Autobahn-
Rastanlagen

In den ersten Autobahn-Planungen waren nur sehr wenige Raststätten vorgesehen, diese jedoch an landschaftlich besonders attraktiven Standorten in Abständen von 150 bis 200 km. Da die vielen Autobahn-Tankstellen meist einen kleinen Aufenthaltsraum besaßen und dort auch Erfrischungen zum Verkauf angeboten wurden, waren die Planer anfänglich nicht von einem nennenswerten Bedarf an größeren Rastanlagen ausgegangen. Berücksichtigt man die damals den Planungen zu Grunde gelegten später zu erwartenden Verkehrszahlen, die heute schon jede bessere Dorfstraße aufzuweisen hat, so erscheint dieser Planungsansatz auch nicht verwunderlich. Folglich wurden auch nur eine handvoll Rasthäuser gebaut, die über eine Gastwirtschaft hinaus auch noch Übernachtungsmöglichkeiten boten. 
Die Rastanlagen sollten ursprünglich in Rasthäuser, Raststätten und Rasthöfen unterschieden werden, was sich aber bald nach Inbetriebnahme als nicht sinnvoll herausstellte. Rasthöfe sollten vorrangig dem Güterfernverkehr dienen und den Fernfahrern Verpflegung und Unterkunft bieten. Rasthäuser sollten dem individuellen Verkehr dienen und Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Raststätten waren kleinere Einrichtungen ohne Übernachtungsmöglichkeiten, die beispielsweise dem Omnibusverkehr Pausenmöglichkeiten bieten sollten. Es zeigte sich jedoch recht bald, dass die kleineren Raststätten und die in den Tankstellen vorhandenen kleinen Pausenräume dem Andrang nicht gerecht werden konnten.

Auf die stilvolle Inneneinrichtung der Rastanlagen wurde sehr großer Wert gelegt. Geschmackvolle Einrichtung und intensive Pflege galten als selbstverständlich, was von den heutigen riesigen Rastanlagen nicht immer behauptet werden kann, die nicht selten eine höchst sterile Ausstrahlung haben und oft genug wenig attraktiv wirken. Einladende Freiterrassen mit schöner Aussicht waren früher nicht selten Anziehungspunkte.
Ebenso wie die Tankstellen wurden auch die Raststätten von einer zentralen staatlichen Gesellschaft betrieben. Die Reichsautobahn-Raststätten-Gesellschaft wurde am 28.08.1938 gegründet wurde und stand unter der Aufsicht von Fritz Todt.

Es soll hier nur auf einige wenige ausgewählte Raststätten der Anfangszeit eingegangen werden. Die weitere Entwicklung nach dem Krieg würde eine gesonderte Abhandlung erfordern, die nicht hierher gehört. 

Obiges Bild zeigt einen Musterentwurf des Architekten Geppert aus Berlin für eine Tankstelle mit Rastanlage und Hotel, der jedoch so nirgendwo realisiert worden ist. Mehrere Raststätten, besonders an den Autobahnen nach Berlin, können aber eine große architektonische Verwandtschaft zu diesem Entwurf nicht verleugnen, so auch nicht der rechts abgebildete Rasthof Magdeburger Börde.  Dieser  Rasthof war der erste und wohl auch der einzige, der ausdrücklich für den Güterfernverkehr projektiert und auch so realisiert wurde. Die Gesamtanlage war mit Tankstelle und Autobahnmeisterei kombiniert; derartige Kombinationen wurden ab 1939 nicht mehr realisiert. Seinerzeit war dieser Rasthof die einzige fertiggestellte Rastanlage mit Restauration an der relativ langen Strecke von Berlin nach Hannover und wurde darum auch vom Personenverkehr angefahren. Dafür reichte aber die projektierte Kapazität zur Bewirtschaftung nicht.

Das große Rasthaus am Hermsdorfer Kreuz wurde 1936-38 südlich der Autobahn Dresden - Weimar (heutige A4) einseitig an der Richtungsfahrbahn München der heutigen A9 errichtet. Das Restaurant wurde am 17.12.1937 in Betrieb genommen, die Gesamtanlage wurde im Frühjahr 1938 fertiggestellt. Das Restaurantgebäude mit dem dahinter liegenden Bettenhaus besaß bereits von Anfang an einen großzügigen Parkplatz und wird durch einen Fußgängertunnel mit der entsprechenden Parkanlage an der Richtungsfahrbahn Berlin verbunden. Südlich an die Parkplätze schließen sich beidseitig die Tankanlagen an. Auf der gleichen Seite wie das Rasthaus schließt sich noch weiter südlich davon die Autobahnmeisterei Hermsdorf an. Den Abschluß des Gesamtkomplexes bildet unmittelbar an der Autobahnmeisterei die inzwischen völlig umgebaute Anschlußstelle Hermsdorf (heute Hermsdorf-Süd). Für den Entwurf der Gesamtanlage zeichnete der Architekt Prof. Friedrich Tamms aus Berlin verantwortlich.
Die Bausubstanz des inzwischen komplett denkmalgeschützten Rasthauses befindet sich auch heute noch nach rund 70 Jahren fast vollständig im Ursprungszustand und lohnt schon deshalb eine Fahrtunterbrechung. Selbst die meisten Türen und Fenster, die Sandsteinsäule in einem der Restauranträume und die hölzerne Deckentäfelung sind noch im Originalzustand. Hinter dem äußersten linken Fensterpaar im Erdgeschoß befand sich zu DDR-Zeiten ein INTERSHOP.
Sogar die mit Naturstein ausgekleidete Fußgänger-Unterführung vom östlichen Parkplatz zum westlich der Fahrbahn liegenden Rasthaus ist abgesehen von einem neuen Geländer noch völlig ursprünglich. Das ist nur möglich, weil an dieser Stelle schon seit Anbeginn neben den eigentlichen Fahrspuren auch die Zu- und Abfahrten der Tankstellen zu unterqueren sind. Wäre das nicht der Fall, hätte der Fußgängertunnel im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus der A9 unweigerlich verlängert werden müssen und wäre somit sicherlich einem Neubau zum Opfer gefallen.
Von der ursprünglichen Tankanlage sind schon lange keine Spuren mehr vorhanden, sie war beidseitig ausgeführt und besaß je Fahrtrichtung drei Zapfsäulen für Vergaserkraftstoff und eine für Diesel. Heute stehen an den beiden Tankanlagen jeweils acht Universal-Zapfsäulen und zusätzlich nochmals ebenso viele für LKW-Diesel zur Verfügung
Alle schwarz/weißen Abbildungen stammen von 1938 bzw. von 1958 (Innenansicht); die Farbfotos wurden im Juni 2007 aufgenommen.

Rasthaus Chiemsee
Das von den zeitgenössischen Medien wohl am häufigsten vorgestellte Rasthaus liegt an der Autobahn von München nach Salzburg (heutige A8) in landschaftlich kaum zu übertreffender Lage am Chiemsee. Bezüglich der gastronomischen Kapazität ist es wahrscheinlich das größte damals gebaute Rasthaus. Die zugehörige Tankstelle wurde einseitig mit fünf Zapfsäulen ausgeführt. Eine Unterführung verbindet das Rasthaus mit der Tankstelle auf der anderen Seite der Autobahn.
Das Tankstellengebäude bildet den Kopf eines zum Rasthaus gehörenden Garagenkomplexes.
Der Architekt Fritz Norkauer war Prof. an der Staatlichen Hochschule für Baukunst in Weimar und entwarf die 1938 fertig gestellte Gesamtanlage vollständig im alpenländischen Baustil. Besonders attraktiv sind die großzügigen Freianlagen direkt am Seeufer. Am 28.04.1940 wurde das Rasthaus zum Lazarett umfunktioniert. Nach 1945 diente es viele Jahre als Erholungsheim für die amerikanischen Besatzungsstreitkräfte. Am 06.02.1974 wurde die Gesamtanlage unter Denkmalschutz gestellt. Inzwischen steht der Gebäudekomplex ungenutzt und wartet auf einen mutigen Investor.

Die erste deutsche Autobahn-Raststätte befindet sich in Thüringen. Das Rasthaus Rodaborn an der heutigen A9 nimmt in mehreren Beziehungen eine Sonderstellung ein.
Die Gaststätte wurde bereits 1928 als Ausflugsgaststätte in der Nähe der Rodaquelle in einem Waldgebiet  rund 2 km nördlich der Stadt Triptis erbaut. Sie war also ursprünglich gar keine Autobahn-Raststätte, sondern lag einfach nur zufällig unmittelbar an der einige Jahre später gebauten Autobahnstrecke von Berlin nach Nürnberg am Kilometer 202. Da die Landschaft dort sehr einladend ist, lag es nahe, die vorhandene Gaststätte 1936 als Autobahn-Raststätte zu nutzen, obwohl sich zum gleichen Zeitpunkt die nur 13 km weiter nördlich gelegene große Rastanlage am Hermsdorfer Kreuz bereits im Bau befand. Dieser Umstand machte sie auch zu DDR-Zeiten als Raststätte für den Binnenverkehr entbehrlich. Ihre Aufgabe bestand bis 1990 in der Funktion als Raststätte für den Transit-Busverkehr zwischen Bayern und West-Berlin. Kraftfahrer aus der DDR durften sie weder betreten noch den zugehörigen Parkplatz nutzen. Eine ähnliche Funktion, allerdings ohne die erwähnten Beschränkungen, hatte sie bereits kurz vor dem Ausbruch des II. Weltkrieges inne, als dort im Sommer 1939 die Reichsbahn-Kraftomnibusse auf der Fahrt zwischen Berlin und München planmäßig Mittagspausen einlegten.
Nach der deutschen Wiedervereinigung war das Rasthaus Rodaborn zunächst noch einige Jahre als normale Rasteinrichtung in Betrieb. Vom Parkplatz an der Richtungs- fahrbahn nach Berlin gelangten die Besucher über eine stilgerecht zur Umgebung passende hölzerne Fußgängerbrücke zur Rastanlage auf der westlichen Fahrbahnseite. Allerdings war die Nähe zum Rasthaus am Hermsdorfer Kreuz (13 km) und zum weiter südlich gelegenen Brückenrasthaus Frankenwald bei Rudolphstein (43 km) nun offenbar wirtschaftlich so ungünstig, dass die Bewirtschaftung im Juni 2004 eingestellt wurde. Das Gebäude ist inzwischen dem Verfall preisgegeben. Die alte Fußgängerbrücke ist zwar 2006 noch durch einen hoch- modernen Edelstahl-Neubau ersetzt worden, aber dankt der vollständigen Einzäunung der Parkplätze sind sowohl die Brücke als auch das ehemalige Rasthaus von der Autobahn aus nicht mehr zugänglich. (Fotos von 1937 und 2007)

Eine weitere interessante kleine Raststätte war die Alte Mühle Vellern am heutigen km 373 der A2 zwischen Beckum und Oelde. Das Mühlengebäude existiert heute nicht mehr, wenngleich an dieser Stelle immer noch eine Raststätte in Betrieb ist. Der kleine auf dem Bild erkennbare Parkplatz offenbart aus heutiger Sicht, dass die ursprüngliche Kapazitätsplanung für die Rastanlagen dem späteren Verkehrsansturm in keiner Weise gewachsen war.

Unweit dieser recht originellen Rastanlage befindet sich übrigens auch eine sehr erwähnenswerte Brücke über die Reichsautobahn. Nur wenige Kilometer weiter östlich bei Oelde wurde die erste Spannbetonbrücke im Rahmen des Reichsautobahnbaus errichtet und 1938 dem Verkehr übergeben.


Die idyllische gelegene Raststätte Holledau an der heutigen A9, südlich Ingolstadt wurde von Architekt Prof. Gsaenger aus München entworfen und ist ein weiteres Beispiel dafür, wie versucht wurde, die Autobahnen und ihre Einrichtungen harmonisch in die Landschaft einzugliedern. Die kleine Raststätte und die angeschlossene Tankstelle liegen an der Richtungsfahrbahn München unmittelbar vor der 400 m langen Holledaubrücke, welche für beide Fahrspuren getrennt als Doppelbrücke mit einigen Metern Abstand ausgeführt wurde. Das Rasthaus liegt unmittelbar am Hang und bietet von einer Terasse einen schönen Blick auf die Brücke. Ein Fußgängertunnel führt zu einer Aussichtsplattform zwischen den beiden Fahrbahnbrücken. Der Parkplatz auf der Raststättenseite liegt zwischen Tankstelle und Rasthaus; beide Gebäude sind in einheitlichem Stil errichtet und durch die jeweils zur Fahrbahn weisenden Giebel als zusammengehörend erkennbar. Der Fußweg zwischen beiden Gebäuden verläuft unter einer Pergola. Die Innenausstattung wurde bewußt im ländlich bayerischen Stil realisiert.

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