"Historische" Verkehrsschilder heute
Auf der Straßenverkehrsordnung von 1934 basieren die Mehrzahl unserer heutigen Regeln und Zeichen im Straßenverkehr. Natürlich hat sich seit dem Vieles verändert, nicht zuletzt durch den enormen Zuwachs des Individualverkehrs. Neben einigen Veränderungen dominieren aber die Ergänzungen des Straßenverkehrsrechts. In der aktuellen StVO werden wesentlich mehr Verkehrsschilder beschrieben als in der von 1934. Aber auch ohne Blick in den Gesetzestext ist der Schilderwald an unseren Straßen heute allgegenwärtig und unübersehbar. Diese Entwicklung vollständig nachzuvollziehen, kann nicht Aufgabe dieser Informationszusammenstellung sein. Es sollen aber einige interessante Aspekte herausgegriffen werden.
Die Entwicklung des STOP-Schildes ist dabei nur ein kleiner aber nicht unbedeutender Baustein. Auch jetzt gibt es noch Zeichen im Straßenverkehr, die es bereits 1934 gab, aber heute entweder kaum noch zum Einsatz gelangen und somit vielen Verkehrsteilnehmern wenig bekannt sind oder trotz häufiger Verwendung einfach übersehen werden.

So gibt es vielerorts noch ein unscheinbares Zeichen, welches bei den meisten Autofahrern kaum Beachtung findet, wenn es nicht Vielen sogar unbekannt ist.
Dieses Zeichen ist unter der Nummer 394 unverändert in Aussehen und Bedeutung in der aktuellen StVO enthalten. Wer die Augen im Straßenverkehr aufmacht, wird es in vielen Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen an den Laternenmasten noch entdecken. Dort zeigt es an, daß diese Laterne nicht die ganze Nacht leuchtet.

Foto am 03.06.2003 in Merseburg


Um das Thema Eisenbahn nicht aus den Augen zu verlieren, hier ein anderes Beispiel für ein immer noch gültiges Verkehrsschild, das auch durchaus noch zum Einsatz gelangt: die "liegende" Variante des Andreaskreuz an Bahnübergängen. Im Gegensatz zu seiner ursprünglichen Bedeutung ist es aber heute auch an mehrgleisigen Bahnübergängen zu finden. Unter der Nummer 201 ist es in der aktuellen StVO zu finden.

Foto am 03.06.2003 in Merseburg


Andere Schilder an unseren Straßen haben sich verändert, ohne daß bei nüchterner Betrachtung wirklich von einer Weiterentwicklung gesprochen werden kann.
Die Stilisierung der Dampflok aus den 70er Jahren ist ja noch problemlos hinnehmbar, aber der moderne elektrifizierte Schnellzug ist unglaubwürdig. Der Designer dieses Zeichens hat vermutlich niemals bewußt an einem unbeschrankten Bahnübergang gestanden, denn elektrifizierte Schnellzugstrecken weisen heute keine unbeschrankten Bahnübergänge mehr auf. Dort wo sie heute tatsächlich noch existieren, an Nebenstrecken und Museumseisenbahnen würde das alte Dampflok-Symbol sicher noch seinen Zweck erfüllen.

Um so weniger verständlich ist in diesem Zusammenhang die unveränderte Beibehaltung des Zeichen für den beschrankten Bahnübergang. Nach dem die Fallgitter an den Schrankenbäumen fast flächendeckend verschwunden sind, hat eine Schranke optisch kaum noch etwas mit einem Zaun gemein.


Wieder andere Schilder wurden tatsächlich weiterentwickelt. Offenbar ist auch im Zeitalter der Satellitennavigation die Orientierung für viele Kraftfahrer ein großes Problem. Mangelhafte Geographiekenntnisse oder die Unfähigkeit, Karten zu lesen, erfordern heute offenbar viel mehr Wegweiser. Aufgrund größerer Geschwindigkeiten müssen diese auch schon aus größeren Entfernungen erkennbar sein, weswegen sie auch deutlich größer sind als Ihre Vorgänger von 1936.

Während dieses Schild im Jahre 1936 noch 1,25 x 0,85 m groß war, hat sein heutiger Nachfolger bereits eine Größe von 2 x 2 m. 

Foto am 18.05.2002 in Umpferstedt.


Spätestens aber, wenn dem Kraftfahrer im deutschen Schilderwald Derartiges begegnet, sollte das Nachdenken über Sinn und Unsinn der Verkehrsschilder einsetzen. 
Wohl dem, der sich rechtzeitig besinnt und 
mit der Eisenbahn fährt
obwohl auch das schon lange kein ungetrübtes 
und preisgünstiges Vergnügen mehr ist!

Foto am 01.07.2001 in Merseburg.


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