Werbung
für Ausflugsfahrten mit der Kraftpost
(Werbeprospekte der Reichspost aus der Zeit zwischen 1926 und 1939)

Die Deutsche Reichspost hat in den 1920er Jahren einen umfangreichen motorisierten Fuhrpark beschafft, um ihre flächendeckenden Dienste zu modernisieren und zu beschleunigen. In ihrer ureigenen Tradition aus der Zeit der Postkutschen, mit ihren Postfahrzeuge auch dem Personentransport zu dienen, beschaffte sie eine große Zahl modernster Kraftomnibusse, welche in Ergänzung zum Eisenbahnnetz die Fläche vor allem in ländlichen Gebieten vollständig erschlossen. Es ist sicher nicht übertrieben, zu behaupten, dass diese Bestellungen von Omnibussen der deutschen Kraftfahrzeugindustrie damals gute Möglichkeiten gaben, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer modernere und leistungsfähigere Busse zu entwickeln. 
Die Postbusse verkehrten nach festen Fahrplänen, welche die Reichspostdirektionen für Ihre Direktionsbezirke auch als handliche Taschenfahrpläne (etwas kleiner als A5-Format) und in einem Umfang von bis zu 150 Seiten drucken ließen.
Ab Ende der 1920er Jahre wurden daneben auch attraktiv gestaltete Broschüren als Hefte mit einem Umfang von 8 -16 Seiten oder meist als Faltblätter (aufgefaltet bis etwa A2-Format) herausgegeben, die neben den reinen Fahrplänen auch touristische Informationen enthielten sowie besondere interessante Kraftpoststrecken vermerkten und die daran liegenden Orte mit ihren Sehenswürdigkeiten kurz beschrieben. Damit unternahm die Reichspost eigene Anstrengungen, den überall aufkommenden Fremdenverkehr zu unterstützen und auch selbst daraus Nutzen zu ziehen. Vielfach wurden in diesen Broschüren solche Kraftpostlinien extra hervorgehoben, die sich aufgrund ihrer Streckenführung und ihres Fahrplanes besonders für Tages- oder Halbtagesausflüge eigneten. Auch hier spielte wie bei den Eisenbahnen das "Unterwegssein" als Reiseform eine große Rolle für die Entwicklung des Fremdenverkehrs. Nicht allein das Zeil war entscheidend für den Reisenden, sondern auch das, was es unterwegs zu sehen und erleben gab. Da die deutschen Landschaften überall reich an Sehenswürdigkeiten sind, gab es in vielen Regionen der artige Angebote der Reichspost.
Die Mehrzahl dieser Broschüren zeichnet sich durch sehr attraktive Titelgestaltungen aus. Sie trugen bis 1931 und dann wieder ab 1939 mehrheitlich den Titel  "Mit der Reichspost durch Deutschland". Zwischen 1932 und 1938 wiesen sie meist den Titel "Mit der Kraftpost durch Deutschland"auf.
In zwei nachfolgenden Dokumenten werden weitere sehenswerte Titelbilder von Kraftpost-Broschüren abgebildet (siehe Links ganz unten).
Nicht selten enthielten die Kraftpostfahrpläne auch Anschlußinformationen zu den Strecken der Reichsbahn oder anderer Bahngesellschaften. Häufig waren die Fahrpläne zwischen Reichsbahn und Reichpost auch aufeinander abgestimmt, um beispielsweise den Transport zwischen Urlaubsorten ohne Bahnanschluß und dem nächsten Bahnhof möglichst günstig zu gestalten.

Die Kraftpost-Broschüren wurden teilweise auch in Fremdsprachen herausgegeben; siehe rechts nebenstehendes Beispiel!

Es wurden daneben besonders an Wochenenden und in den Haupturlaubszeiten auch reine Ausflugsfahrten angeboten. Die Post bot neben halbtägigen oder ganztätigen Ausflügen und Rundfahrten auch Mehrtagesfahrten und in einigen großen Städten sogar Stadtrundfahrten für Touristen an. Sie warb dabei auch mit der Bequemlichkeit und Komfortabilität ihrer Busse, von denen viele bei schönem Wetter mit geöffnetem Verdeck verkehrten. Nebenstehend abgebildete Broschüre des Postamtes Berchtesgaden warb beispielsweise für "Ausflugsfahrten mit neuzeitlichen Aussichtswagen mit Kurbelverdeck und Seitenwindschutz". Die darin angebotenen Tagesfahrten reichten bis nach Innsbruck in Österreich (Entfernung 320 km).

Broschüren mit derartigen Angeboten tragen meist den Titel "Ausflugsfahrten mit deutschen Kraftposten".

Fahrten über größere Entfernungen und besonders Mehrtagesfahrten wurden auch in Kombination mit dem Mitteleuropäischen Reisebüro MER organisiert und angeboten. 

Auch die grenzüberschreitende Post wurde mit modernen Kraftomnibussen durchgeführt, wofür es ebensolche Mitfahrangebote und natürlich Werbeprospekte gab.
Ab 1938 wurde auch das angeschlossene Österreich in die Reiseangebote der Post einbezogen.

Kraftpost Teil 2 Titelbilder von Kraftpost-Broschüren (Teil 2)
Kraftpost Teil 3 Titelbilder von Kraftpost-Broschüren (Teil 3)
Verkehrsgesellschaften Werbebroschüren anderer Verkehrsgesellschaften
Zugspitzbahnen Reklame für die Zugspitzregion

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