Einladung zur Fahrt!
Einladung zur Fahrt!
Führer für den Verwaltungs-Sonderzug
nach Mittenwald am 6. Juni abends bis 14. Juni 1931

Billige Sonderfahrt in die bayrischen Alpen
nach Mittenwald über Garmisch-Partenkirchen
Zugspitzfahrt - Sonderfahrt nach Innsbruck (Tirol)

Unsere ständigen Sonderzuggäste kennen schon die schönen Zielorte Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen von früheren Fahrten. Doch die prachtvolle Alpengegend, die freundliche Aufnahme und gute Unterkunft, vor allem aber die reichhaltige Abwechslung der Ausflüge und Fahrten - vom bequemen Waldspaziergang an felsenumgebenen Alpenseen bis zur Hochgebirgsfahrt auf den höchsten Grenzberg Reichsdeutschlands, die Zugspitze, und ins "schöne Land Tirol", locken immer wieder zum Besuch dieser herrlichen Gegend.
In Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen haben die örtlichen Verkehrsstellen mit Rücksicht auf die jetzige schwierige Wirtschaftslage die Preise für Unterkunft und Verpflegung wesentlich gesenkt, und auch die Reichsbahn hat für die Sonderfahrt den Fahrpreis weiter ermäßigt.
Mittenwald gegen Wetterstein
Unvergeßlich bleibt der Eindruck der Alpenwelt für den Flachlandbewohner, der zum ersten Male auf der Bahnfahrt über Nürnberg - Augsburg - Weilheim südlich von München am langgestreckten Ammersee, am Staffel- und Riegsee, oder auf der anderen Seite am großen Starnbergersee, vorüber fährt und in der Morgensonne die blendend weiße Gebirgskette wie ein fernes Wolkengebilde auftauchen sieht. Die Fahrt steigert sich an Schönheiten. Näher kommen die Berge. Bei Garmisch-Partenkirchen die Alpspitze und die Bergriesen des Wettersteingebirges bis zur fernen Zugspitze. Bald hinter Garmisch-Partenkirchen erreicht die Mittenwaldbahn den höchsten Punkt des Talkessels (972m). Kurz darauf sehen wir Mittenwald mit seiner schönen Kirche inmitten buntbemalter Häuser alter Tiroler Bauart. Schier meint man, die Bahn nicht weiter vor den nahen unüberwindlich hohen Felsenmauern.
Doch hier öffnet sich das Gebirgstor von Bayern nach Tirol. Über wilde Schluchten und Gebirgsbäche, das Isartal entlang, auf schwindelhohen Brücken, durch lange Felsentunnel über die schroffen Hänge der sagenbekannten "Martinswand" überwindet die Mittenwaldbahn die Gebirgshöhen. In großen Kehren windet sie sich dann ins liebliche Inntal nach Innsbruck, der Hauptstadt Nordtirols.
Mittenwald, der schönste Martkflecken an der bayrisch-österreichischen Grenze, ist weltbekannt durch seinen Geigenbau. Tausende von Geigen, alle durch künstlerische Handarbeit hergestellt, sind seit zwei Jahrhunderten in die Welt hinausgesandt worden. Leider hat der Weltkrieg den Absatz und Verdienst dieses Kunstberufes fast vernichtet. Das schlichte Denkmal des Geigenbauers Mathias Klotz vor der im Innern prächtig ausgestatteten Kirche weist auf die Geschichte und die Bedeutung des Geigenbauers hin. Das Heimatmuseum, der Besuch der Geigenbauschule und ein lehrreicher Film zeigen uns die Hrstellung und die Entwicklung der verschiedenen Geigenarten.
Partenkirchen gegen Alpspitze, Höllentalspitzen und Zugspitze
Wundervoll sind die Naturschönheiten um Mittenwald und bei Garmisch-Partenkirchen, dem großen Doppelorte an beiden Seiten der Partnach.
Ein bewegter Fremdenverkehr durchflutet die Straßen. Zahlreiche Gaststätten, Gesang und Tanz, auch volkstümliche Aufführungen sorgen für Unterhaltung und Stimmung.
Es bleibt jedem Sonderzuggast nach Belieben überlassen, die Unterkunft in Garmisch-Partenkirchen oder in Mittenwald zu wählen und dementsprechend die Zusatzkarten für die Übernachtungen zu lösen.
Unser Sonderzug hält in Garmisch-Partenkirchen und bleibt eine volle Woche in Mittenwald. Von dort können wir nach Belieben die schönsten Alpenlandschaften aufsuchen. Die örtlichen Verkehrsstellen, in Mittenwald der Verkehrsverein, in Garmisch-Partenkirchen die Kurverwaltung, geben die den Sonderzuggästen gebotenen Unterhaltungs- und Ausflugsmöglichkeiten zu ermäßigten Preisen in den täglichen Ankündigungen bekannt.
Eine Sonderzugfahrt nach Innsbruck führt uns über das wildzerklüftete Karwendelgebirge und zeigt uns auf Autorundfahrt die Sehenswürdigkeiten der Tiroler Landeshauptstadt und den Berg Isel mit dem Andreas-Hofer-Denkmal. In wenigen Minuten können wir mit der Seilschwebebahn zum Hafelekar (2345m) oder zum Patscherkofel (2200m) auffahren und den herrlichen Rundblick über das weite Inntal und die schneebedeckten Berge und Gletscher genießen.
Ein weiterer Glanzpunkt ist die bequeme Bergbahnfahrt, oberhalb des Eibsees an den Felswänden entlang, zur Zugspitze (2964m). Vom stattlichen Gasthaus der Schneeferner-Bahnhofs fahren wir weiter mit der Seilschwebebahn zum Münchener Haus des Deutsch u. österrichischen Alpenvereins bis zum Gipfel, während die Schifahrer auf dem ewigen Schneefeld des Schneeferners auch im Sommer ihren Wintersport treiben können.
Der abwechslungsreiche Ausflugsverkehr, vereint mit der urfröhlichen Geselligkeit der Einwohner bei Konzert, Gesang und Tanz in den zahlreichen Gaststätten von Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen, bringt Unterhaltung und gemütliche Stimmung.
Erholung, geistige Ausspannung von den alltäglichen Sorgen und frohe Erinnerungen, das sind die guten Erfolge unserer schönen billigen Alpenfahrt!

Billiger Verwaltungs-Sonderzug von Leipzig/Halle(Saale)
nach Mittenwald über Garmisch-Partenkirchen
am 6. Juni 1931 abends und zurück am 14.Juni 1931
Beschleunigte Fahrt!
40% Preisermäßigung!
I. Fahrplan.
Hinfahrt
 
Rückfahrt
am 6. Juni
21.15
ab
Leipzig Hbf.
an
21.52
am 14.Juni
-
-
Leipzig-Gohlis
an
21.44
-
-
Leipzig-Möckern
an
21.38
21.26
ab
Leipzig-Leutzsch
an
21.31
21.38
ab
Markranstädt
an
21.20
21.51
ab
Bad Dürrenberg
an
21.04
21.59
an
Corbetha
-
-
22.12
ab
Corbetha
an
20.51
22.23
ab
Weißenfels
an
20.38
22.40
ab
Naumburg
an
20.20
23.19
ab
Jena (S.)
an
19.35
23.31
ab
Göschwitz
an
19.24
am 7. Juni
0.17
ab
Saalfeld
an
18.40
4.02
an
Nürnberg
ab
15.03
 4.35
ab
Nürnberg
ab
12.14
6.59
an
Augsburg
ab
9.49
7.51
ab
Augsburg
an
9.39
9.14
an
Weilheim (Obl.)
ab
8.18
9.20
ab
Weilheim (Obl.)
an
8.04
10.25
an
Garmisch-Partk.
ab
7.07
10.36
ab
Garmisch-Partk.
   
10.58
an
Mittenwald
ab
6.35

Anschluß-Sonderzug Halle(Saale)-Corbetha und zurück:
Hinfahrt
 
Rückfahrt
am 6. Juni
21.26
ab
Halle (Saale)
an
21.33
am 14. Juni
21.34
ab
Ammendorf
an
21.25
21.43
ab
Merseburg Pbf.
an
21.15
21.50
ab
Leuna
an
21.09
21.58
an
Corbetha
ab
21.02
Anschlüsse von Dessau, Torgau, Bitterfeld und Wittenberg mit fahrplanmäßigen Zügen.

II. Fahrkarten 3.Klasse
nur gültig für die Fahrt im Sonderzuge hin und zurück:
 
nach 
Garmisch-Partenkirchen
nach 
Mittenwald
Leipzig Hbf
28,20 RM
28,80 RM
Leipzig-Leutzsch
27,60 RM
28,60 RM
Markranstädt
27,40 RM
28,20 RM
Bad Dürrenberg
27,00 RM
27,60 RM
Weißenfels
26,20 RM
27,00 RM
Naumburg (Saale) Hbf
25,40 RM
26,40 RM
Jena Saalbf.
23,80 RM
24,60 RM
Göschwitz
23,40 RM
24,20 RM
Saalfeld (Saale)
21,40 RM
22,20 RM
Halle (Saale)
27,60 RM
28,60 RM
Merseburg
27,00 RM
27,80 RM
Corbetha
26,40 RM
27,40 RM
Wittenberg (Pr.Sa.) *)
33,80 RM
34,40 RM
Bitterfeld *)
31,00 RM
31,60 RM
Dessau Hbf. *)
33,00 RM
33,60 RM
Torgau *)
32,60 RM
33,20 RM
*) Die Sonderzug-Fahrkarten ab Dessau Hbf., Wittenberg, Bitterfeld, Torgau berechtigen zur Fahrt nach und von Leipzig Hbf. in fahrplanmäßigen Personenzügen; für Eil- und Schnellzügen tarifmäßiger Zuschlag. Kinder vom 4.-10. Lebensjahr 
halber Fahrpreis.

III. Zusatzkarten.
Bei Lösung der Fahrkarten werden auf Wunsch abgegeben: Für sieben vorausbestellte Übernachtungen und Frühstück (einschließlich Licht, Schuhreinigen, Bedienungsgeld, Kurabgaben) vom 7.Juni bis 14.Juni früh zu Mindestpreisen:
in Mittenwald: Zusatzkarte A
= 15,00 RM
in einfachen guten Privathäusern,
Zusatzkarte B
= 22,00 RM
in Gasthöfen, besseren Fremdenheimen und Landhäusern,
in Garmisch-Partenkirchen: Zusatzkarte C
= 21,00 RM
in Privathäusern,
Zusatzkarte D
= 31,50 RM
in Gasthäusern und Pensionen.
Gegen Abgabe der Zusatzkarten spätestens bis 2. Juni werden Wohnungsbestellscheine ausgefertigt. (Näheres siehe Abschnitt V "Wohnungsbestellscheine")
Zusatzkarte E
= 1,65 RM
für ein Mittagessen in Nürnberg a. d. Rückfahrt
Zusatzkarte F
= 4,00 RM
für eine Sonderfahrt von Mittenwald nach Innsbruck und zurück

IV. Verkauf der Fahrkarten und Zusatzkarten.
Frühzeitige Lösung der Fahrkarten zusammen mit den Zusatzkarten wird dringend empfohlen, damit die Unterbringung der Reisenden gut vorbereitet werden kann.
Der Verkauf findet statt:
  • bei den Bahnhofs-Fahrkartenausgaben in Leipzig Hbf Westseite (Schalter 2 u. 3), in Halle (Saale) (Schalter A), Leipzig-Leutzsch, Markranstädt, Bad Dürrenberg, Corbetha, Merseburg und in Dessau, Wittenberg, Bitterfeld, Torgau außerdem
  • in Leipzig beim Verkehrsbüro des Meßamts (Markt 4), beim Reisebüro des Norddeutschen Lloyd (Europahaus, Augustusplatz) und der Hamburg-Amerika-Linie (Augustusplatz 2a). Auswärtige Teilnehmer können ihre Fahrkarten usw. beim Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2, Leipzig C 1, Roscherstraße 1 bestellen. In diesem Falle ist der Geldbetrag mit der Bestellung auf Postscheckkonto Leipzig Nr. 13136 an die Stationskasse Leipzig Hauptbahnhof West einzusenden unter Beifügung von 0,60 RM Postgebühr für Zusendung der Karten.
  • in Halle (Saale) beim Reisebüro der Hamburg-Amerika-Linie (Roter Turm, Markt), Lloyd-Reisebüro Schölicht (Preußenring), Reisebüro der Hallischen Zeitung (Leipziger Straße)
  • in Dessau beim Verkehrsbüro (Kavalierstraße 28),
  • in Torgau beim Reichsbahn-Verkehrsamt (Westring 16a)
  • Schluß des Verkaufs der Fahrkarten und Zusatzkarten, sobald der Zug ausverkauft ist, spätestens aber der Zusatzkarten für Wohnungen am 2. Juni und für Fahrkarten ohne Wohnungsbestellung am 5 Juni.


    V. Wohnungsbestellscheine.
    Die Unterbringung der Teilnehmer haben die örtlichen Verkehrsstellen auf vorherige Bestellung übernommen, und zwar
  • in Mittenwald der Verkehrsverein,
  • in Garmisch-Partenkirchen die Kurverwaltung.
  • Gegen Abgabe der Zusatzkarte A oder B, C oder D für Übernachtungen - bis spätestens 2.Juni - werden Wohnungsbestellscheine ausgefertigt, und zwar:
  • durch das Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2, Leipzig C 1, Roscherstraße 1, für die bei der Fahrkartenausgabestelle in Leipzig Hauptbahnhof und beim Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2 gelösten Zusatzkarten,
  • durch das Reichsbahn-Verkehrsamt Halle (Saale), Thielenstraße 2a, für die bei der Fahrkartenausgabestelle Halle (Saale) und beim Reichsbahn-Verkehrsamt Halle (Saale) gelösten Zusatzkarten ,
  • durch die übrigen unter IV genannten Verkaufststellen für die bei Ihnen gelösten Zusatzkarten.
  • Bei Bestellungen werden etwaige Wünsche (Zimmer mit einem oder mehr Betten), soweit möglich, berücksichtigt. Zimmer mit einem Bett sind nur in beschränkter Zahl verfügbar. Es wird daher gebeten, daß zusammenreisende Teilnehmer möglichst zweibettige Zimmer bestellen oder während der Fahrt gemeinsame Unterkunft verabreden. Wenn Einbettzimmer nicht mehr verfügbar sind, müssen die Besteller von Einbettzimmern ihre Unterbringung selbst mit der örtlichen Wohnungsvermittlungsstelle regeln.
    Bei Ausverkauf der Zimmer in der Mindestpreislage zahlt der Besteller den Mehrbetrag für teurere Zimmer bis zu dem bei der Bestellung anzugebenden Preise an den Vermieter selbst nach.
    Frühzeitige Abgabe der Zusatzkarten für Übernachtungen zur Ausfertigung der Wohnungsbestellscheine ist dringend nötig.
    Der Wohnungsbestellschein wird im Zuge oder am Zielort gegen einen Wohnungsschein mit Angabe der Wohnung usw. umgetauscht.
    Auf die Zusatzkarte für Übernachtung allein - ohne den ausgefertigten Wohnungsbestellschein - erhält der Reisende keine vorbestellte Wohnung zugewiesen; er kann erst nach Zugankunft bei der örtlichen Wohnungsverteilungsstelle auf besondere Vereinbarung die Zusatzkarte gegen einen Wohnungsschein umtauschen.
    Die Wohnungen müssen nach Ankunft des Zuges sofort bezogen und die Wohnungsscheine an den Vermieter abgegeben werden, da sonst Wohnungen anderweit vergeben werden.
    Etwaige Abbestellungen oder Beanstandungen muß der Besteller selbst mit der örtlichen Verkehrsstelle regeln.


    VI. Veranstaltungen.
    Für die Sonderzugteilnehmer haben in Mittenwald der Verkehrsverein in Garmisch-Partenkirchen die Kurverwaltung eine Reihe von Veranstaltungen übernommen: Unterhaltungs-, Konzert- und Tanzabende und andere Vergnügungen, Ausflüge und Kraftwagenfahrten.
    Den Sonderzuggästen bleibt es freigestellt, sich an den Veranstaltungen nach Belieben zu beteiligen.
    Im Besuchsplan ist zur zwanglosen Auswahl vorgesehen:
    a) in Mittenwald
    Sonntag, den 7. Juni. Abholen der Sonderzuggäste mit Musik durch Vertreter der Gemeinde und des Verkehrsvereins. Aufsuchen der Wohnungen. Mittagessen beliebig in den empfohlenen Gaststätten nahe den Wohnungen.
    Nachmittag: Spaziergang durchs Laintal nach dem Lautersee (Badegelegenheit).
    Um 20 Uhr Begrüßungsabend in der Turn- und Festhalle. Musik, Schuhplattler-Tanz usw. (Eintritt für Sonderzuggäste frei.)
    Montag, den 8. Juni. Spaziergang zum hohen Kranzberg (1400m), herrlicher Rundblick, Abends 20 Uhr: Bauerntheater in der Turn- und Festhalle.
    Dienstag, den 9. Juni. Ermäßigte Sonder-Bahnfahrt von Mittenwald nach Innsbruck und zurück (Zusatzkarte F = 4,- RM ist beim Kauf der Sonderzugfahrkarte mit zu lösen, weitere Karten werden im Sonderzuge oder beim Verkehrsverein in Mittenwald ausgegeben).
    Für Sonderzuggäste in Garmisch-Partenkirchen bei genügender Beteiligung Gesellschaftsfahrt in fahrplanmäßigen Zügen. Anmeldung während der Fahrt im Sonderzug oder bei der Beratungsstelle in der Kurverwaltung.
    In Innsbruck Autorundfahrt mit Besichtigung der Hofkirche und Hofburg, des Berges Isel mit Andreas-Hofer-Denkmal und des Museums, Fahrt mit der Seilschwebebahn zum Hafelekar und Patscherkofel. Fahrscheine zur Rundfahrt sind beim Verkehrsverein, wegen der beschränkten Platzzahl möglichst bald zu lösen, für 7,20 RM mit Bergfahrt zum Patscherkofel (2200m), für 8,40 RM mit Bergfahrt auf der Hungerburg- und Nordkettenbahn zum Hafelekar (2334m), Autorundfahrt ohne Bergfahrt 3,00 RM. Reisepaß ist nicht erforderlich. Der Verkehrsverein besorgt für alle Teilnehmer Sammelpaß. Abfahrtszeit in Mittenwald wird noch bekanntgegeben.
    Für die übrigen Tage werden Fahrten und Ausflüge nach Klais, Schloß Kranzbach, Elmau und Ferchensee, Walchensee, Kochelsee (Elektrizitäts-Kraftwerk, Aufstieg zum Herzogstand) je nach Wetterlage und Beteiligung, täglich nachmittags und abends Tanztees und Musik in zahlreichen Gaststätten und Kaffees durch Aushang beim Verkehrsverein bekanntgegeben.
    Sonnabend, den 13. Juni abends 20 Uhr: Großer Abschiedsabend in der Turn- und Festhalle, Musik, Schuhplattler- und Volkstänze, Vorführungen, Film usw. Eintritt für Sonderzuggäste ermäßigt = 0,50 RM statt 1,- RM.
    b) in Garmisch-Partenkirchen
    Die Veranstaltungen werden bei der Kurverwaltung (im Bahnhofsgebäude bekanntgegeben.
    Die Bergbahnen von Garmisch-Partenkirchen auf das Kreuzeck (1652m) und den Wank (1780m) gewähren Ermäßigung 4,- RM statt 5,- RM.
    Ausflugsfahrten zur Partnachklamm, zum Eibsee usw. vermittelt das Büro der Kurverwaltung
    Abendveranstaltungen, 5-Uhr-Tees, Bauerntheater, Schuhplattler-Tänze usw. sorgen für Zerstreuung.
    Der schmucke weiß-blaue Zug der Zahnradbahn verläßt Bhf. Eibsee (1000 m. H.) auf der Fahrt zum Schneefernerhaus (2650 m. H.).
    Zugspitzbahnfahrt:
    Die bayrische Zugspitzbahn fährt vom Reichsbahnhof Garmisch-Partenkirchen in 111 Minuten über Rießersee, Grainau-Badersee, Eibsee (1000m) in bequemen, geheizten Aussichtswagen ohne Umsteigen bis zum Hotel Schneefernerhaus (2650m) und von da mit Seilschwebebahn bis zum Gipfel der Zugspitze (Münchner Haus, 2964m). Die täglichen Zugverbindungen sind so günstig, daß auch von Mittenwald Halbtags- und Tagesfahrten hin und zurück nach eigener Wahl an beliebigen Tagen ausgeführt werden können. Ermäßigter Fahrpreis ab Garmisch-Partenkirchen für Sonderzugteilnehmer nur 15,00 RM statt 23,00 RM. Fahrkarten werden auf der Hinfahrt von Leipzig aus im Sonderzuge durch Beauftragte der Zugspitzbahn verkauft; sie sind auch gegen Sonderzugabzeichen am Kassenschalter der Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen zu haben.
    Blick von der Gipfelstation der Bayer. Zugspitzbahn auf Münchner Haus und Westgipfel
    In Nürnberg auf der Rückfahrt während des Aufenthaltes Mittagessen auf Zusatzkarte E durch das Nürnberger Verkehrsbüro. Sammlung der Gruppen für die verschiedenen Gaststätten am Bahnhofsausgang. Auf Wunsch nach dem Essen Führung durch die Stadt.


    VII. Platzbestellung.
    Plätze im Sonderzuge für Raucher- oder Nichtraucher-Abteile können beim Reichsbahn-Verkehrsamt bis Freitag vor Abfahrt des Sonderzuges mittags schriftlich oder mündlich bestellt werden unter Angabe der Nummern der gelösten Fahrkarten und der Fahrkartenausgabestelle, bei der die Karten gekauft sind. Für jeden bestellten Platz erhält der Besteller einen Ausweis, der auf Verlangen vor dem Einsteigen und im Zuge vorzuzeigen ist. Jeder Ausweis lautet über einen Platz in einem bestimmten Abteil, nicht aber auf einen bestimmten Platz in dem Abteil. Die Platzbestellung ist dringend zu empfehlen, wenn zwei oder mehrere Fahrgäste in einem Abteil zusammen fahren wollen. Bestellung und Zuweisung von Eckplätzen oder bestimmter Plätze nebeneinander oder gegenüber ist nicht möglich. Die Verteilung innerhalb des Abteils bleibt den Reisenden nach gegenseitiger Vereinbarung überlassen.
    Bei allen Fahrten ist der bei der Hinfahrt gewählte Platz stets wieder einzunehmen. Jede schreibe daher bei Beginn der Fahrt die an seinen Wagen innen und außen angebrachte Nummer auf die Rückseite der Fahrkarte.


    VIII. Beratung.
    Der Sonderzug wird von Beauftragten des Reichsbahnverkehrsamts begleitet; sie stehen zur Auskunftserteilung und Entgegennahme von Wünschen oder Klagen im Zuge zur Verfügung, in Garmisch-Partenkirchen bei der Kurverwaltung, in Mittenwald beim Verkehrsverein.


    IX. Sonstiges.
    Sollte der Zug wider Erwarten ausfallen, werden Fahrkarten und Zusatzkarten ohne Abzug zurückgenommen.
    Etwaiger Ausfall des Zuges wird durch die Fahrkartenausgabestellen, ferner durch vorzeitiges Einholen der Sonderzugflagge in Leipzig auf dem Hauptbahnhof Westseite und in Halle (Saale) auf dem Gebäude der Bahnhofsapotheke, Delitzscher Straße 92a und des grünen Wimpels im Reisebüro der Hapag (Roter Turm) und des Lloyd (Bankhaus Schönlicht) bekanntgegeben, soweit möglich auch durch Zeitungen.
    Die Fahrkarten gelten hin und zurück nur für den Verwaltungs-Sonderzug, der auf den Fahrkarten angegeben ist. Rückfahrt mit anderen Zügen ist nicht zulässig, auch nicht gegen Lösung von Zuschlagkarten. Wenn der Sonderzug verkehrt, kann für nicht benutzte oder zur Rückfahrt nicht ausgenutzte Fahrkarten, Gutscheine und Zusatzkarten keine Erstattung verlangt werden. Teilnehmerabzeichen wird im Zuge ausgegeben, es dient als Ausweis bei Führungen und Besichtigungen.
    Das Durchgehen von einem Wagen zum andern während der Fahrt, sowie das Aussteigen auf Bahnhöfen, für die kein längerer Aufenthalt im Führer vorgesehen ist, ist den Fahrtteilnehmern wegen der Betriebsgefahren nicht gestattet.

    Leipzig C, Roscher Straße 1
    Fernsprecher 70921 oder 72761, Umschalter 758.
    Im April 1931

    Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft
    Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2

    Voranzeige
    Weitere mehrtägige Verwaltungssonderzüge sind vorgesehen von Leipzig/Halle:
    • Am 20. bis 28. Juni nach Hamburg-Cuxhaven, mit Nordseefahrt nach Helgoland
    • Am 1. bis 9. August nach dem Rhein- und Moselland (Mainz und Wiesbaden, Rheindampferfahrt Mainz - Rüdesheim [Niederwalddenkmal] - Koblenz, Moseltal bis Trier, Königswinter, Köln, Kassel)
    • Am 15. bis 23. August nach Ostseebad Binz (Rügen)
    • Am 5. bis 9. September nach Oberstdorf (Allgäu)
  • Weitere Auskunft durch das unterzeichnete Reichsbahn-Verkehrsamt.

  • Dieses zeitgenössiche Dokument bietet dem heutigen Leser nicht nur Informationen über eine interessante Sonderfahrt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft sondern auch Einblicke in das damalige Alltagsleben. 
    Eine Aufstellung von historischen Fakten, die sich gerade im Monat Juni des Jahres 1931 zugetragen haben, soll die Betrachtung abrunden.
    Tag Ereignisse
    Dienstag 2. Juni 1931 In der Neuen Wache in Berlin Unter den Linden wird eine Gedenkstätte für die Toten des I. Weltkrieges eingeweiht.
    Freitag 5. Juni 1931 Reichspräsident v. Hindenburg unterzeichnet eine Notverordnung der Regierung Brüning, welche ohne parlamentarische Mehrheit amtiert. Diese Notverordnung »Zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen« sieht drastische Sparmaßnahmen vor, um das Haushaltsdefizit des Reiches (574 Mio. Reichsmark), der Länder und Gemeinden (302 Mio. RM) und die Fehlbeträge bei Arbeitsbeschaffungsprogramm und Krisenhilfe (385 Mio. RM) zu decken. In einem Aufruf fordert die Reichsregierung ein Ende der Reparationen. Brünings rigorose Sparpolitik stößt auf heftigen Widerspruch bei Gewerkschaften und Arbeitgebern.
    Samstag 6. Juni 1931 Durch einen Brand im Glaspalast im Alten Botanischen Garten in München werden etwa 3000 Bilder und Skulpturen vernichtet.
    Sonntag 7. Juni 1931 Rudolf Caracciola gewinnt auf Mercedes-Benz das ADAC-Eifelrennen auf dem Nürburgring. Manfred von Brauchitsch wird ebenfalls auf Mercedes-Benz Dritter.
    Montag 8. Juni 1931 Der offene Finanzbedarf des Reiches für 1931 beträgt nach Feststellung des Reichsfinanzministeriums 334,9 Millionen RM.
    Donnerstag 11. Juni 1931 In mehreren deutschen Städten veranstaltet die KPD Hungermärsche zur Mobilisierung von Arbeitslosen. Sie gehen bis zum 15. Juni und enden mit zahlreichen Verletzten und einem Toten in Hamburg.
    Freitag 12. Juni 1931 In Köln wird das neue Werk des amerikanischen Automobilkonzerns Ford eingeweiht.
    Donnerstag 18. Juni 1931 Der SPD-Vorsitzende Hans Vogel begründet im Rundfunk die Tolerierung der Regierung Brüning mit der Gefahr einer Rechtskoalition, welche unter Ausschaltung des Reichstages diktatorisch regieren würde.
    Freitag 26. Juni 1931 Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann wendet sich über den Rundfunk in einem Aufruf an das deutsche Volk, trotz der bedrückenden Zeitumstände mit Mut an die Arbeit für eine bessere Zukunft zu gehen.

    Homepage © Thomas Noßke 1999 www.epoche2.de Epoche II Eisenbahn zeitgenössisch Ende