Eisenbahn und Fremdenverkehr
Die Reichsbahn und ihre Werbung um ausländische Kunden
 

Nicht nur ausländische Bahngesellschaften versuchten, in Deutschland Kunden zu gewinnen. Auch die Deutsche Reichsbahn war ständig bestrebt, sich die verkehrsgünstige Lage Deutschlands in der Mitte Europas zu Nutze zu machen und ausländische Touristen sowie Transitreisende als Kunden zu gewinnen. 

Derartige Transitreisende waren beispielweise Auswanderer aus Ost- und Südosteuropa, welche Bremen, Wesermünde, Hamburg, Cuxhafen oder auch einen deutschen Luftschiffhafen zum Ziel hatten, um von dort aus binnen vier Tagen eine Schiffs- oder Luftschiffreise nach Amerika anzutreten. Für diese Reisenden gab es ab Juni 1925 bei der Reichsbahn sogar einen speziellen Durchwanderer-Tarif mit 33,3% Ermäßigung in der 2. und 3. Wagenklasse.
Es existierten bei der DRG in Zusammenarbeit mit dem Mitteleuropäischen Reisebüro MER auch spezielle Tarife für Ausländer, die Deutschland aus beruflichen oder privaten Gründen besuchten und von einem Grenzbahnhof zu einem beliebigen Bahnhof in Deutschland und auf der gleichen Strecke wieder zurück reisten. Die Ermäßigung für alle Wagenklassen betrug dabei 60%. Unter bestimmten Umständen erstreckte sich diese Ermäßigung sogar auf die Schnellzugzuschläge. Dieses Angebot galt ebenso für sogenannte Auslandsdeutsche, so wurden Deutsche Staatsbürger genannt, die ihren ständigen Wohnsitz außerhalb Deutschlands hatten.
Um die Werbung für Besuchsreisen nach Deutschland bemühte sich im Ausland vor allem die Reichsbahnzentrale für den Deutschen Reiseverkehr. Es wurden dabei ganz gezielt bestimmte Interessenlagen angesprochen, wie beispielsweise potenzielle Besucher deutscher Kurorte und kultureller Einrichtungen oder sportlich interessierte Ausländer. Für die Information solcher Besucher gab es eine Vielzahl von deutsch- und fremdsprachigen Informationsbroschüren, allen voran die Sonderbroschüren der Deutschen Verkehrsbücher.

Für ausländische Besucher deutscher Mustermessen in Breslau, Köln, Königsberg (Pr) und Leipzig sowie ab 1938 auch Wien gab es seit 1927 spezielle Angebote, welche ab dem 5. Tage vor Messebeginn 25% Ermäßigung gewährten und maximal 24 Tage Gültigkeit hatten; dabei waren Ein- und Ausreise auch über verschiedene Grenzbahnhöfe zulässig. Die großen Besucherzahlen der wichtigsten Messen, insbesondere der Leipziger Messen, veranlaßte die Reichsbahn regelmäßig zur Einlegung einer großen Zahl von Sonderzügen.

In Konkurrenz zum Orient-Expreß der Internationalen Schlafwagen-Gesellschaft CIWL versuchte die Deutsche Reichsbahn gemeinsam mit der MITROPA Transit-Fahrgäste zu gewinnen. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenahng der ab 1928 verkehrende RHEINGOLD-Expreß, der aufgrund seiner gehobenen Ausstattung (nur 1. und 2. Wagenklasse zu besonderen Tarifen, Restaurantcharakter aller Plätze, große Aussichtsfenster) vor allem für wohlhabende Engländer und Holländer interessant war, die nach der Schweiz oder Italien reisten. 

Auch Transitreisende zwischen Großbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden einerseits sowie Polen, den Baltischen Staaten und der Sowjetunion andererseits wurden durch spezielle Langstrecken-Zugverbindungen und Schlafwagenkurse in den Fahrplänen berücksichtigt. Solche Züge wurden besonders beworben; im nachfolgend gezeigten Beispiel des Nord-Expreß auch in Zusammenarbeit mit den anderen beteiligten Bahngesellschaften.

Das Titelbild der letzten hier dargestellten Werbebroschüre wurden dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von David Levine aus Kalifornien.
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