Sie reisen billiger in 
Gesellschaft
50% Ermässigung bei 30 Teilnehmern
331/3% Ermässigung bei 8 Teilnehmern
Vollständige Wiedergabe einer Broschüre des Reichsbahn-Werbeamtes 
für den Personen- und Güterverkehr aus dem Jahre 1938.

Sie fahren mit der Eisenbahn billiger -
wenn Sie in Gesellschaft reisen!

Wenn Sie sich also mit Verwandten oder Bekannten zu einer gemeinsamen Fahrt nach dem gleichen Reiseziel zusammenschließen,  können Sie auf den Strecken der Deutschen Reichsbahn die besonders günstige Fahrpreisermäßigung für gesellschaftsfahrten in Anspruch nehmen.
Voraussetzung ist nur, daß mindestens 8 Erwachsene an der Fahrt teilnehmen. Die Ermäßigung wird aber auch kleineren Gesellschaften gewährt, wenn sie für 8 erwachsene Teilnehmer bezahlen.
Welchem Zwecke die Reise dient, ob Bekannte einen gemeinsamen Ausflug unternehmen oder Betriebsangehörige gemeinsam auswärtige Festlichkeiten, Ausstellungen usw. besuchen, ist für diese Fahrtverbilligung belanglos.

Welche Ermäßigung wird gewährt?

A. Gesellschaftsfahrten

1. In der 1., 2. und 3. Wagenklasse ermäßigt sich der Personenzug-Fahrpreis um

a) 331/3 % (also wie bei Sonntags-Rückfahrkarten) bei einer Teilnehmerzahl von 8 bis 29 Erwachsenen,
b) 50 % bei Bezahlung für mindestens 30 Erwachsene.
Beachten Sie dabei besonders: Eine Ermäßigung gegenüber dem gewöhnlichen Fahrpreis ergibt sich vielfach schon, wenn 6 Personen teilnehmen, aber für 8 Erwachsene bezahlen. Bei einer Teilnehmerzahl von 25 bis 29 Erwachsenen ist die Berechnung nach b) (also 30 Erwachsenen mit 50% Ermäßigung) meist billiger als nach a) für die wirkliche Teilnehmerzahl.

2. 2 Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren gelten als 1 Erwachsener. Ein einzelnes Kind zahlt die Hälfte des ermäßigten Fahrpreises.

3. Bei Benutzung von Eil- und Schnellzügen wird allerdings der volle Zuschlag berechnet. Die Fahrt darf, wie bei gewöhnlichen Fahrkarten, auf der Hin- und Rückreise je einmal unterbrochen werden.

4. Die Teilnehmer können verschiedene Wagenklassen - auch auf Teilstrecken - benutzen; sie können unterwegs - auch einzeln und auf Teilstrecken - in eine höhere Wagenklasse übergehen, wobei nur der Unterschied zwischen den ermäßigten Preisen erhoben wird.

5. Die Deutsche Reichsbahn kommt aber den Teilnehmern einer Gesellschaftsfahrt noch weiter entgegen, indem sie auch Freikarten gewährt. So wird

6. Wir empfehlen, den Antrag für Gesellschaftsfahrten frühzeitig bei der Fahrkartenausgabe schriftlich zu stellen und dabei anzugeben: Reisetag, Reiseziel, Züge, Wagenklasse und Teilnehmerzahl. Der Schalterbeamte fertigt einen Beförderungsschein aus; außerdem erhält jeder Mitreisende noch eine Gesellschaftskarte, die in Verbindung mit dem Beförderungsschein als Fahrausweis gilt.

B. Gesellschaftssonderzüge

1. Für größere Gesellschaften stellt die Deutsche Reichsbahn, soweit es die sonstige betriebliche Belastung zuläßt, auf Wunsch Sonderzüge bereit.
Hierbei gewährt sie
eine Fahrpreisermäßigung von 50%,
wenn mindestens gelöst werden
  • für die 1. Wagenklasse 133 ganze Fahrkarten oder
  • für die 2. Wagenklasse 200 ganze Fahrkarten oder
  • für die 3. Wagenklasse 300 ganze Fahrkarten
  • vom Ausgangsbahnhof bis zum Zielbahnhof des Sonderzuges,
    bei Benutzung verschiedener Klassen soviel Fahrkarten vom Ausgangs- bis zum Zielbahnhof des Sonderzuges, daß der Preis der Mindestzahl an Fahrkarten für die niedrigste im Sonderzug geführte Wagenklasse (200 zweiter oder 300 dritter) erreicht wird.

    2. Die Fahrpreisermäßigung erhöht sich auf 60%,
    a) wenn ein Sonderzug für Hin- und Rückfahrt bestellt und die Hin- und Rückfahrt innerhalb 24 Stunden ausgeführt wird oder
    b) wenn mindestens gelöst werden

    vom Ausgangsbahnhof bis zum Zielbahnhof des Sonderzuges,
    bei Benutzung verschiedener Klassen soviel Fahrkarten vom Ausgangsbahnhof bis zum Zielbahnhof des Sonderzuges, daß der Preis der Mindestzahl an Fahrkarten für die niedrigste im Sonderzug geführte Wagenklasse (333 zweiter oder 500 dritter) zusammenkommt und außerdem für den Sonderzug eine Mindesteinnahme von 250,- RM erreicht wird.
    Die Ermäßigung von 60% wird auch gewährt, wenn ein Besteller für einen Tag oder mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Tage mindestens 5 Gesellschafts-Sonderzüge (Züge für Hin- und Rückfahrt nur einfach gerechnet) gleichzeitig bestellt, und wenn im Durchschnitt für alle Züge die vorstehend angegebenen Mindestzahlen von Fahrkarten gelöst werden und die Mindesteinnahme von 250,- RM erreicht wird.
    Kinder im Alter von 4-10 Jahren zahlen die Hälfte des Sonderzugpreises.

    3. Sonderzugteilnehmer können auf Antrag auch in Unterwegsbahnhöfen zusteigen; sie erhalten für die Reststrecke des Zuges die gleiche Ermäßigung wie die übrigen Fahrgäste, wenn der Preis für die vorgeschriebene Mindestzahl von Fahrkarten und die Mindestgebühr schon erreicht ist oder mit ihrem Fahrgeld erreicht wird; trifft dies nicht zu, müssen die auf Unterwegsbahnhöfen Zusteigenden ermäßigte Fahrarten für die ganze Sonderzugstrecke lösen.

    4. Für die Anfahrt bis zu dem Bahnhof, von dem ab der Sonderzug benutzt wird, und - bei SOnderzügen für Hin- und Rückfahrt - für die Abfahrt von dem Bahnhof, wo der Sonderzug verlassen wird, werden in fahrplanmäßigen Zügen 50% Ermäßigung gewährt, nur darf die in den fahrplanmäßigen Zügen zurückgelegte Strecke nicht länger als die des Sonderzuges selbst sein. Auch dürfen An- und Abfahrtstrecke höchstens je 100 Kilometer betragen.

    5. Wird der Sonderzug auf Antrag des Besteller aus D-Zug-Wagen gebildet, so erhöht sich der Fahrpreis für die einzelne Fahrkarte um den allgemeinen Schnellzugzuschlag.
    Auf Wunsch werden auch Schlaf-, Salon- und Speisewagen in Gesellschafts-Sonderzüge - Speisewagen nur in solche aus D-Zug-Wagen - eingestellt.
    Für jeden Schlafwagen sind Sonderzugfahrkarten der entsprechenden Klasse für soviel Personen zu lösen, wie den Wagen benutzen, mindestens jedoch 16 für die 2. Klasse oder 28 für 3. Klasse.
    Bei Einstellung eines Salonwagens werden 10 gewöhnliche Fahrausweise 1. Klasse besonders berechnet. Die Benutzer von Salonwagen haben keine Sonderzugkarten zu lösen.
    Ein Speisewagen wird unentgeltlich eingestellt; für den zweiten Speisewagen werden 20 Reichspfennig und für jeden weiteren 40 Reichspfennig für den Wagen und das Tarifkilometer erhoben.
    Die Beföderungsgebühren für die Salonwagen und für den etwa mitgeführten zweiten und weiteren Speisewagen werden nicht auf die Mindestgebühr angerechnet.

    6. Neben der Fahrpreisermäßigung gewährt die Reichsbahn noch Freikarten, und zwar auf je angefangene 100 bezahlte Sonderzugkarten für Erwachsene 5 Freikarten.

    7. Wir raten Ihnen, Anträge für Gesellschaftssonderzüge möglichst frühzeitig beim Abgangsbahnhof oder bei der zuständigen Reichsbahndirektion zu stellen und dabei Strecke, Zeit, Wagenklasse, ungefähre Teilnehmerzahl und etwaige Wünsche über Haltebahnhöfe anzugeben. Der Antrag muß spätestens 8 Tage vor Abfahrt eingehen.
     


    C. Kleine Sonderzüge

    1. Bei ungünstiger Lage der fahrplanmäßigen Züge können Reisegesellschaften auf Entfernungen bis 200 km "Kleine Sonderzüge" bestellen. - Der Sonderzug kann benutzt werden:

    2. Als Mindestbetrag sind 2,- RM für das Tarifkilometer und 50,-RM im ganzen zu zahlen. Dieser Mindestbetrag wird in der 3. Klasse beispielsweise erreicht: 3. Es ist zweckmäßig, den Antrag möglichst frühzeitig beim Abgangsbahnhof oder bei der Reichsbahndirektion unter Angabe der Strecke, der Zeit, der Wagenklasse und der ungefähren Anzahl der Fahrtteilnehmer sowie der etwa zu benutzenden Fahrpreisermäßigungen zu stellen. Außerdem ist darin, weshalb anzugeben, warum die fahrplanmäßigen Züge nicht benutzt werden können.

    Homepage Thomas Noßke 2006 www.epoche2.de Epoche II Eisenbahn zeitgenössisch Ende