Der Bau der Autobahnen

Autobahnmeistereien


Schon mit dem Bau der Autobahnen wurden an ihnen in Abständen von 50 - 60 km großzügige Autobahnmeistereien errichtet, in deren Verantwortung vor allem die Überprüfung und Unterhaltung der Fahrbahnen und der Winterdienst lag. In der Zeit vor dem Ausbruch des II. Weltkrieges wurden von dort aus tägliche Überprüfungs- und Reinigungsfahrten mit Spezial-LKW durchgeführt. Die Autobahnen sollten nicht nur in einem verkehrstechnisch sicheren Zustand sein, sondern sie sollten auch einen tadellosen optischen Eindruck hinterlassen, denn aufgrund der propagandistischen Hochstilisierung der Autobahnen durfte ihnen kein Makel anhaften.
Autobahnmeisterei Fischbach, entworfen von Oberreichsbahnrat Limpert aus Nürnberg

Neben dem Winterdienst unterlag den Autobahnmeistereien die regelmäßige Kontrolle, Pflege und Reparatur der Fahrbahnen und des Fugenvergusses der Betondecken, sämtlicher Brücken und Durchlässe sowie der Randstreifen, Mittelstreifen und Böschungen an den Fahrbahnen. Kontrolliert und gegebenenfalls instandgesetzt werden mußten weiterhin die Entwässerungseinrichtungen, die Parkplätze und Omnibus-Haltestellen sowie alle Verkehrszeichen und Brückengeländer. Die bei den Meistereien angestellten Gartenarbeiter waren für die Pflege der Pflanzungen auf den Mittelstreifen und Böschungen verantwortlich. Es gab allerdings auch einzelne Autobahnabschnitte, an denen die Mittelstreifen oder auch die Randböschungen verpachtet wurden. Die Pächter nutzten die schmalen Flächen für die Kleinlandwirtschaft und waren aber auch für ein ansprechendes Erscheinungsbild verantwortlich.
Eine Autobahnmeisterei bestand in der Regel aus einem Verwaltungsgebäude, einer Wagenhalle mit 8 bis 12 Garagen für LKW, einem Siloturm mit Streumaterial für den Winterdienst und einem oder mehreren Wohngebäuden, in denen die Beschäftigten wohnten. Die Gebäude wurden in einem sehr bodenständigen Baustil ausgeführt, der Zuverlässigkeit und Zweckgebundenheit symbolisieren sollte, auf modisches Beiwerk wurde verzichtet. Bevorzugt wurden die Gebäude U-förmig oder L-förmig um einen großen gepflasterten Hof herum angeordnet.
Auf nebenstehendem Modellfoto eines Musterentwurfs sind ganz oben rechts die Wohnhäuser zu erkennen. Um den großen Werkhof herum gruppiert sind oben das Verwaltungsgebäude, links die Wagenhalle und unten der Siloturm mit Lagerräumen für Material, Gerätschaften und Verkehrsschilder.
Eine durchschnittliche Autobahnmeisterei verfügte über folgendes ständiges Personal:
  • 1 Straßenmeister (Regierungsbauinspektor)
  • 1 technischer Angestellter als Stellvertreter des Straßenmeisters
  • Personal für den Innendienst
    • 1 nichttechnischer Angestellter oder Beamter des mittleren Dienstes für Verwaltung, Personalwesen und Lohnrechnung
    • 1 - 2 nichttechnische Angestellte für die Fernsprechvermittlung und als Schreibhilfe
  • Arbeiter für den Werkstättendienst
    • 1 Schlosser
    • 3 - 4 Kraftfahrer
    • 1 Tischler
    • 1 Maler
  • Arbeiter für den Streckenunterhaltungsdienst
    • 1 Vorarbeiter (Rottenführer)
    • 1 Maurer und Betonfacharbeiter
    • 1 Gärtner
    • 2 - 3 Gartenarbeiter
    • 12 - 15 Streckenunterhaltungsarbeiter

Die Standardausrüstung einer durchschnittlichen Autobahnmeisterei bestand aus folgendem Gerät:
  • in der großen Wagenhalle unterzubringen:
    • 1 - 2 Personenkraftwagen
    • 2 Krafträder
    • 1 Mannschaftstransportwagen
    • 2 - 3 schwere LKW mit Einstreuvorrichtng
    • 1 leichter LKW
    • 2 Anhänger 8 t mit Einstreuvorrichtung
    • 1 Kehrmaschine mit motorisiertem Walzenantrieb
    • 2 schwere Schneepflüge
    • 3 leichte Schneepflüge
  • in den Nebenräumen der Siloanlage unterzubringen:
    • 1 Zugmaschine mit Rasenschere
    • 1 Motorgrasmäher
    • 2 Streuschütter
    • 1 Fugenvergußgerät
    • 1 Trennstrichmaschine
    • Geräte für die Unterhaltung der Betondecken
      • 1 Wohnwagen
      • 1 Wasserwagen
      • 1 Kompressor
      • 3 - 4 Druckpumpen
      • 1 Betonmischmaschine
Zudem bekamen Meistereien mit überdurchschittlich schwierigem Winterdienst zusätzlich zugeteilt:
  • 2 schwere LKW mit Einstreuvorrichtung
  • 2 Schneepflüge
  • 1 Schneefräse
Jeweils drei benachbarte Meisterein erhielten weiterhin gemeinsam einen Brückenrprüfungswagen sowie als Reserve einen schweren LKW mit Einstreuvorrichtung und einen leichten Scheepflug.
Die Wagenhalle beinhaltet auch einen großen Raum, der zum Reinigen der Fahrzeuge genutzt wurde und zu diesem Zweck nicht nur mit der notwendigen Wasserver- und entsorgung ausgestattet wurde, sondern auch mit wasserabweisenden Klinkern ausgekleidet wurde. Bevorzugt an der Giebelseite der Wagenhalle wurde eine Werkstatt eingerichtet, die neben einer Maschinenausrüstung zur Metallbearbeitung auch mit Kran- und Hebevorrichtungen sowie einer kleinen Schmiede und einer Ladevorrichtung für Kraftfahrzeug-Batterien ausgestattet ist.

Lageplan der Autobahnmeisterei Kirchheim/Aulatal (Kirchheimer Dreieck) und Lage zur Reichsautobahn (heutige A7). Von links nach rechts zu erkennen sind die Gerätehalle, die Wagenhalle, das Verwaltungsgebäude und die Arbeiterwohnhäuser. Entworfen wurde diese Anlage von Prof. Dübbers aus Stuttgart.

Abschließend ein zeitgenössisches Foto der Autobahnmeisterei Eberswalde, unmittelbar gelegen an der Autobahn-Anschlußstelle Finowfurt (heutige A11). An dieser Anschlußstelle befindet sich eine Tankstelle, die auf der Seite der Autobahn-Tankstellen vorgestellt wird. Sowohl Meisterei als auch die Tankstelle sind Entwürfe von Prof. Friedrich Tamms aus Berlin, einem der jüngsten und aktivsten Architekten der Reichsautobahnen. Ebenfalls von ihm entworfen und sehr ähnlich konstruiert und gebaut präsentiert sich auch die Autobahnmeisterei Fürstenwalde (heutige A 12), die ebenfalls auf der Tankstellenseite im Hintergrund des Bildes der Tankstelle Fürstenwalde erkennbar ist.

Vorgeschichte zum Autobahnbau
Autobahnbau
Autobahnbrücken
Autobahn-Rastanlagen
Autobahn-Tankstellen
zeitgenössische bildliche Darstellungen der Reichsautobahnen
Liste der zum 01.09.1939 fertiggestellten Autobahnen
Reichsbahn-Kraftomnibus-Verkehr auf den Autobahnen
Nürburgring

Homepage Thomas Noßke 2008 www.epoche2.de Epoche II Verkehrswesen Autobahnbau Ende