Einladung
zur Saar-, Rhein- und Moselfahrt

Führer für den Sonderzug
von Leipzig, Halle(S.) und Torgau
nach dem Saarland, dem Rhein und der Mosel
vom 28.Juli bis 5.August 1934

60% Fahrpreisermäßigung

Nach Saarbrücken, Wiesbaden, Mainz, Rüdesheim, Nationaldenkmal,
Koblenz, Königswinter, Moseltal Bullay - Cochem
Rheindampferfahrt: Wiesbaden-Biebrich - Rüdesheim - Nationaldenkmal - Koblenz
Moselfahrt: Koblenz - Bullay - Cochem


Der Sonderzug fährt abends von Leipzig über Halle(Saale) - Nordhausen - Frankfurt a.M. - Bad Kreuznach und trifft am Sonntag Vormittag in Saarbrücken, der Hauptstadt des Saargebietes ein, um unseren Stammesbrüdern einen Freundschaftsbesuch abzustatten.
Saarbrücken ist die Stadt des Barocks, der Blumen- und Grünanlagen, der großen Industrien und die Pforte des herrlichen Saarwaldes. Das Innere der Stadt wird vom Handel und Verkehr beherrscht, während die äußeren Teile die Werkstätten der Industrie sind, die mit ihren ragenden Bauten ein romantisches machtvolles Wahrzeichen der Industriestadt sind.
Am Montag Mittag verlassen wir die gastliche Stadt Saarbrücken und fahren mit dem Sonderzuge nach Wiesbaden, dem weltbekannten Badeorte mit seinen heißen Salzquellen. Ausgedehnte Nadel- und Laubwälder umschließen die gegen rauhe Winde geschützte Stadt. Wer nicht zu Fuße wandert, kann von hier aus schöne Ausflüge im Kraftwagen in die herrliche Umgebung ausführen.
Die Rheinfahrt auf dem prächtig großen Dampfer führt uns vorüber an den zahlreichen Burgen und Städten und den schönsten Uferlandschaften des Rheines bis Koblenz.
Tagesausflüge von Koblenz zeigen uns die Schönheiten des lieblichen Moseltales bis Cochem und Bullay und weiter am Rhein von Königswinter aus das fröhliche Leben am Rhein auf dem Drachenfels und in Rolandseck. Auf der Heimreise fahren wir durch das herrliche Lahntal.


Übersichtsplan der Sonderfahrt.
Am 28. Juli: Abfahrt in Leipzig Hbf. Aufenthalte und Fahrzeiten im Fahrplan. Während der Fahrt werden die vorausbestellten Wohnungen für Saarbrücken zugeteilt.
Am 29. Juli: Ankunft in Saarbrücken. Aufsuchen der Wohnungen und Mittagessen nach eigener Wahl. 15 Uhr Führungen in Gruppen durch ehrenamtliche ortskundige Führer des Verkehrsvereins Saarbrücken durch die Stadt mit Besichtigung des Ehrentals am Fuße der Spicherer Höhen. Für die Benutzung der Straßenbahn nach dem Ehrental am Fuße der Spicherer Höhen und die Besichtigungen der Ludwigs- und Stiftskirche gelten die Abschnitte 1-3 des Gutscheinheftes A. Das genaue Programm der Führungen, Treffpunkt usw. wird vom Verkehrsverein Saarbrücken auf der Hinfahrt im Sonderzuge ausgegeben.
Für die Einreise in das Saargebiet ist ein Sammelpaß nötig. Jeder Teilnehmer trage daher beim Kauf der Fahrkarte seinen Vor- und Zunamen, Beruf und die Wohnung in den Sammelpaß bei den Fahrkartenausgaben ein.
Nach der Devisenordnung darf jeder Teilnehmer nur bis zu 50,-RM in Silbergeld mitführen. Das Tragen von Uniformen und Abzeichen ist strengstens untersagt. Ebenso dürfen keine Saalversammlungen, Ansprachen oder Kundgebungen stattfinden.
Am 30. Juli: Weiterfahrt mit dem Sonderzug nach Wiesbaden - siehe Fahrplan. - Aufsuchen der Wohnungen. Die übrige Zeit steht zur freien Verfügung. 20 Uhr Rheinischer Abend in der Stadthalle "Paulinenschlößchen" (für Sonderzuggäste gilt der Abschnitt 4 des Gutscheinheftes A als Eintrittsausweis).
Am 31. Juli: 8 Uhr Führung zur Besichtigung der Sektkellerei Henkel-Trocken (Omnibusfahrten und Besichtigungskarte Abschnitte 5-7 des Gutscheinheftes A). Anschließend Führungen durch ehrenamtliche ortskundige Führer des Neuen Kurvereins Wiesbaden durch die Stadt und die nächste Umgebung. Treffpunkte usw. werden vom Neuen Kurverein Wiesbaden noch im Sonderzuge durch Handzettel bekannt gegeben.
Teilnehmer, die sich an den Führungen usw. nicht beteiligen wollen, können mit Kraftwagen Ausflüge nach eigener Wahl unternehmen, und zwar nach dem Feldberg (ermäßigter Fahrpreis für die Person 2,75RM) und für eine Rheingaufahrt von Wiesbaden - Schierstein - Niederwalluff - Eltville - Erbach - Hattenheim - Kloster Erbach - Kiedrich - Rauenthal (hier Rast zum Besuch einer Straußwirtschaft) und zurück über Schlangenbad - Chausseehaus nach Wiesbaden, ermäßigter Preis 2,75RM.
Zum Besuch des Kurhauses, des Kochbrunnens und der Abendkonzerte im Kurgarten mit Illumination erhalten die Teilnehmer auf Grund des Teilnehmerabzeichens ermäßigte Eintrittskarten bei der Städtischen Kurverwaltung zum Preise von 0,60RM.
Am 1. August: Große Rheindampferfahrt ab Wiesbaden-Biebrich um 8 Uhr (auf Abschnitt 8 des Gutscheinheftes A) den Rhein abwärts bis Koblenz mit Aufenthalt in Rüdesheim. Vorbei an Biebrich und den bekannten Weinorten Hattenheim, Johannisberg u. a. Weit vor uns auf dem rechten Ufer taucht das Niederwalddenkmal mit der Germania-Gestalt auf. Erst wenn man zur Höhe des Niederwaldes (300m über dem Meere) emporgestiegen oder mit der Zahnradbahn von Rüdesheim aufgefahren ist, kann man die gewaltigen Massen dieses Denkmals überschauen, das 1877 erbaut ist zum Gedenken an die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches 1870/71. Fern reicht die Aussicht über die Mündung der Nahe und die Mäuseturm-Insel bei Bingen und über das weite Rheintal bis zu den Wasgenbergen (Vogesen).
Für die Niederwald-Bergbahn sind am Schalter ermäßigte Karten (1,-RM) gegen Abgabe des Ausweises aus dem Gutscheinheft A zu lösen. Sonderwagen stehen bereit.
Unser Dampfer fährt nach dreistündigem Aufenthalt nach Aßmannshausen weiter und nimmt die Gäste auf, die dorthin zu Fuß über das Jagdschloß abgestiegen sind. Pünktliche Rückkehr zum Dampfer unbedingt nötig.
Mittagessen auf dem Dampfer (auf Zusatzkarte D) gleich nach Abfahrt von Rüdesheim und Aßmannshausen.
Zahlreiche Reste zerstörter Burgen und Schlösser zeugen von den Verheerungen durch die Franzosen unter Ludwig XIV., der im Jahre 1689 die Pfalz und das Rheinland von Heidelberg bis Köln zu einer Wüstenei zwischen beiden Reichen verwandelt hatte. Doch deutsche Arbeit baute wieder auf, und an blühenden Städten und Dörfern zieht unser Dampfer vorüber. Das liebliche Bingen grüßt herüber und die alte Stadt Bacharach mit ihren spitzgiebligen Häusern, die Lorcher Weinberganlagen und die Toteninsel, dann Caub, wo am 1.Januar 1814 Blücher den Rhein überschritt. Zur Rechten erhebt sich schroff empor der vielbesungene Loreleyfelsen, unterhalb des Berges liegt St. Goarshausen, gegenüber St.Goar, dann folgen die Feste Rheinfels, die Städte Boppard, Braubach, Rhens mit seinen Mineralwasserquellen. Am Zusammenfluß der Lahn mit dem Rhein liegt Ober- und Niederlahnstein mit Burg Lahneck.Gegenüber erhebt sich das aus den Trümmern 1834 neu aufgebaute Schloß Stolzenfels. Dann erscheinen uns die Häuser der Stadt Koblenz, gegenüber die Festung Ehrenbreitstein, beide durch zwei eiserne Brücken und eine Schiffsbrücke verbunden.
In Koblenz: Von der Landungstelle Führung zu den Wohnungen durch die Hoteldiener. Nach Ankunft Beratungsstelle im Kiosk (Städt. Verkehrsamt) am Rheinufer.
Am Abend findet im "Weindorf" ein Rheinischer Abend statt. Als Eintrittsausweis gilt der Abschnitt 10 des Gutscheinheftes A. Bei Abgabe dieses Abschnittes wird außerdem ein Weindorf-Liederbuch verabreicht.
Am 2. August: In Koblenz 8,30 Uhr Treffen an der Stadthalle. Stadtbesichtigung, kostenlose Führung durch das Städtische Verkehrsamt Koblenz oder nach freier Wahl Stadtrundfahrt mit Besuch des "Rittersturzes" am Eingang zum Stadtwald (prächtige Aussicht), Preis für die Person 2,-RM. Der Tag steht den Teilnehmern zur freien Verfügung zur Ausführung von Autofahrten oder Ausflügen in die Umgebung von Koblenz oder zum Besuch von Köln. Näheres über die Ausflüge usw. im Städt. Verkehrsamt am Hauptbahnhofe.
Am 3. August: Abfahrt mit dem Sonderzuge von Koblenz Hbf. nach Königswinter - siehe Fahrplan - und zurück. Nach Ankunft in Königswinter kostenlose Führungen durch das Städt. Verkehrsamt Koblenz, Aufstieg zum Drachenfels. Der Nachmittag steht den Teilnehmern zur freien Verfügung zur Besichtigung von Rolandseck usw. Für die Fahrpreisermäßigungen der Bergbahnen von Königswinter zum Drachenfels und zum Petersberg gelten die Ausweise 11 und 12 im Gutscheinheft A.
Am 4. August: Abfahrt mit dem Sonderzuge von Koblenz Hbf. in das Moseltal nach Bullay und Alf - siehe Fahrplan - und zurück. Besichtigung des Ortes und der Marienburg und Umgebung unter ortskundiger Führung. Für Teilnehmer, die nach freier Wahl Cochem besuchen wollen, hält der Sonderzug auf der Hin- und Rückfahrt in Cochem - siehe Fahrplan. Der Abend steht in Koblenz zur freien Verfügung.
Am 5. August: Heimfahrt durch das Lahntal über Bad Ems, Limburg und Marburg.

Fahrplan
Hinfahrt
 
Rückfahrt
am 28. Juli
22.40
ab
Leipzig Hbf.
an
21.29
am 5.August
23.07
ab
Schkeuditz
an
21.03
23.28
an
Halle(Saale)
ab
-
23.45
ab
Halle(Saale)
an
20.51
am 29. Juli
0.07
ab
Teutschenthal
an
20.11
0.18
ab
Oberröblingen a.See
an
20.01
0.39
ab
Eisleben
an
19.49
1.50
ab
Nordhausen
an
18.47
6.35
an
Frankfurt a. M.
-
-
6.50
ab
Frankfurt a. M.
-
-
10.47
an
Saarbrücken
-
-
am 30. Juli
13.28
ab
Saarbrücken
-
-
16.33
an
Wiesbaden
-
-
 
Kassel
ab
16.42
Gießen
ab
14.29
Koblenz
ab
12.37

Rheindampferfahrt
am 1. August
8.00
ab
Wiesbaden-Biebrich
9.30
an
Rüdesheim
14.30
ab
Rüdesheim
15.10
ab
Aßmannshausen
18.00
an
Koblenz

Im Sonderzuge weiter:
Hinfahrt
 
Rückfahrt
am 3. August
8.00
ab
Koblenz Hbf.
an
21.07
 
8.50
an
Königswinter
ab
20.15
am 4.August
8.00
ab
Koblenz Hbf.
an
19.19
 
8.41
an
Cochem
ab
18.38
 
8.57
an
Bullay
ab
18.24

Fahrkarten 3.Klasse
nur gültig für die Fahrt im Sonderzuge hin und zurück, von:
Leipzig Hbf
27,80 RM
Schkeuditz
27,10 RM
Halle (Saale)
26,50 RM
Teuschtenthal
25,80 RM
Oberröblingen a. See
25,70 RM
Eisleben
25,40 RM
Torgau *)
29,40 RM
*) Zum Anschluß an den Sonderzug in Leipzig hin und zurück mit fahrplanmäßigen Personenzügen; bei Eil- und Schnellzügen tarifmäßiger Zuschlag. Kinder vom 4.-10. Jahre halber Fahrpreis.
Teilnehmer an der Sonderfahrt, die in anderen Orten als den Zugeinsteigestationen wohnen, erhalten gegen Vorlage der Sonderzugfahrkarte an den Fahrkartenschaltern eine Fahrpreisermäßigung von 50% für die Hin- und Rückfahrt vom Heimatbahnhof bis zum Sonderzugeinsteigebahnhof, wenn die Entfernung nicht über 100km beträgt.
In dem Sonderzuge werden auf Wunsch Erfrischungen, Kaffee und dergl. zu ermäßigten Preisen von der Mitropa verabfolgt.
Auf Wunsch
Zusatzkarten
zugleich mit den Fahrkarten ist zu lösen:
Gutscheinheft A
= 6,00 RM
für die Rheindampferfahrt Wiesbaden-Biebrich - Mainz - Rüdesheim - Nationaldenkmal - Koblenz, Rheinischer Abend in Wiesbaden und Koblenz, Straßenbahn in Saarbrücken und Wiesbaden, Besichtigungen, Ausweise für Preisermäßigungen der Niederwald-Bergbahn und für die Bergbahn zum Drachenfels und Petersberg
für 7 Übernachtungen ( 1 in Saarbrücken, 2 in Wiesbaden, 4 in Koblenz) einschl. Frühstück. Licht, Kurabgabe und Bedienung
Zusatzkarte B
= 23,40 RM
für Privat
Zusatzkarte C
= 29,20 RM
für Gasthäuser und Hotels
Zusatzkarte D
= 1,60 RM
für ein Mittagessen während der Rheindampferfahrt
Teilnehmern, die die Zusatzkarten B und C nicht lösen wollen, bleibt es überlassen, ihre Wohnungen selbst zu besorgen.
Verkauf der Fahrkarten, Gutscheine und Zusatzkarten.
Frühzeitige Lösung der Fahrkarten zusammen mit Gutschien A und Zusatzkarte B und C wird dringend empfohlen, damit die Unterbringung der Reisenden gut vorbereitet werden kann.
Der Verkauf findet statt:
  • bei den Bahnhofs-Fahrkartenausgaben in Leipzig Hbf Westseite (Schalter 2, 3 und 36) in Schkeuditz, Halle (Saale) (Schalter A), Teutschenthal, Oberröblingen, Eisleben, außerdem
  • in Leipzig beim Verkehrsbüro des Meßamts (Markt 4), beim Reisebüro des Norddeutschen Lloyd (Europahaus, Augustusplatz) und der Hamburg-Amerika-Linie (Augustusplatz 2a). Auswärtige Teilnehmer können ihre Fahrkarten usw. beim Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2, Leipzig C 1, Roscherstraße 1 bestellen. In diesem Falle ist der Geldbetrag mit der Bestellung auf Postscheckkonte Leipzig Nr. 13136 an die Stationskasse Leipzig Hauptbahnhof West einzusenden unter Beifügung von 0,55 RM Postgebühr für Zusendung der Karten;
  • in Halle (Saale) beim Reisebüro der Hamburg-Amerika-Linie (Roter Turm, Markt), Lloyd-Reisebüro G. Vester, Delitzscher Straße 5. Nicht in Halle (Saale) wohnende Teilnehmer können bei schriftlicher Bestellung der Karten den Geldbetrag an die Fahrkartenausgaben in Halle (S.) auf Postscheckkonto Leipzig Nr. 38342 einzahlen. Wird die Zusendung der Karten durch die Post gewünscht, dann erhöht sich der Geldbetrag um 0,55 RM.
  • in Torgau bei der Fahrkartenausgabe
  • Schluß des Verkaufs der Fahrkarten, Gutscheine und Zusatzkarten, sobald der Zug ausverkauft ist, spätestens für Fahrkarten usw. am Sonnabend, den 28. Juli.


    Wohnungsbestellscheine
    Die Unterbringung der Teilnehmer haben die örtlichen Verkehrsstellen auf vorherige Bestellung übernommen, und zwar
  • in Saarbrücken der Verkehrsverein Saarbrücken 3, Vikoriastraße 26,
  • in Wiesbaden der Neue Kurverein Wiesbaden, Wilhelmstraße 17,
  • in Koblenz das Städtische Verkehrsamt Koblenz, Emil Schüllerstraße 20.
  • Gegen Abgabe der Zusatzkarte B (für 7 Übernachtungen) - bis spätestens 27.Juli - werden Wohnungsbestellscheine ausgefertigt, und zwar:
  • durch das Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2, Leipzig C 1, Roscherstraße 1, für die bei der Fahrkartenausgabestelle in Leipzig Hauptbahnhof und beim Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2 gelösten Zusatzkarten B,
  • durch das Reichsbahn-Verkehrsamt Halle (Saale), Thielenstraße 2 a, für die bei der Fahrkartenausgabestlle Halle (Saale) und beim Reichsbahn-Verkehrsamt Halle (saale) gelösten Zusatzkarten B,
  • durch die übrigen genannten Verkaufststellen für die bei Ihnen gelösten Zusatzkarten B.
  • Bei Bestellungen werden etwaige Wünsche (Zimmer mit einem oder mehr Betten), soweit möglich, berücksichtigt. Zimmer mit einem Bett sind nur in beschränkter Zahl verfügbar. Es wird daher gebeten, daß zusammenreisende Teilnehmer möglichst zweibettige Zimmer bestellen oder während der Fahrt gemeinsame Unterkunft verabreden. Wenn Einbettzimmer nicht mehr verfügbar sind, müssen die Besteller von Einbettzimmern ihre Unterbringung selbst mit der örtlichen Wohnungsvermittlungsstelle regeln.
    Bei Ausverkauf der Zimmer in der Mindestpreislage zahlt der Besteller den Mehrbetrag für teurere Zimmer bis zu dem bei der Bestellung anzugebenden Preise an den Vermieter selbst nach.
    Frühzeitige Abgabe der Zusatzkarten für Übernachtungen zur Ausfertigung der Wohnungsbestellscheine ist dringend nötig.
    Der Wohnungsbestellschein wird im Zuge oder am Zielort gegen einen Wohnungsschein mit Angabe der Wohnung usw. umgetauscht.
    Auf die Zusatzkarte für Übernachtung allein - ohne den ausgefertigten Wohnungsbestellschein - erhält der Reisende keine vorbestellte Wohnung zugewiesen; er kann erst nach Zugankunft bei der örtlichen Wohnungsverteilungsstelle auf besondere Vereinbarung die Zusatzkarte gegen einen Wohnungsschein umtauschen.
    Die Wohnungen müssen nach Ankunft des Zuges sofort bezogen und die Wohnungsscheine an den Vermieter abgegeben werden, da sonst Wohnungen anderweit vergeben werden.
    Etwaige Abbestellungen oder Beanstandungen muß der Besteller selbst mit der örtlichen Verkehrsstelle regeln.


    Platzbestellung.
    Plätze im Sonderzuge für Raucher- oder Nichtraucher-Abteile können beim Reichsbahn-Verkehrsamt bis Freitag vor Abfahrt des Sonderzuges mittags schriftlich oder mündlich bestellt werden unter Angabe der Nummern der gelösten Fahrkarten und der Fahrkartenausgabestelle, bei der die Karten gekauft sind. Für jeden bestellten Platz erhält der Besteller einen Ausweis, der auf Verlangen vor dem Einsteigen und im Zuge vorzuzeigen ist. Jeder Ausweis lautet über einen Platz in einem bestimmten Abteil, nicht aber auf einen bestimmten Platz in dem Abteil. Die Platzestellung ist dringend zu empfehlen, wenn zwei oder mehrere Fahrgäste in einem Abteil zusammen fahren wollen. Bestellung und Zuweisung von Eckplätzen oder bestimmter Plätze nebeneinander oder gegenüber ist nicht möglich. Die Verteilung innerhalb des Abteils bleibt den Reisenden nach gegenseitiger Vereinbarung überlassen.

    Beratung.
    Der Sonderzug wird von Beauftragten des Reichsbahnverkehrsamts begleitet; sie stehen zur Auskunftserteilung und Entgegennahme von Wünschen im Zuge zur Verfügung.

    Sonstiges.
    Sollte der Zug wider Erwarten ausfallen, werden Fahrkarten und Zusatzkarten ohne Abzug zurückgenommen.
    Etwaiger Ausfall des Zuges wird durch die Fahrkartenausgabestellen, ferner durch vorzeitiges Einholen der Sonderzugflagge in Halle (Saale) auf dem Gebäude Bahnhofsapotheke, Delitzscher Straße 92 und des grünen Wimpels im Reisebüro der Hapag (Roter Turm) und des Lloyd-Reisebüros H. Müller, Leipziger Straße 5 bekanntgegeben, soweit möglich auch durch Zeitungen.
    Die Fahrkarten gelten hin und zurück nur für den Verwaltungssonderzug, der auf den Fahrkarten angegeben ist. Rückfahrt mit anderen Zügen ist nicht zulässig, auch nicht gegen Lösung von Zuschlagkarten. Wenn der Sonderzug verkehrt, kann für nicht benutzte oder zur Rückfahrt nicht ausgenutzte Fahrkarten und Zusatzkarten keine Erstattung verlangt werden. Teilnehmerabzeichen wird im Zuge ausgegeben, es dient als Ausweis bei Führungen und Besichtigungen.
    Das Durchgehen von einem Wagen zum andern während der Fahrt, sowie das Aussteigen auf Bahnhöfen, für die kein längerer Aufenthalt im Führer vorgesehen ist, ist den Fahrtteilnehmern wegen der Betriebsgefahren nicht gestattet.

    Leipzig C, Roscher Straße 1
    Fernsprecher 70921 oder 72761, Umschalter 758.

    Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft
    Reichsbahn-Verkehrsamt Leipzig 2

    Voranzeige
    Für den Sommer 1934 sind folgende mehrtägige Verwaltungs-Sonderzüge in Aussicht genommen worden:
    • 11. August bis 19. August nach Ostseebad Binz
    • 1. Septbr. bis 9. Septbr. nach Garmisch-Partenkirchen - Mittenwald und Besuch der Oberammergauer Festspiele
    • 15. Septbr. bis 25. Septbr. nach Oberstdorf
    Sonntags-Sonderzüge
    • 15. Juli nach Potsdam
    • 22. Juli Fahrt ins Blaue
    • 12. August nach Oberhof
    • 2. September nach Eisenach
    • 30. September nach Thale am Harz
    Änderungen vorbehalten

    Dieses zeitgenössiche Dokument bietet dem heutigen Leser nicht nur Informationen über eine interessante Sonderfahrt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und Einblicke in das damalige Alltagsleben. Es enthüllt zu einem Zeitpunkt, da das Saargebiet noch nicht wieder zu Deutschland gehörte, durch seine antifranzösischen Seitenhiebe Einblicke in die damalige Propaganda, von der wir heute wissen, wohin diese geführt hat.

    Eine Aufstellung von historischen Fakten, die sich gerade in dieser Urlaubs-Woche abgespielt haben, soll die Betrachtung abrunden.

    Tag Ereignisse
    Samstag 28. Juli 1934 In Österreich wird der am 25. Juli bei einem faschistischen Putschversuch ermordete Bundeskanzler Engelbert Dollfuß beigesetzt.
    Sonntag 29. Juli 1934 Der Franzose Antonin Magne gewinnt die Tour de France.
    Montag 30. Juli 1934 Der deutsche Reichsarbeitsminister Franz Seldte untersagt die Auswanderung von Facharbeitern aus dem Deutschen Reich.
    Kurt Schuschnigg wird neuer österreichischer Bundeskanzler.
    Mittwoch 1. August 1934 Der "Volksgerichtshof" nimmt in Berlin seine Tätigkeit auf. Die ersten Strafsachen, die zur Verhandlung anstehen, sind Fälle von »Vorbereitung zum Hochverrat durch Versuche der Zersetzungspropaganda bei Angehörigen der Polizei bzw. Reichswehr«.
    Donnerstag 2. August 1934 Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg stirbt im Alter von 86 Jahren.
    Adolf Hitler errichtet einen Einheitsstaat nach dem Führerprinzip; er wird "Führer und Reichskanzler".
    Samstag 4. August 1934 In Paris treffen sich 1500 Teilnehmerinnen aus 24 Ländern zu einem viertägigen Frauenkongreß gegen Krieg und Faschismus.
    Sonntag 5. August 1934 Adolf Hitler weist gegenüber der britischen Zeitung »Daily Mail« Gerüchte über angebliche deutsche Kriegspläne zurück.
    Der Deutsche Rudolf Caracciola gewinnt auf Mercedes-Benz ein Automobil-Rennen in der Schweiz.

    Homepage © Thomas Noßke 1999 www.epoche2.de Epoche II Eisenbahn zeitgenössisch Ende