Hans Baluschek wurde am 09.05.1870 in Breslau als Sohn eines Eisenbahnbeamten geboren. Von 1890 an lebte er bis zu seinem Tode am 28.09.1935 in Berlin. Seine Erziehung war für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlich und er engagierte sich sein ganzes Leben mit großer Hingabe für seine Ideale. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens stand die realistische Darstellung der Arbeitswelt. Er porträtierte immer wieder die arbeitenden Menschen, ihre Umgebung und ihre alltäglichen Probleme in einem sozialkritischen Stil. Dabei nahm die Eisenbahn sehr häufig eine zentrale Stellung in seinen Werken ein, so dass er als einer der bedeutendsten Eisenbahn-Maler in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Neben dem Arbeitsalltag der Eisenbahner stellte er auch die Pendler dar, die täglich mit der Eisenbahn zur Arbeit und wieder nach hause fuhren. Er widmete es sich dem bunten Treiben auf den Bahnhöfen und der Idylle am Bahndamm ebenso wie der modernen und beeindruckenden Technik der Lokomotiven und Züge.
Die nachfolgenden Ölkreide-Zeichnungen entstanden um 1909.
Sein heute sicher berühmtestes Eisenbahnbild ist das 1907 entstandene
höchst stimmungsvolle Ölgemälde "Der Bahnhof".
Seine Erziehung und seine Lebenserfahrung in der industriellen Großstadt Berlin bildeten in ihm die Grundlage für eine ausgeprägte sozialdemokratische Gesinnung. Seine oftmals sozialkritischen Werke wurden bereits in der Kaiserzeit verunglimpft. Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte er sich vielfältig für die Arbeiterbewegung und die SPD, deren Mitglied er 1920 wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten geriet er schnell in deren Visier und wurde als entarteter bzw. marxistischer Künstler diffamiert.
Das 1922 in der Franckh'schen Verlagsbuchhandlung erschienene Kinderbuch "BCC4 - Erlebnisse eines Eisenbahnwagens" von C. Z Klötzel wurde von Hans Baluschek mit Federzeichnungen illustriert; das farbige Titelbild stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Walter Biedermann. Ab der zweiten Auflage hatte dieses Büchlein den aktualisierten Titel "BC4ü - Erlebnisse eines Eisenbahnwagens", da die Reisezugwagen inzwischen von der Reichsbahn veränderte Gattungsbezeichnungen erhalten hatten. Das 96seitige Werk ist binnen kurzer Frist in mindestens fünf Auflagen erschienen. Es wurde sogar in der Sowjetunion eine russische Übersetzung verlegt.
Das beweist das große Interesse an dieser Thematik zu einer Zeit, als die Eisenbahn noch das wichtigste Verkehrsmittel war und für viele Jugendliche eine Eisenbahnreise noch ein nicht alltäglicher Wunschtraum war.
Nachfolgend fünf der insgesamt 19 von Hans Baluschek für dieses Buch geschaffenen Grafiken.
Sein wohl letztes Werk war die Illustration der vom Reichsbahn-Werbeamt für den Personen- und Güterverkehr herausgegebenen Jubiläumsbroschüre "Hundert Jahre Deutsche Eisenbahnen 1835-1935". 

Die Broschüre erschien wenige Wochen vor seinem Tode, als Hans Baluschek im Konflikt mit den nationalsozialistischen Machthabern bereits nicht mehr beruflich aktiv sein konnte. Es darf deshalb vermutet werden, daß er den Auftrag zur Illustration dieser in großer Auflage verlegten Broschüre bereits wesentlich früher angenommen hat. Dennoch enthält sie ganz aktuelle Darstellungen der damals modernsten Fahrzeuge der Reichsbahn.

Selbst die Modelleisenbahn wurde von Hans Baluschek bereits für würdig befunden, im Zusammenhang mit dem 100. Eisenbahn-Jubiläum verewigt zu werden. 
Interessanterweise beschäftigte sich schon damals ein Erwachsener mit dem eigentlich für Kinder geschaffenen Spielzeug.

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