Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft
Reichsbahndirektion Dresden

Um unseren Fahrgästen das Reisen mit der Eisenbahn möglichst anregend zu gestalten und ihnen die vom Zug durchfahrene Gegend etwas näher zu bringen, wird im Folgenden in großen Umrissen auf das Wesentliche hingewiesen, was während der Fahrt

von Dresden nach Bodenbach / Tetschen

vom Abteilfenster aus zu sehen ist und mitgeteilt, welche besondere Bedeutung einzelne Orte haben. Wir nehmen an, daß mancher gern auf diesen Führer zurückgreifen wird.

Dresden, dessen unvergleichliche Silhouette uns bei der Einfahrt über die Elbbrücke grüßte, die Stadt der schönsten Silhouette DresdenBarock- und Renaissancebauten (Hofkirche, Zwinger, Japanisches Palais, Brühlsche Terrasse, Frauenkirche) der reichsten Sammlungen (Gemäldegalerie mit Sixtinischer Madonna, Grünes Gewölbe, Porzellansammlung) liegt hinter uns mit seiner herrlichen Umgebung (Weißer Hirsch, Dresdner Heide, Wasserschloß Pillnitz und Moritzburg).Frauenkirche Dresden
Sobald der Zug die Halle des Hauptbahnhofs in südlicher Richtung verlassen hat, sieht man zunächst von den Hochgleisen aus links nochmals in die breite, ins Zentrum führende Prager Straße hinein, rechts hinter den Grünanlagen des Bismarckplatzes liegt das Gebäude der alten Technischen Hochschule. Es folgt die villenreiche Vorstadt Strehlen mit der von Schilling und Grübner 1905 erbauten Christuskirche (rechts). Anschließend folgt die Vorstadt Reick.
Links erblickt man die Radrennbahn, dann das große Dresdner Gaswerk, und ferner die Pferderennbahn. Links über der Elbe sind die Höhen von Loschwitz und Weißer Hirsch mit den drei Albrechtsschlössern sichtbar.Wasserschloß Pillnitz
In Niedersedlitz hat man links einen weiteren schönen Blick nach dem anderen, höheren Elbufer mit dem Vorsberg an dessen Fuße am Stromufer das Wasserschloß Pillnitz liegt. 

Müglitztalbahn Heidenau-AltenbergHinter dem bekannten Industrieort Heidenau wendet sich der Zug der Elbe zu und fährt von nun an stets in unmittelbarer Nähe des Stromes, der vom linken Abteilfenster aus fast immer sichtbar ist. Vom Bahnhof Heidenau zweigt rechts die Eisenbahnlinie nach dem beliebten Ausflugsgebiet Geising - Altenberg ab. Dann folgt das Dorf Großsedlitz, von welchem aus das in südlicher Richtung hinter dem Berghang gelegene ehemalige Königl. Lustschloß gleichen Namens (öffentlicher Park im französischen Stil 1719 - 1732 erbaut) in etwa 15 Minuten zu Fuß besucht werden kann. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Pirna hat man einen interessanten Blick in das herrliche Gottleubatal.
Von Pirna ab tritt die Bahn aus dem offenen Talbecken in den allmählich enger werdenen Canon des Stromlaufes ein. Damit beginnt das welberühmte, romantische Felsengebirge der "Sächsischen Schweiz" und damit der sehenswerteste Abschnitt der schönen Fahrt. Auf hochwasserfreiem Steindamm - die blinkende belebte Elbe immer sichtbar zur Linken - führt die zweigleisige Strecke dicht an dem altersbraunen Dächergewirr der Stadt Pirna vorüber. Enge, volksbelebte Gassen, die wuchtig emporstrebende Gestalt der einzigartigen Marienkirche und die lang hingelagerten Gebäudemassen der ehemaligen Festung "Sonnenstein" prägen sich als wichtigste Merkmale dem rasch schweifenden Blicke der Vorüberfahrenden ein. Diese altertümliche, von manchem Schicksale betroffene und kunstgeschichtlich reiche Stadt, birgt außerdem manch steinernes Kleinod aus der Vorväter Tagen (Teufelserker, Erlpeterbrunnen). Von Pirna aus kann der Wanderer durch eine Anzahl von Quertälern in Halb- und Ganztagsausflügen die Höhen des Erzgebirges (Augustusberg, Schönwalder Spitzberg, Mückentürmchen) und des Meißner Hochlandes (Burg Stolpen) erreichen. In Pirna zweigen auch die Eisenbahnlinien nach Arnsdorf und nach Gottleuba ab.
Dann donnert der Zug in das Engtal hinein. Jenseits des Stromes ziehen sich die charakteristischen Steilwände hin, die ein Merkzeichen dieser außerordentlichen Fahrt sind. Schon hat die Natur die früher durch Steinbrüche zernagten Riesenmauern mit ihren Halden wieder in die grünen Arme neuer Bewaldung zurückgenommen. Prächtig gelegene Landhäuser, Gasthöfe dicht am Wasser, freundliche Fischerhäuser in Obstgärten geschmiegt, so grüßen die Orte Copitz, Posta und Obervogelgesang in ländlicher Schönheit den vorüberfahrenden Reisenden.Wehlen Sächsische Schweiz
Bald sehen wir links den Ort Wehlen. Die Elbe windet sich in einer großen Schleife durch die Landschaft. Im Hintergrunde (rechts) treten der Lilienstein und der Königstein hervor, beides Tafelberge, letzterer mit ehemaliger Festung. Rechts über der Kirche am Hang die spärlichen Reste der seit Mitte des 16. Jahrhunderts verfallenen Burg Wehlen. Wehlen ist ein Hauptausgangspunkt für Fußwanderungen nach dem Glanzpunkt der Sächsischen Schweiz, der Bastei, die durch den romantischen Uttewalder Grund bequem zu ersteigen ist. Sie liegt 305 m über dem Meer und 192 m über dem Elbspiegel und zählt zu den schönsten Aussichtspunkten dieser Gegend. Von der hohen Plattform des jäh in die Tiefe abfallenden Felsens bietet sich ein malerischer Blick auf die von schmucken Dampfern, Flößen, Ruder- und Segelbooten belebte Elbe, auf das idyllisch gelegene Dorf Rathen sowie rückwärts auf das nicht minder schöne Wehlen, ein entzückendes Landschaftsbild, das man nicht wieder vergißt. Dann schaut man hinüber auf die Berge jenseits der Elbe und ist wiederum gebannt von dem Anblick der wildzerklüfteten Felsenkette mit ihren starren, gespenstischen Formen.
Gegenüber von Wehlen liegt (rechts) das Dorf Pötzscha. Am Fuße des Rauensteins (rechts vom Zuge aus) fährt die Bahn dann nach Rathen (links am andern Elbufer), mit den Trümmern einer im Jahre 1468 durch Kurfürst Ernst zerstörten Burg. Hier ergibt sich wieder ein Blick auf den schönsten Teil der Sächsischen Schweiz, auf die steil vom Elbufer und aus der sanften Ebene emporwachsende starre, säulen- und sockelartig gestaltete Felsenwand, gekrönt durch "den Balkon der Sächsischen Schweiz", die Bastei. KönigsteinAuch von Rathen aus wird die Bastei viel erstiegen. Der Weg ist etwas kürzer als von Wehlen, dafür aber etwas steiler. Bekannt ist ferner ein schöner Spazierweg durch den Amselgrund nach Rathewalde. Nun bieten sich beiderseits abwechselnd vom Abteilfenster aus links und rechts Ausblicke auf die bereits erwähnten, jetzt aber bedeutend näher gerückten interesanten Bergmassive Lilienstein und Königstein.. Rechts ist später das freundliche Städtchen Königstein sichtbar, von herrlichen Bergen und Hochwäldern umschlossen. Es liegt an der Mündung der Biela in die Elbe. Über der Stadt liegt die Festung Königstein (360 m über dem Meer und 246 m über dem Elbspiegel). Der Königstein hat früher geschichtlich und militärisch eine bedeutsame Rolle gespielt. Er wird bereits im 12. Jahrhundert als Befestigung erwähnt. Blick vom Königstein ins ElbtalIm 30jährigen Kriege vermochte keine der kriegführenden Parteien der Festung etwas anzuhaben. Im Laufe der wechselvollen Geschichte wurde die Festung späterhin im wesentlichen als Staatsgefängnis für politische Gefangene verwendet. Auch Böttger, der Erfinder des Porzellans war hier in strenger Abgeschiedenheit untergebracht, damit siene Erfindung geheim gehalten werden konnte. Das Plateau hat einen Umfang von 1700 m. Historischen Wert hat an der, der Elbe zugekehrten Seite, ein schmaler Felsvorsprung, das Pagenbett genannt. Der Name stammt aus der Zeit des Kurfürsten Johann Georg II., dessen Page (Heinrich von Grunau) nach einem Hoffest im Jahre 1675 im Rausch durch eine Schießscharte auf den Felsvorsprung gelangte und am Morgen auf Veranlassung des Kurfürsten durch Pauken und Trompeten geweckt wurde.
Weiter fährt der Zug vorüber an dem ausgedehnten Prossener Elbhafen, in den Bahnhof der vielbesuchten Kur- und Badestadt Bad Schandau ein. Bad SchandauHinter dem Bahnhof bietet sich dem Auge eine herrliche Landschaft. Einen Kilometer stromauf, am jenseitigen Ufer des Flusses, wo sich die kristallklare forellenreiche Kirnitzsch mit dem Elbstrom vereinigt, liegt die Stadt zu Füßen der mächtig getürmten Schrammsteine. Sie ist bekannt als Heilbad, Luft- und Nachkurort. Das anmutige, in Grün gebettete Städtchen wird eng umgürtet von einer einzigschönen Umgebung. Die vornehmen und gediegenen Unterkunftsstätten mit ihren lauschigen Gärten am Elbufer laden zu längerem Verweilen ein. Landeinwärts im Kirnitzschtale in besonders ruhiger Lage befindet sich das städtische Kuranwesen. Bewaldete Höhenzüge schützen es wie auch den Gesamtort vor Wetter und rauhen Winden. Durch die einvierteljahrtausendalte Eisenquelle und die herrliche Lage ist Bad Schandau weit über Sachsens und Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Bad Schandau ist Ausflugsort für viele Wander- und Kletterfahrten in die schöne Wald-, Berg- und Felsenwelt der Sächsischen Schweiz. Eine große Anzahl prächtige Wanderpfade führen den Naturfreund zu den Schrammsteinen mit dem Falkenstein, ins romantische Kirnitzschtal zum Beuthenfall, zum Lichtenhainer Wasserfallund zum Kuhstall. Als Ausflugsziele locken weiterhin: Großer Winterberg, Prebischtor, Nainwiese, Edmundsklamm, Herrnkretschen, Wolfsberg, Kaiserkrone, Zirkelstein, Zschirnsteine.
Von Bad Schandau zweigt eine Eisenbahnlinie nach Sebnitz ab.
Bald ereicht der Zug den Ort Krippen, in guter Tallage zwischen waldreichen Höhen gelegen. Bodenbach mit SchäferwandDann folgt Schmilka, ein anmutiges Dörfchen am Fuße steiler romantischer Waldberge, Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Großen Winterberg. Bei Schmilka beginnt auf dem rechten Elbufer bereits das tschechoslowakische Gebiet. Der Zug auf dem linken Elbufer erreicht nun die letzte Reichsbahnstation auf sächsischem Gebiet: Schöna-Herrnskretschen. Zwischen dem deutschen Orte Schöna und dem Ort Herrnskretschen auf dem anderen Ufer verläuft hier die Landesgrenze mit dem Strom. Ausflüge nach der Kaiserkrone, dem Zirkelstein, dem Großen Zschirnstein sind von hier aus besonders lohnend.
Die Bahn überschreitet nun die Grenze bei Niedergrund und gabelt sich dann. Der eine Zweig überschreitet die Elbe nach Tetschen, um nach Leitmeritz weiterzuführen. Der andere Zweig bleibt am linken Elbufer. Von ihm aus erblickt man gleich jenseits der Abzweigung Tetschen mit seinem Schloß jenseits der Elbe. Die Bahn führt in einem kurzen Tunnel durch den Spitzberg, dann sofort in einem Zweiten durch die Schäferwand nach Bodenbach.



Anmerkungen:
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