbahn. Dieses Sonderheft vom 14.07.1935 umfaßt einen 136seitigen redaktionellen Teil mit 17 Beiträgen und 352 Seiten Werbung.

    Das runde Reichsbahn-Signet (siehe Bild links) wurde in den ersten Jahrgängen verwendet und 1936 durch ein ovales Logo mit stilisiertem Reichsadler und Hakenkreuz ersetzt. 

    Ab 1938 wurde dann derjenige Reichsadler verwendet, wie er zu dieser Zeit auch auf den Fahrzeugen der Reichsbahn angebracht wurde und wie er weiter unten auf dem abgebildeten Titelblatt  von 1944 erkennbar ist.
     


    Die Zeitschrift trug zu jeder Zeit einen Titelzusatz, der jedoch mehrfach geändert wurde.
    NummerTitelzusatz
    ab 1/1924 Mitteilungen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in Berlin

    ab 5/1925 Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft

    ab 1/1931 Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft 
    (neuer Verleger ist nun Otto Elsner)

    ab 1/1934 Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft 
    und der Gesellschaft "Reichsautobahnen"

    ab 1/1936 Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn 
    und der Gesellschaft "Reichsautobahnen"

    ab 15/1937 Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn 
    und des Unternehmens "Reichsautobahnen"
    (Herausgeber ist nun das Reichsverkehrsministerium)

    ab 31/1938 Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn 
    und der "Reichsautobahnen"

    ab 22-23/1941Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn

    Die Zeitschriftenhefte besitzen einen graublauen Karton-Einband, der auf den Innenseiten und der Rückseite meist kommerzielle Werbung fremder Unternehmen zeigt. Innerhalb des redaktionellen Teils gibt es keine Werbung.

    Ab 1940 degenerierte die Zeitschrift zunehmend wie das gesamte öffentliche Leben im Deutschen Reich. Nach dem Heft 1 des Jahrganges 1940 erschienen nur noch Doppelhefte im Zweiwochen-Rhytmus, ab 13.08.1941 (Nummer 33-35) erschienen sogar vereinzelt nur Dreifachhefte.
    Im Doppelheft 26-27 des ersten Kriegsjahrgangs (26.06./03.07.1940) erschien erstmalig eine Liste mit gefallenen Reichsbahn-Angehörigen, zunächst jedoch nur Wehrmachts-Eisenbahner und solche mit Dienstgrad, also zum Wehrdienst eingezogene Reichsbahner; diese erste Liste umfaßt den Zeitraum September 1939 bis Juni 1940 und nennt 88 Namen. Bereits im nächsten Doppelheft wurde diese Gefallenen-Liste mit 150 Namen fortgesetzt. Ab der Ausgabe 43-44 (23./30.10.1940) wurden auch 155 zivile Opfer aufgelistet. Ab dem darauf folgenden Doppelheft wurden sowohl Gefallene mit Dienstgrad als auch zivile Gefallene gemischt aufgelistet. Diese Gefallenenlisten wurden vor dem amtlichen Teil abgedruckt und in der Seitenzählung berücksichtigt, jedoch weder in den Inhaltsverzeichnissen der Hefte noch im Jahresinhaltsverzeichnis erwähnt.

    Ab der Ausgabe 40-41 vom 4./11. Oktober 1944 erhielt die Zeitschrift keinen Einband mehr und bestand nur noch aus einem gefalteten A3-Blatt, also 4 Seiten. 

    Ob im Jahr 1945 noch Hefte erschienen sind, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden. In wenigen Quellen werden für Januar 1945 noch zwei Ausgaben (möglicherweise auch nur ein Doppelheft?) aufgeführt, welche aber leider noch nicht ausfindig gemacht werden konnten.
    Ab dem Jahr 1948 erschien die Zeitschrift in den Westzonen wieder. Die Jahrgangszählung wurde 1948 mit der laufenden Nummer 22 fortgesetzt. Demnach müßten im Jahr 1945 noch Hefte erschienen sein.

    Homepage Thomas Noßke 2006 www.epoche2.de Epoche II Ende