Die Müglitztalbahn Heidenau - Altenberg
Im Müglitztal am östlichen Rand des Erzgebirges ist in den Jahren 1888 bis 1890 eine 41 km lange Schmalspurbahn (750 mm) gebaut worden. Die krümmungs- und steigungsreiche Strecke führte von Mügeln b. Pirna (seit 1920 Heidenau) im Elbtal (120 m ü. NN) bis nach Geising-Altenberg (755 m ü. NN) auf dem Erzgebirgskamm und war für die gewerbliche Entwicklung in dieser Region sehr bedeutungsvoll. Daneben erreichte aber auch bald der Tourismus in dieser sehr reizvollen Gebirgslandschaft dank der Bahnlinie solch große Bedeutung, daß er zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor wurde. Besonders der Wintersport  zog bereits am Ende des 19. Jahrhunderts jedes Jahr Tausende von Urlaubern und Wochenendausflüglern in die schneesichere Umgebung von Altenberg. Die Schmalspurbahn erreichte bald die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, so daß ab 1901 sogar spezielle Lokomotiven für diese schwierige Strecke konstruiert und gebaut wurden (sä. V K, DRG-Baureihe 9961) und es wurde über mögliche Leistungssteigerungen der Bahnlinie nachgedacht, wofür der Bau eines zweiten Gleises ebenso untersucht wurde wie der Umbau auf Normalspur, jedoch scheiterte es an den Geldmitteln für ein solch umfangreiches Bauvorhaben. 
Vom 08. zum 09. Juli 1927 ereignete sich im Ost-Erzgebirge eine Überschwemmungskatastrophe, bei der 150 Menschen ums Leben kamen. Starke Regenfälle hatten den Gebirgsfluß Müglitz in kürzester Zeit zu einem reißenden Strom anschwellen lassen, der besonders in der Umgebung der industriereichen Kleinstadt Glashütte schwere Verwüstungen verursachte. Es wurden viele Gebäude zerstört oder beschädigt. Auch die Anlagen und Betriebsmittel der Schmalspurbahn wurden so stark in Mitleidenschaft gezogen, daß der Bahnbetrieb zunächst völlig eingestellt werden mußte. Erst ab dem 1. Dezember 1927 war wieder ein durchgehender Zugbetrieb auf der gesamten Strecke möglich. In der Folge wurde nun wieder ernsthaft über eine grundlegende Sicherung und Leistungssteigerung der Bahnlinie nachgedacht. 
1934 begannen die Planungen für den kompletten Umbau der Strecke auf Normalspur. Dabei sollte auch die ungeheure Zahl von 266 schienengleichen Wegübergängen drastisch reduziert worden, denn diese stellten an der kurvenreichen und damit unübersichtlichen Strecke immer wieder Unfallquellen dar. Das hatte auch den Neubau einer großen Zahl von Brücken und Tunnels auf der völlig veränderten Trassenführung zur Folge. Da in dem überaus schwierigen Gelände auch weiterhin sehr enge Kurvenradien bei großen Steigungen unumgänglich waren, wurde sogar die Entwicklung neuer leistungsfähiger Lokomotiven und geeigneter Personenwagen in Auftrag gegeben. Im Ergebnis entstanden die schweren 1E1-Tenderloks der Baureihe 84 und die vierachsigen Einheits-Personenwagen der Bauart "Altenberg". Auch wurden mehrere Bahn- und Empfangsgebäude an der Strecke neu errichtet, so auch der Bahnhof Altenberg (siehe letzte Grafik ganz unten).
Im Dezember 1938 konnte der Betrieb auf der neuen normalspurigen Strecke aufgenommen werden. 
Mit dem nachfolgend vorgestellten Prospekt warb die Reichsbahn in der Folge für diese neue Strecke.

Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft
Reichsbahndirektion Dresden

Der Neue Weg ins Ost-Erzgebirge
Das Tor ins schöne Ost-Erzgebirge ist geöffnet. Arbeiter, Techniker und Ingenieure; Fäuste, Hämmer und gewaltige Sprengladungen haben das Tor aufgestoßen, haben der Deutschen Reichsbahn einen vollspurigen Weg gebahnt, von Dresden hinauf auf den Ost-Erzgebirgskamm nach Altenberg, der "deutschen Zinnstadt". Gar gewaltig ist der neue Weg. Fünf große Tunnels, zum Teil fünfhundert Meter lang, wurden durch die Berge gesprengt. Hoch wölben sich schöne Brücken über das Tal. Mitten am Berghang zieht in stolzer Höhe der neue Schienenstrang bergwärts. Vier lange Jahre haben hier im Müglitztal Tausende von fleißigen Händen gewerkt, bis nun die neue Vollspurbahn mit ihrem blankem Stahlband das Tal durcheilt. Einst schnaufte durch dieses Tal, tief unten im Grunde, ein "Bimmelbähnlein" bergwärts. Es prustete und fauchte, wenn es zur Höhe wollte. Treu hat es seinen Dienst getan. Wenn aber an den Sportsonntagen Zehntausende ins weite, weiße Bergrevier eilten, dann mußte die kleine Bahn bekennen, daß sie zu alt, zu schwach, zu klein war. Jetzt ist der vollspurige Schienenstrang zur Berghöhe bis in die Herzgegend dieser kostbaren Mittelgebirgslandschaft vorgestoßen. Die neuesten Lokomotiven rollen jetzt durchs Tal. Der Reisende sitzt im bequemen Wagen der Reichsbahn, lehnt sich zurück auf seinen Sitz und genießt diese unvergleichlich schöne Bergfahrt. Oft geht die Bahn hoch droben am Hange dahin, eilt an alten Schlössern vorbei, auch wenn du ein kritischer Fahrgast sein solltest, diese Bergfahrt mit der Reichsbahn von Dresden nach Altenberg ringt auch dir ihre Anerkennung ab. Weit, weit, wirst du in Europa gehen müssen, um in einem Mittelgebirge eine ähnlich schöne Bahn zu finden.
Rauhreif, Schnee und Sonne
liegen über den Bergen.
Aus den Tälern
steigen schöne Hänge
Hier haben die Bahnbauer nicht nur ein technisches Problem glänzend gelöst, hier haben sie auch durch die Tat gezeigt, daß sie so bauen können, daß Reisen zum Erlebnis wird. Diese neue Vollspurbahn hat das Tor zum Ost-Erzgebirge geöffnet. Von Dresden aus eilt der Zug über Heidenau, am Schloß Dohna vorbei, fährt über Brücken und durch Tunnels, trägt dich nach dem schönen Schloß Weesenstein und der weltberühmten Uhrmacherstadt Glashütte und den Schlössern Bärenstein und Lauenstein, bringt seine Gäste nach dem schönen Geising und trägt sie schließlich hinauf bis nach Altenberg. Wie ein Film, geschnitten aus schönsten Bildern, rollt die Landschaft vorüber. Nur eine reichliche Stunde dauert die Fahrt. Durch diese schnelle Verbindung ist das Ost-Erzgebirge nicht nur viel näher an Dresden herangerückt, sondern auch an die Reichshauptstadt.

Ost-Erzgebirge ! Weißt du, Wanderer, wo diese Landschaft liegt? - Dort, wo auf grünen Wiesenteppichen Bergblumen blühen wie leuchtende Farbenklekse, wo dunkle Wälder aufsteigen über die Hänge bis zum stolzen Bergkamm, wo würzige Luft die Lungen füllt und stärkt, - dort, wo du auf 700 Meter Höhe im Bergsee baden kannst, wo Höhensonne dich bräunt, wo der ganze Sommerzauber deutscher Landschaft dich glücklich macht, wo neben reizenden Kurorten liebliche Bergdörfer dir rasch zur zweiten Heimat werden - da liegt vor die das schöne Ost-Erzgebirge.

Das Ost-Erzgebirge ist mit der Eröffnung der Vollspurbahn der Sportplatz vor den Toren der Reichshauptstadt geworden. Er ist von allen Sportplätzen, die man von Berlin aus übers Wochenende besucht, derjenige, der zeitlich am nächsten liegt. Was findet der Gast im Ost-Erzgebirge? Nun, das ist leicht gesagt: Weite, weiße Wälder, herrliche schnelle Abfahrten, darunter die bekannte Sachsenabfahrt, Skihänge flach und steil, lustig klingende Pferdeschlitten, harte sportliche Großkämpfe an der Sachsenschanze, aber er kann auf den Eisplätzen auch die deutschen Spitzenklasse des Eislaufes tanzen sehen, er kann im Liegestuhl schmoren an brauner Hüttenwand oder Ausschau halten von den Bergen. Herrlich weit sind die Fernblicke - bis zur Schneekoppe und hinein ins Sudetenland mit seinen hundert Gipfeln. Rauhfrostgepanzert steht der Bergwald und funkelt im Sonnenlicht. Wohl kaum ein deutsches Mittelgebirge hat so schöne Rauhfrostgebilde aufzuzeigen, wie gerade das Ost-Erzgebirge. Und dabei - das sollte sich jeder merken -  ist das Ost-Erzgebirge auch ein sogenanntes Schneeloch. Im Mittelpunkt liegt Altenberg, der Endpunkt der neuen Eisenbahn. Ringsum findet man dann elf schöne Fremdenverkehrsplätze, von denen die heimische Skizunft manch anerkennendes Lied zu singen weiß. Da liegen die Kurorte Oberbärenburg, Kipsdorf, Bärenfels, die Bergstädte Geising, Lauenstein, Bärenstein und die Bergdörfer Rehefeld, Zinnwald, Georgenfeld und Schellerhau. Fast alle Orte sind umgeben vom schützenden Wald. Die einen sind ganz auf Zünftige eingestellt, die anderen auf beschauliche Kurgäste. Vielfältig ist der Charakter dieser Bergdörfer. Hier im Ost-Erzgebirge steht der Wanderer andachtsvoll im Märchenschloß des Winters, hier kann er schwelgen im Schnee, und wenn der Abend kommt, die Zithern in den Bauden erklingen, wenn frohe Jugend singt und tanzt, fehlt auch nicht die moderne Bar. Hast du Lust, als Skigast am Abend eine Oper zu hören, ein Schauspiel zu sehen, die neue Vollspurbahn trägt dich aus deinem Winterquartier in einer Stunde nach Dresden, und noch in der gleichen Nacht triffst du wieder oben in den Bergen ein. Findest du etwas Ähnliches in einem anderen deutschen Gebirge? Die Deutsche Reichsbahn hat das Tor zum Ost-Erzgebirge geöffnet und nun:

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