Deutsche Reichsbahn
Fahrpreise und Zuschläge
Stand 1931

Ungekürztes Zitat aus der Broschüre:
Vom Reisen mit der Eisenbahn. Ein Leitfaden für den Unterricht in den oberen Klassen der Schulen und Fortbildungsschulen.
Bearbeitet im Auftrage der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft im Reichsbahn-Zentralamt für Bau- und Betriebstechnik. Berlin 1931. Verlag der Verkehrswissenschaftlichen Lehrmittelgesellschaft m.b.H. bei der Deutschen Reichsbahn.


Gewöhnliche Fahrpreise
Die Fahrpreise sind nach Kilometern berechnet. Im Gebiet der Deutschen Reichsbahn kostet 1 km in Personenzügen
in 1. Klasse 11,6 RPf.,
in 2. Klasse   5,8 RPf. und
in 3. Klasse   4,0 RPf.
Soldaten zahlen für 1 km 1,5 RPf. Die Fahrpreise werden nach oben gerundet, und zwar bis 10 RM auf 10 RPf., von 10 bis 40 RM auf 20 RPf. und über 40 RM auf volle Reichsmark. Im Fahrpreis ist die Beförderungssteuer von 11 bis 16 Prozent enthalten, die die Reichsbahn an das Reich abführen muß.
Den Fahrpreis kann man annähernd berechnen, indem man die in den Kursbüchern und Fahrplänen angegebenen Entfernungen mit den obigen Einheitssätzen vervielfacht. Um den Fahrpreis genau zu ermitteln, muß man auf dem Bahnhof die "Entfernungstafel" und die "Preistafel" einsehen; jene gibt für alle aufliegenden Fahrkarten die richtige Entfernung, diese den Fahrpreis der Personenzüge (zuschlagfreie Züge) für jede Entfernung an. Fahrkarten zwischen zwei Bahnhöfen gelten oft über verschiedene Strecken, die nicht gleich lang sind. In diesen Fällen wird für alle ungefähr gleichlangen Wege (sogenannte Wahlwege) dieselbe Entfernung zugrunde gelegt, und zwar in der Regel die des kürzesten Weges, über den günstige Zugverbindungen bestehen.
Bei Benutzung von Eil- und D-Zügen muß den oben genannten Preisen der Eil- und Schnellzugzuschlag bezahlt werden.
 
Der Eilzugzuschlag beträgt:
in 2. Klasse in 3. Klasse
1 bis   35 km
0,50 RM 0,25 RM
36 bis   75 km
1,00 RM 0,50 RM
76 bis 150 km
2,00 RM 1,00 RM
151 bis 225 km
3,00 RM 1,50 RM
226 bis 300 km
4,00 RM 2,00 RM
über 300 km
5,00 RM 2,50 RM

Der Schnellzugzuschlag beträgt
in 1. und 2. Klasse in 3. Klasse
1 bis   75 km
  2,00 RM 1,00 RM
76 bis 150 km
  4,00 RM 2,00 RM
151 bis 225 km
  6,00 RM 3,00 RM
226 bis 300 km
  8,00 RM 4,00 RM
über 300 km
10,00 RM 5,00 RM

Entweder werden Fahrkarten ausgegeben, in deren Preis der Zuschlag bereits enthalten ist oder es müssen zu den Fahrkarten für Personenzüge besondere Zuschlagkarten gelöst werden. Beim Übergang von einem Eilzug auf einen Schnellzug muß noch eine Eilzugzuschlagkarte zugelöst werden.
Für die Benutzung der Fernschnellzüge (FD-Züge) ist außer dem Zuschlag für Schnellzüge noch ein Sonderzuschlag von 4,00 RM zu zahlen. Für FFD-Züge ("Rheingoldzug") beträgt der Sonderzuschlag 8,00 RM.
In Luxuszügen ist außer der Fahrkarte für FD-Züge ein Zuschlag je nach der Entfernung zu zahlen.


Fahrpreisermäßigungen

In vielen Fällen wird ein niedrigerer Fahrpreis erhoben. Fahrpreisermäßigungen sind eingeführt, um die körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend zu fördern, um den Berufsverkehr zwischen Wohn- und Arbeitsort zu verbilligen, um der Bevölkerung Gelegenheit zur Erholung zu geben, um minderbemittelten Kranken die Fahrt zum Arzt und zum Krankenhaus zu ermöglichen u. dgl.
Die meisten Fahrpreisermäßigungen werde nur auf Antrag nach vorgeschriebenen Mustern gewährt. Vordrucke hierzu, die auch die Einzelheiten über die Ermäßigung enthalten, verkaufen die Fahrkartenausgaben. Um sich gegen eine Inanspruchnahme der Ermäßigung durch Unberechtigte zu schützen, hat die Eisenbahn außerdem für eine Reihe von Ermäßigungen vorgeschrieben, daß der Reisende ein Lichtbild mitführen muß. Diese muß entweder - wie bei Monats-, Schülermonats- und Arbeiterwochenkarten - auf dem Antrag befestigt oder - wie bei Schülerferienkarten - auf einem Personalausweis angebracht sein. Wer in solchen Fällen, ohne Antrag oder ohne Lichtbild fährt, oder Antrag oder Lichtbild eines anderen benutzt, muß den doppelten Fahrpreis, mindestens 3,00 RM bezahlen, und setzt sich der Gefahr aus, daß er die Ermäßigung vorübergehend oder dauernd verliert und gerichtlich bestraft wird.
Von den Fahrpreisermäßigungen sind die wichtigsten:

1. Ermäßigungen für Kinder
Kinder bis zum vollendeten vierten Lebensjahr werden frei befördert. Für Kinder vom vollendeten vierten bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr und für jüngere Kinder, für die ein Platz beansprucht wird (wichtig bei Zugüberfüllung), ist eine Fahrkarte - auch Schnell- und Eilzugzuschlagkarte - zum halben Preis zu lösen.
Wer Kinder über vier Jahre ohne Fahrkarte oder Kinder über zehn Jahre zum halben Fahrpreis mitnimmt, muß den doppelten Fahrpreis, mindestens aber 3,00 RM nachzahlen und kann außerdem wegen Betrugs bestraft werden.

2. Für Schüler und Studenten
Benutzen Schüler oder Studenten täglich die Bahn, so fahren sie auf Schülermonatskarten 2. oder 3. Klasse. Es gibt Schülermonatskarten für Personenzüge und für Eilzüge. Auf Karten für Personenzüge dürfen Eil- und D-Züge nicht benutzt werden, auch nicht mit Zuschlag; auf Karten für Eilzüge gestattet die Eisenbahnverwaltung bei ungünstigen Zugverbindungen die Benutzung von D-Zügen ohne besonderen Zuschlag. Die Schülermonatskarte kostet etwa soviel wie 7 bis 10 einfache Fahrkarten, für Geschwister bestehen noch weitere Ermäßigungen.
Wer weniger oft zum Unterricht oder über Sonntag vom Schulort nach Hause fährt, löst eine Schülerrückfahrkarte 2. oder 3. Klasse für Personenzüge mit 50 Prozent Ermäßigung. Will er einen Eilzug benutzen, muß er eine Eilzugzuschlagkarte zum vollen Preis zulösen, D-Züge darf er nicht benutzen.
Wer während der Ferien nach Hause fahren will, benutzt die Schülerferienkarte 2. oder 3. Klasse (halber Fahrpreis). D- und Eilzüge darf er gegen eine Zuschlagkarte zum vollen Preis benutzen.

3. Schulfahrten
Bei gemeinsamen Ausflügen unter Leitung und Aufsicht der Lehrer genießen Studenten und Schüler eine Preisermäßigung von 50 Prozent in 2. und 3. Klasse. Gegen Zahlung des vollen Zuschlages dürfen Eil- und D-Züge benutzt werden. Die begleitenden Lehrer und andere Aufsichtspersonale (z.B. Eltern) genießen dieselbe Ermäßigung, und zwar im allgemeinen ein Begleiter auf je neun Schüler; ein Begleiter muß ein Lehrer sein. Mindestens muß der halbe Fahrpreis für zehn Personen bezahlt werden; zwei Kinder unter zehn Jahren gelten dabei als eine Person.

4. Fahrten für die Jugendpflege
Unter 20 Jahre alte Mitglieder der Vereine, die sich der Jugendpflege widmen, z.B. Jugendabteilungen der Turnvereine, Wandervereine, Fußballklubs erhalten in 2. und 3. Klasse eine Ermäßigung von 50 Prozent gegen den Personenzugfahrpreis bei gemeinschaftlichen Fahrten unter Leitung eines sachverständigen, mindestens 18jährigen Führers. Eil- und D-Züge dürfen gegen Zahlung des vollen Zuschlags benutzt werden. Mindestens muß der halbe Fahrpreis für zehn Personen bezahlt werden, auf je neun Jugendliche erhält höchstens ein Führer die Ermäßigung. Die Mindestentfernung beträgt 10 km. Nötig ist eine behördliche Bescheinigung, daß der Verein Jugendpflege betreibt, und für jeden Führer ein Führerausweis. Wer über zwanzigjährig die Ermäßigung widerrechtlich benutzt, setzt sich und den Leiter des Ausfluges der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aus; außerdem kann dem Verein die Vergünstigung vorübergehend oder dauernd entzogen werden.

5. Zur regelmäßigen Benutzung der Bahn gibt es Monatskarten, gültig für einen Kalendermonat, Teilmonatskarten - gültig für eine Woche - und Arbeiterwochenkarten, diese billiger als Teilmonatskarten, aber nur für die mit mechanischen oder Handarbeiten beschäftigten Arbeiter. Monatskarten und Teilmonatskarten werden für 2. und 3. Klasse ausgegeben. Der Übergang in Eil- und D-Züge ist gegen Zuschlag gestattet. Er werden auch Monatskarten für Eilzüge ausgegeben. Die Arbeiterwochenkarten gelten nur für 3. Klasse Personenzug.

6. Beamte, Angestellte und Arbeiter, die über Sonntag zu ihren Angehörigen fahren, erhalten Arbeiterrückfahrkarten 3. Klasse mit 50% Ermäßigung. Diese Karten gelten nur für Personenzüge, in Ausnahmefällen gegen Zuschlag auch für Eilzüge.

7. Sonntagsrückfahrkarten 2. und 3. Klasse werden ausgegeben, um der Landbevölkerung den Besuch größerer Städte und den Städtern den Besuch von Ausflugsorten zu erleichtern. Sie gelten zur Hin- und Rückfahrt vom Tage vor Sonn- und Festtagen von 12 Uhr an. Die Rückfahrt muß spätestens am Tage nach Sonn- und Festtagen um 9 Uhr angetreten werden, und zwar, wenn mehrere aneinander anschließende Sonntagskarten benutzt werden, auf jede von ihnen. Bei den großen Festen (Ostern, Pfingsten, Weihnachten) ist die Geltungsdauer verlängert. Die Ermäßigung gegen gewöhnliche Fahrkarten beträgt 331/3 Prozent. Wer mit Sonntagskarte Eilzüge benutzen will, muß eine Eilzugzuschlagkarte zulösen. Auch fast alle D-Züge sind - mit Ausnahme von Ostern, Pfingsten und Weihnachten - für Sonntagskarten gegen Zuschlag freigegeben. Von größeren Städten werden einzelne Sonntagskarten auch für Mittwoch nachmittag ausgegeben.

8. Gesellschaften genießen in fahrplanmäßigen Zügen 1. bis 3. Klasse die Ermäßigung für Gesellschaftsfahrten auf die Fahrpreise einschließlich der Eil- und Schnellzugzuschläge. Sie beträgt bei Gesellschaftsfahrten von 15 bis 50 Personen 25 Prozent, über 50 Personen  331/3 Prozent. Bei Gesellschaftsfahrten von über 50 Personen werden zwei oder mehr Teilnehmer unentgeltlich befördert. Die Reise muß vorher auf dem Bahnhof angemeldet werden.
 

Benutzung von Güterzügen
Ärzte, Pfarrer und Hebammen dürfen in Notfällen Güterzüge mit Fahrkarten 3. Klasse benutzen, andere Reisende nur ausnahmsweise mit Genehmigung des Bahnhofsvorstandes gegen 2 Fahrkarten 3. Klasse und einen festen Zuschlag von 1,50 RM.


Schlafwagen

Die meisten Nacht-D-Züge führen einen oder mehrere Schlafwagen. Diese gehören entweder der "Mitteleuropäischen Schlaf- und Speisewagen-Aktiengesellschaft" in Berlin (Mitropa) oder der "Internationalen Schlafwagengesellschaft" in Brüssel (I.S.G.). Die meisten Schlafwagen haben 1. und 2. Klasse; auf einzelnen Strecken fahren auch Liegewagen 3. Klasse.
Um diese Wagen benutzen zu können, muß man außer der Fahrkarte eine Bettkarte lösen.

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