Gedruckte Reisebegleiter für Eisenbahnfahrten
in Österreich

Auch die Eisenbahnen der österreich-ungarischen Doppelmonarchie sowie der Republik Österreich gaben preisgünstige und sehr informative Broschüren für Ihre Reisekunden heraus. 
Die vor dem Ersten Weltkrieg erschienenen Hefte vermitteln viel Wissenswertes und sind in ihrer hochwertigen grafischen Gestaltung mitunter richtige kleine Kunstwerke, welche in Titel und Innenteil stark vom Jugendstil geprägt sind. Vergleichbare Qualitäten sucht man bei späteren Publikationen in dieser Preisklasse vergeblich. 
Die K.u.K.Staatsbahnen verlegten etwa um 1910 zum Heftpreis von 50 Heller eine Serie von zehn Broschüren im Format 11,5 x 16,5 cm und einem Umfang von jeweils 90 bis 100 Seiten, wovon etwa 20 Seiten Werbung für Hotels, Reisezubehör u.ä. enthielten. Die Fahrgäste werden darin umfangreich über die österreichischen Bahnlinien und die darüber erreichbaren Sehenswürdigkeiten informiert. Die Serie trägt den Titel "Verkehrsbücher österreichischer Eisenbahnen" und enthält folgende Ausgaben:
  • Wien und Niederösterreich
  • Oberösterreich und Salzburg
  • Nordtirol, Vorarlberg und Liechtenstein
  • Südtirol und die Dolomiten
  • Steiermark und Kärnten
  • Krain und Küstenland
  • Dalmatien, Bosnien, Herzegowina
  • Böhmen
  • Mähren und Schlesien
  • Galizien und Bukowina
Ebenfalls 1910 veröffentlichten auch die Kgl. Ungarischen Staatsbahnen herrliche Informationsbroschüren für ihre deutschsprachigen Reisenden mit vielen Fotos und zahlreichen nützlichen Informationen. Auch hier gilt das oben Gesagte zu Inhalt und Gestaltung.

Nach dem I. Weltkrieg führten die jungen Bundesbahnen Österreichs die Tradition nützlicher Reisebegleiter weiter. Die vermutlich ab der Mitte der 1920er Jahre erschienene Heftchenserie "Links und Rechts der Bahn in Österreich" ist in ihrer ganzen Erscheinungsweise deutlich einfacher als die Vorkriegsbroschüren gehalten, aber trotzdem aufgrund der durchdachten Gestaltung sehr nützlich.
Die einfarbig auf vergleichsweise einfaches Papier gedruckten Faltblätter haben ein Format von 15 x 11 cm und sind zum Gebrauch auf die sechsfache Breite von 90 cm auseinander faltbar. Auf dieser Länge wird die gesamte beschriebene Bahnlinie als fortlaufende gerade Strecke dargestellt. Das Interessante daran ist die gewählte Darstellungsweise, welche eine Verwendung unabhängig von der Fahrtrichtung und der Blickrichtung aus dem Zug ermöglicht. Es wird sogar für jeden Streckenabschnitt eine besondere Empfehlung gegeben, wo sich jeweils die günstigerere Aussichtsseite befindet. Alle Faltblätter haben eine identische äußere Gestaltung. Die Rückseite der Karte ist mit Reklame versehen. Eine zusätzliche verbale Beschreibung der Strecke existiert jedoch nicht; dem Betrachter steht nur die Karte zur Orientierung zur Verfügung.
Nachstehend ein kleiner Kartenausschnitt aus dem Heft 5 "Amstetten - Bischofshofen". Die feinen Details der Grafik lassen sich jedoch mit vertretbarem Aufwand nur schwer in einer Webseite darstellen, so daß dieses Bild lediglich einen groben optischen Eindruck der Karte wiedergeben kann. Die waagerechten scharzen Balken oben und unten geben die jeweils empfohlene Blickrichtung an.


Wie in Deutschland gab es auch in Österreich anspruchsvolle Eisenbahn-Reiseführer, welche nicht von den Bahngesellschaften sondern von privaten Verlagen herausgegeben wurden. 

Nebenstehend abgebildetes Heft stammt aus dem Jahr 1925. Es ist ebenfalls auf hochwertiges Papier gedruckt und hat einen Umfang von 96 Seiten. Zahlreiche Fotos und eine Anhangskarte ergänzen den sehr ausführlichen Text.
Der Verlag Steyrermühl hat daneben noch zwei weitere vergleichbare Reisebegleiter publiziert:
Wien - Krems - Grein - Gmünd
(Wachau - Kamptal - Waldviertel)
sowie 
Wiener Neustadt - Semmering - Mürzzuschlag
(Semmering - Rax- und Schneeberggebiet)


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